Keine Grippe während der Pandemie

Das ist beeindruckend: Während der Pandemie wurden kaum Grippefälle gemeldet. Die Präventionsmaßnahmen gegen das viel ansteckendere Coronavirus haben die Grippe in diesem Jahr de facto ausgeschaltet.

Since the novel coronavirus began its global spread, influenza cases reported to the World Health Organization have dropped to minuscule levels.

Working Day

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Die Ferien sind vorbei, das Arbeitsleben hat uns wieder. Deshalb hier ein bisschen LoFi Hip Hop gepaart mit pixelartiger Alltagsszenerie von Yuuta Toyoi unter dem Titel „Working Day“. Habt einen guten Start ins Arbeitsjahr 2020!

Reaktionszeit von 3 Stunden. Am Sonntag.#

Es gibt einen Unterschied zwischen Menschen, die in ihrem Job aufgehen und solchen, die den Vorstellungen, wie sie hier beschrieben werden, entsprechen. Zweiteren ist, vor allem, wenn sie auch noch stolz darauf sind, nicht zu helfen. Aber wenn die Chefin solche Aussagen trifft…

Any young person should, at some point, take a job that makes them uncomfortable and that they feel unqualified for. It’s really great to feel uncomfortable, and you change so much as a person from that. I also say that work ethic matters more than most anything.

Interview mit Erika Nardini, NY Times

…und somit aus Angst den Motivator zur Leistung ableitet, dann, ja, „nicht zu helfen“.


Man muss sich diese Aussagen und Vorstellungen – das Wort „Philosophie“ vermeide ich, denn jemand, der Human Resources nach Belieben austauschen kann und somit über die Folgen seines Handelns nicht nachdenken muss, hat in einer Disziplin, die das Denken liebt, nichts verloren – einmal auf der Zunge zergehen lassen. Solche Vorstellungen sind ausschließlich durch die Verfügbarkeit eines schier unendlichen Pools an Arbeitskräften legitimiert und durch sonst nichts.

Zu Tode schuften macht stolz#

Jia Tolentino hat ein ihrer Meinung nach US-amerikanisches Spezifikum gefunden, das für eine völlig irre Wahrnehmung des Verhältnisses von Leben und Arbeit verantwortlich zu sein scheint. Als Aufhänger dient ihr die Geschichte der Hochschwangeren, die für Lyft Taxi fährt und noch am Weg ins Krankenhaus einen Fahrgast mitgenommen hat.

It does require a fairly dystopian strain of doublethink for a company to celebrate how hard and how constantly its employees must work to make a living, given that these companies are themselves setting the terms. And yet this type of faux-inspirational tale has been appearing more lately, both in corporate advertising and in the news. […] At the root of this is the American obsession with self-reliance, which makes it more acceptable to applaud an individual for working himself to death than to argue that an individual working himself to death is evidence of a flawed economic system. The contrast between the gig economy’s rhetoric (everyone is always connecting, having fun, and killing it!) and the conditions that allow it to exist (a lack of dependable employment that pays a living wage) makes this kink in our thinking especially clear.

Wer sich rühmt (und womöglich auch noch so blöd ist, wirklich an diesen „Ruhm“ zu glauben), in einem „Startup“ zu arbeiten, sollte das Zitat einfach so lange lesen, bis es irgendwo zu klingeln beginnt.

Du verkaufst mir Machine Learning?

Ich habe vor einigen Tagen einen Newsletter bekommen, in dem eine Firma ihre automatisierte Texterkennung anpreist, die nun – dank Machine Learning – „mit jedem Dokument besser“ wird. Die automatisierte Texterkennung ist in einer Welt der In-App-Purchases keine automatische Verbesserung eines Service, für den man als Kunde schon länger bezahlt, sondern ein kostenpflichtiges Zusatzmodul.

Was Automatisierung für die Arbeit bedeutet#

Ö1 hat die Podiumsdikussion anlässlich der Präsentation Matthias Beckers Buch „Automatisierung und Ausbeutung. Was wird aus der Arbeit im digitalen Kapitalismus?“ in Digital.Leben übertragen. In der Diskussion kamen Fragen auf, wie „Wie kann man mit Arbeitsformen umgehen, die durch die Digitalisierung erst geschaffen wurden, zum Beispiel wie auf der Plattform Uber?“, „Wie steht es da mit Ausbeutung und Überwachung?“. Und „Was kann man tun, um Teil der Lösung und nicht Teil des Problems zu sein?“

Besonders zur letzten Frage hat die Historikerin Andrea Komlosy die Unwirksamkeit des „kleinen, persönlichen“ Tuns betont und auf die Notwendigkeit der Politisierung hingewiesen:

Jeder glaubt ja, er oder sie trägt irgendwie mit der kleinen, persönlichen Lebensführung […] ein wenig zur Rettung der Welt bei, aber ich glaube […], dass eine Repolitisierung stattfinden muss. Wir beobachten meiner Meinung nach das Ende der Massenparteien, das mit dem Ende der industriellen Massenproduktion in der Fabrik einhergeht; und das ist das Ende der bürgerlichen Politik. Der Sozialdemokratie geht das politische Subjekt, nämlich die Arbeit der Arbeiter, verloren, und auch die Christlich-Sozialen wissen […] nicht mehr, welchem Bund sie noch nachweinen sollen. Es geht darum, eine Repolitisierung zu betreiben, weil nur so kann man die Bedingungen für die Ausgestaltung der Technik überhaupt vorantreiben.

Oder im Klartext: Auf Uber verzichten bringt, zumindest aus dieser Sicht, nichts.

Innovation: 5 USD/Stunde

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Menschliche Obsoleszenz in praktisch allen Prozessen

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Vor wenigen Tagen hat Amazon seine neue Ausfertigungshalle vorgestellt, in der nahezu jede Tätigkeit, die bis vor kurzem noch von Menschen durchgeführt wurde, von Robotern erledigt wird. Vom Sortieren und Einschlichten der Waren bishin zum Anordnen und Bewegen ganzer Regale ist kaum jemand am Ausfertigungprozess beteiligt. Menschenleere, vollautomatisierte Betriebs- und Lagerhallen sind weder Neuland noch techno-futuristische Fantasie, sondern Zwischenergebnis einer Entwicklung, deren Bahn unweigerlich zur Obsoleszenz menschlicher Arbeitskraft führt.

Im hier eingebetteten Video („Humans need not apply“) wird die These aufgestellt, dass jegliche menschliche Arbeitskraft nicht nur in Berufen, die es schon vor mehr als 100 Jahren in gleicher oder ähnlicher Form gab, de facto obsolet geworden ist, sondern auch, dass diese Obsoleszenz diesmal auch Berufsgruppen trifft, die sich bislang von der Automatisierung nicht bedroht sahen. Was Ärzte tun, werden Roboter sehr bald besser erledigen. Womit Juristen Geld verdienen, werden Roboter bald schneller, effizienter und billiger durchführen können. Was Künstler erschaffen, können Roboter sogar heute schon zu großen Teilen ersetzen. Broker bedienen ohnehin nur noch Computer und selbst das Handwerk des Barista ist gefährdet.

Wir (Menschen) werden zu den Pferden des 21. Jahrhunderts. Und daran führt offenbar kein Weg vorbei.

Der superkompetente Mitarbeiter

Vor weniger als einem Monat haben wir uns mit einem Mitarbeiter getroffen, der seit etwa zehn Jahren in jeden Kompetenzbereich, den es in der Firma gibt, eingedrungen ist. Er arbeitet praktisch überall irgendwie mit; die Ergebnisse seiner Arbeit sind dementsprechendes Mittelmaß, bislang hat man sein Tun jedoch wohlwollen akzeptiert, ist er es doch, der sich auf Kosten anderer profilieren möchte; ist er es doch, der aufgrund seines Einkommen die Ausgaben für die anderen Mitarbeiter senkt: Wenn er das um das Gehalt schafft, warum dann nicht der Profi in seinem Bereich?