Lu Xun

Ähnlich wie Thomas Bernhard in Österreich wird auch Lu Xun (oder Lu Hsün) in China verehrt: Einerseits könnte sich der stolze Chinese andauernd über den Verriss seiner Gesellschaft durch den Autor aufregen, andererseits hat es kaum einer so gut getroffen, so gut auf den Punkt gebracht und sich so wenig um die Folgen seines Tuns im Moment des Schreibens geschert. Weiterlesen

Ich bin heute mit einem Trupp von Kollegen der Shaoxing Summer School in Lanting angekommen und bin somit wieder in China. Der neue Prestigecampus in Lanting, den wir „austesten“ sollen, ist definitiv zu einem einzigen Zweck aufgebaut worden: um zu lernen und zu studieren. Weiterlesen

Gegen Ende der Tour in Xinjiang mit meiner Reisebegleitung Magdalena, wir waren zu diesem Zeitpunkt in Turpan, wurde sie plötzlich und für uns beide aus heiterem Himmel wirkend krank. Noch in der Früh war alles in bester Ordnung, zu Mittag schon war ihr richtig schlecht und den Abend verbrachte sie nur mehr im Bett. Weiterlesen

Der Aufbruch von Kashgar zum hochgelegenen Karakul See gestaltete sich anders als geplant, denn wir waren nicht allein unterwegs, sondern wurden mit einem Deutschen, einem Engländer und einem Franzosen gemeinsam in den Jeep verfrachtet und dann erst hochchauffiert. Weiterlesen

Eine Reise nach Xinjiang bedeutet eine Reise in ein Stück Erde, das man als Europäer einfach nicht kennen kann. Man weiß nichts darüber, weil es kaum in den Medien erwähnt wird, man kann sich keine genauen Vorstellungen machen und diejenigen, die man sich macht, werden bei weitem übertroffen oder sind total falsch. Weiterlesen

In Urumqi gibt es zwei Möglichkeiten, vernünftig, billig und gut zu essen. Einerseits den Wuyi Nachtmarkt, andererseits das Kraman-Restaurant, das im Lonely Planet Erwähnung findet. Damit war es das aber auch schon, denn sogar eine Internetsuche nach diesem Restaurant brachte nur eine einzige Erwähnung in einem Travelblog (Get me out of here. Weiterlesen

Etwa fünf Stunden nach Abflug aus Shanghai, erreichten wir Urumqi in Xinjiang/China. Dort lässt man sich reiche Ausländer natürlich nicht entgehen und prompt sind wir in eine Falle getappt, an die wir hätte denken sollen: Wir stiegen in ein Taxi ein, fuhren los und erst nach der Hälfte des Weges fiel mir auf, dass der Fahrer das Taxameter nicht eingeschaltet hatte. Weiterlesen

Urlaub in China. Kaum in Urumqi angekommen und das Hotel bezogen, ging es schon daran, die Tickets für die Fahrt nach Kashgar zu kaufen und gleich danach, dem Wuyi Nachtmarkt einen Besuch abzustatten, denn hier gab es, und zwar nur hier in der näheren Umgebung, etwas zu essen. Weiterlesen

Es ist nicht unbedingt leicht innerhalb kurzer Zeit in einem fremden, kulturell völlig andersartigen Land Freunde zu gewinnen. Bekanntschaften, flüchtig, freundlich, aber auf neutralem Level: ja, aber Freunde mit denen man streiten, lachen, heulen und denen man Dinge anvertrauen oder sie um etwas bitten kann: nein. Weiterlesen

Da habe ich doch heute glatt mit einer Kollegin telefoniert, die noch vor zwei Wochen mit ihren Freunden und mir durch Shanghai gezogen ist. Ein eigenartiges Telefonat, vor allem, weil die österreichische Provinz natürlich voll durchschlagen muss. Weiterlesen

Der Eingang liegt irgendwo in einem Hinterhof, schmuddelig und von Slumbewohnern bewohnt – umgeben von Ferraris, BMWs, Mercedes, Aston Martins und Unmengen an Prostituierten. Ich muss da durch, betrete den Eingang, an dem mich zwei in schwarze Anzüge Gepferchte von oben bis unten mustern. Weiterlesen

Jane kontaktiert mich gegen 15:00 Uhr und teilt mir mit, dass die Rede, die ich eigentlich als kabarettistische Programmeinlage geplant hatte, ein offizielle werden sollte, die ich, als Vertretung für die Uni Wien, halten sollte. Einverständnis meinerseits. Weiterlesen

Gegen Ende gibt es immer einige, die schon früher gehen, einige, die es dem Rest noch reindrücken müssen und einige, die der Zeit schon im Vorhinein nachtrauern. Nicht ganz so krass gruppiert, aber nicht unähnlich, läuft es auch jetzt am Campus ab. Weiterlesen

Es liegt niemandem fern, auch in China nicht-chinesisch gut zu essen. Ein solches, exquisit, geformt und fast schon kolonialen Standards entsprechend, hat es ihm gestern angetan. Im Dio bestellt man zwar an sich Kaffee, doch er macht bekanntlich keine halben Sachen und ordert einfach nur ein Steak. Weiterlesen

Ich trete vor den Speisesaal und vor mir eine Wasserwand. Wenn es hier in Shaoxing regnet, dann ordentlich, dann trübt das Wasser den Blick schon auf zwanzig Meter. Die gigantischen Wassermassen, die hier in kürzester Zeit aus den Wolken kommen, erklären, warum die Abflüsse hier so tief und so groß sind. Weiterlesen

Die Abfahrt erfolgt um 8:30 Uhr, nachdem am Vortag lange darüber diskutiert wurde, ob man sie nicht vielleicht um eine halbe Stunde (bzw. eineinhalb Stunden) früher ansetzen sollte. Die Einigung hat sich, dies schon vorweg, nicht als negativ erwiesen: Wir haben die ärgste Hitze beim Mittagessen unter Dach überwunden. Weiterlesen

Der Händler sieht mich skeptisch an, er steigt jedoch auf mein Angebot ein: Das Fahrrad und die Absperrkette um 210 RMB. Er will noch einmal Luft holen, aber ein Blick auf die Uhr, es ist elf Uhr nachts, lässt ihn einwilligen. Weiterlesen

Die Xiaojie bittet uns herein, führt uns an zwei Dutzend mit Köstlichkeiten gefüllten Gefäßen vorbei in den ersten Stock des Vollholzbaus und bittet uns im Raum Platz zu nehmen. Die Gruppe setzt sich und nimmt die Teekarte entgegen. Weiterlesen

Ein Skandal. Erwachen ohne von der Sonne geblendet zu werden. Frühstück ohne Probleme. Verdauung in Ordnung. Sogar das Wasser schmeckt nur halb-faul. Es ist heiß und feucht hier in Shaoxing. Die Gruppe leicht gereizt, was sich im Laufe des Tages noch auswirken wird: das Essen wird zur Zumutung, das Ausloggen am Rechner während ein E-Mail geschrieben wird zum berechtigten Grund die Tastatur zu vernichten. Weiterlesen

China, Shaoxing, ein Internetcafé: Ich sitze am Primatenrechner, an dem sonst nur der Boss (ein schmieriger, fetter Typ) seinen Luxuskörper ablegt. Man erkennt das an den Ascheresten, am Spezialstuhl, an der einzigen Maus mit Mausrad, etc… Um mich herum sitzen junge und alte Chinesen, die entweder irgendwelche Viel-Blut-Spiele spielen oder sich Filme übers Internet anschauen (was hier in China übrigens legal ist!). Weiterlesen

Der Flug dauerte unangenehm lange: Wien-Frankfurt, vier Stunden Wartezeit (wieviel Kaffee kann ein Mensch eigentlich trinken?), Frankfurt-Shanghai in einem nicht voll besetzten Flugzeug (ergo freundliche Stewardessen), Ankunft in Shanghai ohne Schwierigkeiten mit dem Gepäck, problemloser Empfang durch die Universitätsbelegschaft, Bustransfer nach Shaoxing (dreieinhalb müde Stunden und viel Hupen!), dann ein noch nie gesehenes solches: neue Gebäude überall, zusätzlich zur westlichen KFC-Präsenz des letzten Jahres haben sich ein McDonald’s, ein Pizza-Hut und Unmengen an mariahilferstraßetypischen Shops hier angesiedelt. Weiterlesen

Vor einigen Jahren war es noch eine beschwerliche Reise, die tatsächlich eine Überwindung darstellte: Schiff, Zug, eventuell Busse. Langsam durchquerte man verschiedene Kulturkreise und das andauernde Neue machte eine Anpassung an die gewohnten Verhältnisse leicht möglich. Weiterlesen

Shanghai, es regnet. Das Wasser donnert förmlich auf die benachbarten Häuser. Öffnet man das Zimmer und blickt hinaus, so wird man nass. Die Koffer werden schon gar nicht mehr wirklich ausgepackt, gerademal das Nötigste steht vor, neben und unter dem Bett. Weiterlesen

Den Weg von Shaoxing nach Shanghai hat fast die gesamte Gruppe mitgemacht. Einige wenige sind schon weiter in den Westen oder Süden gefahren, einige wenige davon wiederum, hat man dann später im Norden wieder gesehen. Wie auch immer, oder, wie jemand auf der Reise zu sagen pflegte, however, der Abschied von den hiesigen Studenten wurde herzlicher als man es sich vorgestellt hat. Weiterlesen

Die Treppen hinab, Frischluft dringt durch die gläserne Flügeltüre ins Rauminnere, links den Durchgang bis zum Ende, an den leichten Mädels vorbei, dann stickige, von Parfums und Deos schwere Luft, die nur langsam von Ventilatoren an der Decke durchmischt wird. Weiterlesen

Im Bats fließt der Alkohol, sie ist schon lange fort, die Kollegin vergnügt sich mit einem schwulen Franzosen. Er fragt sie nach ihrer Lieblingsfarbe, ihrem Lieblingsphilosophen, ihrem Alter, ihrem Lieblingsfilm, ihrem Lieblingssänger, ihrem Freund… Sie sieht das anders, für sie ist es der Abschied von der Gruppe, ein Ausgleich dafür, dass hier keiner tanzen will. Weiterlesen

Wieder einmal stellt sich mir die Frage: Moralisch handeln oder so, wie ich mir wünschen würde, dass es jeder andere Mensch auch macht! Schwierige Situation. Ehrt das Alter, etc. ist in diesem Fall nicht gültig, denn ist das biologische Alter auch das gelebte? Weiterlesen

Es gibt keine Hot Chocolate mehr, die Kreditkare ist doppelt belastet, und einige Leute arbeiten sich gerade – im wahrsten Sinne des Wortes – an die Kriegsfront vor! Ich hatte soeben ein English Breakfast, habe gestern den Barkeepern erklärt, wie man einen Martini zu servieren und einen Wodka-Martini zu mischen hat – er kam dann im Eisbecher, doch das tat dem Geschmack (und vor allem der Wirkung) nicht wirklich weh. Weiterlesen

Verfasst, um dem Idyll Realität vorzustellen… Der Hinweis „Achtung: Satire!“ ist notwendig, weil ein paar Leute aber auch nichts verstehen.

08:00 Uhr
Weckerläuten. Aushängen des „Do not disturb“-Schildes. Pissen. (Feststellung: Irgendwer hat ins Klo gekotzt und nicht runtergelassen!)
08:30 Uhr
Die Putze betritt anstandslos den Raum und fängt an… Erster Mordgedanke.
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Der Bus, der uns nach Hangzhou bringen soll, kommt eine Viertelstunde zu spät. Warum, das weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand, aber es wird sich sogleich herausstellen: Auf der Stadtautobahn (Höchstgeschwindigkeit 60 km/h) wechselt der Fahrer die Spur auf die Gegenfahrbahn, Autos mit blinkenden Lichtern kommen auf uns zu, da aber auf chinesischen Straßen das (PS-) stärkere Fahrzeug anscheinend immer Vorrang – sogar als Geisterfahrer – hat, hält man sich ansonsten zurück. Weiterlesen

Es ist die Hitze, die einige von uns krank werden lässt: andere erkranken am Essen, besonders am Wasser, das sie, absichtlich oder nicht, trinken. Man hat sie davor gewarnt. Das Wasser hier muss gereinigt, abgekocht werden, doch diese Warnungen sind nun egal. Weiterlesen

Ich habe mir in einem chinesischen Supermarkt Sandalen gekauft. Diese Schuhe kosteten 17,90 RMB, das sind etwa 1,80 EUR, sie bestehen aus einem styroporähnlichen Material, das alle Stückerl spielt, sind bequem, und ich könnte wetten, dass diese Schuhe noch mindestens zwei Jahre gut halten werden. Weiterlesen