Eigenständiges Denken? Eher nicht…

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Es gibt so dermaßen viele Faktoren, die unser Denken beeinflussen, dass „selbständiges Denken“ plötzlich gar nicht mehr so selbständig und unabhängig erscheint. Wenn die Temperatur die Wahrnehmung und die Farbe die Kreativität beeinflusst – und zwar ohne, dass wir das bemerken! -, dann ist die Freiheit des Willens abermals um ein paar Punkte minimiert.

Googeln ist Denken, also gehört es geschützt#

Hinter dem Titel „Google has captured your mind“ findet sich eine (auf den anglo-amerikanischen Raum zentrierte) Rechtsgeschichte über die Verteidigung der freien Meinungsäußerung als Folge freien Denkens. Wer online sucht offenbart sein Denken, daher gehören auch Suchbegriffe, Onlineprofile und andere Datensammlungen geschützt.

In the digital age, computers are an essential and intertwined supplement to our thoughts and our memories. […] Virtually every computer “program we use is a type of thinking aid—whether the task is to remember things (an address book), to organize prose (a word processor), or to keep track of friends (social network software).” These technologies have become not just aids to thought but also part of the thinking process itself. […] Search engines in particular bear a special connection to the processes of thought. […] A transcript of search queries and links followed is a close approximation to a transcript of the operation of your mind. In the logs of search engine companies are vast repositories of intellectual wonderings, questions asked, and mental whims followed. Similar logs exist for Internet service providers and other new technology companies. And the data contained in such logs is eagerly sought by government and private entities interested in monitoring intellectual activity, whether for behavioral advertising, crime and terrorism prevention, and possibly other, more sinister purposes.

Der Artikel ist ein Exzerpt von Niel Richards‘ Buch „Intellectual Privacy: Rethinking Civil Liberties in the Digital Age“ und offenbart ideengeschichtliche und rechtstheoretische Zugänge zum Thema „Schutz des freien Willens“.

TED Talks, das Gegenteil von Denken#

Immer mehr Kritik am Format der TED Talks und nun an den TED Talks an sich.

I’m not sure what it is about my generation, exactly, but I’ve noticed a weird trend to watch or listen to „informative“, Horrible History-style things for adults rather than actually think. It seems to be a cultural reference point to think about the idea of thinking, rather than actually engaging the old noggin. […] And yet I write this from my bed. The most common response I received when I told people I was working on this was, „What? Have you never enjoyed one [TED Talk]?“ Which, I suppose, is my whole point. When thinking about thinking becomes entertainment rather than a challenge, something has fucked up.

Aber ja, es stimmt. Je mehr man davon sieht, desto mehr wird klar, dass das Denken übers Denken übers Denken das Denken nicht ersetzen wird.

Fremdsprachen reduzieren Befangenheit#

Trifft man die selben Entscheidungen und folgt man immer der gleichen Logik, egal ob man in der Mutter- oder in einer Fremdsprache denkt? Scheinbar nicht!

It may be intuitive that people would make the same choices regardless of the language they are using, or that the difficulty of using a foreign language would make decisions less systematic. [T]he opposite is true: Using a foreign language reduces decision-making biases. Four experiments show that the framing effect disappears when choices are presented in a foreign tongue. Whereas people were risk averse for gains and risk seeking for losses when choices were presented in their native tongue, they were not influenced by this framing manipulation in a foreign language. Two additional experiments show that using a foreign language reduces loss aversion, increasing the acceptance of both hypothetical and real bets with positive expected value. We propose that these effects arise because a foreign language provides greater cognitive and emotional distance than a native tongue does.

Wow!

Die Kronen Zeitung in den Köpfen ihrer Leser#

Ich bin gerade auf dieses Zitat von Elfriede Jelinek über die Kronen Zeitung gestoßen, das meinen Artikel von vor drei Jahren trefflich ergänzt:

Die Massen lesen die „Kronen Zeitung“, das heißt, sie hören sich selbst beim Denken zu, ohne zu ahnen, dass man ihnen nur gibt, was sie immer schon gedacht haben. Sie freuen sich, dass es welche gibt, die sagen, was sie immer schon gesagt haben. Der Prozess des Denkens werde auf diese Weise unterbrochen, ehe er noch beginnen konnte…

Wie Sprache unser Denken beeinflusst

Ein spannender Artikel über die Zusammenhänge von (Mutter-) Sprache und Denken, in dem anhand faszinierender Beispiele dargestellt wird, wie komplexe und weniger komplexe Konzepte (Richtung, Zeit, Zahlen, Musik, soziale Beziehungen, Moral, Emotionen) durch die Wahrnehmung in der eigenen (Mutter-) Sprache und ihrer grammatikalischen Struktur beeinflusst werden.

Macht uns Google dumm?

Ein Artikel darüber, warum wir uns immer weniger merken und uns immer kürzer konzentrieren können, wieso Google daran schuld ist und warum unser Gehirn anders arbeitet als noch vor hundert Jahren. Der Artikel ist nicht nur Pflichtlektüre für alle, die schon einmal vom Internet gehört haben, sondern auch für all jene, die immer schon wussten, dass die Maschinen, die wir bauen, uns letztlich genauso beeinflussen wie wir sie: Is Google Making Us Stupid?