Flickrs Explore-Page ist heute noch die beste

Matt Haughey hat eine Lobeshymne auf Flickr, vor allem aber auf die Explore-Page des Fotoservices geschrieben. Ja, im Jahr 2017. Und auch wenn ich mich von Flickr bereits verabschiedet habe, stimme ich allen Aspekten seiner Schrift zu.

Flickr represents one of the very best of things in the history of the internet. It was the first popular way to share photos in a social way instead of photos lingering in private accounts online and in the real world in shoeboxes under beds. It brought millions together and helped kick off first the digital SLR revolution, then it was eclipsed by the mobile photography revolution. Flickr—despite being a big corporate entity—embraced open licensing and took on the ambitious goal of being a mirror and gallery for oodles of museums around the globe.

Vor allem aber hat mir an Flickr immer gefallen, was auch Matt Haughey implizit anführt: Flickr war ein ehrlicher Service. Man hat seine Fotos in eine anspruchsvolle Galerie hochgeladen und konnte sie mit der Familie oder mit Freunden teilen. Flickr stellte die Technologie und den Webspace zur Verfügung und verlangte für diese Leistungen eine jährliche Gebühr. Flickr wurde groß, bevor der Menschenhaltungsbullshit zum Mainstream wurde.

Zu spüren ist das sogar heute noch auf der Flickr-Explore-Page, vor allem im Vergleich mit ähnlichen Seiten anderer Services, die diese Art der Geld-für-Leistung-Beziehung nicht kennen.

Another reason I love Flickr’s Explore page is that it lacks the commercialism of other spaces. Instagram has an explore tab but it’s popular music and tv stars and their dogs or it’s brand advertising-driven shots cooked up to sell something. There’s something so completely boring about Instagram’s explore page that makes me ignore it and go back to my friend feeds, whereas Flickr is the opposite: my friend feed is largely silent, but the best of the best page is truly awe-inspiring and at least one photo each day is going to take my breath away.

Ich bin auf Matt Haugheys Artikel durch einen Gastbeitrag von Tim Carmody auf kottke.org gestoßen. Tim Carmody selbst scheint ein ähnlich enthusiastischer Flickr-Nutzer (gewesen) zu sein, wie ich es damals war. Denn ein Satz wie dieser hat offenbar für uns beide Bedeutung:

It is bizarre to think now that Flickr was only active for about a year before it was acquired by Yahoo. For those of us who were on the site then, that year felt like everything.

 

Flickrtreffen am Südbahnhof – 10 Jahre danach

Am Samstag, 25.2.2017, fand ein Flickrtreffen am Gelände des ehemaligen Südbahnhofs – nunmehr der Hauptbahnhof – mit anschließender Fototour durchs Sonnwendviertel statt. Flickrtreffen, das muss man vielleicht für diejenigen, denen „Flickr“ nichts sagt, kurz erklären: Menschen, die gerne fotografieren und ihre Fotos auf der Fotoplattform „Flickr“ teilen, treffen sich, spazieren herum, machen Fotos, unterhalten sich miteinander, diskutieren über die Fotografie im Allgemeinen und über Flickr im Besonderen. Bei unserem Treffen am Samstag war auch viel Wehmut über vergangene Zeiten dabei. Zumindest bei mir.

Für mich hatte Flickr seine Hochphase zwischen 2006 und 2010. In diesen vier Jahren waren fast alle meine Freunde auf der Fotoplattform vertreten und wir haben uns in Kommentaren (!) rege (!!) und konstruktiv (!!!) ausgetauscht. Mit dem Aufkommen von Facebook, Instagram und anderen Möglichkeiten, seine Fotos mit anderen zu teilen, hat Flickr enorm an Bedeutung verloren. Ich persönlich glaube ja, dass alle, die Flickr heute noch nutzen, einfach noch nicht herausgefunden haben, wie man seine Fotos herunterladen und sichern kann. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bislang habe ich drei Treffen miterlebt. Das erste Flickrtreffen fand vor elf Jahren im Mai 2006 auf Einladung von Cilest am Wiener Zentralfriedhof statt. Weil es mir in Wien Spaß gemacht hat und eine tolle Gelegenheit war, Menschen kennen zu lernen, habe ich während meines Aufenthalts in China im August 2006 ein Flickrtreffen in Shanghai organisiert. Und weil auch das gut angekommen ist, kaum dass ich in Wien zurück war, gleich im Februar 2007 eines am Südbahnhof. Mit 21 Teilnehmenden war dieses Treffen meines Wissens nach auch das größte, das jemals in der österreichischen Flickr-Community stattgefunden hat. Zum Glück, denn die Bekanntschaften wurden bei einigen zu Freundschaften, die 10 Jahre überdauert haben.

Ich habe mich schon vor einigen Jahren vom aktiven Tun auf Flickr verabschiedet, einige der Teilnehmenden des Südbahnhoftreffens blieben aber weiterhin, wenn auch stark eingeschränkt, aktiv. Da hätte es mich nicht wundern dürfen, dass ich während meiner Flickr-Löschaktion im Forum „Flickrtreffen Wien“ H. KoPPs Aufruf zum „10 years after Südbahnhof„-Treffen entdeckt habe. Und doch: Mit einem Schlag war ich in die Vergangenheit versetzt und markierte mir den Termin im Kalender.

Am Samstag, den 25. Februar 2017, war es dann soweit: Mit vollem Akku fuhr ich zum Hauptbahnhof, suchte nach dem Treffpunkt Markuslöwe und stieß auf eine Gruppe alter Hasen, die nach wie vor – 10 Jahre später – dabei waren und sich offenbar noch immer austauschten. Schön war das, wenngleich die Sinnbildlichkeit des Areals rund um unseren Treffpunkt besser nicht hätte sein können: Betontristesse, kahle Bäume, viel Schatten. Ich habe die Gruppe auf der zum Sonnwendviertel weisenden Südseite des Hauptbahnhofs fotografiert.

Während unserer kurzen Fototour durchs neu errichtete Wohnviertel habe ich mich mit einigen der Teilnehmenden unterhalten. Allen ist klar und bewusst, dass Flickr faktische am Ende ist und alle spüren, dass die Zeiten, in denen man sein Interesse über ein „Like!“ hinaus kommunizieren würde, vorbei waren. Alle, mit denen ich mich unterhalten habe, sahen in Facebook, Instagram, usw. keinen Ersatz für das Galeriesystem, mit dem Flickr aufwarten konnte. Die charmante Schrulligkeit des Dienstes, der Fokus aufs Fotografieren… Diese Qualität, auch wenn sie nicht überragend war, findet man nirgendwo sonst. Allen ging die aktive Community ab, die allgemeine Wehmut war, wenn auch nicht vordergründig, so doch vorhanden. Vielleicht war das ja nur ich, aber im Jahr 2017 einem Flickrtreffen beizuwohnen fühlte sich „outdated“ (kein deutsches Wort wäre hier trefflicher) an. Hat auch was. Muss aber nicht sein.

Aber, und das war ein sehr positiver Aspekt dieses Treffens, das Feuer, sich wieder mehr der Fotografie zu widmen, ist wieder entbrannt. Ich habe in den letzten Jahren (im Vergleich zu denen davor) sehr wenig fotografiert. Ja, mit dem Handy hier und da einen Schnappschuss, aber keinerlei Motivsuche, keine Bildkomposition, kein Spielen mit der Technik, den Einstellungen, den Möglichkeiten durch verschiedene Objektive, usw. – das alles ist mir, ohne dass es mir bewusst war, abgegangen. Schön, dass ich dieses wohlige Gefühl, eine echte Fotokamera in der Hand halten und damit Fotos machen zu können, in den 2-3 Stunden, die wir unterwegs waren, wieder spüren konnte.

Was aus Flickr werden wird, weiß niemand. Ich persönlich habe dem Dienst ohnedies schon den Rücken gekehrt. Was aus der verbliebenen Community werden wird… Vielleicht werden wir es in 10 Jahren sehen. Den Markuslöwen wird es dann sicher noch auf seinem Platz am Hauptbahnhof geben.

Bye, bye, Flickr!

Gestern habe ich die letzten meiner insgesamt mehr als 14.000 Fotos und Videos, die ich in den letzten 12 Jahren bei Flickr hochgeladen habe, endgültig gelöscht. Die Aktion hat sich über mehrere Wochen erstreckt, denn einen automatisierten Download für diese Bildmengen gibt es nicht, und fiel mir nicht leicht. Die meisten meiner Fotos waren mit Geodaten ausgestattet, mit Schlagworten und entsprechenden Beschriftungen; mit der Eingabe dieser Daten habe ich Stunden verbracht. Sie alle sind nun verloren. Ebenso die Kommentare und Kommentarverläufe und damit die besonderen Momente, in denen ich online mit Menschen in Kontakt getreten bin, die ich später auch offline kennenlernen durfte. Und umgekehrt: Kommentare, die von Menschen online geschrieben wurden, die ich zuvor – oft unter abenteuerlichen Umständen – offline kennengelernt habe. Dass ich die Fotos habe löschen müssen, ärgert mich. Aber ich kann einem Unternehmen, dem es nicht und nicht gelingt, seine Nutzerdatenbanken zu schützen, mein Vertrauen für die sichere Aufbewahrung meiner Fotos einfach nicht schenken.

Und das ist schade, denn Flickr war der beste Fotodienst, den das Internet zu bieten hatte. Er stellte Speicherplatz zu Verfügung, auf den Nutzer Bilder hochladen, sie mit Geodaten und Schlagworten sortieren, in Alben oder ganzen Sammlungen organisieren und über all das hinweg für bestimmte Personengruppen freigeben oder sperren konnten. Nicht mehr und nicht weniger. Durch offene, aber thematisch fokussierte Gruppen, in die man Bilder posten konnte, öffnete man seine private Sammlung in eine Halböffentlichkeit. Durch spezielle Links konnte man auch gänzlich private Fotos mit einzelnen Personen teilen. All der Bullshit, den heutige Galeriemodule anbieten – Künstliche Intelligenz für die Sortierung von Fotos, Machine Learning fürs Auffinden aller Hundebilder, Was weiß ich was für ein Buzzword für was weiß ich welche Funktion – trägt nichts zur Qualität einer Fotogalerie, zum Aufkommen von Spaß oder zum Herstellen eines Kontakts mit anderen Menschen bei. Die automatisch generierten Bildsammlungen sind genauso kalt wie die Algorithmen, die sie erschaffen. Und deshalb interessieren sie auch niemanden mehr.

Sicher ist es einfacher, alle Fotos einer Person mittels automatischer Gesichtserkennung aus dem Konvolut von Bildern ausheben zu lassen. Klar ist es bequemer, Geodaten aus im Bild erkannten Objekten zu finden. Und sicher ist es schneller, Alben aus bestimmten Eckdaten automatisiert erstellen zu lassen. Doch was bringen mir all diese Funktionen außer den Verlust der Zeit, die ich für die Beschäftigung mit meinen Bildern aufbringen wollte? Habe ich nichts besseres zu tun? Nein, verdammt nochmal, ich habe nichts besseres zu tun, wenn ich mich mit meinen Fotos beschäftigen will! Ich will meine Daten selbst einpflegen, ich will meine Schlagworte selbst eingeben und ich will meine Alben von Hand sortieren. Ich will keine Personen auf Bildern vorgeschlagen bekommen, ich will keine Orte, keine Schlagworte… sondern einfach nur die Ruhe, mich damit beschäftigen zu können.

All das ist nun leider Geschichte. Ich kann meine Fotos nun bei Facebook hochladen – okay, wir wissen, dass ich das nie tun würde – oder einen dafür spezialisierten Service wie SmugMug nutzen. Was diesen Services (und selbst Facebook) jedoch fehlt, ist die auf Flickr einzigartige Community, die ich mit meinem Abschied von Flickr schweren Herzens auch verlasse. Ich verlasse thematisch fokussierte Diskussionen, freundliche (aber nicht unbedingt kritiklose) Kommentare und den Luxus der Unmöglichkeit, mit einem simplen Klick – quasi einem „Like“ – etwas zu sagen ohne etwas zu sagen.

Es waren 12 schöne Jahre mit vielen neuen Bekanntschaften. Wenn aber die letzten Jahre nur noch daraus bestehen, melancholisch Erinnerungen hervorzukramen und sich daran zu klammern, dann ist es allerhöchste Zeit fürs Schlussmachen.

Bye, bye, Flickr!

Bei Flickr tut sich was

Eigentlich habe ich Flickr vor zwei Jahren gänzlich abgeschrieben. Aber der neue Uploader und ein pragmatischer Zugang in puncto Design machen den Service wieder attraktiv. Man kann sagen, was man will, aber Flickr war eine Zeit lang das innovativste und interessanteste soziale Netzwerk, das es je gab; Facebook hat die Qualität der Interaktion, wie es sie auf Flickr gegeben hat, nie erreichen können.

Weiß eigentlich noch irgendwer, dass es Flickr war, das dem Internet Tags und Labels als deutlich brauchbarerer Ersatz für die bis dahin übliche Ordnungseinheit „Kategorie“ beigebracht hat?

Good-bye Flickr, hallo SmugMug!

Ab heute lade ich Fotos und Videos bei SmugMug unter meiner eigenen Domain und in Originalqualität hoch. Flickr ist tot und weder Facebook noch das peinliche Instagram können ansetzen, wo Flickr aufgehört hatte. Bei SmugMug darf ich wenigstens noch für die erbrachte Leistung bezahlen1.

Fotos sind noch keine online, wenn’s was gibt, melde ich das hier.


  1. Die sprachliche Verwirrung der spätkapitalistischen Onlinewirtschaft – „darf ich wenigstens […] bezahlen“ – muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! 

Massive Änderungen bei Flickr

Flickr hat gerade sein Geschäftsmodell geändert.

  • Ab sofort hat jedes kostenlose Account 1 Terabyte Speicher und alle Funktionen zur Verfügung, die bislang nur Pro-Konten hatten.
  • Wer noch ein Pro-Konto hat und dieses vor dem 20. August 2013 verlängert, hat unlimitiertes Speichervolumen, keine Werbung und detaillierte Statistiken. (Neu erwerben kann man Pro-Konten aber nicht.)
  • Es gibt zwei neue Abo-Optionen: (1) Für knappe 50 USD/Jahr kann die Werbung auf Flickr deaktiviert werden und (2) für knappe 500 USD/Jahr kann ein zusätzliches Terabyte Speicher erworben werden.

Was man Flickr bislang zugute halten konnte, gilt nicht mehr: Früher hat man für die Leistung einer Fotogalerie bezahlt, in Zukunft bezahlt man fürs Unterdrücken der Anzeige von Werbung. Wenn das Marissa Mayers Plan zur Sanierung Yahoo!s ist, dann kann ich mir gut vorstellen, dass man auch auf Tumblr demnächst dafür zahlen wird müssen, keine Werbung zu sehen. Andernfalls: AdBlock Plus.

Ein anderer Grund, Flickr zu verlassen

Flickr: Berechtigungen ändern

In den letzten acht Jahren habe ich bei Flickr 14.099 Fotos hochgeladen, von denen der Großteil für alle sichtbar, also öffentlich zugänglich war. Neben „öffentlich“ unterscheidet Flickr vier weitere Berechtigungsstufen: Familie und Freunde, nur Familie, nur Freunde und gänzlich privat. In der Theorie bietet so ein System sehr große Flexibilität in Bezug auf die individuellen Präferenzen der auf den Fotos eines Users abgebildeten Personen: „Nein, ich möchte nicht, dass dieses Bild jeder sehen kann, aber die Mitglieder einer Gruppe, die auf Schwarzweißfotografie spezialisiert ist, können es gerne kommentieren, ebenso wie die Personen, die du als Freunde definiert hast.“ – Solchen Interessen mit den vielschichtigen Berechtigungsmöglichkeiten bei Flickr gerecht zu werden, war – und ist – kein Problem.

Was allerdings nicht oder nur mit großem Aufwand möglich ist, ist die auf Dauer ausgelegte Befriedigung dieser Interessen, da sie sich im Laufe der Zeit ändern. Der neue Freund, eine neue Arbeitgeberin, ein neues Selbstbild und die geänderte Wahrnehmung der eigenen Online-Reputation sind nur einige der Gründe, die aus einem „Kein Problem, wenn das öffentlich ist“ ein „Bitte tu das sofort weg, stell dir vor XY sieht das!“ werden lassen.

Und so kamen die E-Mails mit Bitten, dieses und jenes Foto zu entfernen oder zumindest nicht mehr öffentlich einsehbar zu machen. Ein paar Tage später folgten weitere E-Mails mit ganzen Listen von URIs, auf denen Fotos zu sehen waren, die doch vielleicht besser nicht öffentlich sein sollten. Und eine Woche später noch ein paar. Meistens wurde der Wunsch, bestimmte Bilder zu entfernen, durch das routinemäßige Googlen des eigenen Namens ausgelöst.

Beim ersten Mail war das kein Problem. Beim zweiten Mail wurde es mühsam. Und als vor kurzem schon wieder ein E-Mail einlangte, in dem jemand um Entfernung eines Bildes bat, habe ich beschlossen, alle Bilder aus dem Bereich des Öffentlichen zu entfernen und meine gesamte Galerie nur noch Personen anzuzeigen, die ich als Freunde oder Familie deklariert hatte oder die Mitglieder einer thematisch oder sozial fokussierten Gruppe waren.

Von nun an ist meine Flickr-Galerie also kein Stein des Anstoßes mehr: Keine Badefotos, keine Grimassen, keine Exfreunde, kein falscher Eindruck, kein gar nichts. Es gibt keine öffentlich einsehbaren Fotos mehr.

FlickrTouchr: Flickr Backup auf dem Mac

Momentan gibt es auf dem Mac keine andere Möglichkeit, seine tausenden bei Flickr hochgeladenen Fotos sicher und halbwegs geordnet wieder herunterzuladen, als mit dem Python-Skript FlickrTouchr. Eine Anleitung zur Anwendung findet man bei Hivelogic.

Ich denke, dass ein vollständiges Backup angesichts der Trostlosigkeit und der bevorstehenden „Verbesserungen“ auf Flickr gar nicht so abwegig sein sollte.

Das war’s dann wohl mit Flickr, oder?

Flickr ist tot, daran können wir uns alle schon einmal gewöhnen. Wenn Yahoo! nicht einmal kurz vor Weihnachten irgendwelche neuen Funktionen, Verbesserungen oder, ja, irgendwas auf Flickr erneuert, dann kann das nur bedeuten, dass der Konzern kein Interesse mehr am Forterhalt des Services hat.

Was macht Yahoo! denn überhaupt noch?