Re-accomodate

Gestern zerren Sicherheitsbeamte einen Fluggast mit gültigem Ticket aus einem überbuchten Flugzeug. Die Antwort des CEOs von United Airlines muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

This is an upsetting event to all of us here at United. I apologize for having to re-accommodate these customers. Our team is moving with a sense of urgency to work with the authorities and conduct our own detailed review of what happened.

„Re-accomodate“. Wow! Jon Spaihts hat das Pressestatement des CEOs korrigiert:

Fluglinien.

Chicken or Fish? Egal, Hauptsache jung, nicht zu groß oder zu schwer, mit makelloser Haut, unter 30 und nicht verheiratet.

Die Aufgabe einer Stewardess ist es, (a) für die Sicherheit, sowie den (b) reibungslosen und (c) komfortablen Ablauf eines Fluges in der Passagierzelle des Flugzeugs zu sorgen. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn aber genug Menschen verfügbar sind, der Job begehrt und die Konkurrenz groß ist, dann wird die Stewardess zum Objekt und nach sexualisierten Kriterien ausgewählt, so ein Bericht im Gulliver-Blog des Economist: Keine X- oder O-Beine, nicht zu dick oder zu dünn, nicht zu groß oder zu klein, schöne Haut, am besten nicht verheiratet, und keinesfalls älter als 30 Jahre. Besonders in Asien scheinen diese Kriterien gelebte Praxis zu sein.

At China Southern Airlines, air hostesses must be 25 or younger and must not have “X or O shaped legs”. Stewardesses at Japan Airlines need to have “good skin complexion”. Indonesia’s flag carrier, Garuda Indonesia, […] refuses to hire older, married women. VietJet Air, Vietnam’s low-cost carrier, requires that its female flight attendants be under 30 years old, be between 1.60-1.75m tall and apply “bold makeup”; the airline made a name for itself a few years back when its bikini-clad flight attendants were filmed performing sensual mid-flight dances to the delight of ogling male passengers.

Dass das ein Problem ist (Objektivierung, Sexualisierung, wo soll man da überhaupt anfangen?!), kann man verstehen oder nicht. Definitiv nicht verstanden wird das Problem in den Kommentaren zum Artikel, wo man die Anwendung der oben genannten Kriterien nicht nur als völlig verständlich, sondern sogar als gut ansieht. Die Kulmination von Verständnis und Unverständnis findet sich in Stephen Holtoms Kommentar und der Reaktion darauf.

Kommentare lesen ist eine Qual, ich weiß. Aber Kommentare offenbaren sehr viel darüber, wie Menschen die Welt verstehen.

Tageszeitungen im Flugzeug: aufpreispflichtige Zusatzleistung

Dass nun Austrian Airlines keine Tageszeitungen mehr in der Economy Class auf Linienflügen in Europa verteilt, wundert im Wissen um künstlich gesenkte Standards, die aufpreispflichtige Zusatzleistungen ermöglichen, nicht.

Die Einschränkungen […] sind bei Austrian Airlines Teil einer schrittweisen Tarifreform, wonach die Ticketpreise künftig von diversen Zusatzleistungen befreit werden sollen. Das bedeutet […] auch einmal Aufpreise beim Gepäck. Basistickets („flight only“) sollen dafür aber billiger werden.

Dass es vielleicht in Zukunft keine gratis Tageszeitungen, sondern nur noch Gratis-Tageszeitungen auf AUA-Flügen geben wird, nenne ich calculated misery.

Fehler im Buchungssystem? Wer ihn nützt, soll Strafe zahlen!

Ein Zweiundzwanzigjähriger erstellt eine Website (skiplagged.com), die Reisenden hilft, billige Flugtickets zu erwerben. Er nützt dabei einen seit Jahren bekannten „Fehler“ in der Logik von Buchungssystemen („Hidden City“-Ticket) aus. Nun will ihn eine Fluglinie dafür verklagen.

The site helps travelers find cheap flights by using a strategy called “hidden city” ticketing. […] The idea is that you buy an airline ticket that has a layover at your actual destination. Say you want to fly from New York to San Francisco — you actually book a flight from New York to Lake Tahoe with a layover in San Francisco and get off there, without bothering to take the last leg of the flight.

Die Statements zu Hidden-City-Tickets werden (hier in einem Bloomberg-Artikel) immer bessser:

Purchasing a ticket to a point beyond the actual destination and getting off the aircraft at the connecting point is unethical […] It is tantamount to switching price tags to obtain a lower price on goods sold at department stores.

„Unethical!“ Nocheinmal: Das Ticket-Verkaufssystem diverser Fluglinien hat einen logischen Fehler. Für das Ausnützen dieses Fehlers soll ein 22-jähriger verklagt werden. Wie wäre die Anwendung dieser Logik auf Gesetzgebung und Steuerlücken? Aber ja: Fluglinie halt.

Fluglinien wollen Passagiere leiden sehen

Warum ist das Reisen mit dem Flugzeug so ein miserables und elendigliches Erlebnis geworden? Weil das Quälen der Passagiere offenbar Teil des Geschäftsmodells nahezu aller Fluglinien geworden ist. Sie haben Standards künstlich gesenkt, um aufpreispflichtige Zusatzleistungen verkaufen zu können.

In order for fees to work, there needs be something worth paying to avoid. That necessitates, at some level, a strategy that can be described as “calculated misery.” Basic service, without fees, must be sufficiently degraded in order to make people want to pay to escape it. […] degrading basic service provides a partial explanation for the fact that, in the past decade, the major airlines have done what they can to make flying basic economy, particularly on longer flights, an intolerable experience. For one thing […] airlines have crammed more seats into the basic economy section of the airplane, even on long-haul flights. The seats, meanwhile, have gotten smaller – they are narrower and set closer together. Bill McGee, […] who worked in the airline industry for many years, studied seat sizes and summarized his findings this way: “The roomiest economy seats you can book on the nation’s four largest airlines are narrower than the tightest economy seats offered in the 1990s.”

…und dann noch das obligatorische „mindestens zwei Stunden vorher einchecken“, um vor lauter Langeweile zum Einkauf des gleichen Mülls animiert zu werden, den man überall auf der Welt bekommt. Ich frage mich ohnehin jedes Mal, wer diese Menschen sind, die diese 1,5kg-Tobleronestangen kaufen.

Ach ja: Fliegen in den Siebzigern.