Joost wird wieder Yoast

Joost de Valk, der vor kurzem erst Chief Marketing Officer bei Automattic wurde, wirft das Handtuch, verlässt die Firma wieder und kehrt zurück zu Yoast (yeah!). Die Andeutungen, die er in seinem Blogpost, in dem er diesen Schritt erklärt, macht – meine Güte, ist dieses Posting vorsichtig formuliert -, lassen auf gröbere Probleme in der Entscheidungsfindung und Konsolidierung bei WordPress bzw. Automattic schließen.

Even things that every outsider would consider marketing (release posts, about pages) are created without even so much as talking to me or others in the marketing team. Because I felt left out of all these decisions, I feel I can’t be a marketing lead.

Und nicht viel weiter:

I’ve not encountered (or been brought into) any discussions about our product vision […] I was expecting there to be some backchannels where these discussions were had and these decisions were made, turns out these simply don’t exist. Matt takes his input from core devchats and lots of other chats and then decides what the roadmap should look like. I honestly think that process needs opening up, even though I do appreciate that Matt has so far been pretty good at bringing the product forward.

Joost de Valk

Das ganze WordPress-Projekt hängt also am Outcome eines Chats? Das erklärt einiges.

Premium Places

Pornhub Presents: Premium Places

Geniales Marketing von Pornhub: Unter dem Namen „Premium Places“ erhalten alle Einwohner von Orten wie Fucking (Niederösterreich), Petting oder Kissing (Bayern), Rectum (Niederlande), Pussy (Frankreich) oder Dildo (Kanada) wohnt, erhält automatisch und kostenlos ein werbefreies Pornhub-Premiumkonto. Bin gespannt, wie und ob sich das irgendwie in irgendwelchen Statistiken in Zukunft auswirkt. Und ich weiß jetzt schon, dass dieser Beitrag wiedermal alle anderen in den Statistiken überholen wird. Oh je.

Suchergebnisseiten ohne Klick

Wir wenden unseren Blick auf Google und andere Suchmaschinen und lesen einen Teil des Abstracts eines Papers von Aleksandr Chuklin und Maarten de Rijke. Unser Fokus liegt dabei nicht auf ihren zwei Fragen, sondern auf der Voraussetzung für die zwei Fragen.

Dein Facebook-Stream: Hochzeiten, Kinder und Katzen

The Problem With Facebook

Welche Beiträge Anderer ein Facebook-Nutzer sieht, wird nicht durch natürliche Faktoren (wie Zeit oder die Onlinepräsenz von Freunden), sondern von einem Facebook-Algorithmus bestimmt. Die Mathematik dahinter ist sogar nachvollziehbar: Ein User wäre, wenn er sich ein Mal pro Tag bei Facebook anmeldet, im Schnitt mehr als 1.500 neuen Beiträgen ausgesetzt – viel zu viel Input, den ein User verarbeiten müsste. Facebooks Algorithmus reduziert diese Beiträge auf einige wenige, die für den User höchstwahrscheinlich von Interesse sind. Somit ist, was viele als natürlich wahrnehmen, eine auf persönliche Interessen zugeschnittene Abfolge von Inputs, die zu Interaktion animieren soll: Hochzeiten („Ah, wie schön!“), Fotos von Kindern („Oh, wie herzig!“) und von Katzen („So ein liebes Tierchen!“).

Der Nachteil dieses Systems ist zugleich Facebooks Geschäftsmodell: Generiert ein Beitrag genügend Interesse (und Interaktion) unter Usern, enthält er also dem Inhalt des Beitrags entspringende, originäre Zugkraft, so wird er durch den Facebook-Algorithmus künstlich zurückgehalten und in seiner natürlichen Wirksamkeit eingeschränkt. Hat aber der Autor des Beitrags Interesse daran, den Beitrag doch größeren Nutzergruppen verfügbar zu machen, so muss er für die Promotion des Beitrags zahlen. Mit Zahlung eines bestimmten Betrags werden Beiträge, die andere Nutzer natürlich erreichen würden, künstlich in deren Filter Bubbles auf Facebook injiziert.

Eigentlich keine blöde Idee, Herr Zuckerberg. Keine blöde Idee.

Erster Kuss? Leider nein.

Tatia Pilieva bittet zwanzig Fremde, sich vor laufender Kamera zu küssen. Was dabei herauskommt, ist ein herzerwärmender und positiv gestimmter Blick auf einen intimen zwischenmenschlichen Moment… What’s your name, again?

Zu schön, um wahr zu sein? Leider ja. Denn das, was uns hier gezeigt wird, ist weder intim, noch eine romantische und herzerwärmende Momentaufnahme einer spontanen Aktion. Es ist eiskalt durchdachtes Viralmarketing der Firma Wren, die für ihre Frühjahrskollektion wirbt und dabei äußerst erfolgreich auf die emotionale Kontextualisierung visueller Eindrücke setzt.

Jetzt, wo die Bilder des Videos nochmal vor unserem geistigen Auge ablaufen, erinnern wir uns plötzlich an das prominent platzierte „WREN presents“ am Anfang des Videos. Wir bemerken, dass die 20 „Fremden“ Modells waren. Uns wird bewusst, dass der dunkelgraue Hintergrund und die melancholische Musik eine emotionale Spannung erzeugten, in der nicht nur der Kuss, sondern eben auch die Kleidung der schauspielenden Modells betont dargestellt wurde. Slate:

Watching the video will warm your cold, unfeeling heart—until you get to the credits, at which point it will return to its rightfully frozen state. […] The video peddles the fantasy that beauty can spring from an unexpected connection between two random people, but what it’s really showing us is […] models making out.

Abermals ekelt uns, dass das Echte zugunsten des Künstlichen zurückstecken muss. Wir verpönen die Mittel, zu denen die Industrie mittlerweile greift, um uns zu erreichen. Und doch merken wir nicht, dass der Partner/die Partnerin im Nebenraum ein Buch liest, während wir hier vorm Computer sitzen, die implizite Aufforderung dieses Absatzes abtun und noch schnell auf Facebook schauen, was unseren Freunde dort so tun.

Ungewolltes Guerilla-Marketing für den TSC Schwarz Gold

Marketing funktioniert ganz einfach und man braucht keine Agentur, keinen Konzeptionisten, keinen Regisseur, keinen Kameramann und kein professionelles Equipment dazu. Was man braucht sind ein paar Freunde, Kollegen oder Bekannte, die willens sind, eine Idee umzusetzen, wenn sie auch noch so abwegig sein mag.

Ich bin vor wenigen Stunden auf ein Video gestoßen, das absurder nicht sein kann und verdeutlicht, was ich meine: Eine Kaufhausszene. Die Kellnerin serviert Kaffee, zwei Männer gehen aufeinander zu. Plötzlich beginnen die beiden zu tanzen. Die Kellnerin wie auch deren Gäste gaffen die beiden an, wissen nicht, worum es hier geht, Lachen von hinter der Kamera. Ende des Clips. Das Video ist eindeutig ein Jux unter Freunden, ein Spaß auf niemandes Kosten, und dennoch nahezu gelungenes, weil ungewolltes Guerilla-Marketing.

Wird man neugierig und klickt ein wenig herum, stellt sich schon bald heraus, dass die „SG in Action“-Serie (es gibt gegenwärtig 6 Videos zu sehen) von Mitgliedern des Tanzsportclubs Schwarz Gold aufgenommen und online gestellt wurde. (Schwarz Gold ist der Tanzsportclub, der hier schon einmal im Rahmen eines Lateinformationsturniers erwähnt wurde.) Die Tänzer zeigen locker getanzte Figuren aus ihren Choreographien durch Gänge eines Supermarkts, posieren auf Rolltreppen oder rotieren mehr schlecht als recht in Aufzügen – sehr zur Verwunderung der Kunden, sehr zum Gaudium der Zuschauer.

All das geschieht im Stil des „Echt Fett“-Klamauks, schwächelt aber an ein paar Aspekten:

  • Musik. Ohne Musik kann sich kaum jemand, der nicht selbst tanzt, erklären, worum es hier geht. Ein passender Samba oder ein gewaltiger Paso Doble im Hintergrund würden sehr viel wettmachen.
  • HD. HD macht einfach alles besser.
  • Wenn es der Sinn der Clips sein könnte, tatsächlich wie Werbung zu funktionieren, sollte der Name des Tanzsportclubs und zumindest die URL am Ende gezeigt werden. Okay, die URL reicht.

Die ganze „SG in Action“-Serie gibt es auf YouTube.

Intimchirurgie: Lüge eines freien Willens über den eigenen Körper

Der Standard berichtet über den 30-prozentigen Aufwärtstrend bei Schönheitsoperationen im Intimbereich. Nicht uninteressant ist dabei aber auch die Vorgehensweise von Ärzten und (Pharma-) Industrie, die mit teilweise feministischen Argumenten (!) Frauen zu Schönheitsoperationen an ihren Genitalien (FGCS) überreden. Virginia Braun hat die Rhetorik rund um FGCS untersucht und sie als Lüge eines freien Willens über den eigenen Körper entlarvt:

The deployment of choice rhetoric around FGCS serves to render Western women’s choice an empowered, individual (and decontextualised) act. It frames the desire and decision to undergo FGCS as something that occurs interior to the subject, who should, if she is ‘empowered‘, possess the agency to choose how she acts on her desire. […] In a makeover culture, becoming something better is something of an imperative.