Shanghai, Hitler, der Burger und die ÖBB

Gestern. Abends. Burger King. Ich esse und ärgere mich über den Rückfall ins Fast-Food-Lager als mich plötzlich ein Asiate (Japaner?, nein, Chinese!) anspricht, ob ich denn „Östeeicha“ wäre. Ja. Sei es denn weit zu Watschau? Watschau? Yes, Watschau! Show me… oh, Wachau! Yes, Wachau! Nein, nicht so weit, da kommt man am besten mit der Bahn hin. Wie genau? Westbahnhof, Bahn… mit dem Zug. Kommt man von Watschau auch nach Melk und von dort nach Krems, von dort nach Salzburg, nach Graz und nach Innsbruck? Ja. Dauert das lange? Kommt ganz auf den mentalen Status des Zugreisenden an. What? Naja, ob man halt schnell genervt ist oder ob man es mag im Zug der vorbeiziehenden Landschaft zuzuschauen. What? Naja, Philosophie im Abteil… dafür sind die ÖBB zu haben. ÖBB? Ja, die Bundesbahnen, so heißt der Zug. Der Zug hat einen Namen? Nein, die… alle Züge werden von einer Firma, den ÖBB, betrieben. Ach das ist nicht die Deutsche Bahn? Nein. Die war einmal, jetzt heißt das ÖBB. Ach so. Und… and is it true that… can I ask you this? What? Darf ich sie was fragen? Ja, bitte. Wissen sie, welcher Ort Hi-la lieber war, Krems oder Melk? Keine Ahnung, so gut habe ich ihn nicht gekannt… warum denn? Interesting. Interessieren… darf ich Du sagen? Yes! Interessierst du dich für Hitler? Yes. Und wieso genau? Yes, Du is okay. Ach so, ja… Kann ich meinen Burger weiteressen? Yes, Du kannst! Gut. Wo seid ihr her, du und deine Freundin? Shanghai! Sieh einer an. Shanghai, Hitler, mein Burger und die ÖBB, das sind Themen kurz vor Neujahr, oder? Yes! Hehe. Nice to meet you. Ganz meinerseits! Grüß euch! Zaijian!

Wieder Wien

Zurück in Wien, dieser alten Stadt im alten Europa. Der Flug von Schanghai nach Frankfurt hatte vier Stunden Verspätung und dauerte dann auch noch elf Stunden (und sie haben Narnia gespielt… Narnia!). Der Anschlussflug nach Wien hat gewartet und war es beim letzten Mal so, dass mich die bittere Realität schon im Flugzeug von Schanghai nach Frankfurt eingeholt hat, so hatte ich diesmal Glück und bekam den Österreichschock erst im Flugzeug von Frankfurt nach Wien, dafür aber dann „voi“. Glücklicherweise war es mir vergönnt, wenig von diesem Wahnsinn mitzubekommen, da der Schlaf mich gnädig überkam. Ich wurde erst durch die Ansage des Kapitäns zur Landung wieder munter und die fand in einem Wien voll nächtlicher Kühle statt. Der Koffer war, wie schon im letzten Jahr, in Frankfurt geblieben und wurde später nachgeliefert. (Ach ja, hab ich erwähnt, dass die Waage in Shanghai nicht funktioniert hat? ;-)

Flickr Meeting Shanghai

Flickr-Meetings sind sowas wie Speed-Datings von Personen, die man über ihre Bilder teilweise bereits zu kennen vermeint. Trifft man sich, so kann man sich sicher sein, dass jeder eines jeden Favoriten kennt, das Profil, die eventuell vorhandene Homepage durchsucht und sich zumindest die letzten paar Seiten der Galerie angesehen hat. Kurzum: Anonymität gibt es fast nicht bei solchen Treffen, wenn man einmal herausgefunden hat, wer hinter welchem Pseudonym steckt. Und Fotos werden sowieso die ganze Zeit über gemacht.

Die Gruppe war interessant zusammengesetzt: Da gab es Menschen aus England und aus Schottland (do not mix this up!), aus Xinjiang, Shanghai, Yunnan, Manila, einen Österreicher – mich – und mehr, mehr, mehr…

Wie dem auch sei. Wir trafen uns in der Ohel Moishe Synagoge, das ist ein Museum über die aus Deutschland und hauptsächlich aus Österreich geflüchteten Juden vor und während der Zeit des Zweiten Weltkriegs und stellten fest, dass das Haus zwar nett, jedoch ohne geschichtliche und kulturelle Vorkenntnisse zum Thema Juden in Shanghai für den Museumsbesucher absolut unbrauchbar ist. Es gab zwar einen kurzen Einführungsfilm, der ein wenig über die Geschehnisse in Europa, hauptsächlich aber über die Ankunft der Menschen in Shanghai und die Ausbildung des jüdischen Viertels Auskunft gab, aber der half nicht wesentlich weiter. (Anmerkung nebenbei: Es gibt ein zweites Wiener Kaffeehaus in Shanghai: das Kleine Wiener Cafe im ehemals jüdischen Viertel der Stadt.) Lange waren wir nicht dort, ist das Museum doch klein und die Gegend rundherum wesentlich interessanter (ähem… ein wenig halt…). Mit dabei war übrigens Elisabeth samt männlichem Anhang und sie waren gerne fotografierte Gäste, verließen die Gruppe jedoch bald.

Anschliessend stand heftiges Viertel-rundherum Fotografieren am Programm. Leute, die sich sympathisch waren, kamen sich freundschaftlich näher und Leute, deren Fotos man weniger mochte, blieben einander fern. Eigenartig, wie stark diese Relation sein kann: auch ich habe festgestellt, dass ich mit denjenigen, deren Fotos ich gerne ansah und kommentierte, wesentlich besser kommunizieren konnte als mit denjenigen, deren Fotos ich auch schon uninteressant oder einfach nur auf irgendeine Art und Weise ungut empfunden habe, bevor ich der Person überhaupt begegnet bin…

Fotografieren beendet, Abendessen (so gegen 15:00 Uhr!). Elsa hat irgendwo ein Restaurant in Pudong aufgetrieben, das bereit war uns aufzunehmen und wir nahmen die Fähre ueber den Huangpu, übrigens ausgestattet mit dem unnötigsten Ticketsystem der Welt, nämlich: Kauf dir ein Ticket um 0,5 RMB in Form einer 0,5 RMB Plastikmünze, wirf diese Plastikmünze dann in einen Kübel, der zwei Meter neben der Kassa steht! Damit war der nette Teil aber auch schon vorbei, zumindest für mich, weil nämlich in dem Restaurant, wie ich später erfuhr, dann Ungutes gesprochen wurde. Wer gesprochen hat, wird sowieso klar, wenn man zu hören bekommt, dass man mit dem einen da – mir – eigentlich nicht reden sollte, weil gegen die haben wir im Krieg gekämpft! Glücklicherweise war das den Chinesen ziemlich egal und ich musste gehen, weil ein Gast aus dem Süden zu dem Zeitpunkt bereits in Shanghai angekommen war…

Trotzdem. Wenn Flickr-Treffen, dann hingehen! Egal wo, egal wer dabei ist!

Photo: Jeff, Katrina, Elsa, wohl klar, Raemin, Ya Ya, Wendy, Don, Craig und Rain. Und es gibt Berichte auch von zwei anderen Mitgliedern: A Late August Weekend of Pictures in Urban Shanghai von Rainier Contreras und Naughty Girl (chinesisch) von Raemin. Von ihr gibt’s übrigens auch ein Set „The 3rd Shanghai Flickr Meetup August 26th 2006„. Wir sind auch auf Shanghaiist zu lesen…

Architektur in Pu Dong, Shanghai

Architektur in Pu Dong, Shanghai. Mich faszinieren die sterilen Gebäude, Denkmäler, Straßen und Brücken im „neuen“ Stadteil Shanghais, Pu Dong. Hält man sich dort allerdings etwas länger auf, bemerkt man schnell, dass die Gals-und-Stahlkonstruktionen von Leben durchsetzt sind und dass die Architektur des Stadtteils keineswegs für die Lebensweise der dort lebenden Menschen repräsentativ ist.

Kaff

Da habe ich doch heute glatt mit einer Kollegin telefoniert, die noch vor zwei Wochen mit ihren Freunden und mir durch Shanghai gezogen ist. Ein eigenartiges Telefonat, vor allem, weil die österreichische Provinz natürlich voll durchschlagen muss. Sie hat mir erzählt, dass sogar ihre Frau Mama nicht sehr erfreut war, dass sie ein wenig das Hochdeutsche angenommen hat. Nun ja, man ist halt stolz auf sein Nest und verteidigt es, wenn es auch noch so unbedeutend ist. Kulturelle Eigenheiten oder Provinzcharme… man weiß es nicht, Hauptsache: unser’s!

Nun, peinlich ist die Situation dann, wenn man sich gegen ein Drittweltland stellt. In China gibt es ja offenbar immer Schwierigkeiten und die Chinesen sind ja zu gar nichts fähig und so weiter und so fort (zumindest ist das österreichischer Unterton), aber da werde ich während unseres Telefonats doch glatt mit dem Faktum konfrontiert, dass es im Nest kein Wasser gibt. Hmm.

Nun ja. So sind diese Menschen, so die anderen Leutln. Von Shanghai nach Froschberg (ohne Wasser). So hamma’s gern.

VIP Room

Der Eingang liegt irgendwo in einem Hinterhof, schmuddelig und von Slumbewohnern bewohnt – umgeben von Ferraris, BMWs, Mercedes, Aston Martins und Unmengen an Prostituierten. Ich muss da durch, betrete den Eingang, an dem mich zwei in schwarze Anzüge Gepferchte von oben bis unten mustern. Die Tür wird von einem der beiden geöffnet, dahinter ist es dunkel. In der Wand eingelassene Lichter weisen den Weg durch einen Tunnel, der an den Seiten mit Sitzmöglichkeiten ausgestattet ist. Er ist ja auch circa zehn Meter breit… Ich betrete die Hauptkammer, ein ziemlich großes unterirdisches Etwas, das sich da vor mir erstreckt. In der Mitte die Bar, rundherum lederbezogene Stühle auf denen sich gerade reich gewordene Chinesen und Chinesinnen tummeln. Sie trinken all die Cocktails, die sie aus dem Fernsehen kennen ohne zu wissen, ob das, was ihnen serviert wird, irgendetwas taugt. Ich werde an diesem Abend neben anderen noch einen B-52, einen Tequila Sunrise und einen Mojito trinken. Alle drei schmecken nicht so, wie sie schmecken sollten. Besonders der Tequila Sunrise enttäuscht: Fanta mit irgendeinem Alkohol!

Entfernt

Shaoxing Ende

Der Abschied von unseren Sprech-Partnern fiel einigen nicht leicht. Es war schwer die Studenten in den Bus zu bekommen, noch dazu, wo dieser Herr der Impetus für nächtliche Konversation zwischen mir und Geoffrey war (2:30 Uhr!), doch letztlich hat dann alles irgendwie geklappt. Ich hab auch ein Abschiedsgeschenk bekommen – danke Alva, danke Jane, danke Mary, danke Lucia! – und dann ging’s auch schon nach Shanghai in die Huangpu Lu/Pujiang Hotel. Meine Empfehlung für preiswertes, zentrumsnahes Wohnen in Shanghai, wenn man nicht allzu lange hier bleibt.

Die Fahrt war lange und die Klimaanlage des Busses steht offenbar in ihrer Leistungsfähigkeit in negativer Verbindung mit der Geschwindigkeit. Skandal sowas. Irgendwie und irgendwann erfolgte dann die Ankunft in Shanghai vor dem Pujiang Hotel und die Verabschiedung war eine äußerst kurze und äußerst ruhige. Die Studenten, seid mir alle gegrüßt!, gingen ihres Weges.

Shanghai Anfang

Noch am gleichen Abend haben Oliver, David, Susi und ich die Blue Frog-Bar (217, Maoming Lu) besucht (NB: Trinkst du hundert Shots, wird dein Name an die Wand gemeißelt und dir ist ein Leben lang ein Shot pro Tag gratis sicher!), ich habe mein Quartier bezogen (Ikea-Prospekt lässt grüßen…), meine Assistentin kennengelernt und mich mit einem delikaten Wodka-Martini dem Abend hingegeben.

Auch der Sonntag war noch in vollem Kontakt mit der Viererpartie: Die Nanjing Lu wurde zwei Mal bespeist (Oliver hat doch tatsächlich bei Pizza Hut gegessen, nachdem ihm die Rippen des Huhns im Curryhuhn des B.C.U. Coffee nicht getaugt haben!), Taschen wurden eingekauft, Susi und Roland sind jetzt stolze Besitzer einer Konica Minolta Dimage x60 und David wird sicherlich einen Sonnenbrand davontragen; zumindest gehe ich mal davon aus. Sie alle schlafen jetzt im Zug nach Peking und wahrscheinlich wird man bei David über das Schicksal dieser Gruppe weiterlesen können.

Bei mir hier geht’s ab sofort wieder mit dem normalen Programm weiter und es war mir ein Volksfest.

Shanghai Int’l Airport, 10:44 Uhr

Vor einigen Jahren war es noch eine beschwerliche Reise, die tatsächlich eine Überwindung darstellte: Schiff, Zug, eventuell Busse. Langsam durchquerte man verschiedene Kulturkreise und das andauernde Neue machte eine Anpassung an die gewohnten Verhältnisse leicht möglich.

Shanghai, Flughafen: Einchecken der kleinen Menge an Menschen, die dieses Datum als Abflugtermin gewählt hat, trotzdem ist das Flugzeug voll. Einige wollten schon lange nach Hause, andere bedauern, dass sie nicht länger geblieben sind. Durchschrauben der Pass- und Visumskontrolle, Gepäckskontrolle, dann Frühstück in einem kleinen Laden kurz vor dem Gate. Mein Club Sandwich bitte ohne Thunfisch. Die Bedienung beeilt sich, trotzdem dauert es ein wenig. Ein Aufruf in perfektem Chinesisch, danach auf Englisch – wir werden gerufen. Mein Sandwich kommt. Noch ein Aufruf. Ich esse trotzdem fertig, noch ein Aufruf, und hetze anschließend zum Gate. Dort macht mir schon von weitem ein chinesischer Beamter wild gestikulierend klar, ich möge mich doch bitte beeilen. (Pünktlichkeit hat großen Wert. Es ist unhöflich, unpünktlich zu sein.)

Er ist sehr korrekt gekleidet, die Krawatte sitzt perfekt, die Hose ist maßgeschneidert, die Uniform schein neu zu sein. Ich gehe noch schneller, gebe ihm meine Boarding Card; in dem Moment beruhigt er sich, er verneigt sich als ich ihm meine Karte gebe und nimmt sie mit beiden Händen entgegen; er lächelt mich an und weist mir den Weg in diesen einen Gang, der zu meinem Flugzeug führt, gibt mir meine Boarding Card wieder, wünscht mir mit ruhiger Stimme eine gute Reise, aber ich möge mich doch bitte beeilen, damit der Start pünktlich erfolgen kann.

Ich eile durch den Schlauch in Richtung Flugzeug, drei Gelenke hat er, jedes Mal eröffnet sich mir ein neuer, ein schmälerer Horizont, dann – das Wagerl mit den Zeitungen. Standard, Presse und Spiegel sind noch da, hinein ins Flugzeug, dort: „Grüß Sie, Se brauchn eana net so hetzn, es passt scho, mir wortn no a wengerl zua, do fehln no a poar. Nehmen’s daweil platz. De Chinesn hetzn imma a so. Wegen de paar Minuten.“

Vorbei

Shanghai, es regnet. Das Wasser donnert förmlich auf die benachbarten Häuser. Öffnet man das Zimmer und blickt hinaus, so wird man nass. Die Koffer werden schon gar nicht mehr wirklich ausgepackt, gerademal das Nötigste steht vor, neben und unter dem Bett. Auf dem Tisch vor dem Spiegel stapeln sich die Geschenke, daneben eine Regenjacke, die viel zu heiß ist für diese Jahreszeit. Das Bild einer kitschigen Winterlandschaft taucht vor meinem geistigen Auge auf.

Ein letztes Mittagessen auf der Nanjing Road, Espressotrinken in einer Seitengasse, Fotos, bereits besuchte Plätze und Straßen. Mittlerweile weiß man, wo es was gibt und wer’s billig verkauft. Man geht die Straße entlang und weicht den Pfützen aus. Es regnet auf einen herab, Ziellosigkeit. „Essen!“ schießt es mir durch den Kopf. Nicht schon wieder, haben wir gerade erst.

Vor mir sitzen der Ire und die Deutsche. Wir machen Späße und verdecken das Bevorstehende ungeschickt mit unseren Kameras und ihren Funktionen. Die Getränkeauswahl im Kaffeehaus beschränkt sich auf Tee (linke Seite der Menükarte) und Kaffee (rechte Seite der Karte). Wien ist schon präsent und lässt uns über diese Auswahl reden. Die zuckersüßen Bindungen der kleinen Gruppe sind schon schwer angeschlagen, nun lösen sie sich langsam auf.

„Hast du den Wecker gestellt?“ Wir dürfen auf keinen Fall den Zug versäumen! Gestalten, die in ihren Betten liegen. Jeder hat mit jedem abgerechnet, es ist spät, niemand schläft. Man erinnert sich an seine eigene, kleine, kurze, schöne Geschichte und vermeidet es, Aussagen darüber zu machen, was folgen wird.

Shaoxing-Shanghai

Den Weg von Shaoxing nach Shanghai hat fast die gesamte Gruppe mitgemacht. Einige wenige sind schon weiter in den Westen oder Süden gefahren, einige wenige davon wiederum, hat man dann später im Norden wieder gesehen. Wie auch immer, oder, wie jemand auf der Reise zu sagen pflegte, however, der Abschied von den hiesigen Studenten wurde herzlicher als man es sich vorgestellt hat. Geschenke wurden überreicht, E-Mail-Adressen ausgetauscht, es wurde fotografiert und Hände wurden geschüttelt. Der naturgemäß unterkühlte Bus war zwar pünktlich, die Abfahrt allerdings zu spät, somit auch die Ankunft in Shanghai – nach einigen hundert Kilometern Busfahrt quer durchs südliche China. Das, was wir in Europa gemeinhin „Land“ nennen, ist in China eine durchgängig bebaute Fläche, die keinen Blick bis zum Horizont frei lässt. Immer ist irgendwo irgendwas. Hier die fünfstöckigen Häuser in hässlichen Farben, rundherum Reisfelder, dann wieder eine Ziegelbrennerei, dahinter eine Lagerhalle; ein Häuschen, in dem der Schleusenwart seinen Dienst tut versperrt den Horizont ebenso wie das wiederum darauffolgende fünftstöckige Gebäude umgeben von Reisfeldern. Hübsch ist’s nicht wirklich. Hübsch wird’s erst im Landesinneren.

Upstairs, 2:00 Uhr

Die Treppen hinab, Frischluft dringt durch die gläserne Flügeltüre ins Rauminnere, links den Durchgang bis zum Ende, an den leichten Mädels vorbei, dann stickige, von Parfums und Deos schwere Luft, die nur langsam von Ventilatoren an der Decke durchmischt wird. Hier bewegen sich Körper gegeneinander, miteinander, hier wechselt Geld seine Besitzer schnell, hier ist die Musik laut. Hier tanzen die Rothaarige, die Deutsche, die Gepiercte und der Ire, hier suchen Nutten ihre Kunden, hier ist es rot und dunkel, hier rauchen Männer Zigarren, Burschen ergötzen sich an den Titten ihrer Freundinnen und mehr an denen anderer Frauen. Die Stimmen einiger Touristen dringen bis herüber, sie wollen noch mehr Tequila. „Let’s make friends, very cheap!“, quatscht mich eine 1,60m große, zierliche Dame aus Bangkok an, ich lehne ab, sie raunt und lächelt dem fetten Amerikaner mit der Montecristo No. 2 zu, er grinst zurück. Er lehnt dort schon seitdem ich da bin. Ich suche meinen Wodka Martini, die Brille der Deutschen steckt in meiner Brusttasche. Von links nähert sich ein kleiner Koreaner der Gruppe, hinter ihm zwei jüngere, die sich geradewegs auf die Rothaarige zubewegen, die nichts dagegen hat, zwischen ihnen zu tanzen. Drei Hüften bewegen sich zur Musik, hinter mir küssen sich die kleine und eine große Blonde, neben mir scheint der Ire irgendwas zu suchen.

Shangri-La, 1:00 Uhr

Im Bats fließt der Alkohol, sie ist schon lange fort, die Kollegin vergnügt sich mit einem schwulen Franzosen. Er fragt sie nach ihrer Lieblingsfarbe, ihrem Lieblingsphilosophen, ihrem Alter, ihrem Lieblingsfilm, ihrem Lieblingssänger, ihrem Freund… Sie sieht das anders, für sie ist es der Abschied von der Gruppe, ein Ausgleich dafür, dass hier keiner tanzen will. Nonchalant umgeht sie alle Regelungen, noch unbekümmert erfreut sie sich an der Einladung zum Cola.

Das habe sie doch nicht ernst gemeint, wird sie später sagen, sie wollte doch nur tanzen. Niemand hier wollte mit ihre tanzen, was sollte sie denn anderes machen als einen anderen, der sie anspricht, nicht fortzuschicken? Über das, was man macht, kann man ja später nachdenken. Später, wenn die Wirkung des Alkohols nachgelassen, der Wind wieder Frischluft in die Lungen gepumpt hat, wenn die Welt wieder grell und unnachgiebig wird. Wenn der Kontinent ein anderer ist.