Schlagwort: sonntagsarabesken

Er sucht sie. Sie sucht ihn. Doch beide finden sich nicht. Und als sie sich dann gefunden haben, war es auch schon wieder egal.

Sonntagsarabesken #144

Sie rief ihn an, sobald sie aus dem Flugzeug gestiegen war. Es läutete. Einmal. Zweimal. Dann hob er ab. Ihr Magen verkrampfte sich, als der erste Ton seiner dunklen Stimme ihr Ohr traf. Den ganzen Flug über hatte sie sich diesen Moment ausgemalt. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #143

Wie bewegt sich die Erinnerung? Fließt sie in langsamen Bahnen bergab, ruhig und bedächtig aber zugleich drohend und tödlich wie ein Lavastrom? Oder bahnt sie sich ihren Weg von unten durch die sedimentierte Lebenskruste einer Existenz, deren Oberfläche sich zu keinem Zeitpunkt wirklich zu festigen vermag? Weiterlesen

Sonntagsarabesken #142

Könnte ich Dich lieben? Ohne Dich zu begehren? Wie wäre das möglich? Wäre es überhaupt möglich? Die Stunde ist vorbei, die Minute, in der Du an meiner Seele vorbeigestreift bist, flüchtig und schön, unfaßbar und doch zugleich so greifbar wie nie zuvor und nie danach. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #141

Die Stadt ist ein Gefühl, das langsam wieder in meinem Körper erwacht. Sie kriecht mir unter die Haut, sie breitet sich aus in meinem Blut, sie füllt meine Nase mit ihrem Duft. Kühler Wind vom Meer, der manchmal Regenwolken mit sich trägt. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #140

Ein schwarzer Punkt zwischen den tief liegenden kleinen Augen der kühn gekerbten, umschatteten Fassade; kaum bewegt er sich, das schmale Gesims entlang balancierend, und noch hat keiner der tief unter ihm dahin eilenden oder in der Straßenbahn sitzenden oder sich an den Tischen des Stehcafé unterhaltenden Menschen ihn bemerkt. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #139

Es ist genug. Genug der unbegründeten Ängste, der unnötigen Gespräche und der unergründlichen Gedanken. Kälte kriecht hier durch alle Ritzen. Winter. Die Worte erfrieren, werden unterdrückt, hinuntergeschluckt, erreichen nicht einmal die Lippen des Sprechers. Es gibt ohnehin niemanden, der sie hören könnte. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #138

Er hatte das gute Gefühl, nichts sei unerledigt geblieben. Die Fenster waren gegen den drohenden Regen geschlossen, die Vase mit den dreizehn Rosen auf den Tisch gestellt, die Frau zum Abschied geküßt und die Türe doppelt versperrt worden. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #137

Das Schiff, ein schwarzer Punkt am Horizont. Es trägt Dich fort von mir. Die Sonne wärmt Deine Schultern, während Du am Heck stehend meine Gestalt aus dem Blick schon seit einiger Zeit aus dem Blick verloren hast. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #136

Drei Männer saßen auf der Terrasse. In bequemen Korbstühlen, mit Blick auf den Sonnenuntergang. Die Sonne: Ein roter Ball, der wie schmelzendes Kupfer auf dem ölig schwarzen Spiegel der Bucht zu zerfließen begonnen hatte. Kein Wind. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #135

Die Sonne bricht durch dunkelgraue Wolken. Ein kurzer Moment intensiv erlebter Schönheit, doch nicht von Dauer: Das Licht erstirbt wieder. Die Wärme auf seiner Wange schwindet. Ein kühler Windstoß bauscht die Vorhänge. Es ist wieder alles wie zuvor. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #134

Liebe. Bis in die entlegensten Winkel und Schluchten, an die entferntesten Strände und Bergflanken dringend, den Raum um und zwischen uns vollständig füllend. Das wunderbarste und ergreifendste Gefühl, das ich je hatte, durch Deine Abwesenheit aus dem ewigen Fluß der Zeit herausgeschnitten. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #133

Zwei Schatten tanzen an den sonnendurchglühten Sandsteinquadern der Hausfassade entlang. In kreiselnden, vorwärts drängenden, dann wieder zögernden, innehaltenden, vom Anderen trinkenden, sich ineinander verlierenden Bewegungen, die flüchtige Linien aus Sternenstaub zu ziehen scheinen. Mit einem Mal lösen sich die schlecht geklebten Schichten der verlorenen Zeit unter der Sommerhitze von einander ab, eine träge kriechende Flut unverdauter Bilder aus ihren Eingeweiden entlassend: Zu einer Musik, die weder Anfang noch Ende, weder Ausgangspunkt noch Ziel hat, beginnt die wilde Jagd, unter den schlanken Spitzbögen katalanischer Kreuzgänge hindurch, die doch nichts anderes sind als schnell angewinkelte Frauenschenkel, an den schimmernden Flecken reifer Orangen vorbei, die sich von einem Augenblick auf den nächsten, von großen schwarzen Löchern perforiert, zu dunkelroten Glühwürmchenlampen wandeln, eine Metamorphose des Sehens, des Fühlens, die den Geruch blonden Haares evoziert, das sich unter heftig fallendem Gewitterregen verdunkelt und doch nie anders gewesen sein kann, genaugenommen, so als habe es den Regen nie gegeben; die Nächte vergehen in rasender Eile und werden zu Tagen, zu Tagen voll fröhlicher Gespräche und tieftrauriger Begegnungen, zu langen Kaffeehausstunden, zu Momenten römischer Ausgelassenheit, den Straßenrand entlang tanzend, sich kreuzend mit dem unmerklichen Vergehen flüchtiger Stunden in halb gefüllten Zugwaggons, Spiegelungen im Fenster betrachtend und an Spiele und Blütenräusche der Kindheit denkend. Weiterlesen