Schlagwort: sonntagsarabesken

Er sucht sie. Sie sucht ihn. Doch beide finden sich nicht. Und als sie sich dann gefunden haben, war es auch schon wieder egal.

Sonntagsarabesken #132

Aus dem Fenster blickend, den Rücken der Stadt mit den Augen berührend, sich an den Kanten und Unebenheiten der Dächer entlang tastend; den grau gefleckten Himmel betrachtend, der die Konsistenz von Quecksilberdampf zu haben scheint. Ein kühler Luftzug streicht über meine Wange. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #131

Im Raum schwebt das Bild eines Bildes. Mit gesenktem Kopf wartet die Göttin auf das Nahen des Unwetters; schwarze Wolken schieben sich in brutalem Wirbel über den Himmel, ballen sich zusammen wie eine zum Schlag bereite Faust, regenschwanger, blitzbeladen. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #130

Aus ihrem Traum aufgeschreckt, leichenblaß, umklammert sie vermeintlich das Handgelenk des Geliebten, in Wahrheit doch nur die Finger in den eigenen Oberschenkel grabend. Sie hört die sich über Stock und Stein verfolgenden Stimmen, sich in unzähligen Salti überschlagend; sie sieht den Schatten des Kentauren, der mit mächtigen Schritten in den Hohlweg prescht. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #129

Ich höre Deine Atemzüge. Gleichmäßig, ruhig. Ich bin zufrieden. Denn ich liebe Dich. Solange Du bei mir, in meinen Gedanken, an meiner Seite bist, solange Du mich berührst, meine Seele streichelst, mich zum Lachen bringst, solange bewegt sich die Welt unbeirrbar in ihrer Bahn. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #128

Warum quälst Du mich? Warum quäle ich mich selbst? Wie ein Verrückter renne ich durch die sommerschwülen Gassen, zwischen den Gitterstäben meines gläsernen Käfigs gefangen. Ich habe alles Verlorene wieder gefunden geglaubt; doch der Sand des Glücks ist im Stundenglas verronnen, unerbittlich. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #127

Sie geht das Ufer entlang, langsam, die frische vom Wasser aufsteigende Luft atmend. Sie achtet auf das kleinste Geräusch, spürt, wie sich ihre Lungen füllen, fühlt sich stark, unverletzbar, an diesem verzauberten Ort, der sich seit ihrer Kindheit nicht verändert zu haben scheint. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #126

Ein Augenaufschlag genügt. Er glaubt den Blick zu erkennen, der sich in schräger Bahn, von der Höhe des obersten Treppenabsatzes herab, wie ein dunkler Pfeil den Weg in seine Magengrube bahnt. Ein Lächeln, schwacher Reflex auf porösem Stein. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #125

Verrat. Eine einfache Geschichte: Unversöhnlicher Haß, der aus rücksichtsloser Leidenschaft entspringt. Zwei Stimmen, die sich zuerst in beleidigenden Tiraden überschlagen; dann Stille. Plötzlich. Eisig und tödlich. Was ist geschehen? Halten die Geister kurz inne, bevor sie mit der eigentlichen mörderischen Beschäftigung, mit dem Kampf, beginnen wollen? Weiterlesen

Sonntagsarabesken #124

Ich schreibe gegen die Panik an. Die Panik, die Du mir bereits mehrmals verboten hast. Verbote wirken bekanntlich nicht, schieben das Wesentliche nur kurz aus dem Blickfeld, treten es in die weiche Oberfläche der gelebten Tage. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #123

Ein vertrauter Geruch, wie ein vertrautes Wort, eine Stimme, die sich durch die nachtschwarzen Windungen ihres Gedächtnisses schält. Es war die Macht des Schicksals, die das Bewußte von der Klarheit geplanter Zeit geschieden hat. In hastigen Worten ist das erklärt, während sich der Abschied hinzieht, sich verzögert, das Ankommen noch in Erinnerung, das Gehen noch nicht bewußt, noch lange nicht einmal als Möglichkeit angedacht, und jetzt: In andächtiger Trauer, schnell heraufgezogen wie ein Sommergewitter, steht man unter winterlicher Blutsonne und hält die Hand des Anderen. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #122

Ich habe einen Gedanken, der ganz mir gehört. Die roten Lampions schwingen aufgeregt in spätwinterlichem Sturm. Auf der Brücke ist es eisig kalt. Blauer Rauch schraubt sich aus hohen Schlot in schräg gewundener Säule in den Nachthimmel. Weiterlesen

Sonntagsarabesken #121

Echo einer verlorenen Welt: Worte des hinter dichten Dunstschleiern verschwundenen Jahres, die durch den Zauber damals noch nicht zu ahnender Liebe viel an Gewicht verloren haben. Das Frühlingslicht kehrt wieder und wieder; es schwindet, löst sich auf in der gierigen Hitze des Sommers, lebt weiter unter dem golden schimmernden Rost des Herbstes, zittert sich durch den Winter, um im folgenden Jahr von Neuem seine augenzwinkernde Gutmütigkeit an die Menschheit zu verschwenden. Weiterlesen