Uber verliert Lizenz in London

Uber hat seine Lizenz als Fahrdienstvermittler in London verloren, da das Unternehmen keine unternehmerische Verantwortung zeige:

Die Behörde Transport for London erklärte, Uber sei nicht „fähig und geeignet“, um eine neue Lizenz zu erhalten. Das Verhalten des Dienstes könne Folgen für die Sicherheit seiner Fahrgäste und der Öffentlichkeit haben. Im einzelnen gehe es unter anderem um das Melden ernsthafter Straftaten und die medizinische Begutachtung der Fahrer. Die Behörde nannte keine konkreteren Kritikpunkte dazu. Uber entgegnete, man habe sich immer an die Regeln zum Melden von Straftaten gehalten. […] Die Arbeitsbedingungen seien prekär, Sicherheitsrichtlinie würden nicht befolgt, Steuern und Abgaben nicht ordnungsgemäß entrichtet. „Das Geschäftsmodell von Uber zeugt von einem Mangel an unternehmerischer Verantwortung“, sagte ein Sprecher von Transport for London am Freitag.

Uber veröffentlichte ein schwülstiges Statement dazu und startete eine Petition für den Verbleib.

Es lohnt sich, die Rülpser in diversen Kommentaren zu lesen, den Kopf zu schütteln, und den Bescheid der Behörde als Regulierung – und damit als Schutzmaßnahme – zu verstehen. Aber dieses Verständnis erfordert dann doch wieder Reflexion. Siehe Twitter.

Aktualisierung am 24.9.2017: Und schon kommt die „male white commentators“-Keule, mit der die Entscheidung der TfL relativiert wird.

Was Automatisierung für die Arbeit bedeutet

Ö1 hat die Podiumsdikussion anlässlich der Präsentation Matthias Beckers Buch „Automatisierung und Ausbeutung. Was wird aus der Arbeit im digitalen Kapitalismus?“ in Digital.Leben übertragen. In der Diskussion kamen Fragen auf, wie „Wie kann man mit Arbeitsformen umgehen, die durch die Digitalisierung erst geschaffen wurden, zum Beispiel wie auf der Plattform Uber?“, „Wie steht es da mit Ausbeutung und Überwachung?“. Und „Was kann man tun, um Teil der Lösung und nicht Teil des Problems zu sein?“

Besonders zur letzten Frage hat die Historikerin Andrea Komlosy die Unwirksamkeit des „kleinen, persönlichen“ Tuns betont und auf die Notwendigkeit der Politisierung hingewiesen:

Jeder glaubt ja, er oder sie trägt irgendwie mit der kleinen, persönlichen Lebensführung […] ein wenig zur Rettung der Welt bei, aber ich glaube […], dass eine Repolitisierung stattfinden muss. Wir beobachten meiner Meinung nach das Ende der Massenparteien, das mit dem Ende der industriellen Massenproduktion in der Fabrik einhergeht; und das ist das Ende der bürgerlichen Politik. Der Sozialdemokratie geht das politische Subjekt, nämlich die Arbeit der Arbeiter, verloren, und auch die Christlich-Sozialen wissen […] nicht mehr, welchem Bund sie noch nachweinen sollen. Es geht darum, eine Repolitisierung zu betreiben, weil nur so kann man die Bedingungen für die Ausgestaltung der Technik überhaupt vorantreiben.

Oder im Klartext: Auf Uber verzichten bringt, zumindest aus dieser Sicht, nichts.

Ubers „God View“

Kein Tag ohne neue und unschöne Nachrichten von Uber. Gestern hat Will Evans einen Beitrag auf Reveal (dem „Center for Investigative Reporting“) veröffentlicht, in dem er Uber schwere Datenschutzvergehen vorwirft. Zentrales Element der Vorwürfe ist: Uber scheint praktisch alle Datenschutzrichtlinien, auch seine eigenen, zu ignorieren.

Internal Uber employees helped ex-boyfriends stalk their ex-girlfriends and searched for the trip information of celebrities such as Beyoncé, the company’s former forensic investigator said. “Uber’s lack of security regarding its customer data was resulting in Uber employees being able to track high profile politicians, celebrities, and even personal acquaintances of Uber employees […] After news broke two years ago that executives were using the company’s “God View” feature to track customers in real time without their permission, Uber insisted it had strict policies that prohibited employees from accessing users’ trip information with limited exceptions.

But five former Uber security professionals told Reveal from The Center for Investigative Reporting that the company continued to allow broad access even after those assurances. Thousands of employees throughout the company, they said, could get details of where and when each customer travels.

Wenn ich mir in Erinnerung rufe, dass Uber Ortsdaten auch noch bis 5 Minuten nach der Fahrt aufzeichnet, dann wird das alles plötzlich noch interessanter.

Uber: Preis einer Fahrt zu 59% subventioniert

Das Uber-Geschäftsmodell lässt sich in etwa so zusammenfassen: Subventionen sollen die vorhandene Transportinfrastruktur stören und zur Bildung eines gewinnbringenden Ökosystems führen. Ist das System aufgebaut (und die vorher vorhandene Transportinfrastruktur ausgetrocknet), dann wird die de facto Monopolstellung des Taxiunternehmens zur natürlichen Erhöhung der Preise und damit zur Profitabilität führen.

Uber sammelt Ortsdaten auch nach der Fahrt

Und die Versprechung billigen Taxifahrens bringt ein neues Opfer. Die neue Version der Uber App zeichnet Ortsdaten länger auf als geglaubt.

Previously, Uber only collected location information while a user had the app open – now, Uber asks users to always share their location with the ride-hailing company.

Wie Uber seine Fahrer kontrolliert

Wie hält Uber knapp 400.000 Fahrer unter Kontrolle und behält dabei den Status einer „Vermittlerplattform“ bei? Ganz einfach (so der verlinkte Artikel). Man täuscht vermittels Technologie über die wirklichen Machtverhältnisse hinweg. Ein Algorithmus überwacht den Taxifahrer und die Fahrgäste ergänzen die dauerhafte Überwachung durch punktuelle Feedbacks. Kein Taxifahrer wird unmittelbar bestraft, mittelbar durch die Herabsetzung der Wahrscheinlichkeit neuer Kunden (und dem damit einhergehenden Verdienstentgang) aber sehr wohl.

Through Uber’s app design and deployment, the company produces what many reasonable observers would define as a managed labor force. Drivers have the freedom to log in or log out of work at will, but once they’re online, their activities on the platform are heavily monitored. The platform redistributes management functions to semiautomated and algorithmic systems, as well as to consumers. Algorithmic management, however, can create a deal of ambiguity around what is expected of workers — and who is really in charge. Uber’s neutral branding as an intermediary between supply (drivers) and demand (passengers) belies the important employment structures and hierarchies that emerge through its software platform.

Es ist schon sehr genial, wenn ein Taxiunternehmen ohne Taxis seine Fahrer, die nicht angestellt sind, mittels Software, die die Umstände nicht kennt, bewertet und diese Bewertungen von kostenlosen Arbeitskräften, die für die Fahrten auch noch bezahlen, verifizieren und damit sein eigenes Geschäft verbessern lässt. Gute Fahrt!