2013 in einem Absatz zusammengefasst #

Die Essenz des Jahres 2013 in einem Absatz von Sascha Lobo zusammengefasst.

Wanzen in USB-Steckern, Postpakete, die geöffnet werden, um Spähgut einzubauen, spionierende Monitorkabel, völlig neue Arten von Überwachungsgerät, die auch offline funktionieren und per Radar aktiviert und ausgelesen werden können und in der Lage sind, Stimmen aufzuzeichnen, der Einbau von sogenannten Backdoors in die Hardware praktisch aller großen US-Tech-Unternehmen von Dell bis IBM, ein eigenes, sekundäres NSA-Internet neben dem bekannten Internet, das nur für die weltweite Bürgerüberwachung existiert. […] Langsam lässt sich eine gewisse Unruhe in der Bevölkerung ausmachen, sogar bei denjenigen, deren Sommermantra lautete „Ich habe doch nichts zu verbergen“. Sollte es am Ende doch nicht nur der Terrorismusabwehr dienen, alle, alle, alle, immer, immer, immer zu überwachen?

Guten Rutsch! #

Zum Befürchten kommt es gar nicht mehr #

Thomas Assheuer hat das Gefühl, beim Internetsurfen beobachtet zu werden, zum Thema gemacht und räumt dabei mit vielen Plattitüden das Problem negierender Rechtfertigungsrhetorik auf. Seine Argumentation ist solide, stringent, plastisch, faktenreich und bedient sich der Konstruktion eines „persönlichen Datenzwillings“.

Dieser „persönliche“ Datenzwilling hat für den Originalmenschen etwas zutiefst Unheimliches, und zwar nicht nur deshalb, weil man ihn nicht sieht, sondern weil er zugleich aus Eigenem wie auch aus Fremdem besteht. Sein „Datenkörper“ verdankt sich der lebendigen Ausgangsperson und ihren Suchbewegungen; doch sein „Charakter“ und seine „Seele“ werden von der Internetindustrie definiert – von fremden Blicken, fremden Interessen, fremden Profilern.

Die Verbindung des realen mit dem digitalen Zwilling ist enger als man es sich vorstellen möchte. So eng, intensiv beidseitig und gleichzeitig, dass das Argument, nichts befürchten zu müssen, weil man ja nichts zu verbergen habe, seinen Angriffspunkt verfehlt. Es ist ja nichts da, das befürchtet werden könnte, wenn es bereits in Selbstzensur untergegangen ist.

Kann man sich vornehmen, einen Gedanken erst gar nicht zu denken – oder hat man ihn dann bereits gedacht? Die Perfidie der Überwachung besteht ja gerade darin, dass sich die Beobachter nicht identifizieren lassen; man weiß von ihnen nur, dass man nichts von ihnen weiß. Sie müssen gar nicht drohen und fuchteln, es reicht, wenn sie Ungewissheit erzeugen. […] Das reicht schon. Es könnte sein, dass man beobachtet wird – schon dieser Gedanke ist eine Nötigung, er macht unfrei und zwingt den Internetbenutzer dazu, sich in daueralarmierter Wachsamkeit mit dem Auge des Beobachters zu beobachten. Was weiß er, was ich nicht weiß? Bin ich verdächtig? Bin ich schuldig?

Ein guter Artikel mit interessanten Querverweisen, der zeit.de wiedereinmal als eines der führenden Onlinemagazine im deutschsprachigen Raum definiert. Ein Horrorbeitrag eines bedrohten Berufsstands zur Lage unserer freien und demokratischen Gesellschaft am Ende des Jahres 2013. #

Was bedeutet Überwachungsstaat?

Momentan macht manniacs Video „Überwachungsstaat – Was ist das?“ im deutschsprachigen Raum die Runde. Zurecht, wie ich finde, da es die Debatte über die verdachtlose Überwachung aller Bürgerinnen und Bürger auf eine Art und Weise erklärt, die nicht nur auf die Absurdität diverser Argumente hinweist, sondern grundsätzliche Fragen, wie zum Beispiel die schwierige Balance zwischen Schutzfunktion des Staates und Freiheit der Bürger, klärt.

Warum Überwachung keinen vom Hocker reißt #

Die Zeit Online hat 3 Statements zum Thema Warum PRISM keinen vom Hocker reißt und niemand dagegen protestiert veröffentlicht. Der Schriftsteller Daniel Suarez kritisiert darin die mittlerweile aufs Akzeptieren von großem Verlust als Gegenleistung für Banalitäten gedrillten Konsumenten, die es hassen…

auf handfeste Vorteile zu verzichten, nur um eine unsichtbare Schandtat zu stoppen. Besonders deutlich wird das immer dann, wenn wir irgendwelchen Nutzungsbedingungen von Apps zustimmen, die Zugriff auf unser Adressbuch, unsere Anrufliste oder unseren Standort haben wollen – nur damit wir aktuelle Restaurant-Bewertungen oder so etwas bekommen.

Viktor Mayer-Schönberger, Professor für Internet Governance and Regulation, warnt vor der Prognosefähigkeit von Big Data aus scheinbar belanglosen Einzelinformationen.

aus kleinsten Veränderungen des Einkaufsverhaltens erkennt etwa die Firma Target in den USA mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass eine Kundin schwanger ist (sogar der Geburtstermin lässt sich relativ genau vorhersagen). […] 30 Bundesstaaten in den USA nutzen empirische Datenanalyse um vorherzusagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Häftling, der einen Antrag auf vorzeitige Entlassung stellt, in den nächsten zwölf Monaten wieder in eine Schießerei verwickelt wird.

Und Byung-Chul Han, Philosoph und Kulturwissenschaftler, fürchtet, dass das digitale Panoptikum, eine Horrorvision, bereits als alltäglich akzeptiert und das Handeln dementsprechend verändert worden ist.

Überwachung und Ausspionieren sind ein inhärenter Teil der digitalen Technik. Sie sind ein allgemeiner Habitus in der Welt, die ein digitales Panoptikum geworden ist. Jeder ist Big Brother und Insasse zugleich. Jeder ist Täter und Opfer zugleicht.

Okay, und jetzt geht mal schnell eure Gmail-Accounts checken, denn wenn ihr nichts zu verbergen habt, habt ihr ja nichts zu befürchten. #