Betreiber von Facebook-Seiten sind mitverantwortlich

#Das ist ja mal eine erfrischende Entscheidung des EuGH, wenngleich ich sie, wäre ich nicht so dermaßen befangen, als fürs Onlinemarketing nahezu katastrophal bezeichnen würde:

Der Betreiber einer Facebook-Fanpage ist gemeinsam mit Facebook für die Verarbeitung der personenbezogenen Daten der Besucher seiner Seite verantwortlich. Die Datenschutzbehörde des Mitgliedstaats, in dem dieser Betreiber seinen Sitz hat, kann […] sowohl gegen ihn als auch gegen die in diesem Mitgliedstaat niedergelassene Tochtergesellschaft von Facebook vorgehen.

Der Datenschutz-Generator Thomas Schwenke hat auf Allfacebook einen lesenswerten und äußerst ausführlichen, mit Tipps gespickten Kommentar dazu veröffentlicht. Und auch Ritchie Pettauer hat sich auf seinem Blog superschnell zum Urteil geäußert. – Mich braucht niemand auch nur anzuschauen, wenn es um das Für und Wider einer Facebook-Fanpage geht, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls sehe ich dem Wahnsinn entspannt zu und wünsche den meisten Coffeeshops, Restaurants, Konditoreien und anderen hippen Lokalen in Wien viel Glück in der Zukunft. SSKM. Denn, ganz ehrlich, eine Restaurant-Website kostet 75 Euro/Jahr und macht, richtig konfiguriert, in Bezug auf die DSGVO oder andere, datenschutzrechtliche Bestimmungen, keinerlei Probleme. Und nein, niemand kann mir von der Unkenntnis über das auf People Farming basierenden Geschäftsmodell von Facebook erzählen. Niemand.

Jaron Lanier nimmt Social-Media-Nutzer in die Pflicht#

Jaron Lanier nimmt Nutzerinnen und Nutzer von Social Media in die Pflicht. Sie müssen sich entscheiden, ob sie entweder ihre Accounts löschen oder ob sie sie behalten und lernen, was da eigentlich mit ihnen passiert. Für Jaron Lanier ist das Wissen über die Ausnutzung der Wechselwirkung zwischen Dopaminausschüttung und Social Media-Angebot (durch Konzerne wie Facebook, Twitter, YouTube und Instagram) Teil des digitalen Alphabetismus, der Selbstverantwortung und Mündigkeit.

People have to take responsibility to become literate in a new way if they are going to use the technology at all. So if you just can’t find it in yourselves to delete all your social media accounts, then you must take it upon yourself to really learn how it works. Learn how the addiction cycle works. Learn how the manipulation works. Become aware of it. If you can’t make one of those two choices you’re becoming a drone and you’re not really functioning as a citizen in the new world. I have to be very blunt about that. Those are the choices available to you. There are no others.

In anderen Worten: Entweder, man verlässt Facebook, verlässt Twitter, verlässt Instagram und schließt seine Konten bei allen anderen Social Media-Diensten, oder man lernt, wie diese Services funktionieren und wie sie sich auf unser Gehirn auswirken (Stichwort „social-validation feedback loop„). Wenn aber beides nicht möglich ist, dann muss allen die Konsequenz klar sein: Unreflektierte Nutzung von Social Media macht aus einer mündigen und reflexiven Person einen, wie es James Shelley in einem Kommentar zu Jaron Lanier formuliert hat, „mindless, scrolling automaton, endlessly seeking the next ping, like a pigeon in a B.F. Skinner experiment.“