Google-Suchen führen in 50,33% zu keinem Klick

Google hat seine Suchergebnisseiten so sehr darauf ausgelegt, direkt und unmittelbar Antworten auf Suchanfragen zu liefern, dass nun (Juni 2019) der Punkt erreicht ist, bei dem mehr als die Hälfte aller Suchen überhaupt keinen Klick mehr auf externe Sites – ja, das sind unsere Websites! – auslöst.

Wozu auch? Was unmittelbar auf der Seite beantwortet wird, braucht ja auch keine Weiterleitung. Wetter? Liedtexte? Flüge? Hotels? Nope. Alles wird direkt bei Google erledigt. Google ist ein Walled Garden geworden, auch wenn nach wie vor 45,25% der Suchen zu Klicks führen und die Klicks auf Werbung bei „nur“ 4,42% liegen.

Markdown und alles ist gut? Nein!

Dave Winer relativiert seine Aussage zum Thema Facebook.

Facebook can get back in my good graces by supporting four things in common posts: 1. Linking. 2. Simple styles. 3. Titles. 4. Enclosures (for podcasting). If they did that I will become a Facebook evangelist. I want Facebook to become an excellent blogging surface. It would be good for blogging. Possibly very good. And it would help Facebook and the open web hook up. We could become friends. ;-)

Das glaube ich nicht. Facebook ist und bleibt das Gegenteil eines offenen Web. Selbst wenn der Werbekonzern Winers vier Wünsche erfüllen würde, wäre die Plattform nur erweitert, keinesfalls aber offen. Nicht nur schränkt Facebook das Internet in seinem Walled Garden ein, der Konzern animiert Nutzer der Plattform auch nicht dazu, sich selbst mit dem grundlegenden Wissen über das Funktionieren des Internets zu befassen. Und jede Plattform, die versucht, grundlegendes Wissen vom Benutzer fernzuhalten, ist ein Lock-In.

Links zu Facebook? Nein.

Dave Winer hat einen Blogeintrag veröffentlicht, in dem er drei Gründe nennt, weshalb er keine Links auf Facebook setzt. Alle drei haben mit dem Walled-Garden-Charakter von Facebook zu tun, der es unmöglich macht, das Nutzererlebnis abzuschätzen, das offene Web zu erhalten und zu garantieren, dass Facebook diese Links auch noch in Jahren bereithält.

The more people post there, the more the web dies. I’m sorry no matter how good your idea is fuck you I won’t help you and Facebook kill the open web. […] Get a blog. If your ideas have any value put them on the open web. Facebook is trying to kill it. Trust me you will hate yourself if they succeed. Same with Google.

John Gruber, der aus den gleichen Gründen wie Dave Winer versucht, Links auf Facebook zu vermeiden, ergänzt:

You might think it’s hyperbole for Winer to say that Facebook is trying to kill the open web. But they are. I complain about Google AMP, but AMP is just a dangerous step toward a Google-owned walled garden — Facebook is designed from the ground up as an all-out attack on the open web. […] Treat Facebook as the private walled garden that it is. If you want something to be publicly accessible, post it to a real blog on any platform that embraces the real web, the open one.

Es ist für mich kein Problem, auf die beiden Artikel von Winer und Gruber zu verlinken und ich kann mir sicher sein, dass diese Links nicht durch irgendeine Facebook-Aktion zerstört oder unbrauchbar gemacht werden; vor allem aber wird die Attributionskette aufrechterhalten und es ist nachvollziehbar, wer der Urheber des ursprünglichen Artikels ist.

Wie die Attributionskette verloren gehen kann (und damit der Autor eines Beitrags), hat John Gruber im oben verlinkten Artikel am Beispiel der zweimaligen Begegnung von Marc Haynes mit dem kürzlich verstorbenen Roger Moore eindrucksvoll aufgezeigt. Die berührende Geschichte ging viral und wurde zig Mal geteilt. Marc Haynes hat sie jedoch auf Facebook veröffentlicht1 – und sich damit selbst ins Off gesetzt, denn in Suchmaschinen existiert der Facebook-Eintrag de facto nicht.


  1. …und hier verlinke ich ausnahmsweise zu Facebook. 

Bloggen auch noch im Jahr 2017

Tim Bray bloggt auch noch im Jahr 2017 und er hat nicht vor, damit aufzuhören. Vor allem hat er aber nicht vor, die Idee eines offenen Internets zugunsten eines Walled Garden einzutauschen.

A lot of good writ­ing is on Medi­um, which has learned its blog­lesson­s. Shortish-to-longish for­m: check. Some­thing fresh ev­ery day: check. Fol­low your faves: check. But on my phone, an ir­ri­tat­ing goober at the screen’s foot says “open in app”, try­ing to tempt me out of the bl­o­go­sphere, off of the We­b. I guess lots of peo­ple go there but I’m not gonna. […] The great dan­ger is that the Web’s fu­ture is mall-like: No space re­al­ly pub­lic, no store­fronts but na­tion­al brands’, no vi­su­als com­posed by am­a­teurs, noth­ing that’s on of­fer just for its own sake, and for love.

Ein Angebot einzig um der Sache willen. Wow. Ich hätte mir nie gedacht, dass sich das jemals wie ein Privileg anhören würde. Aber gut, was wundert es mich, wenn ich mittlerweile mehrere Menschen kenne, die sich selbst solange völlig verneint haben, bis sie in ihren beruflichen Ambitionen aufgegangen sind und damit ihr Leben einem Zweck unterstellt haben.

App statt Web

Walled Gardens in Form von Apps wie Facebook, WhatsApp oder Instagram, die noch dazu alle von einer einzigen Firma entwickelt und betrieben werden (nämlich Facebook), sind das, was wir heute als das Internet wahrnehmen. Das hat es vor 30 Jahren schon einmal gegeben. Damals hießen die großen Player BTX, CompuServe und AOL.

Das vor etwas mehr als zehn Jahren entstandene Web 2.0 ist im Kommunikationsalltag der meisten Menschen kaum noch relevant: Private Blogs spielen heute fast keine Rolle mehr, Nutzer veröffentlichen ihre Inhalte überwiegend auf geschlossenen Silos wie Facebook, Snapchat, Musical.ly oder Instagram […] Das dezentrale und offene Internet hat sich zentralisiert. […] Das Internet zu Beginn des Jahres 2017 weckt damit Erinnerungen an die Anfänge der Online-Revolution: Wie einst auf den geschlossenen Plattformen BTX und Compuserve bleiben die Nutzer bei Snapchat unter sich. Rund 35 Jahre nach Einführung von BTX prägen wieder sogenannte Walled Gardens den Alltag der meisten Internetnutzer. Die Apps nutzen die technischen Grundlagen des offenen und freien Internets, entsprechen aber nicht mehr seinem Geist.

Den „Gegentrend“, den Stephan Dörner im t3n-Magazin zu sehen vermeint, kann ich nicht erkennen. Eher noch eine umso stärkere Zentralisierung, denn die Einschränkung durch Apps und das Walled Garden-Phänomen gibt es seit spätestens 2010. Ja, es werden immer weniger Apps heruntergeladen, installiert und benutzt, aber das bedeutet nicht, dass die Hersteller der wenigen Apps, die übrig bleiben – und das sind die eingangs genannten – nicht umso mehr daran setzen werden, ihre ausbeuterischen Angebote als das freie und offene Internet zu propagieren. Und das ist der essentielle Unterschied zu früher.

micro.blog

Manton Reece will ein alternatives Social Network aufbauen, in dem die eigenen Inhalte einem selbst gehören und nicht in einem Walled Garden gefangen sind.

In the earlier days of the web, we always published to our own web site.

Der umzäunte Garten Internet

Es ist schon erstaunlich, wie schnell soetwas geht. Erst vor drei Jahren habe ich auf einen Artikel verlinkt, in dem vor der Parzellierung des Internet durch Apps und in sich geschlossene Netzwerke (wie Facebook) gewarnt wurde. Heute zeichnet Mark Surman vom Mozilla Projekt ein trübes Bild der Fortsetzung dieses Prozesses.

Right now the web is a huge source of empowerment; it’s the spark for untold amounts of creativity and innovation. But I worry that as billions more people come online in the next decade, they won’t have the same Web we had. These [do it yourself] ideals are losing ground as the mobile Internet becomes less open, less accessible to every-day people. Fewer and fewer individuals getting online today have the know-how or the tools to make the Internet theirs, to create their song, share their cause, or spread their idea in the broader digital world. Mobile is a gated world where you have to ask permission to build a new cool thing and put it in an app store. There has never been a more important time than now to roll up our sleeves and build it, teach it; loosen the gatekeeper’s grip.

In einem Gespräch mit einem Freund erwähnte dieser beiläufig, dass alle, die heuer jünger als 14 oder älter als 41 seien, das Internet ohnehin nicht so verstünden wie wir. Sie würden es nur als die unsichtbare Black Box wahrnehmen, aus der die kostenpflichtigen Apps auf ihren mobilen Endgeräten ihre Daten holten.

Apps, die umzäunten Gärten des Internet

Viele Netzbeobachter sehen die Zukunft des Internet in „Walled Gardens“, also in Form von Subsystemen des Web, die Inhalte in an ein bestimmtes Format gebundener Form verfügbar machen. Fürs eBook braucht man Amazons Kindle; für Apps benötigt man Apples iPhone oder das iPad; um Inhalte hochladen zu können, benötigt man ein Facebook-Konto. Was sie alle gemeinsam haben? Das Internet ist ein kostenloses und offenes System – gewesen. eBooks, Apps und Facebook machen daraus eine Ansammlung von zum Teil kostenpflichtigen Subsystemen.

Was früher AOL, Prodigy und CompuServe gebildet haben, bilden jetzt Facebook, Apple und andere geschlossene Systeme: Subsysteme des Internet, die vermeintlich Erleichterungen und Benefits mit sich bringen.

Diese Entwicklung, hier am Beispiel Facebook, wird über kurz oder lang zum Problem werden.