Mehreinnahmen durch nicht personalisierte Werbung

Im Mai 2018, stark motiviert durch das Inkrafttreten der DSGVO, hat die Nederlandse Publieke Omroep (das ist das niederländische Äquivalent zu ORF oder BBC) ihre Werbestrategie von einem auf Personalisierung basierenden System weg und hin zu kontextbezogener, aber nicht personalisierter Werbung bewegt.

Ad

Google Ads sehen nun aus wie organische Ergebnisse. Anstelle des Favicons zeigt Google bei Werbungen ein Label – eben: Ad – an. Das stößt, verständlicher Weise, auf wenig Freude.

Google’s ads look just like the search results now. The company hasn’t been a „search engine“ for a long time now, but the takeover of the company by biz dev & sales folks is complete.

Jason Kottke auf Twitter

Mir gefällt, wie Michael Tsai die Situation mit den Ad-Labels bezeichnet. Er dreht den Spieß um und meint in seiner lesenswerten Zusammenfassung: Every Google Result Now Looks Like an Ad.

Produktscanner für bei Facebook hochgeladene Fotos

Aus einem Patent wurde bekannt, dass Facebook hochgeladene Fotos scannen, die darin abgebildeten Produkte erkennen, und diese Informationen verwerten will.

If a Facebook user snaps a selfie sipping a unicorn frap at Starbucks and then shares that selfie on Facebook or Facebook-owned Instagram, Facebook’s newly patented technology can theoretically scan the photo and spot the Starbucks cup […] Facebook can then sell that info to Starbucks, presumably alerting the coffee giant to the fact that you like its product, so it will buy ads on Facebook to sell you more Starbucks.

Erträgliche Werbung

Tom Goodwin bringt in drei Tweets auf den Punkt, wofür es ganze Lehrgänge gibt.

I, like everyone on the planet, have clicked on an ad maybe twice ever. And I buy a tonne of stuff & more expensive stuff, because of the Brand. When will this deeply stupid entire industry get this & make decent ads on the newer screens. […] Either make delightful ads that seduce in ways we’ve only ever dreamed of using the delights of high resolution, beautifully glistening images, parallel effect etc. Or/and after, turn my current interest and impulse thirst into something I can buy from with at best 2 wonderful clicks.

„Find out more“  or „Visit our website“  is to show only interest in data capture and to ignore everything sensible.

Tom Goodwin, Twitter

Womit er recht hat, hat er recht! (Wobei ich eine ganz eigene Empfehlung zum Thema Onlinewerbung habe.)

Etwa die Hälfte aller Klicks auf Onlinewerbung erfolgt irrtümlich

Nur, um das den Skeptikern als Bestätigung und den Optimisten als Abkühlung einmal vorzuhalten: Gilt, was Scott McNealy (Mitgründer von Sun Microsystems) vor 2 Jahren zu sagen hatte, heute immer noch?

It was in the mid-90s AT&T did the first digital banner ad, and they had a 43 percent click-through rate […] Now, the click-through rates are under 1 percent. Twenty percent of the people have ad blockers … As many as half the click-throughs are accidental.

Scott McNealy in einem Interview auf CNBC

Eine Click-Through-Rate von unter 1 Prozent und die Hälfte davon ist gar nicht gewollt. Wow! Da wird Geld in großem Stil verbrannt… Und dessen sind sich alle relevanten Plattformen, die Onlinewerbung anbieten (ähm, also eh nur Google und Facebook) bewusst. Eine Suche nach „accidental clicks on ads“ (oder noch besser „accidental clicks on mobile ads“) bringt da klingende Probleme wie den Fat-Finger- oder Hair-Trigger-Klick ebenso ans Tageslicht, wie die tatsächlich banalen Lösungsversuche. Soweit ich das beurteilen kann, scheint die aktuelle Lösung noch immer darin zu liegen, irrtümliche Klicks im Nachhinein mittels eines Bounce Rate-Indikators (Verweildauer ≤ 2 Sekunden) zu identifizieren. Im Nachhinein ist nie gut und öffnet die Schleusen für Skepsis. Echtzeitlösungen sind gefragt, die die Intentionalität von Klicks bewerten und noch vor dem Aufruf der Landing Page potentiell abbrechen. – In so einem Fall muss sich die Industrie allerdings schon die Frage stellen, wie viel Intention einem Klick auf ein Interstitial tatsächlich innewohnt.

Die Volvo XC60-Werbung „Moments“

The New Volvo XC60 - Moments

Volvo beschreibt seinen Spot mit „Sometimes the moments that never happen, matter the most“. Selten hat eine Werbung eine so gut herangeführte und dermaßen solide ausgearbeitete Klimax wie diese. Ich empfehle Kopfhörer, Vollbild und die höchste, verfügbar Qualitätsstufe.

So gut und schön die von Volvo angepriesene Technologie auch sein mag, eines wird in diesem kurzen Film aber wieder ganz klar: Autos sind gefährliche Maschinen, egal, wie sehr wir uns an sie gewöhnt haben, denn sie werden von uneinsichtigen, emotionalen, schläfrigen, unkonzentrierten, SMS-schreibenden, betrunkenen, streitenden, kurz: sich selbst maßlos überschätzenden Menschen bedient.