Gutenberg? Noch immer: nein.#

Alexander Kunz mag den Gutenberg-Editor in WordPress immer noch nicht. Sein größtes Problem ist mein größtes Problem: Gutenberg eignet sich absolut nicht, um Texte zu verfassen, die über 1 oder 2 Absätze hinausgehen. Kunz hilft sich hier mit dem Classic-Editor.

In an attempt to not go crazy while drafting, I inserted a “Classic Editor” block to write all my text in it as one piece, and then maybe, at the end when I think I’m done writing, convert it into paragraph-blocks, for the sake of using them. […] For my regular text, the Gutenberg blocks are of absolutely no use to me. I much prefer it that all text “sticks together” as one unit, in the Classic Editor. What I’m writing is one visual piece, and not fragmented into tiny blocks with flickering UI elements.

Und etwas später dann im Beitrag bringt er auf den Punkt, was ich mir jedes Mal denke, wenn ich damit arbeiten muss:

For the mundane everyday task of just writing, [Gutenberg] is a flickering, confusing, dysfunctional click-orgy.

Es ist schon beachtlich, was da bei WordPress passiert ist. Habe ich früher oft und gerne im (Classic-) Editor Texte verfasst, so schreibe ich heute nahezu alles in MarsEdit, lade es als Entwurf in WordPress hoch, konvertiere den als „Classic“ gespeicherten Text in Gutenberg-Blöcke und veröffentliche dann.

Mythen und Fakten über WordPress-Security

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Von WordPress zu Joomla, weil… Gutenberg#

André Jutras ist mit seinem Blog (!) von WordPress zu Joomla gewechselt. Die Begründung: Gutenberg.

WordPress 5 now includes the very controversial Block Editor (Gutenberg) as your official post editor. That was phase 1, and there are more phases of WordPress coming. Say goodbye to widgets, sidebars, and later will be headers, footers, and more. […] WordPress is no longer going to be the blogging platform that you’ve become accustomed to. My prediction based on what their development team is doing and reading tons of articles, WordPress will transform into a page building product. Possibly as a service at some point.

Es scheint also, dass auch andere meine Befürchtung teilen. (Wenngleich ich keinen so radikalen Schritt setzen und von WordPress zu Joomla wechseln würde.)

WordPress betreibt nun 33% aller Websites#

Letzten März waren es noch 30%, heute wird ein Drittel aller mit einem Content Management System (CMS) betriebenen Websites mit WordPress betrieben. 33% für WordPress, wow!

Diese Zahl wird umso bedeutender, wenn man sich vor Augen hält, dass zwar 45% aller Websites ohne CMS betrieben werden, der nächste Konkurrent zu WordPress – es ist Joomla – allerdings mit einem Wert von 3% auf Platz 3 aufscheint! Google hat also nicht umsonst schon im Dezember 2017 begonnen, WordPress aktiv zu unterstützen.

Ein paar weitere CMS, die man eventuell kennt: Drupal 1,9% (Platz 4). Wix 1% (Platz 7). Typo3 (0,7%, Platz 11 – LOL, das nutzt noch wer?!). Medium, letzten März noch vorhanden, ist offenbar aus der Liste gefallen.

Gutenberg: spielen, bis WordPress kaputt ist#

Drüben bei WP Forks mag man Gutenberg so gar nicht:

The way WP used to work was, you chose a theme that you thought looked right for your site, and it took care of how everything actually worked. All you had to do was add your content, using an editor that worked just like any other word processor.

If you wanted extra capabilities, you could use shortcodes or plugins that would do it for you. If you needed to, you could even switch to Text mode and tweak the HTML yourself.

That is how things have worked for years, and it worked just fine. But WP have played with the CMS until they broke it, and like a guilty child, are refusing to admit it was their fault. Instead, they simply accuse you of being stuck in your old ways and refusing to move with the times.

Sicherlich, die Agenda bei WP Forks lautet, ClassicPress zu promoten; dennoch ich kann mich der Momentaufnahme nur anschließen. Die Beweggründe für den Wechsel zu Gutenberg sind mir schleierhaft und es gibt keine einzige Site, auf der der neue Editor nicht zu Problemen geführt hat. Ich selbst kämpfe fast täglich hier auf meiner Site mit Tastenkombination, die nicht so funktionieren, wie sonst überall im System, oder mit zerstörten Galerien, die erst funktionieren, wenn man das leidige Jetpack-Plugin installiert.

Nutze niemals Visual Composer. Niemals.

Hier schreibt Amanda Rush Wahres:

I should be able to charge extra for editing content on any site with Visual Composer involved. That plugin is the bane of my existence […] It is very time-consuming and tedious, along with probably being traumatizing, for anyone to have to learn the non-standard idiosyncracies of this kind of generated markup. Friends don’t let friends use this plugin. Enemies probably shouldn’t let enemies use it either.

Friends Don’t Let Friends Use Visual Composer. Ever.#

Und hängt da bitte auch noch WPML dazu. Die beiden – das ist zumindest meine Erfahrung – führen früher oder später zu Problemen. Wenn es sich also vermeiden lässt, lasst es!

Blocks. Über den Editor hinaus.#

Brent Jett überlegt sich in einer dreiteiligen Serie, wie eine Zukunft in WordPress mit (Gutenberg-) Blocks aussehen könnte, die weit über den eigentlichen Editor hinaus greifen. Konkret geht es um den Wechsel von Themes zu Block-Areas, die alles – Menus, Widgets, den Loop, usw – ersetzen sollen.

The advent of blocks calls into question the role of themes and how we’ll be creating websites with WordPress for the next decade. Phase 2, or the next big focus in WordPress is still a bit fuzzy as to what it’s going to look like. We know we want blocks inside nav menus and to bring widgets into conformance as well, but beyond that it’s not a clear picture yet. The customizer, meanwhile, is looking a little long in the tooth.

Auch wenn mir Brents Ausführungen gefallen – sie sind wirklich aufwändig und gut gemacht -, so graut mir davor, darin die Zukunft von WordPress zu sehen. Schon der Customizer, ein erster, kleiner Versuch, alles „einfacher“ zu machen, kam nie wirklich gut an. Und was in den Artikeln beschrieben wird, ist genau das Gegenteil von dem, wonach – zumindest meiner Erfahrung nach – gefragt wird.

Wo Menschen, die mit WordPress arbeiten, Vereinfachung suchen (Markdown), werden sie zu Blocks (Gutenberg) gezwungen. Wo sie so viel wie möglich automatisieren wollen (Templates mit programmiert reaktiven Elementen), werden sie mit „Auswahlmöglichkeiten“ (Design-Blocks) konfrontiert. Wo die Eingabe von Content immer mehr über externe Systeme erfolgt (zB Datenimporte), werden sie mit unnötigem Ballast zugemüllt (Block-Formatierungsoptionen), der ihnen den gestalterischen Aspekt aufzwingen will. Mir graut davor, wenn sich WordPress einmal wie ein selbst gehostetes Wix.com anfühlen wird.

Nineteen Eighty Five-Theme

Screenshot Nineteen Eighty Five Child-Theme

Nineteen Eighty Five, ein Child-Theme im NES-Look für das neue WordPress 5.0 Twenty Nineteen-Theme ist pures Gold. Es wurde auf Basis des – meine Güte, ich wusste gar nicht, dass es sowas gibt – NES.CSS-Projekts erstellt. Und alle, die jetzt einen Blog aufsetzen, sollten es ungefragt einsetzen. Der Autor hat in seiner Motivation absolut recht:

One trend that has really bothered me is how everything is obsessed with clean and minimal themes. This has caused most WordPress themes to look the same. 

I don’t want clean & minimal. I want something different, so I made it. We made Nineteen Eighty Five a child theme of Twenty Nineteen as I wanted to show people that it’s easy to turn something boring into something fun.

The Nintendo Entertainment system came out in 1985 in the US which is why we decided to call the theme Nineteen Eighty Five.

Sorta Brilliant

Das 1985-Theme kann direkt bei Sorta Brilliant heruntergeladen werden.#

Gutenberg-Experience

In weniger als einem Monat soll Gutenberg zum Standardeditor in WordPress 5.0 werden. Das Accessibility-Team hat vor zwei Tagen einen Report ausgestellt, in dem im Klartext empfohlen wird, Gutenberg nicht zu installieren und die Möglichkeit, den Classic-Editor einzusetzen, beizubehalten.

Auch JJJ, der schon lange mit und für WordPress arbeitet, kommt zu einer wenig erfreulichen Conclusio, nachdem er Gutenberg das erste Mal konsequent verwendet hat. Sein Meta-Bericht, der während des Schreibens eines Blogposts entstanden ist, ist einerseits lustig zu lesen, andererseits muss man sich vor Augen halten, dass seine Erlebnisse bald etwa ein Drittel des gesamten Internets betreffen werden.

Ich bin nach wie vor sehr, sehr skeptisch.#

Zwischenstand Gutenberg-Editor

Greg Schoppe, deklarierter Gutenberg-Skeptiker, hat am Wochenende ein paar Statistiken auf Twitter veröffentlicht. Nimmt man diese Zahlen ernst, sieht es für den neuen WordPress-Editor wirklich nicht gut aus. Das Rating des Editors liegt bei 2,3 Punkten, WordPress 5.0 (das Release, das den Gutenberg-Editor offiziell einführt) soll aber trotzdem in wenigen Wochen veröffentlicht werden.