The Guardian: Facebooks Instant Articles nein, Googles AMP ja

The Guardian verlässt Facebook Instant Articles und Apple News, macht aber mit Googles AMP-Technologie weiter.

We have run extensive trials on Facebook Instant Articles and Apple News to assess how they fit with our editorial and commercial objectives. Having evaluated these trials, we have decided to stop publishing in those formats on both platforms. Our primary objective is to bring audiences to the trusted environment of the Guardian to support building deeper relationships with our readers, and growing membership and contributions to fund our world-class journalism.

The publisher ceased running content through both Apple News and Instant Articles today. The move is a clear sign of displeasure in how these platform-publishing initiatives have treated the business needs of the Guardian. Many publishers have complained the money they make off visits to IA pages, for example, do not measure up to what they get on their own sites.

Obwohl man viel Kritik an den von Google stark forcierten Accelerated Mobile Pages üben kann, zwei Dinge muss man dem AMP-Projekt lassen: Erstens laden AMP-Seiten wirklich enorm schnell und ich bin jedesmal überrascht, wenn eine normalerweise aufwändige Site bei einer EDGE-Verbindung ruckzuck geladen ist. Und zweitens ist AMP nur bedingt ein Lock-In-Format: Ja, eine Website wird aus dem Cache der Google-Infrastruktur geladen und hat dadurch google.com bzw. ampproject.org als ausliefernde Domain. Aber im Gegensatz zu Facebooks Instant Articles (oder auch Apple News) funktioniert Googles AMP in jedem Browser und was die Original-URL solcher Artikel angeht, so hat Google bereits eingelenkt und wird sie prominent anzeigen.

Medium-Abonnements?

Einige Wochen, nachdem man sich bei Medium die Frage gestellt hat, womit man Geld verdienen will, gibt es  Feedback zum wenige Tage später vorgestellten Abonnement-Modell. Und es fasst zusammen, was ich mir im Moment der Ankündigung schon gedacht habe:

It’s an interesting about face, moving away from ads & sponsorships to a pay-for-content service. The entire concept has some merit (and has been tried by other services). But if the NYT struggles to get enough paying subscribers, I’m skeptical that Medium will fare better. […] After a couple of weeks, my skepticism remains.

Ein Medium-Abonnement kostet monatlich USD 5. Da müssen schon einige ein Abonnement abschließen, damit Autorinnen und Autoren Medium zu ihrer primären Publikationsplattform machen…

Das beste PGP-Tutorial für Mac OS X

Jerzy Gangi hat das beste PGP-Tutorial für Mac OS X geschrieben. Das behauptet er selbst, aber ich muss ihm schon zugestehen, wenn nicht das beste, dann doch eines der besten Tutorials zur Nutzung von PGP unter Mac OS X geschrieben zu haben.

Warum – so Jerzy – ist sein Tutorial das beste?

It works with every app. Unlike other tutorials for PGP, this tutorial does not care what program you use. […] It is Mac friendly. There is a certain way of doing things on a Mac. If you’re not a Mac fan, you won’t understand. […] Simple. Above all, this PGP setup is simple. Once you understand how it works, there is nothing you cannot do.

Mir gefällt der Zugang zum Thema Verschlüsselung, der im Tutorial klar wird. Zum Beispiel lehnt Jerzy Gangi das Mail.app-Plugin der GPG Suite explizit ab.

People who use mail plugins for encryption have no idea how they work; the result is a false sense of security. […] Inline text works places where attachments don’t (the shell, Facebook, iMessage, etc.). […] The majority of people who have sent me MIME test emails using the Mail.app plugins sent undecryptable messages, because they have no idea what they’re doing or how it works. […] Lots of applications and email clients do not have PGP built in, so you need inline anyway.

Das Tutorial wurde vor 3 Jahren veröffentlicht. Weiß heute eigentlich noch irgendwer, was PGP ist? Verwendet heute noch irgendwer E-Mails?

Wenn ich tot bin, wenn du Vater wirst…

Ein todkranker Vater hat seinem Sohn Briefe geschrieben, die er zu bestimmten Zeiten öffnen sollte. Der Vater war erst 27 Jahre alt, als der Sohn „Wenn ich tot bin“ öffnen musste. Sein ganzes Leben hindurch würden ihn Briefumschläge mit Titeln wie „Wenn du deinen ersten Kuss bekommst“, „Wenn du heiratest“, „Wenn du Vater wirst“ oder „Wenn deine Zeit gekommen ist“ begleiten.

Mein lieber Sohn,

wenn du das liest, bin ich bereits tot. Es tut mir leid. Ich wusste, dass ich sterben würde.

Ich habe es dir nicht gesagt, weil ich dich nicht weinen sehen wollte. Das ist mir gelungen. Ich finde, ein Mann, der bald sterben wird, darf ein bisschen egoistisch sein.

Wie du siehst, kannst du immer noch viel von mir lernen! Du hast nämlich auch wirklich von Tuten und Blasen keine Ahnung. Deswegen habe ich dir diese Briefe geschrieben. Du darfst sie immer erst vor dem jeweiligen Moment öffnen, OK? Das ist unser Deal.

Ich liebe dich. Kümmer dich um deine Mutter. Du bist ab jetzt der Mann im Haus.

In Liebe, dein Papa.

PS: Deiner Mutter habe ich keine Briefe geschrieben. Sie bekommt mein Auto.

Eine wirklich beeindruckende, lesenswerte, traurige und faszinierende Geschichte von Rafael Zoehler.

Google scheint ein Suchproblem zu haben

Googles Suchergebnisse scheinen unter minderer Qualität zu leiden.

Google’s results might be as good as ever. They might even be better than ever. But if the public perception is that Google has a search quality problem, that wins, because we don’t have any hard figures about relevancy.

Danny Sullivan listet in einem ausführlichen Artikel auf Searchengine Land die vielen Probleme, mit denen Google zu kämpfen hat, auf, und ruft in seiner Conclusio zu kritischem Denken auf.

We should continue to hold Google and search engines to a high standard and highlight where things clearly go wrong. But we should also understand that perfection isn’t going to be possible. That with imperfect search engines, we need to employ more human critical thinking skills alongside the searches we do — and that we teach those to generations to come.

Life itself rarely has “one true answer” to anything. Expecting Google or any search engine to give them is a mistake.

Es scheint also doch noch ein wenig Hoffnung in den menschlichen Intellekt gelegt zu werden.

Die 50 besten Restaurants der Welt

Es gibt sie wieder, die Liste der Top 50 Restaurants der Welt und Steirereck in Wien hat es auf Platz 10 geschafft. Und jetzt der eigentliche Punkt: Wer jetzt mit dem „Ja, die Top 50… was interessieren mich die? Ich will meinen Burger/mein Schnitzel am Teller haben. Mir ist das ganze Getue egal!“-Gesudere daherkommt, liest Why the World’s 50 Best Restaurants List Matters und geniert sich danach ein wenig.

Like filmmaking before it, cooking’s final acceptance as an art form in its own right has been a long time in coming. And just as the food industry, like Hollywood, is not immune to the seductions of crass mass production, it does on occasion achieve—also like Hollywood—a measure of transcendence, beauty, power, even profundity. […] The chosen few may not truly be the best 50 restaurants on earth […] But all are unquestionably excellent cooks, and excellent cooking is perhaps the highest tribute one can pay to the millions upon millions of beings that give their lives for humanity every day—all the organisms in and of the soil, all the creatures of land, sea and sky. Our weary planet desperately needs such respect these days, and for that reason alone, the work of the W50B’s chefs is never less than moving.

Abgesehen davon ist es immer unterhaltsam, sich über solche Listen auszutauschen oder gute Restaurantkritiken zu lesen.

Re-accomodate

Gestern zerren Sicherheitsbeamte einen Fluggast mit gültigem Ticket aus einem überbuchten Flugzeug. Die Antwort des CEOs von United Airlines muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:

This is an upsetting event to all of us here at United. I apologize for having to re-accommodate these customers. Our team is moving with a sense of urgency to work with the authorities and conduct our own detailed review of what happened.

„Re-accomodate“. Wow! Jon Spaihts hat das Pressestatement des CEOs korrigiert:

Fluglinien.

App statt Web

Walled Gardens in Form von Apps wie Facebook, WhatsApp oder Instagram, die noch dazu alle von einer einzigen Firma entwickelt und betrieben werden (nämlich Facebook), sind das, was wir heute als das Internet wahrnehmen. Das hat es vor 30 Jahren schon einmal gegeben. Damals hießen die großen Player BTX, CompuServe und AOL.

Das vor etwas mehr als zehn Jahren entstandene Web 2.0 ist im Kommunikationsalltag der meisten Menschen kaum noch relevant: Private Blogs spielen heute fast keine Rolle mehr, Nutzer veröffentlichen ihre Inhalte überwiegend auf geschlossenen Silos wie Facebook, Snapchat, Musical.ly oder Instagram […] Das dezentrale und offene Internet hat sich zentralisiert. […] Das Internet zu Beginn des Jahres 2017 weckt damit Erinnerungen an die Anfänge der Online-Revolution: Wie einst auf den geschlossenen Plattformen BTX und Compuserve bleiben die Nutzer bei Snapchat unter sich. Rund 35 Jahre nach Einführung von BTX prägen wieder sogenannte Walled Gardens den Alltag der meisten Internetnutzer. Die Apps nutzen die technischen Grundlagen des offenen und freien Internets, entsprechen aber nicht mehr seinem Geist.

Den „Gegentrend“, den Stephan Dörner im t3n-Magazin zu sehen vermeint, kann ich nicht erkennen. Eher noch eine umso stärkere Zentralisierung, denn die Einschränkung durch Apps und das Walled Garden-Phänomen gibt es seit spätestens 2010. Ja, es werden immer weniger Apps heruntergeladen, installiert und benutzt, aber das bedeutet nicht, dass die Hersteller der wenigen Apps, die übrig bleiben – und das sind die eingangs genannten – nicht umso mehr daran setzen werden, ihre ausbeuterischen Angebote als das freie und offene Internet zu propagieren. Und das ist der essentielle Unterschied zu früher.

Bewerbungsgespräche sind sinnlos

Wir sehen Zusammenhänge, auch wenn es keine Zusammenhänge gibt. Erkennen Abläufe, obwohl die Einzelinformationen nie und nimmer zusammenpassen können. Bewerbungsgespräche sind sinnlos.

In 1979, for example, the Texas Legislature required the University of Texas Medical School at Houston to increase its incoming class size by 50 students late in the season. The additional 50 students that the school admitted had reached the interview phase of the application process but initially, following their interviews, were rejected. A team of researchers later found that these students did just as well as their other classmates in terms of attrition, academic performance, clinical performance […] and honors earned. The judgment of the interviewers, in other words, added nothing of relevance to the admissions process.

CAA Records

Beim letzten Test auf der SSL Labs-Website ist mir der Hinweis auf einen fehlenden CAA-Record aufgefallen. CAA steht für Certificate Authority Authorization und genau das soll damit auch erreicht werden: Der CAA-Record definiert, welcher Zertifikatsaussteller berechtigt ist, Zertifikate für die betreffende Domain auszustellen.

Für mkln.org ist das zum Beispiel „Let’s Encrypt“. Der zugehörige Record sieht daher so aus:

mkln.org.  CAA 0 issue "letsencrypt.org"

Mehr Details, darunter auch die Möglichkeit, bei Verstößen gegen die CAA-Policy informiert zu werden, gibt es bei ma.ttias.be.

600 Euro für ein Abendessen… decorated in various shades of taupe, biscuit and fuck you

Rund 600 Euro hat der Gastrokritiker Jay Rayner im Nobelrestaurant „Le Cinq“ in Paris für ein Abendessen bezahlt, doch geschmeckt hat es ihm gar nicht. Und das hat er in einer der härtesten Restaurantkritiken (im Guardian) kundgetan, die ich je gelesen habe.

The canapé we are instructed to eat first is a transparent ball on a spoon. It looks like a Barbie-sized silicone breast implant, and is a “spherification”, a gel globe […]. This one pops in our mouth to release stale air with a tinge of ginger. My companion winces. “It’s like eating a condom that’s been left lying about in a dusty greengrocer’s,” she says. Spherifications of various kinds – bursting, popping, deflating, always ill-advised – turn up on many dishes. It’s their trick, their shtick, their big idea. It’s all they have. Another canapé, tuile enclosing scallop mush, introduces us to the kitchen’s love of acidity. Not bright, light aromatic acidity of the sort provided by, say, yuzu. This is blunt acidity of the sort that polishes up dulled brass coins.

Der gesamte Artikel ist den Spaß der Lektüre wert, die zusätzlichen Anmerkungen auf Jay Rayners Blog ebenso. Auf die Reaktion des Le Cinq bin ich gespannt, sofern dies überhaupt geschieht.