Guter Kaffee in Wien

Guter Kaffee in Wien ist ein heikles Thema, denn vorbei sind die Zeiten, in denen man Kaffee in jeder Zubereitungsart und Präsentationsform akzeptiert hat. Wer einen Espresso bestellt, ist an Geschmack interessiert, nicht an verbranntem, zu heißem, zu wässrigem oder bitterem Kaffee. Leider ist die Wertung nach Geschmack in Wien noch immer kein Standard, es gibt aber ein paar engagierte Rösterinnen und Röster, die mühevoll gegen eine Kultur ankämpfen, für die man sich als Bewohner dieser Stadt eigentlich genieren müsste.

Kriterien

Der Espresso muss mehrmals gleich gut schmecken. Säuren oder Schwankungen in der Qualität müssen vom Barista aktiv angesprochen worden sein.

Wo man diese Einzelkämpfer findet, habe ich hier aufgelistet. Die Bewertungen und Kommentare sind – dem Medium entsprechend – absolut subjektiv und spiegeln daher ausschließlich meine eigene Meinung wider!

Letzte Aktualisierung: 3. Mai 2013.

Die Top 3

Meine Top 3 Kaffees in Wien bekomme ich im Kaffeemodul, bei CaffèCouture und an Samstagen in der Vienna School of Coffee. Sonntags hat leider kein Laden geöffnet, in dem man guten Kaffee bekommen könnte.

Selbst geröstet?

Obwohl viele von „selbst geröstetem“ Kaffee sprechen, ergibt sich bei genauerem Nachfragen ein gänzlich anderes Bild. Wirklich selbst gerösteten Kaffee erhält man meines Wissens nach nur in der Vienna School of Coffee, in der Kaffeefabrik, bei den CoffeePirates, in der Baristarie, bei Akrap und im Café Blaustern.

Alle anderen lassen rösten oder kaufen fertig gerösteten Kaffee zu.

Kaffeemodul

Josefstädter Straße 35, 1080 Wien. Mo-Fr: 7:30-17:30. kaffeemodul.at.

In Boris Ortners und Johannes Runges winzigem, direkt an einer Straßenbahnhaltestelle gelegenem Kaffeeladen erhält man wunderbare Kaffees. Die Doppelmühle ist immer mit sowohl fruchtig-säuerlichen als auch mit eher schokoladig-nussigen Bohnen von Quijote Kaffee gefüllt, die in einer beängstigenden Regelmäßigkeit zu superfeinen Espressi, Cappuccini und anderen Kaffeespezialitäten verarbeitet werden. Die Qualität der Kaffees ist top und steht damit in indirekt proportionalem Verhältnis zur Qualität der Halterung der modular (daher der Name!) ausklappbaren Sitzgelegenheiten an der linken Wand. To-Go oder vor Ort: absolute Empfehlung.

CaffèCouture

Garnisongasse 18, 1090 Wien. Mo-Fr: 8:30-17:00. caffecouture.com.

Die Hausmischung des CaffèCouture, eine Einzigartigkeit und so verdammt nah dran, der Inbegriff für guten Kaffee zu werden, ist mal sehr gut, mal weniger. Warum weiß ich nicht. Trotzdem ist der Laden einer der besten der Stadt und serviert, was man unter gutem Kaffee versteht. In Georg Brannys und Veronika Markeovás CaffèCouture bekommt man für gewöhnlich zwei unterschiedliche Hausmischungen und eine in unregelmäßigen Abständen wechselnde Reinsorte. Dienstags und donnerstags gibt‘s dazu Prosciutto- bzw. Mozzarella-Panini, jeden Tag selbst gebackene Kuchen und Muffins.

Der Kaffee ist „bitter“!

Ein häufiger Vorwurf von Kaffee-Anfängern, doch enthält er zumindest zwei Fehler: Erstens, Kaffee hat keinen Eigengeschmack, sondern setzt sich aus vielen Elementen und Geschmäckern zusammen, die vom Anbaugebiet bishin zur Röstung und Zubereitung bisweilen sehr stark beeinflusst werden können. Zweitens ist der Kaffee wahrscheinlich nicht bitter, sondern sauer. Und sauer soll guter Kaffee sein.

Warum das so ist? Heute wird anders geröstet als noch vor wenigen Jahren.

Vienna School of Coffee

Hahngasse 22, 1090 Wien. Sa: 10-15. viennaschoolofcoffee.at.

Außer Konkurrenz, weil kein Kaffeeladen im eigentlichen Sinn, ist Johanna Wechselbergers Vienna School of Coffee. Ja, man bekommt dort geschmacklich interessante und die Sinne (in beide Richtungen!) herausfordernde Kaffees. Ja, man kann dort Johannas Kaffees, die sie selbst unter der Marke „Die Rösterin“ direkt importiert und röstet, kaufen. Aber nein, zum schön „Kaffeetrinken“ ist man wahrscheinlich fehl am Platz. Wer allerdings dem Probieren, Experimentieren, Diskutieren und dabei viel Lernen nicht abgeneigt und bereit ist, seine Geschmackswahrnehmung neu zu schulen, der wird die Kaffeeschule befriedigt verlassen und seine Kaffeetrinkgewohnheiten alsbald einem Dogmenwechsel unterziehen.

1. Bezirk

Kaffeeküche
Schottentor-Passage 8, 1010 Wien. kaffeekueche.at. Guter Coffee-to-Go, leider mit den Jahreszeiten in der Zubereitungsqualität schwankend. Die Kaffeeküche verwendet Bohnen der steirischen Tribeka.
Orlando di Castello
Freyung 1, 1010 Wien. orlandodicastello.com. Weit entfernt von wirklich gut, aber zumindest in Ordnung.
Unger und Klein im Hochhaus Wein-Kaffee
Herrengasse 6-8, 1010 Wien. imhochhaus.at. Andraschko-Kaffee, mal gut mal weniger gut zubereitet. Aber immer teuer.

Wer kennt noch eines?

Ich kann unmöglich über alle neu eröffneten Kaffees bescheid wissen noch kann ich alle Geheimtipps kennen.

Wenn hier ein Kaffeeladen fehlt, sehe ich ihn mir gerne an.

2. Bezirk

Caffè Intermezzo
Schrottgießergasse 1, 1020 Wien. caffe-intermezzo.at. Diemme-Kaffee, von den Angestellten fein zubereitet in einem gerade noch nicht kitschigen Lokal.

3. Bezirk

Beans
Landstraßer Hauptstraße 81, 1030 Wien. beans.at. Doris Schleger verkauft im Beans italienische Industrie-Barmischungen und verkostet diese auch bei Interesse.
Rochus
Landstraßer Hauptstraße 55-57, 1030 Wien. rochus.at. Moser-Kaffee, der manchmal ganz gut gelingt.
wakeup espressomaschinen
Landstraßer Hauptstraße 105, 1030 Wien. wakeup-espresso.com. Kräftige Ristretti wie man sie sich in Süditalien serviert vorstellt. Nicht wundern, wenn es bei der Extraktion leise bleibt: Die aufbereitete Faema arbeitet mit Federn und nicht mit elektronischen Pumpen.

4. Bezirk

Kaffeefabrik
Favoritenstraße 4-6, 1040 Wien. kaffeefabrik.at. Tobias Radinger röstet selbst und bereitet seine Kaffees auch selbst zu. In seiner Kaffeefabrik werden immer zwei unterschiedliche Kaffees angeboten, wobei ich jedem Erstbesucher die „Disco“-Schleuder, einen 5-Euro-das-Päckchen-Kaffee, empfehlen möchte. Der zu 50% aus Robusta-Bohnen zusammengesetzte Blend macht nicht nur definitiv munter, sondern ist mittlerweile ein Markenzeichen der Kaffeefabrik. Die Spezialitätenkaffees schmecken mir nicht mehr so, wie einst.
Radlager
Operngasse 28, 1040 Wien. radlager.at. Schräg, aber gut. Nur in Markus Böhms Laden schmeckt mir der Passalacqua Harem. Seitdem die Gastronomie und nicht die Fahrradwerkstätte das Radlager dominiert, ist es auch nicht mehr grindig; wenngleich es durchaus vorkommen kann, dass einem bei Bestellung des zweiten Espresso die Tasse von der Untertasse weggenommen und wieder aufgefüllt wird. Ungefragt.

5. Bezirk

Emporio del Caffè
Kettenbrückengasse 17, 1050 Wien. emporiodelcaffe.at. Wer in der Nähe ist und Kaffee braucht, sollte bei Brigitte Bartmann vorbeischauen.

Anderer Meinung?

Trifft eine Beschreibung auf den ausgeschenkten Kaffee gar nicht (mehr) zu? Vielleicht war ich schon länger nicht mehr da?

Hinweise sind willkommen!

6. Bezirk

Akrap Coffee
Königsklostergasse 7, 1060 Wien. akrapcoffee.com. Etwas unterkühlte Stimmung, aber, immerhin, selbst gerösteter Kaffee. …der mir allerdings nicht schmeckt.
Brass Monkey
Gumpendorferstraße 71, 1060 Wien. Guter Kaffee zu picksüßen Cupcakes. Serviert werden Blends der griechischen Rösterei „taf“, die in der La Marzocco Linea (ich glaube:) Classic nach allen Regeln der Kunst zubereitet werden. Das ist gut.
Freiraum
Mariahilfer Straße 117, 1060 Wien. freiraum117.at. Wie Rochus. Moser-Kaffee zu horrenden Preisen, die hin und wieder ganz gut gelingen.

8. Bezirk

Cafe der Provinz
Maria-Treu-Gasse 3, 1080 Wien. cafederprovinz.at. Kaffee um 80 Cent. Die Bohnen werden „aus Zeitgründen“ vorgemahlen. So schmeckt der Kaffee auch: widerlich.
POC Cafe „People on Caffeine“
Schlösselgasse 21, 1080 Wien. In Robert Grubers POC (“People On Caffeine“) wird nach allen Regeln der Kunst Kaffee gemacht. Empfehlung? Definitiv. Hartgesottene Fans säuerlichen Kaffees kommen voll auf ihre Kosten. Alle anderen können ihn ja – deutlich milder, aber umso geschmackvoller – in einer der zahlreichen anderen Zubereitungsarten ausprobieren.

9. Bezirk

Caffè a Casa
Servitengasse 4A, 1090 Wien. caffeacasa.net. Viele sagen: gut. Ich sage: schlecht.
CoffeePirates
Spitalgasse 17, 1090 Wien. kaffeepiraten.at. Die Espressomaschine – eine Kees van der Westen „Spirit“ – ist Hammer, der Kaffee allerdings weniger. Ich habe mittlerweile einige der Röstungen probiert, mir wurde aber bislang noch kein Kaffee serviert, der einen genügend vollen Körper hatte, um als Espresso auch tatsächlich zu schmecken. Trinker „leichter“ Kaffees haben es bei den Piraten wesentlich einfacher; tun aber trotzdem ein bisschen Milch dazu.

14. Bezirk

Baristarie
Linzerstraße 403/2B, 1140 Wien. baristarie.at. Unmengen an Kaffeesorten, Verkostungen und (Röst-) Erkenntnisse prägen den einzigen Vertreter seiner Zunft im Westen Wiens.

19. Bezirk

Blaustern
Döblinger Gürtel 2, 1090 Wien. blaustern.at. Milchkaffees ja. Espresso eher nur, wenn es sein muss.
That is a Serendipity
Grinzinger Straße 139, 1190 Wien. Weitab vom Schuss und dennoch guter Kaffee. Die Cookies, nur so nebenbei, sind die besten Wiens.