Cyberduck, der einzig kontinuierlich weiterentwickelte Client zur Dateiübertragung in was weiß ich wie vielen Protokollen, und Mountain Duck, eine Cyberduck-Variante, die es ermöglicht, externe Datenspeicher als lokale Laufwerke darzustellen und zu nutzen, werden ab der nächsten Version die Verschlüsselungsfunktionen von Cryptomator enthalten. Damit wird es möglich, Daten auf (externen) Servern und bei Cloudanbietern wie Dropbox, AWS, Google Drive, usw. nutzerseitig verschlüsselt zu speichern.

We are thrilled to announce the availability of transparent, client-side encryption support for Cyberduck to secure your data on any server or cloud storage. The new encryption feature is based on the excellent concepts and work of Cryptomator. Cryptomator also offers apps for iOS and Android to access your encrypted data. All vaults either created by Cyberduck, Cryptomator or their mobile apps are fully interoperable. […] the Cryptomator security architecture has many crucial advantages: Open source software that can be audited independently for security. You can rest assured there are no backdoors and no hidden vulnerabilities. […] No online service subscription or account required. You will always have access to your data without the risk of a dependent service shutting down.

Viel besser gefällt mir aber, dass das alles einfach und leicht durchführbar ist:

Starting to secure your data is as easy as creating a new Cryptomator Vault by selecting New Encrypted Vault and providing a passphrase. As soon as you try to open a folder containing a vault Cyberduck will prompt for the passphrase to unlock it. […] Uploads and downloads are transparently encrypted and decrypted respectively with no change in your usual workflow required.

Ich habe von Cryptomator bislang nur einmal, nämlich in diesem Video gehört, weiß aber sonst nicht viel zur Software und habe sie auch selbst noch nicht ausprobiert. Die Verbindung von Cryptomator und Mountain Duck stelle ich mir aber als ein deutliches Signal vor, verschlüsselten Speicher komfortabel und einfach nutzen zu können.

Dass zwei europäische Unternehmen – Cryptomator wird in Deutschland und Cyber- bzw. Mountain Duck in der Schweiz entwickelt – diese potente Kombination ermöglichen, ist wohl auch ein Novum, allerdings ein willkommenes.

Eine fünfminütige Einführung zum Thema „Blende“ (Aperture) in der Fotografie. Wenig geeignet für diejenigen, die bereits gänzlich auf die Kamera ihres Smartphones umgestiegen sind, definitiv von Interesse für alle, die sich nach wie vor mit der Mechanik ihrer Objektive beschäftigen und verstehen wollen, wofür diverse Werte stehen, die auf ihren Objektiven zu finden sind.

Vincent Ledvina, der das einfach erklärte und gut verständliche Video gemacht hat, plant weitere Videos für Anfänger in der Fotografie zu machen. Auf seinem YouTube-Kanal hat er Videos zu den Themen Verschlusszeiten, ISO-Werte und Brennweiten angekündigt.

Ein Zug fährt in einen nicht vom Schnee geräumten Bahnhof ein. Mich wundert die Reaktion der Passagiere. Vor allem die Frau im Vordergrund hat ja die Ruhe weg, bis es dann zu spät ist.

Aber wenn man ein wenig nach den Stichwörtern Zug und Schnee sucht, tun sich auf YouTube Welten auf. Von wirklich spektakulären Zug vs. Schnee-Videos bishin zur mühsamen Räumung ist alles dabei.

Die Challenge: Aus der Metro aussteigen, eine Station laufen, in der nächsten Station in die gleiche Metro wieder einsteigen. Im Video oben spielt das in Paris und die Stationen sind Odeon bis Cluny – La Sorbonne. Der Läufer verliert viel Zeit durch einen vorbeifahrenden Autobus, er stolpert auf den Treppen und er kriegt die Schranke in der Metro-Station nicht auf. Das Video wurde 2012 gedreht.

Zwei Jahre später London: Mansion House nach Cannon Street. Die meiner Meinung nach beste Aufnahme, weil sie durch nur einen Split im Screen nicht zu sehr ablenkt und gleichzeitig die Anstrengung, der U-Bahn hinterher- (voraus-?) zu jagen vermittelt..

YouTube ist voll von Race the Tube-Videos. Der London-Race gefällt mir am besten. Die Races in Wien sind mir zu sehr inszeniert.

Google hat vor wenigen Tagen seine CAPTCHA-Technologie verbessert. Für eindeutig menschliche Besucher einer Seite wird die Technologie unsichtbar, nicht eindeutig als Menschen identifizierbare und als Bots angenommene Besucher werden nach wie vor mit verschiedenen Aufgaben konfrontiert, um Mensch endgültig von Maschine unterscheiden zu können.

Was auf der einen Seite gut klingt und einen Fortschritt zu den nervigen Spielchen wie Buchstabenraten, Bilder mit Häuserfronten markieren oder alle Stücke eines Kuchens auswählen darstellt, zeigt auf der anderen Seite, dass ein multinationaler Konzern, der von der Internetleitung über den Domain Name Service, das Webhosting, das Mailhosting oder durch die Integration von StatistiktoolsWerbung oder, wie in diesem Beitrag, Videos ohnedies auf praktisch jeder Website vertreten ist und damit allumfassend Informationen sammeln kann, nun genügend Interaktions- und Verhaltensdaten zusammengetragen hat, um die Arbeit des Separierens von Mensch und Bot/Maschine einer künstlichen Intelligenz zu übergeben, die für den Menschen unsichtbar agiert.

Doch denken wir einen Schritt weiter. Ist diese Separation einmal erledigt und ein menschlicher Nutzer eindeutig vom Bot getrennt, spricht nichts mehr dagegen, die Technologie anderwertig anzuwenden und nicht nur Bot von Mensch, sondern auch Mensch von Mensch zu trennen und damit eindeutig zu identifizieren. Ist erst einmal ein eindeutiges Nutzerprofil, das auf dem Verhalten eines Nutzers basiert, erstellt und ist so einem Nutzer ein eindeutiges Identifikationsmerkmal (im Sinne zB eines Verhaltensprofils) zugeteilt, dann bedarf es nur noch des Faktors Zeit, um diesen Nutzer eindeutig – und zwar namentlich – zu identifizieren oder, aus Sicht des Datensammlers, zu deanonymisieren. Technisch gesehen ist dieser letzte Schritt vorläufig ohne jeglichen Vorteil für ein Unternehmen wie Google. Für die Anzeige von Werbung oder die Analyse von Daten ist der Name nur noch die letzte Illusion menschlicher Würde und bestenfalls für den Abgleich von nicht-elektronisch verfügbaren Daten – an sich eine Illusion – von Nutzen. Alles entscheidend ist die ID.

Mit anderen Worten: Googles unsichtbares CAPTCHA bedeutet, dass Identifikationssysteme keine Interaktion mehr mit Menschen benötigen, um Menschen von Bots unterscheiden zu können. Maschinen, die im Eigentum einer (einzigen) Firma stehen, haben diese Aufgabe übernommen. Und ihr nächstes Ziel ist klar: Menschen von Menschen zu unterscheiden, zu identifizieren und zu bewirtschaften.

Verteilung der Antworten auf die Frage: How often do you use the Customizer on your existing sites?

Seitdem WordPress die Voransicht-Funktion samt „Customizer“ eingeführt hat, kann ich nichts damit anfangen. Der Customizer ist zu viel, um eine Art Speicherplatz für Optionen zu sein, aber gleichzeitig zu wenig, um zB Site-Builder-Frameworks zu ersetzen. Nicht Fisch, nicht Fleisch.

Das WordPress-Team pusht den Customizer unentwegt und will damit vermutlich Site Buildern wie WIX und Jimdo entgegenwirken. Ich habe damit dennoch nie etwas anfangen können und habe ihn auch in der Theme-Entwicklung immer ignoriert. Es hat auch nie jemand eine Frage gestellt oder nach einer Möglichkeit, Dinge zu verändern, nachgefragt, die ich mit den vom Customizer zur Verfügung gestellten Optionen hätte implementieren können.

Endlich gibt es Zahlen, die die Sicht anderer Personen, die mit WordPress arbeiten, aufzeigen. Das Sample war winzig, aber ich kann den Trend absolut nachvollziehen. Customizer survey results.

In diesem emotionalen re:publica-Talk aus 2015 präsentiert Aral Balkan verschiedene Konzepte, die zwei Jahre später in seiner Replik auf Mark Zuckerbergs Manifest viel von der Dichte seiner Argumentation ausmachen. Seine zentrales Anliegen lautet, dass wir den Menschen als ein „um Technologie erweitertes Selbst“ verstehen müssen. Dieses Selbst wird aber kontinuierlich angegriffen und um seine Menschlichkeit beraubt, denn es ist das Geschäftsmodell von Facebook, Google und anderen Silicon Valley-Startups mit allem zu handeln, was einen Menschen ausmacht, nur nicht mit dem biologischen Körper an sich. Sklaverei hat mit dem menschlichen Körper Handel getrieben. Heute wird mit allem außer dem menschlichen Körper gehandelt.

Es ist spannend zu sehen, wie sich verschiedene Fragen während des Vortrags entwickeln: Wie kommt es zur Simulation? Wie wird der Mensch durch die Erweiterung seines (biologischen) Selbst um Technologie zum Cyborg? Und wie kommt es zur Verschiebung des Verhältnisses von Mensch zu Technologie von Herr/Diener zu Cyborg/Organ? Doch nicht nur das. Dieser Vortrag ist eine systematisierte Zusammenfassung über den Wahnsinn (und seine Folgen), der sich aus dem Silicon-Valley-Geschäftsmodell von Unternehmen wie Google und Facebook ergibt (ab Minute 35:26) und allein schon deshalb sehenswert.

Figur des Markuslöwen

Am Samstag, 25.2.2017, fand ein Flickrtreffen am Gelände des ehemaligen Südbahnhofs – nunmehr der Hauptbahnhof – mit anschließender Fototour durchs Sonnwendviertel statt. Flickrtreffen, das muss man vielleicht für diejenigen, denen „Flickr“ nichts sagt, kurz erklären: Menschen, die gerne fotografieren und ihre Fotos auf der Fotoplattform „Flickr“ teilen, treffen sich, spazieren herum, machen Fotos, unterhalten sich miteinander, diskutieren über die Fotografie im Allgemeinen und über Flickr im Besonderen. Bei unserem Treffen am Samstag war auch viel Wehmut über vergangene Zeiten dabei. Zumindest bei mir.

Für mich hatte Flickr seine Hochphase zwischen 2006 und 2010. In diesen vier Jahren waren fast alle meine Freunde auf der Fotoplattform vertreten und wir haben uns in Kommentaren (!) rege (!!) und konstruktiv (!!!) ausgetauscht. Mit dem Aufkommen von Facebook, Instagram und anderen Möglichkeiten, seine Fotos mit anderen zu teilen, hat Flickr enorm an Bedeutung verloren. Ich persönlich glaube ja, dass alle, die Flickr heute noch nutzen, einfach noch nicht herausgefunden haben, wie man seine Fotos herunterladen und sichern kann. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bislang habe ich drei Treffen miterlebt. Das erste Flickrtreffen fand vor elf Jahren im Mai 2006 auf Einladung von Cilest am Wiener Zentralfriedhof statt. Weil es mir in Wien Spaß gemacht hat und eine tolle Gelegenheit war, Menschen kennen zu lernen, habe ich während meines Aufenthalts in China im August 2006 ein Flickrtreffen in Shanghai organisiert. Und weil auch das gut angekommen ist, kaum dass ich in Wien zurück war, gleich im Februar 2007 eines am Südbahnhof. Mit 21 Teilnehmenden war dieses Treffen meines Wissens nach auch das größte, das jemals in der österreichischen Flickr-Community stattgefunden hat. Zum Glück, denn die Bekanntschaften wurden bei einigen zu Freundschaften, die 10 Jahre überdauert haben.

Ich habe mich schon vor einigen Jahren vom aktiven Tun auf Flickr verabschiedet, einige der Teilnehmenden des Südbahnhoftreffens blieben aber weiterhin, wenn auch stark eingeschränkt, aktiv. Da hätte es mich nicht wundern dürfen, dass ich während meiner Flickr-Löschaktion im Forum „Flickrtreffen Wien“ H. KoPPs Aufruf zum „10 years after Südbahnhof„-Treffen entdeckt habe. Und doch: Mit einem Schlag war ich in die Vergangenheit versetzt und markierte mir den Termin im Kalender.

Am Samstag, den 25. Februar 2017, war es dann soweit: Mit vollem Akku fuhr ich zum Hauptbahnhof, suchte nach dem Treffpunkt Markuslöwe und stieß auf eine Gruppe alter Hasen, die nach wie vor – 10 Jahre später – dabei waren und sich offenbar noch immer austauschten. Schön war das, wenngleich die Sinnbildlichkeit des Areals rund um unseren Treffpunkt besser nicht hätte sein können: Betontristesse, kahle Bäume, viel Schatten. Ich habe die Gruppe auf der zum Sonnwendviertel weisenden Südseite des Hauptbahnhofs fotografiert.

Während unserer kurzen Fototour durchs neu errichtete Wohnviertel habe ich mich mit einigen der Teilnehmenden unterhalten. Allen ist klar und bewusst, dass Flickr faktische am Ende ist und alle spüren, dass die Zeiten, in denen man sein Interesse über ein „Like!“ hinaus kommunizieren würde, vorbei waren. Alle, mit denen ich mich unterhalten habe, sahen in Facebook, Instagram, usw. keinen Ersatz für das Galeriesystem, mit dem Flickr aufwarten konnte. Die charmante Schrulligkeit des Dienstes, der Fokus aufs Fotografieren… Diese Qualität, auch wenn sie nicht überragend war, findet man nirgendwo sonst. Allen ging die aktive Community ab, die allgemeine Wehmut war, wenn auch nicht vordergründig, so doch vorhanden. Vielleicht war das ja nur ich, aber im Jahr 2017 einem Flickrtreffen beizuwohnen fühlte sich „outdated“ (kein deutsches Wort wäre hier trefflicher) an. Hat auch was. Muss aber nicht sein.

Aber, und das war ein sehr positiver Aspekt dieses Treffens, das Feuer, sich wieder mehr der Fotografie zu widmen, ist wieder entbrannt. Ich habe in den letzten Jahren (im Vergleich zu denen davor) sehr wenig fotografiert. Ja, mit dem Handy hier und da einen Schnappschuss, aber keinerlei Motivsuche, keine Bildkomposition, kein Spielen mit der Technik, den Einstellungen, den Möglichkeiten durch verschiedene Objektive, usw. – das alles ist mir, ohne dass es mir bewusst war, abgegangen. Schön, dass ich dieses wohlige Gefühl, eine echte Fotokamera in der Hand halten und damit Fotos machen zu können, in den 2-3 Stunden, die wir unterwegs waren, wieder spüren konnte.

Was aus Flickr werden wird, weiß niemand. Ich persönlich habe dem Dienst ohnedies schon den Rücken gekehrt. Was aus der verbliebenen Community werden wird… Vielleicht werden wir es in 10 Jahren sehen. Den Markuslöwen wird es dann sicher noch auf seinem Platz am Hauptbahnhof geben.

Die McCafé-Werbungen waren immer schon gut. Diese hier aus England nimmt aber gleich die gesamte 3rd-Wave-Kaffeeszene aufs Korn und präsentiert sich als Gegenpol zur vorherrschenden „Madness“. Und das so gut, dass ich mehrmals habe laut lachen müssen, weil ich fast allen Szenen im Spot einen Laden auf meiner Kaffeeliste zuordnen habe können.

Gestern war wieder Opernball. Diesmal hat es nicht geregnet, aber so richtig begeistert war nach Stefanie Sargnagel auch Therese Kaiser nicht.

Wir stehen in fünfter Reihe in die Ecke gequetscht hinter dem Absperrband zur Tanzfläche, wo zur Eröffnung Ballett passiert, Oper, und natürlich die Debütant_innen, die mit Swarovski-Kronen und mit silbernen Rosen vor uns daher hoppeln. […] ich sehe nichts, und halte einfach mein Handy in die Luft, um live Videos auf allen Plattformen zu veröffentlichen. […] Hinter mir streamt jemand ORF, um besser sehen zu können.

Und es wird nicht besser:

Ich frage meine Schwester, was wir als nächstes machen sollen. Wir sind mittlerweile durch die halbe Staatsoper gestöckelt, haben uns zig-fach verlaufen und knutschende Debütant_innen gestört. Was wir nun machen sollen? Promis suchen, meint sie. Ich bin naturgemäß leicht zu überzeugen, stapfe motiviert zurück zum Eingang, bis mir auf der großen Stiege mit dem roten Teppich und den vielen Selfies einfällt: Welche Promis eigentlich?

Die Erwartungshaltung ist einfach immer zu hoch.

Dieser Artikel ist eine teilweise interpretierte Übersetzung des von Aral Balkan verfassten Beitrags „Encouraging individual sovereignty and a healthy commons„. Balkans Replik auf das zuckerbergsche Manifest macht klar, wieso die Träumereien und Visionen des 33-jährigen Milliardärs Mark Zuckerberg über das Funktionieren der Welt gefährlich sind, weil sie bei genauem Hinsehen nichts anderes als eine Vorstellung von digitalem Kolonialismus darstellen.

Ich habe mich so gut als möglich ans englische Original gehalten. Wo es mir unmöglich schien, die Übersetzung nahe am Wort durchzuführen, habe ich mir die Freiheit genommen, die Satzstellung und Wortwahl des Originals zugunsten der präziseren Vermittlung des Inhalts aufzugeben. Der Artikel ist unter der CC BY-SA 4.0-Lizenz veröffentlicht.

Ich danke Robert Harm für seine hilfreichen Kommentare in der Entwurfsphase des Artikels.

18. Februar 2017: In einem Manifest beschreibt Mark Zuckerberg seine Vision einer zentralisierten, globalen Kolonie unter der Herrschaft der Oligarchen des Silicon Valley. Ich bin der Meinung, dass wir das genaue Gegenteil dieser Vision umsetzen müssen, also eine Welt, die auf individueller Souveränität und einem gesunden Gemeinwesen basiert.

Eine Hand hält ein Mobiltelefon - das Symbol für Cyborg-Rechte
Wir sind fragmentierte Wesen. Lasst uns eine Zukunft bilden, in der wir alle Aspekte unseres Selbst besitzen und kontrollieren.

Mark Zuckerberg hat ein Manifest mit dem Titel „Building Global Community“ veröffentlicht, in dem er erklärt, wie er – einer der 8 reichsten Menschen der Welt – und sein komplexer, amerikanisch/multinationaler Konzern, Facebook Incorporated, alle Probleme der Welt lösen werden.

In seiner großen Vision für die Menschheit spielt Facebook eine große Rolle, da uns der Dienst „näher zusammenbringt“, in dem er „Freunde und Familie vernetzt.“ Was Zuckerberg verschweigt: Facebook vernetzt nicht Menschen mit Menschen; Facebook vernetzt Menschen mit Facebook, Inc.

Ein Mythos: Facebook vernetzt uns miteinander.
Facebook: der Mythos. Mark Zuckerberg will uns glauben machen, das Facebook uns miteinander vernetzt.
Wahrheit: Facebook vernetzt uns mit Facebook, Inc.
Facebook: die Realität. Facebook vernetzt uns mit Facebook, Inc.

Facebooks Geschäftsmodell ist es, Mittelsmann zu sein; alles, was wir, unsere Familien und Freunde tun, wird von dem Konzern auf unbestimmte Zeit gespeichert und fortwährend analysiert. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen es Facebook, uns immer besser zu verstehen und uns dadurch immer effizienter nutzen zu können. Das geschieht, in dem uns das Unternehmen zu seinen finanziellen wie politischen Gunsten manipuliert.

Facebook ist kein soziales Netzwerk im Sinne eines Raums für geselliges Beisammensein, sondern ein Scanner, der Menschen ausliest und in Datensammlungen verwandelt. Im Grunde genommen ist Facebook ein Fangnetz, das die Seelen der Menschen einfängt und sie in eine Simulation überführt. Es ist das Geschäft des Konzerns uns zu simulieren und diese Simulation im Eigentum und unter Kontrolle zu haben. Facebook besitzt und kontrolliert somit nicht nur die Simulation, sondern den Menschen – nämlich uns – selbst.

Wenn Zuckerberg uns bittet, ihm zu vertrauen ein gutmeinender König zu sein, sage ich: lasst uns eine Welt ohne Könige erschaffen.

Ich nenne das Geschäftsmodell von Facebook, Google und von anderen, risikokapitalfinanzierten Silicon Valley-Startups, „Menschenhaltung“ (im Sinne von „Massentierhaltung“). Facebook ist eine Industriefarm für Menschen. Und Zuckerbergs Manifest nichts anderes als der prahlerische Versuch eines besorgten Milliardärs, ein widerwärtiges Geschäftsmodell, das auf dem Missbrauch von Menschenrechten und auf konstruierten pseudomoralischen Werten basiert, vor Regulation zu schützen und rechtzufertigen, was unbestreitbar als ein Wunsch im Sinne des Kolonialismus zu bezeichnen ist: die Schaffung eines globalen Lehenswesens, indem wir alle an die Firma Facebook, Inc. gebunden werden.

Eine globale Kolonie vermeiden

In Zuckerbergs Manifest geht es nicht darum, eine globale Gesellschaft aufzubauen, sondern darum, eine globale Kolonie zu errichten, in der er der König ist und sein Unternehmen und die Oligarchie des Silicon Valley der Hof.

Facebook will uns ein Einkaufszentrum für einen Park verkaufen.

Es ist nicht die Aufgabe eines Unternehmens, „die soziale Infrastruktur für eine Gesellschaft“ zu entwickeln, wie Zuckerberg das vorhat. Diese soziale Infrastruktur muss den Menschen/der Gemeinschaft gehören und nicht riesigen monopolistischen Unternehmen wie Facebook. Der Grund, weshalb wir uns momentan in dem Durcheinander aus Überwachung, Filterblasen und Fake News (Propaganda) befinden, liegt gerade in der völligen Zerstörung von Öffentlichkeit, die durch ein Oligopol aus privater Infrastruktur ersetzt wurde, die sich nun als öffentlicher Raum ausgibt.

Facebook will uns ein Einkaufszentrum für einen Park verkaufen. Aber das letzte, was wir brauchen, ist noch mehr zentralisierte, digitale Infrastruktur in privater Hand, um Probleme zu lösen, die erst durch eine beispiellose Konzentration von Macht, Reichtum und Kontrolle geschaffen wurden. Die Finanzierung und Errichtung digitaler Äquivalente zu Parks ist im digitalen Zeitalter längst überfällig; wir benötigen nicht noch mehr und noch größere Einkaufszentren.

Andere haben ausführliche Kritiken über das zuckerbergsche Manifest verfasst; das werde ich hier nicht tun. Stattdessen möchte ich darauf eingehen, wie wir eine Welt aufbauen können, die einen krassen Gegensatz zu der Welt in Zuckerbergs Vision darstellt. Eine Welt, in der wir – Individuen – und nicht Firmen Eigentum und Kontrolle über uns haben. Mit anderen Worten: eine Welt, in der wir über individuelle Souveränität verfügen.

Wenn Zuckerberg uns bittet, ihm zu vertrauen ein gutmeinender König zu sein, sage ich: lasst uns eine Welt ohne Könige erschaffen. Zuckerbergs Vision ist im Kolonialismus und der Verteidigung zentralisierter Macht und Kontrolle verwurzelt, meine hingegen beruht auf der individuellen Souveränität und einem gesunden, verteilten Gemeinwesen.

Individuelle Souveränität und das Cyborg-Ich

Wir können es uns nicht mehr leisten, das Wesen unseres Selbst im digitalen Zeitalter nicht zu verstehen. Unsere Freiheiten und das Funktionieren der Demokratie beruht auf diesem Verständnis des Selbst.

Wir sind (schon seit geraumer Zeit) Cyborgs.

Wir müssen jedem Versuch, Menschen auf den Status materiellen Eigentums zu reduzieren, mit größtmöglichem Widerstand begegnen.

Wenn ich von Cyborgs spreche, dann meine ich damit nicht eine Vorstellung, wie wir sie aus Science-Fiction-Romanen kennen, also ein Wesen, das auf die Formel „in biologisches Gewebe gehüllte Technologie“ reduziert werden kann. Ich verstehe darunter das Zusammenspiel unseres Selbst mit der uns umgebenden – und damit erweiternden – Technologie. Ein einfaches Beispiel sind Implantate. Wir kennen sie, wir sind sie in gewisser Weise gewohnt und wir können ihre Existenz einfach nachweisen. Sie stellen aber keinesfalls den Großteil des Spektrums der Erweiterungstechnologie, die uns alltäglich umgibt, dar. Nicht Implantate sind das technologische Merkmal unseres Cyborg-Ich, sondern Explantate.

Wir sind fragmentierte Wesen; wir bestehen nicht nur aus unserer Biologie, sondern setzen uns auch aus unzähligen technologischen Komponenten zusammen; und wir verwenden Technologie, um unsere biologischen Fähigkeiten zu erweitern.

Eine Illustration die das Mobiltelefon als Teil des Selbst darstellt.
Wir müssen die Würde und die Unversehrtheit unseres erweiterten Selbst verfassungsmäßig schützen.

Mit diesem Verständnis des Selbst wird klar, dass wir den Schutz, der momentan nur unserer körperlichen (und geistigen) Unversehrtheit zugute kommt, über die Grenzen der Biologie hinaus auch auf die zu uns gehörigen Technologien erweitern müssen. Wird dieses zusammengesetzte Selbst angegriffen, in dem Dritte versuchen, den technologischen Anteil zu besitzen, zu kontrollieren oder mit ihm Handel zu treiben, dann muss dieser Angriff als Versuch verstanden werden, einen Teil des menschlichen Selbst in Besitz zu bringen, zu kontrollieren und daraus Profit zu schlagen.

Natürlich müssen wir jedem solchen Versuch, Menschen auf den Status materiellen Eigentums zu reduzieren, mit größtmöglichem Widerstand begegnen. Dies nicht zu tun bedeutet, einer neuen und modernen Form der Sklaverei stillschweigend zuzustimmen. Diese Sklaverei lässt die biologischen Elemente unseres Selbst außen vor, bedient sich aber umso stärker der digitalen. Beide sind aber untrennbar miteinander verbunden. Wird eines der beiden Elemente verändert, so wirkt sich das unweigerlich aufs andere aus.

Jenseits des Überwachungskapitalismus

Sobald wir begriffen haben, dass unsere Beziehung zur Technologie nicht dem Verhältnis von Herr zu Diener, sondern von kybernetischem Organismus zu biologischem Organ entspricht, und sobald wir verstehen, dass unser Selbst zu einem Teil aus Technologie besteht und diese Technologie und die daraus generierten Daten damit innerhalb der Grenzen dessen, was wir unser Selbst nennen, liegen, müssen wir darauf bestehen, dass auch dieser Teil unter dem Aspekt der Menschenrechte betrachtet wird. Der rechtliche Schutz unseres Selbst, festgeschrieben in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und in einer Vielzahl nationaler Gesetze, muss als ein Recht, das sowohl den biologisch-seelischen als auch den technologisch-digitalen Anteil umfasst, verstanden werden. Menschenrechte werden damit zu Rechten für das Cyborg-Ich.

So betrachtet muss jeder Versuch, die Grenzen des Selbst zu verletzen, als Missbrauch des Cyborg-Ich geahndet werden. Doch genau dieser Missbrauch ist das tägliche Geschäft von Facebook, Google und von anderen, vom Silicon Valley inspirierten Technologien. Dieses Modell, das Shoshana Zuboff „Überwachungskapitalismus“ nennt, enthebt uns aus unserer Hoheit über unser Selbst – und damit über unsere individuelle Souveränität. Menschen werden auf diese Art und weise wieder zu Eigentum, wenn auch in digitaler und nicht in biologischer Form.

Damit wir unsere individuelle Souveränität wiederherstellen und dieser Entwicklung entgegenwirken können, ist es notwendig, eine neue Infrastruktur zu errichten, die aus zwei Teilen besteht: Ein Teil wird von der Gesellschaft oder einem Gemeinwesen errichtet, besessen und verwaltet; es ist der Teil, der die Welt um uns herum betrifft. Der andere Teil, der ausschließlich uns selbst betrifft – und damit quasi die Organe des Cyborg-Ich darstellt – befindet sich im Eigentum und unter der Kontrolle des Individuums.

So wird beispielsweise die Architektur einer Smart City im Eigentum und unter der Verwaltung der Gesellschaft stehen; die zugehörigen Daten der Welt um uns herum (zB „Daten über Steine“) ebenso. Im Gegensatz dazu würde alles, was unser digitales Ich abbildet und erweitert, also Daten unserer Smart Cars, Smartphones, Smart Watches und anderer, uns erweiternder Technologien (also „Daten über Menschen“), ausschließlich im Eigentum und in der Verwaltung des Individuums liegen.

Ein Internet der Menschen

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder seinen eigenen, von der Gesellschaft finanzierten Raum im Internet hat. Dieser Raum ist privat und stellt ein zentrales Organ des Cyborg-Ich dar, mit dem sich alle unsere sogenannten „intelligenten Geräte“ (auch Organe des Cyborg-Ich) verbinden.

Diesen Raum darf man sich nicht als persönliche „Cloud“ vorstellen. Er ist ein spezifischer, permanenter und für uns spezieller Knoten innerhalb einer Peer-to-Peer-Struktur, der als Schnittstelle für die Verknüpfung und Kommunikation unserer verschiedenen Geräte (Organe) dient. Pragmatisch betrachtet wird dieser Knoten während der Transformationsphase vom heutigen, auf der Client-Server-Architektur basierenden Struktur, hin zu einem Internet der nächsten Generation (auf Basis der Peer-to-Peer-Architektur) genutzt, um als einzigartiger Ankerpunkt für eine Schnittstelle (zunächst unter Verwendung von Domainnamen) bei gleichzeitig hoher Verfügbarkeit fungieren zu können.

Jeder hat seinen eigenen Raum im Internet, mit dem sich alle Geräte verbinden.
Ein Internet der Menschen.

Die dafür nötige Infrastruktur muss von der Gemeinschaft finanziert werden, ihr gehören und offen – interoperabel – konstruiert sein. Die einzelnen darin eingebetteten Dienste selbst müssen von einer Vielzahl von einzelnen Organisationen, also nicht von Regierungen oder wenigen, großen Unternehmen, errichtet und gehostet werden; sie müssen mit untereinander kompatiblen Protokollen ausgestattet sein und miteinander in Konkurrenz stehen, um den Menschen, denen sie dienen sollen, den bestmöglichen Service zu bieten. Ich meine hierin die im Vergleich zur gegenwärtigen Realität stark eingeschränkte Funktion eines Unternehmens innerhalb einer Demokratie festzumachen: der einzige Zweck eines Unternehmens sollte es sein, mit anderen Unternehmen in Konkurrenz um den besten Service für die Menschen zu stehen.

Gegenwärtig ist fast genau das Gegenteil der Fall. Unternehmen werden keine Grenzen gesetzt; sie setzen sich ihre Grenzen selbst. Und die Grenzlinie ist von keiner Position aus zu erkennen. Unternehmen bezeichnen Menschen als „User“, locken sie wie Vieh unter falschen Vorwänden1 an und sperren sie sogleich in einen von einem unsichtbaren, aus proprietärer Technologie errichteten Zaun umgebenen Zuchtstall ein. Dort werden die User dann manipuliert, bis sie dem Unternehmen finanziellen und politischen Nutzen bringen.

Wir, die Individuen, dienen in der heutigen Korporatokratie den Unternehmen; in der Demokratie von morgen müssen Unternehmen uns dienen.

Selbstverständlich müssen die Anbieter dieser Dienste innerhalb der Infrastruktur die Möglichkeit haben, Angebote nach Belieben zu erweitern. Solange sie die Verbesserungen wieder mit im Sinne eines „Share alike“ mit der Gesellschaft teilen, wird auch ein technologischer Lock-In vermieden. Solche über die Basisdienste hinausgehende Erweiterungen können auch gegen Entgelt und bei freier Preiswahl angeboten werden. Für die Kernfunktionen bezahlt das Gemeinwesen; alles darüber hinaus ist Sache des jeweiligen Anbieters. Auf diese Weise können wir eine gesunde, auf dem Prinzip des freien Wettbewerbs basierende Wirtschaft errichten, die auf einem fairen Fundament steht und das System von Monopolen, das von unfairen Ausgangsbedingungen profitiert hat, vermeiden. Und wir können das alles tun, ohne das ganze System dem Staat und damit der Bürokratie zu überlassen, welche Experimente, den Wettbewerb und die organische, dezentrale Entwicklung des Systems verunmöglichen würde.

Eine gesunde Wirtschaft auf einem fair errichteten Fundament.
Eine gesunde Wirtschaft auf einem fair errichteten Fundament.

Kompatibilität und Interoperabilität, freie (im Sinne von „Freiheit“) Technologie mit „Share alike“-Lizenzen, eine Peer-to-Peer-Architektur (im Gegensatz zur Client-Server-Architektur) und ein von der Gesellschaft errichtetes Fundament sind die wesentlichen Schutzmechanismen, die ein Abdriften des neuen Systems in ein monopolistisches Überwachungsnetz, wie wir es heute vorfinden, verhindern. Mit diesen Schutzmechanismen können wir negative Skaleneffekte vermeiden und den Feedback-Loop zwischen der Akkumulation von Information und der Anhäufung von Reichtum, der den Motor für den gegenwärtigen Überwachungskapitalismus darstellt, aufbrechen.

Um es ganz klar zu sagen: Wir sprechen nicht von einem System, das unter den gegenwärtigen Bedingungen gedeihen kann. Wir beschreiben ein System, das unter den gegenwärtigen Bedingungen errichtet werden und eine Brückenfunktion in eine nachhaltige, postkapitalistische Welt erfüllen kann.

Eine Welt schaffen, in der wir leben wollen

In einem Vortrag, den ich vor kurzem bei einem Event der Europäischen Kommission in Rom gehalten habe, sagte ich dem Publikum, dass wir „die Welt erschaffen müssen, in der wir leben wollen“. Für mich ist das keine Welt, die von einer Hand voll Oligarchen des Silicon Valley besessen und kontrolliert wird. Es ist eine Welt mit einem funktionierenden Gemeinwesen, in dem wir als Gemeinschaft alle gemeinschaftlichen Aspekte unserer Existenz kollektiv besitzen und kontrollieren; und in der wir als Individuen alle individuellen Aspekte unseres Daseins individuell besitzen und kontrollieren.

Stellen wir uns eine Welt vor, in der wir (und diejenigen, die wir lieben) eine echte demokratische Rolle spielen; in der wir alle das grundlegende Wohlergehen, die Rechte und die Freiheiten genießen, die der Würde eines Cyborg-Ich entsprechen. Stellen wir uns eine nachhaltige Welt vor, die von der zerstörerischen und kurzsichtigen Gier des Kapitalismus befreit ist, wo wir Soziopathen nicht mehr dafür belohnen, immer rücksichtslosere und zerstörerische Wege zu finden, um Reichtum und Macht auf Kosten aller anderen zu akkumulieren. Stellen wir uns eine freie Welt vor, die aus dem Teufelskreis von fabrizierter Angst und allgegenwärtiger Überwachung, der uns in den Sog einer neuen Welle des Faschismus gebracht hat, ausbrechen konnte. Stellen wir uns eine Welt vor, in der wir es uns erlauben können, einen Anspruch auf ein intellektuell erfülltes Leben zu stellen, in dem wir frei sind und die echte Möglichkeit haben, unsere Spezies nicht nur sinnbildlich den Sternen näher zu bringen.

Das ist die Welt, der ich jeden Tag näher kommen will. Nicht, weil das ein gemeinnütziger oder karitativer Gedanke ist. Und auch nicht, weil ich ein Philanthrop bin. In der Tat, aus keinem anderen Grund als weil das die Welt ist, in der ich leben will.


  1.  …wie zum Beispiel dem Versprechen „freier“ Dienste und Services. In Wirklichkeit werden die aus der Nutzung solcher Dienste und Services gewonnenen Nutzerdaten als das eigentliche Produkt verkauft. 

Mark Zuckerberg hat vor einigen Tagen einen mittlerweile als „Manifest“ bezeichneten Artikel mit dem Titel „Building Global Community“ veröffentlicht, in dem er sich, gleich im ersten Absatz, die Frage stellt, „are we building the world we all want?“ Dieses „we“ setzt, und diese bewusste sprachliche Unschärfe setzt Zuckerberg hervorragend ein, „uns“ als Menschen mit dem „uns“ als Facebook, Inc. gleich.

Unter diesem Aspekt lesen sich solche Absätze plötzlich ganz anders – und der Artikel ist gespickt von solchen, die Probleme da draußen als eigentliche Probleme im Inneren definierenden Statements:

Our greatest opportunities are now global — like spreading prosperity and freedom, promoting peace and understanding, lifting people out of poverty, and accelerating science. Our greatest challenges also need global responses — like ending terrorism, fighting climate change, and preventing pandemics. Progress now requires humanity coming together not just as cities or nations, but also as a global community.

Und dass diese „Global Community“ natürlich nur und ausschließlich vermittels Facebook entstehen kann, ist eh klar. Dass es Schwierigkeiten geben wird, die nur mittels von Facebook geschaffenen Algorithmen und künstlichen Intelligenzen zu lösen sind, auch. Dass überhaupt – so steht das explizit nicht drinnen, wird aber unhinterfragt angenommen – nur Facebook in der Lage ist, das durchzuführen, ebenso. Es ist Solutionismus in seiner reinsten Form. Alles rund um den Menschen ist bereits von Facebook beansprucht, nun geht es um sein Denken, sein Fühlen und sein Zugehörigkeitsgefühl. Aber keine Sorge, Facebook ist ein „guter Vater“, der sich um seine Kinderlein sorgt, das hat Facebook ja schon oft bewiesen, nicht?

For some of these problems, the Facebook community is in a unique position to help prevent harm, assist during a crisis, or come together to rebuild afterwards. This is because of the amount of communication across our network, our ability to quickly reach people worldwide in an emergency, and the vast scale of people’s intrinsic goodness aggregated across our community.

Und so schurbelt der Artikel weiter und weiter und versucht, Absatz für Absatz, eine Argumentationskette aufzubauen, die erklären soll, wie Facebook letzten Endes das einzig adäquate Tool ist, um die Probleme der Menschheit lösen zu können. Außer natürlich dort, wo Investitionen vonnöten sind; dort sollen die Anderen etwas tun!

Klar, Facebook ist und bleibt Facebook, Inc., ein gewinnorientiertes Unternehmen, das seinen Profit aus seinem Geschäftsmodell ableitet, welches daraus besteht, Nutzer wie eine Vieh zu halten und ihr Verhalten gewinnbringend zu verkaufen. Und genau dieser Aspekt macht dieses Manifest so verlogen, wie zum Beispiel Aral Balken in einem Kommentar zu Zuckerbergs Manifest erläutert:

Facebook’s business model is to be the man in the middle; to track every move you, your family, and your friends make, to store all that information indefinitely, and continuously analyse it to understand you better in order to exploit you by manipulating you for financial and political gain. Facebook isn’t a social network, it is a scanner that digitises human beings. It is, for all intents and purposes, the camera that captures your soul. Facebook’s business is to simulate you and to own and control your simulation, thereby owning and controlling you.

I call the business model of Facebook, Google, and the venture-capital-funded long tail of Silicon Valley startups “people farming”. Facebook is a factory farm for human beings. And Mark’s manifesto is nothing more than a panicked billionaire’s latest sophomoric attempt to decorate an unpalatable business model grounded in the abuse of human rights with faux moral purpose to stave off regulation and justify what is unabashedly a colonial desire: to create a global fiefdom by connecting all of us to Facebook, Inc.

Ich kann so einem Absatz nichts, aber auch gar nichts mehr hinzufügen. Außer vielleicht den Hinweis darauf, das Facebook-Konto endlich zu löschen. Und den Hinweis darauf, dass es gleichzeitig interessant und entsetzlich ist, zu beobachten, wie sich das Verständnis der Welt zwischen denjenigen, die sie vermittels Facebook wahrnehmen und derer, die sich von außerhalb dieses Netzwerks informieren, immer mehr unterscheidet. Noch können sich Junge und Alte die unterschiedliche Wahrnehmung unter Zuhilfenahme zum Beispiel des Faktors „Alter“ erklären; es dient als Plausibilitätsfilter für die unterschiedlichen Erklärungsmuster und damit als akzeptierte Bruchlinie. Was aber, wenn diese Sollbruchstelle als solche nicht mehr wahrgenommen werden kann?

Noch ist es möglich, nichts zu versäumen, was nicht auch außerhalb des umzäunten Gartens geschieht. Wenn allerdings Zuckerbergs Vision wahr wird, dann wird genau das nicht mehr möglich sein.

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