Doris Lessing: Den Nobelpreis nicht gewinnen

Die 1919 geborene Schriftstellerin Doris Lessing spricht in ihrer Rede zum Nobelpreis von einer Revolution, mit der die Menschheit fertig werden muss: Computer, Internet und Fernsehen. Die Gefahr, die sie darin sieht, ist in der Natur des Menschen begründet; sobald er einmal damit umgehen kann, kann er sich nicht so schnell wieder davon losreißen. Den Nobelpreis nicht gewinnen.

Wir haben es da mit einer unglaublichen Erfindung zu tun, Computer und das Internet und das Fernsehen, mit einer Revolution. Das ist nicht die erste Revolution, mit der wir fertig geworden sind, wir, die Menschheit. Die Revolution des Buchdrucks, die sich nicht innerhalb einiger Jahrzehnte vollzog, sondern viel länger gedauert hat, hat unseren Geist und unsere Denkweisen verändert. Tollkühn wie wir sind, haben wir das alles wie immer hingenommen und nie die Frage gestellt: „Was wird mit uns passieren, jetzt, wo der Buchdruck erfunden ist?“ Und ebenso wenig haben wir ein einziges Mal innegehalten und gefragt: Wie werden wir uns, wie wird sich unser Geist verändern durch dieses neue Internet, das eine ganze Generation mit seinen Belanglosigkeiten verführt hat, sodass selbst einigermaßen vernünftige Leute zugeben, dass man sich nur schwer losreißen kann, wenn man einmal süchtig ist, und es sein kann, dass auf einmal ein ganzer Tag mit Bloggen und Bluggen und so weiter vergangen ist.

© The Nobel Foundation 2007

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