Bye, bye, Flickr!

Gestern habe ich die letzten meiner insgesamt mehr als 14.000 Fotos und Videos, die ich in den letzten 12 Jahren bei Flickr hochgeladen habe, endgültig gelöscht. Die Aktion hat sich über mehrere Wochen erstreckt, denn einen automatisierten Download für diese Bildmengen gibt es nicht, und fiel mir nicht leicht. Die meisten meiner Fotos waren mit Geodaten ausgestattet, mit Schlagworten und entsprechenden Beschriftungen; mit der Eingabe dieser Daten habe ich Stunden verbracht. Sie alle sind nun verloren. Ebenso die Kommentare und Kommentarverläufe und damit die besonderen Momente, in denen ich online mit Menschen in Kontakt getreten bin, die ich später auch offline kennenlernen durfte. Und umgekehrt: Kommentare, die von Menschen online geschrieben wurden, die ich zuvor – oft unter abenteuerlichen Umständen – offline kennengelernt habe. Dass ich die Fotos habe löschen müssen, ärgert mich. Aber ich kann einem Unternehmen, dem es nicht und nicht gelingt, seine Nutzerdatenbanken zu schützen, mein Vertrauen für die sichere Aufbewahrung meiner Fotos einfach nicht schenken.

Und das ist schade, denn Flickr war der beste Fotodienst, den das Internet zu bieten hatte. Er stellte Speicherplatz zu Verfügung, auf den Nutzer Bilder hochladen, sie mit Geodaten und Schlagworten sortieren, in Alben oder ganzen Sammlungen organisieren und über all das hinweg für bestimmte Personengruppen freigeben oder sperren konnten. Nicht mehr und nicht weniger. Durch offene, aber thematisch fokussierte Gruppen, in die man Bilder posten konnte, öffnete man seine private Sammlung in eine Halböffentlichkeit. Durch spezielle Links konnte man auch gänzlich private Fotos mit einzelnen Personen teilen. All der Bullshit, den heutige Galeriemodule anbieten – Künstliche Intelligenz für die Sortierung von Fotos, Machine Learning fürs Auffinden aller Hundebilder, Was weiß ich was für ein Buzzword für was weiß ich welche Funktion – trägt nichts zur Qualität einer Fotogalerie, zum Aufkommen von Spaß oder zum Herstellen eines Kontakts mit anderen Menschen bei. Die automatisch generierten Bildsammlungen sind genauso kalt wie die Algorithmen, die sie erschaffen. Und deshalb interessieren sie auch niemanden mehr.

Sicher ist es einfacher, alle Fotos einer Person mittels automatischer Gesichtserkennung aus dem Konvolut von Bildern ausheben zu lassen. Klar ist es bequemer, Geodaten aus im Bild erkannten Objekten zu finden. Und sicher ist es schneller, Alben aus bestimmten Eckdaten automatisiert erstellen zu lassen. Doch was bringen mir all diese Funktionen außer den Verlust der Zeit, die ich für die Beschäftigung mit meinen Bildern aufbringen wollte? Habe ich nichts besseres zu tun? Nein, verdammt nochmal, ich habe nichts besseres zu tun, wenn ich mich mit meinen Fotos beschäftigen will! Ich will meine Daten selbst einpflegen, ich will meine Schlagworte selbst eingeben und ich will meine Alben von Hand sortieren. Ich will keine Personen auf Bildern vorgeschlagen bekommen, ich will keine Orte, keine Schlagworte… sondern einfach nur die Ruhe, mich damit beschäftigen zu können.

All das ist nun leider Geschichte. Ich kann meine Fotos nun bei Facebook hochladen – okay, wir wissen, dass ich das nie tun würde – oder einen dafür spezialisierten Service wie SmugMug nutzen. Was diesen Services (und selbst Facebook) jedoch fehlt, ist die auf Flickr einzigartige Community, die ich mit meinem Abschied von Flickr schweren Herzens auch verlasse. Ich verlasse thematisch fokussierte Diskussionen, freundliche (aber nicht unbedingt kritiklose) Kommentare und den Luxus der Unmöglichkeit, mit einem simplen Klick – quasi einem „Like“ – etwas zu sagen ohne etwas zu sagen.

Es waren 12 schöne Jahre mit vielen neuen Bekanntschaften. Wenn aber die letzten Jahre nur noch daraus bestehen, melancholisch Erinnerungen hervorzukramen und sich daran zu klammern, dann ist es allerhöchste Zeit fürs Schlussmachen.

Bye, bye, Flickr!

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