Facebook-Daten bei Cambridge Analytica

Cambridge Analytica whistleblower: 'We spent $1m harvesting millions of Facebook profiles'

Cambridge Analytica wurde von Facebook suspendiert. Im Mittelpunkt der Suspendierung steht die Beschuldigung, Cambridge Analytica habe Daten von Facebook-Nutzern über die App eines Drittanbieters (gegen die Nutzungsbedingungen) erworben und sie nach Aufforderung nicht gelöscht, sondern weiterhin genutzt.

Was „genutzt“ seitens Cambridge Analytica in diesem Zusammenhang bedeutet, macht das hier verlinkte Video klar, in dem Christopher Wylie, der Whistleblower, der das alles ans Tageslicht gebracht hat, die Praktiken des Unternehmens aufzeigt. Mir gefallen auch die ganz grundlegenden Überlegungen, die er da von sich gibt; spätestens, wenn man feststellt, dass auch in Österreich ein „Shared Understanding“ (Wylie erwähnt das bei 10m36s) fehlt, weil Meinungsmache auf einem individuellen Level und weit vor der herkömmlichen politischen Kampagne abläuft, wird’s unangenehm. Und erinnert so stark an die Polarisierung, derer wir alle Zeugen geworden sind.


Die Erkenntnisse über die Datenlecks bei Facebook oder das Verhalten von Cambridge Analytica sind für sich genommen schon ein Wahnsinn. Doch was lernen wir daraus? Wie können wir das Wissen um diese Ereignisse für uns selbst nutzen? Reflexion und Selbstbeobachtung sind die beiden Schlüsselwörter, die nun zum Tragen kommen: Wird ein für mich bislang gültiges Argument durch Dritte direkt oder indirekt infrage gestellt, und sind diese Dritten mir Unbekannte, so ist es sehr wahrscheinlich, dass ich mich bereits inmitten einer Kampagne befinde. Keiner unmittelbar wirkenden, aber einer mittelbar meine Argumentationsgrundlage verändernden.

Zuerst verursacht die Beeinflussung Unklarheit, Zweifel und ein Gefühl, die aktuelle Situation mit den bisherigen Erklärungsmustern nicht mehr lösen zu können („das blöde Gerede von den Experten…“). Anschließend folgt der Aufbau eines Schemas, mit dem ich erzogen werde, eine bestimmte Art von Botschaft als einzige Wahrheit zu akzeptieren („der bringt’s auf den Punkt…“). Und im Anschluss daran – nun befinden wir uns wenige Monate oder Wochen vor der Wahl – wird diese einfache Botschaft (meist lediglich ein „die Personengruppe X ist schuld!“) zur Lösung komplexer Probleme vom Auftraggeber der politischen Kampagne verkündet.

Aber gut, was wundert es mich überhaupt noch.

Wo niemand klickt