Am Wochenende ausschlafen bringt nichts

Am Wochenende ausschlafen, sich „nochmal hinlegen“, den Tag „gemütlich“ oder „ruhig“ angehen oder wie auch immer man es nennt, bringt nichts.

Participants who had to restrict their sleep during the week gained the habit of snacking after dinner, which also led to weight gain. […] In terms of specific metabolic changes […] the participants who restricted their sleep every night had lower insulin sensitivity […] High insulin sensitivity is usually a marker of good health, while low sensitivity to this hormone […] can indicate diabetes.

Maria Cohut, Sleeping more on weekends does not make up for past sleep loss

Wen wundern solche Ergebnisse? Mich nicht. Das „Ausschlafen am Wochenende“ ist in Wirklichkeit nur Autosuggestion mit dem Zweck, den etwas längeren Schlaf am Wochenende den zu kurzen Schlafzeiten an Arbeitstagen entgegenzustellen. Dass da keine Balance ist, spürt ja ohnehin jeder und jede selbst.


Wenn wir schon beim Thema Schlaf sind, dann verweise ich auf den Artikel „We don’t sleep like we used to„, in dem auf frühere, vor-industrielle Schlafpraktiken verwiesen wird, die gänzlich anders waren als wir es gewohnt sind. Folgen wir unseren natürlichen, von Helligkeit und Dunkelheit geprägten Schlafzeiten, so schlafen wir nämlich zwei Mal am Tag.

When people are living without any sort of artificial light at all, they sleep twice every night. They go to bed around 8:00 p.m. until midnight and then again, they sleep from about 2:00 a.m. until sunrise. And in-between, they have a couple of hours of sort of meditative quiet in bed. And during this time, there’s a surge of prolactin, the likes of which a modern day [person] never sees. The people in these studies report feeling so awake during the daytime, that they realize they’re experiencing true wakefulness for the first time in their lives.

TED Talk von Jessa Gamble

Vielleicht wäre es an der Zeit, der Schlafforschung mehr Aufmerksamkeit zu widmen und sich an ein paar der dort präsentierten Ergebnisse zu orientieren. Zwei Mal am Tag schlafen wird schwierig werden, aber zumindest auch unter der Woche ausschlafen sollte machbar sein. Entschuldigungen, es nicht zu tun, gibt es viele, doch sind sie alle – Gegenbeispiele werden gerne angenommen – konstruiert: Nur in der Nacht habe ich Ruhe. Nur in der Nacht kann ich mich konzentrieren. Nur in der Nacht bla, bla, bla. – Alles Rechtfertigungen (oder sollte ich „Ausreden“ sagen), die dem Übergewicht, der Diabetes, den Kreislaufproblemen und vielen weiteren Folgeerscheinungen herzlich egal sind. Gute Nacht!