Euronight Wien-Zürich

Ich mache ja gar keinen Hehl daraus, dass ich nur ungern mit der Bahn unterwegs bin. Die paar Zugfahrten, die ich von der Schule aus mitgemacht habe, sind mir bis heute schlecht in Erinnerung: stinkende Abteile, ekelhafte WCs, widerliches Frühstück und der Gesamteindruck immer ganz, ganz pfui. Ich habe deswegen immer wieder Diskussionen mit Kollegen, Verwandten und Bekannten, die mich fast schon regelmäßig versuchen, zum Zugfahren zu überreden.

Florian Klenk (vom Falter) hat ihnen aber mit seinen Tweets von gestern auf heute einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er ließ sich überzeugen, den Nachtzug Wien-Zürich zu nehmen und nicht den Flieger in der Früh. Was in der Theorie ideal klingt – „am Abend einsteigen, schlafen gehen, und morgens ausgeschlafen ankommen“ – wurde dann doch nicht so ganz erfüllt. Der verbale Verfall von Euphorie zu Skepsis, von Skepsis zu Enttäuschung und von Enttäuschung zur Entscheidung, die Bahn als Transportmittel vielleicht nicht zu forcieren, kann eindeutiger nicht sein. Die Bilder, die er auf Twitter mit-gepostet hat sprechen für sich.

Und wenn mich nicht alles täuscht, dann ist das meine erste Twitterbildergeschichte hier auf meinem Blog.

Florian Klenks Reise beginnt mit einer fast freudig anmutenden Entscheidung, mal wieder mit der Bahn zu fahren. „Erster Nachtzug seit zehn Jahren“.

https://twitter.com/florianklenk/status/1101242401308463111

Die gute Hoffnung schlägt bald schon in Skepsis um. Kurz nach Mitternacht die erste Erkenntnis:

Nach knapp sieben Stunden „Schlafen“ ist Herr Klenk schon gar nicht mehr rund und weiß nichts Positives mehr über seine Tour zu berichten. Im Jahr 2019 in Zusammenhang mit einer Bahnfahrt von einer „Reise in die 80er“ zu sprechen, sagt eigentlich schon alles. Wem das nicht reicht, auch das Wort „ÖBB-Gefängniszelle“ ist wenig schmeichelhaft.

Es wird pikant, das „Frühstück“ wird serviert. Speisewagen? No way. Gegessen wird auf Herrn Klenks Koffer. Er spricht bereits von „Zugzelle“ und schon lange nicht mehr von einem Abteil.

Die Zusammenfassung hat es auch in sich. Nicht nur war die gesamte Fahrt offenbar nicht so prickelnd wie erwartet, der Zug ist auch noch verspätet.

Für mich ist diese Bildstory ein riesiges QED. Also lasst mich bitte endlich mit dem Bahnfahren in Ruhe.