Suva, Fiji

Fiji (oder Fidschi), also. Da waren wir nun. Die Insel, die in der westlichen Welt der Inbegriff des Paradiesischen ist, und wir sind da. Doch wo es ein Paradies gibt, ist Schmutz und der Alltag nicht weit: Suva, die Hauptstadt Fijis, ist eine schmutzige Hafenstadt mit ein paar sicheren, doch weitaus mehr unsicheren Vierteln. Prostitution, Drogen und durchaus vorhandene Kriminalität sind hier, wie in jeder anderen Stadt der Welt auch, präsent.

Unser Hotel mit dem klingenden Namen „Elixir“ war ein Apartment Motel: Vierer-, Dreier- oder Zweiergruppen hatten ihr eigenes Apartment, getrennte Zimmer, aber auch Küche, Bad und WC vollständig von der restlichen Hotelinfrastruktur abgetrennt. Weniger erfreulich war die Tatsache, dass zum Zeitpunkt unserer Anwesenheit die Gänge des Hotels neu ausgemalt wurden und die in Suva verwendeten Farben offensichtlich ganz und gar nicht nasenfreundlich sind. Den ganzen Tag über stank es im ganzen Hotel nach Lacken, Farben und anderen Chemikalien. Klimaanlage gab es zwar eine, nicht aber in den Schlafzimmern.

University of the South Pacific

Einen Tag nach unserer Ankunft in Suva fand bereits die erste Lecture-Sitzung an der University of the South Pacific (USP) statt. [Zeitsprung…] Kaum war der letzte Vortrag beendet, machten sich bereits einige von uns auf den Weg in die Stadt. Suva ist eine Hafenstadt, verfügt über einen ausgegliederten Hafenbereich, der weit vom geografischen Zentrum der Stadt entfernt ist, nicht jedoch vom zentralen Knotenpunkt des Stadtlebens. An der Promenade reihen sich Marktstände, Restaurants, Fast-Food-Ketten, Internetcafés, chinesische und indische Lokale, sowie Bars, Bordelle und Einkaufshäuser auf. Am ersten Tag wählten wir ein indisches Lokal aus, was sich in Suva wirklich auszahlte: Die indische Minderheit in Suva entspricht schon fast der Zahl der übrigen Einwohner. Indisches Essen ist hier praktisch zuhause. Der Abend verlief ruhig, wir gingen schlafen, keine Ausbrüche jedweder Art.

Luxus-Inder und Barbesuch

Abgesehen vom am nächsten Tag abermals stattfindenden akademischen Programm an der USP, besuchten wir wiederum ein indisches Lokal, diesmal aber den Luxus-Inder (auf der gegenüberliegenden Straßenseite). Das Essen war gleich gut, die Sitzgelegenheiten weniger bequem. Klar war, dass wir danach in eine Bar gehen mussten, die – was macht man eigentlich in Bars? – zum Glück einen Billardtisch hatte. Es wurden mehrere Runden gespielt, es wurden Gin Tonics getrunken, Fotos gemacht und letztlich wurde schlafengegangen.

Tanz-Aufführung, Heimküche und „Party“

Der nächste Tag wartete mit ein paar Überraschungen auf. Eines unserer Seminare an der USP hatte die Kultur Fijis zum Thema und solche Kultur-Seminar sind, wie jeder weiß, mühsam. Es wird von Musik, Malerei, Tanz, der Sprache und von Ritualen gesprochen – und das alles in einer Trockenheit, die das lebendigste und schillerndste Gebiet menschlicher Kommunikation grau in grau aussehen lässt. Nicht jedoch hier. Wir wurden in einen anderen Pavillon gebeten und eine Tanzgruppe, zusammengesetzt aus talentierten Studenten und Studentinnen der Universität, führte, begleitet von einer Band, die sich ihre Instrumente großteils selbst gebaut hat, eindrucksvolle, traditionelle und moderne Tänze auf. (Eine Randbemerkung: Ein chinesisches Reporterteam war auch zugegen und hat nicht nur die Tänzer und Tänzerinnen fotografiert, sondern auch uns, die interessierten Zuschauer. Dass der Fotograf mit seinem Riesenobjektiv dabei weniger auf den Gesamteindruck als auf feminine Linien fokussierte, sollte zumindest einmal gesagt worden sein…)

Der restliche Tag verlief ruhig und ohne besondere Highlights. Wir probierten ein Café aus, dessen Kaffee in die Kategorie „bottom-of-the-ashtray-level“ fiel und irgendwann fanden wir uns im Elixir wieder ein. Was ich total vergessen hatte: An dem Tag kochte unsere lokale Reiseleitung für uns. Und was da kredenzt wurde, war nicht viel, aber gut. Es gab sowas Ähnliches wie Maki, überbackenen Fisch, Brotfrucht auf zweierlei Art und Weise, Toastbrot, etwas, das schmeckte und aussah wie ein Shrimpscocktail in Salatform und etwas, das aussah wie Spinat, aber nicht Spinat war, trotzdem wie Spinat schmeckte.

Das Essen fand im Rahmen einer „Party“ statt, allerdings war diese Party organisiert, somit von Vornherein zum stimmungsvollen Scheitern verurteilt. Die Gruppe zerstreute sich ein wenig und mit der Bildung von Untergruppen und Präferenzdialogpartnern kam dann schnell Stimmung auf, die durch unseren Reiseleiter dadurch ein wenig gedrückt wurde, dass er diese Stimmung für ein Video wieder künstlich herstellen wollte! Nichtsdestotrotz ein netter Abend.

Colo-I-Suva und guter Kaffee

Für den nächsten Tag war ein Besuch des Colo-I-Suva, ein Regenwald in der Nähe der Stadt, geplant. Der Bus kam, wir wurden hinchauffiert und machten unseren Spaziergang. Quänglerisches Highlight dieser Tour waren die Waisila Falls, eine Reihe kleiner und größerer Wasserfälle. Bei einem der Tümpel gab es Lianen und mehrere konnten es sich nicht nehmen lassen, Tarzan zu spielen. So auch unser motivierter Reiseleiter, der, allerdings, stürzte ziemlich ab. Das nur so nebenbei.

Nachdem wir vom Regenwald zurückgekehrt waren, besuchten einige von uns den Markt und erkundeten die Stadt ein wenig bei Tageslicht. Meine Gebete wurden zudem erhört und wir fanden tatsächlich ein Café, dass halbwegs vernünftigen Kaffee servierte. Zwar hatte das Café den klingenden Namen „Headworks“ und das Logo eines Friseursalons und war im ersten Stock, daher nur sehr schwierig zu finden, aber… ja. Kaffee: ganz gut.

Den letzten Tag in Suva verbrachte ich mit einer ganztägigen Erkundungstour durch die Stadt, gepaart mit vielen, vielen Fotos. Der Spaziergang war allerdings geprägt von einem mulmigen Gefühl für die kommenden Tage: Wir sollten Theorie und Praxis des akademischen Programms vermengen und in einem Eingeborenendorf leben. Die Erzählungen und Videos, die uns zuvor in Wien gezeigt wurden, verhießen in meinen Augen nicht Gutes. Morgen werden wir abfahren, morgen wird sich alles herausstellen.

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