La quadrille française – oder – Le quadrille français?

Es ist ja nicht allzu weit hergeholt, wenn ich kurz das übliche Themenfeld verlasse und mich ein wenig über Wiens Quadrille-, mehr aber noch über seine Tanzschul-Szene lustig mache. Für all diejenigen, die Wien noch nie im Ballrausch zwischen Ende November und Ende Februar erlebt haben, hier eine völlig abstrakte, weil aus dem Kontext gerissene, Darstellung einer Tour der Quadrille in Reinform.

Wer allerdings glaubt, dass der Tanz auf Bällen – dort Mitternachts-, Publikums- oder einfach nur „Quadrille“ genannt – so gesittet und sauber getanzt wird, irrt. Wie es aussieht, wenn hunderte selbsternannte Profis Quadrille tanzen, kann man auf YouTube nachsehen! Und ja, es ist ein immerwährendes Spiel, das man auf nahezu jedem Ball in Wien beobachten kann: Jedes Paar kennt meist weniger als die Hälfte der Touren nur halb so gut, wie es sollte, tanzt sie aber mit doppelt so viel Überzeugung als es eigentlich haben dürfte! Was die einen Chaos nennen, bezeichnet der gelernte Österreicher als liebenswürdige Eigenheit der Wiener Ballkultur.

Eine weniger liebenswürdige orthografische Eigenheit vor allem vieler, die dafür sorgen sollten, dass weniger als die Hälfte der Paare mehr als die Hälfte der Touren nicht kennt, ist die Schreibweise „Quadrille française“ in Bezug auf den in sechs Touren getanzten Tanz. Die im 18. und 19. Jahrhundert populär gewordene Quadrille ist im Französischen nämlich maskulin, weshalb es nicht „française“ (mit einem „e“ am Wortende), sondern auf jeden Fall immer „français“ (ohne „e“) heißt. Würde man jedoch auf dem „e“ beharren, so erführe die Quadrille einen Bedeutungswechsel und würde zur „Abordnung“ zB in einer Parade werden.

Wenn es also um den Tanz geht, so ist die korrekte Schreibweise die ohne „e“ am Schluss: Quadrille français! Und das seit 1849 als es in einer Beschreibung der Salontänze durch Cellarius („La Dance des Salons“) geheißen hat:

On a cru que la connaissance des figures du quadrille, qui peut etre acquise aisement en deux ou trois lecons, suffisait meme pour les jeunes gens en droit d’aspirer au titre d’hommes de distinction et de bonne compagnie.

Die korrekte Schreibweise und viel über die Geschichte des Tanzes kann man in der französischen Wikipedia nachlesen.

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