Geschwindigkeitsbeschränkung, weil Fehler auch anderen passieren

Der häufigste Kommentar, den man im Freundes- und Bekanntenkreis hören oder aber auch auf Facebook zu einem Strafmandat oder einer Anonymverfügung lesen kann, lautet abstrahiert in etwa so:

Ja, ich gebe es zu, ich bin zu schnell gefahren. Aber ich verstehe nicht, warum ich in der [hier Straßenname einsetzen] nur [hier Geschwindigkeitsbeschränkung einsetzen] fahren soll? Das Tempo ist dort völlig sinnlos, weil [hier Negation des Gefahrenpotentials einsetzen] und dient nur der Abzocke. Wahrscheinlich müssen’s wieder das Stadtbudget mit unserem Geld sanieren. Außerdem beherrsche ich mein Fahrzeug, kenne die Gegend wie meine Westentasche und [hier Differenz zwischen tatsächlich gefahrener und maximal erlaubter Geschwindigkeit einsetzen] sind doch bitte noch innerhalb der Toleranzgrenze!

Gefolgt werden solche Kommentare von allerlei Gedöhns, das mit Priorisierungen von Polizeiarbeit beginnt („Haben die nichts Besseres zu tun?“) und mit Beschimpfungen gegen [hier Name einer Politikern/eines Politikers einsetzen] endet. Die ganz Blöden fotografieren die Strafzettel und Anonymverfügungen auch noch ab und stellen sie auf Facebook online…

Ich frage mich, ob eine Werbung, wie die in Neuseeland von der New Zealand Transport Agency in Auftrag gegebene, in Österreich auf Verständnis (nicht im Sinne von Akzeptanz, sondern im Sinne von Verstehen) stoßen würde. Ist es hierzulande in wenigen Sekunden vermittelbar, dass „leicht überhöhte Geschwindigkeit“ eben nicht nur als „Toleranzgrenze“ verstanden werden darf, sondern als tatsächliche Gefahr, deren tödliche Konsequenz in genau der Extremsituation, mit der man nicht gerechnet hat, auftritt? Dass die Selbsteinschätzung nur Resultat eines erlernten Fahrgefühls ist, welches auf Basis technisch gefilterter Wahrnehmung physikalischer Gegebenheiten und Abläufe entsteht? Dass es unmöglich ist, mögliche Fehler anderer Verkehrsteilnehmer gänzlich berücksichtigen zu können? Oder sind wir wirklich noch so wenig fortgeschritten, dass KFZ-Lenkern das Verbot von Alkohol am Steuer – wenn auch drastisch – klargemacht werden muss?

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