COVID-19, Tag 466: Aus der Ultima-Maßnahme lernen

Montag, 21. Juni 2021, Tag 466 der Corona-Pandemie. Die Delta-Variante wird Österreich im Herbst beschäftigen, die Politik bereitet sich, offenbar aber nichts für uns vor. Es gibt, wie letztes Jahr, keinen Plan, keine Vorkehrungsmaßnahmen, wahrscheinlich nicht einmal eine Ahnung über das Ausmaß und die Verbreitung der Variante. Zumindest schließe ich das aus dem Appell der Ärztekammer, die Fehler des vergangenen Sommers nicht zu wiederholen, und aus der Tatsache, dass die Delta-Variante richtig unangenehm wird, sodass in verschiedenen Ländern Lockerungen bereits zurückgefahren werden. Bei uns, hingegen, fällt die strenge Maskenpflicht, weil ist eh wurscht.

Ganz abgesehen vom normalen Wahnsinn hat dieser Thread von Mario Dujaković, Mediensprecher des Stadtrats Peter Hacker, meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Es geht um die Rolle und Funktion – und damit einhergehende Sinnhaftigkeit – von PCR-Tests, die de facto nur in Wien flächendeckend durchgeführt werden. Sie sind es, die, im Gegensatz zu den Antigen-Schnelltests noch vor der Infektiosität Ergebnisse liefern können und sie sind es, mit denen eine Identifikation der Virusvariante möglich ist. Ein perfektes Mittel, also, um frühzeitig Tendenzen erkennen und Maßnahmen ergreifen zu können. Aber, und hier wird’s abermals ungut, es sieht so aus, dass 86% aller in Österreich durchgeführten PCR-Tests in Wien durchgeführt werden. Der Rest Österreichs hat keine Ahnung, wie’s um die Viren- und Virusvariantenverteilung in seinem Gebiet aussieht. Dujaković schreibt zum Abschluss des Threads daher völlig richtig:

Prognosemodelle, seien sie von uns oder vom Bund sind präziser, je mehr (PCR-basierte) Daten wir haben. Je weniger wir haben, umso weniger wissen wir, was um uns passiert. [Tun wir jetzt nichts, dann] sitzen wir im Herbst da und fragen uns in ganz Österreich, warum so eine starke Welle daherkommt. Den Fehler müssen wir nicht erneut machen. Es wäre das Gebot der Stunde, jetzt so viel wie möglich auf PCR zu setzen. Für einen ruhigen Sommer und Herbst.

Mario Dujaković auf Twitter

Und wenn ich auf meinem eigenen Blog ins Vorjahr schaue, dann erinnert mich all dieses Nichtstun, Lockern und hoffnungsvoll daherreden schon sehr an die Ultima-Maßnahme, aus der… niemand etwas gelernt hat.