Sonntagsarabesken #1

Die Tröstungsmaschinerie des Lebens läuft auf Hochtouren. Und das ganz von selbst.

Wäre da draußen, in dem grellen Licht, das wir Welt nennen, nicht der Unterton des Glücks gegenwärtig… ja, was dann? Müsste man im Falle einer solchen Leere an der kalten Schulter emotionsloser Wesen zugrunde gehen? Oder, viel schlimmer, weiter vegetieren in der Hoffnung auf Besserung? Diese Bemerkungen können nur persönlich gehalten sein, so glaube ich. Bei einer Außentemperatur von um die zehn Grad plus und schneidender Windeskälte ist diese sehr „persönliche“ Assoziation also durchaus gerechtfertigt. Ich denke, dass die Architektur des Wirklichen, der so genannten Realität, die kontrollierte Gefühlskälte mancher (bestimmter, oder gar: eindeutig benennbarer) Personen sowohl begünstigt als auch von vornherein zur falschen Methode degenerieren lässt. Einerseits bringen uns die Psychoanalytiker und Therapeuten bei, dass nur wir selbst unser Leben in der Hand hätten, dass wir rational denkend die beste Chance zur konfliktfreien und in Balance befindlichen Existenz besäßen. Auf der anderen Seite scheitern wir in jedem kleinen Detail, wenn wir Gefühle nicht zulassen oder, noch schlimmer, uns selbst vorschreiben, wann wir sie erlauben und wann wir sie verbieten müssen. Dieses Scheitern an der eigenen Kontrolle ist unausweichlich; auch wenn das Vorgehen einige Zeit lang von Erfolg gekrönt sein mag. Denn innerhalb einiger weniger Stunden verschieben sich alle Kulissen der Lebenskomödie, die zuvor noch als tragisches Rührstück erschienen war, und alle Vorzeichen haben sich ins Gegenteil verkehrt. Keine Form der Kontrolle kann in diesem Fall noch ihre Wirksamkeit bewahren. Wenn man schließlich alleine durch die herbstlich staubigen Gassen wandert und den Wind im Nacken spürt, sich dabei an das Gesicht gewisser Mädchen nur noch schemenhaft und undeutlich erinnert, wenn man zusieht, wie sich die Blumen in ihr welkes Alter fügen, und die verlorenen Stellungen auf dem Schlachtfeld der Liebe mit zerfetzten Fahnen zu räumen beschließt; dann haben alle Wichtigkeiten ihren Platz gewechselt und die Bühne wartet verlassen auf den Beginn der nächsten Szene.

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