Schlagwort: sonntagsarabesken
Er sucht sie. Sie sucht ihn. Doch beide finden sich nicht. Und als sie sich dann gefunden haben, war es auch schon wieder egal.
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Sonntagsarabesken #144
Sie rief ihn an, sobald sie aus dem Flugzeug gestiegen war. Es läutete. Einmal. Zweimal. Dann hob er ab. Ihr Magen verkrampfte sich, als der erste Ton seiner dunklen Stimme ihr Ohr traf. Den ganzen Flug über hatte sie sich diesen Moment ausgemalt. Nein, eigentlich schon seit mehr als einer Woche. Beim Warten auf ein…
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Sonntagsarabesken #143
Wie bewegt sich die Erinnerung? Fließt sie in langsamen Bahnen bergab, ruhig und bedächtig aber zugleich drohend und tödlich wie ein Lavastrom? Oder bahnt sie sich ihren Weg von unten durch die sedimentierte Lebenskruste einer Existenz, deren Oberfläche sich zu keinem Zeitpunkt wirklich zu festigen vermag? Auf den Abschweifungen in das Spiegelkabinett der vergangenen Zeit…
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Sonntagsarabesken #142
Könnte ich Dich lieben? Ohne Dich zu begehren? Wie wäre das möglich? Wäre es überhaupt möglich? Die Stunde ist vorbei, die Minute, in der Du an meiner Seele vorbeigestreift bist, flüchtig und schön, unfaßbar und doch zugleich so greifbar wie nie zuvor und nie danach. Du bist wie ein im Licht verrinnender Schatten, eine Mischung…
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Sonntagsarabesken #141
Die Stadt ist ein Gefühl, das langsam wieder in meinem Körper erwacht. Sie kriecht mir unter die Haut, sie breitet sich aus in meinem Blut, sie füllt meine Nase mit ihrem Duft. Kühler Wind vom Meer, der manchmal Regenwolken mit sich trägt. Doch die Dachziegel sind noch warm von der Vormittagssonne. Die Hecken blütenüberwuchert. Und…
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Sonntagsarabesken #140
Ein schwarzer Punkt zwischen den tief liegenden kleinen Augen der kühn gekerbten, umschatteten Fassade; kaum bewegt er sich, das schmale Gesims entlang balancierend, und noch hat keiner der tief unter ihm dahin eilenden oder in der Straßenbahn sitzenden oder sich an den Tischen des Stehcafé unterhaltenden Menschen ihn bemerkt. Spitz ragt der gewaltige Klotz in…
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Sonntagsarabesken #139
Es ist genug. Genug der unbegründeten Ängste, der unnötigen Gespräche und der unergründlichen Gedanken. Kälte kriecht hier durch alle Ritzen. Winter. Die Worte erfrieren, werden unterdrückt, hinuntergeschluckt, erreichen nicht einmal die Lippen des Sprechers. Es gibt ohnehin niemanden, der sie hören könnte. Zeit, sich aus dem Hier fortzudenken, den Strudel der Zeit zu verlassen, den…
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Sonntagsarabesken #138
Er hatte das gute Gefühl, nichts sei unerledigt geblieben. Die Fenster waren gegen den drohenden Regen geschlossen, die Vase mit den dreizehn Rosen auf den Tisch gestellt, die Frau zum Abschied geküßt und die Türe doppelt versperrt worden. Auf der Schwelle hatte er sich noch einmal umgewandt, einen kurzen Blick in den Spiegel geworfen und…
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Sonntagsarabesken #137
Das Schiff, ein schwarzer Punkt am Horizont. Es trägt Dich fort von mir. Die Sonne wärmt Deine Schultern, während Du am Heck stehend meine Gestalt aus dem Blick schon seit einiger Zeit aus dem Blick verloren hast. Kühler Wind läßt mich frösteln. Viel wurde geschrieben, gesagt und gedacht über die grausame, zersetzende Macht von Entfernungen.…
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Sonntagsarabesken #136
Drei Männer saßen auf der Terrasse. In bequemen Korbstühlen, mit Blick auf den Sonnenuntergang. Die Sonne: Ein roter Ball, der wie schmelzendes Kupfer auf dem ölig schwarzen Spiegel der Bucht zu zerfließen begonnen hatte. Kein Wind. Keine Wellen. Die Brandungslinie bloß ein dünnes schaumiges Band, fast geräuschlos das Kommen der Flut. Der Rechtsanwalt sah das…
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Sonntagsarabesken #135
Die Sonne bricht durch dunkelgraue Wolken. Ein kurzer Moment intensiv erlebter Schönheit, doch nicht von Dauer: Das Licht erstirbt wieder. Die Wärme auf seiner Wange schwindet. Ein kühler Windstoß bauscht die Vorhänge. Es ist wieder alles wie zuvor. Sein Herzschlag normalisiert sich. Die Atemzüge werden gedämpft, sich dem Rhythmus des in quälender Gleichmäßigkeit ablaufenden Tagesgewebes…
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Sonntagsarabesken #134
Liebe. Bis in die entlegensten Winkel und Schluchten, an die entferntesten Strände und Bergflanken dringend, den Raum um und zwischen uns vollständig füllend. Das wunderbarste und ergreifendste Gefühl, das ich je hatte, durch Deine Abwesenheit aus dem ewigen Fluß der Zeit herausgeschnitten. Die Tage ohne Dich wollen nicht vergehen. Ohne Dich stocken die Stunden, bewegt…
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Sonntagsarabesken #133
Zwei Schatten tanzen an den sonnendurchglühten Sandsteinquadern der Hausfassade entlang. In kreiselnden, vorwärts drängenden, dann wieder zögernden, innehaltenden, vom Anderen trinkenden, sich ineinander verlierenden Bewegungen, die flüchtige Linien aus Sternenstaub zu ziehen scheinen. Mit einem Mal lösen sich die schlecht geklebten Schichten der verlorenen Zeit unter der Sommerhitze von einander ab, eine träge kriechende Flut…
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Sonntagsarabesken #132
Aus dem Fenster blickend, den Rücken der Stadt mit den Augen berührend, sich an den Kanten und Unebenheiten der Dächer entlang tastend; den grau gefleckten Himmel betrachtend, der die Konsistenz von Quecksilberdampf zu haben scheint. Ein kühler Luftzug streicht über meine Wange. Leere hat sich durch die Wohnung gebreitet. Sie ist Hand in Hand mit…
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Sonntagsarabesken #131
Im Raum schwebt das Bild eines Bildes. Mit gesenktem Kopf wartet die Göttin auf das Nahen des Unwetters; schwarze Wolken schieben sich in brutalem Wirbel über den Himmel, ballen sich zusammen wie eine zum Schlag bereite Faust, regenschwanger, blitzbeladen. Es ist der Augenblick, der Lidschlag, kurz bevor die Hölle losbricht. Die Zeit, auf die eigenen…
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Sonntagsarabesken #130
Aus ihrem Traum aufgeschreckt, leichenblaß, umklammert sie vermeintlich das Handgelenk des Geliebten, in Wahrheit doch nur die Finger in den eigenen Oberschenkel grabend. Sie hört die sich über Stock und Stein verfolgenden Stimmen, sich in unzähligen Salti überschlagend; sie sieht den Schatten des Kentauren, der mit mächtigen Schritten in den Hohlweg prescht. Tausende Zikaden untermalen…
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Sonntagsarabesken #129
Ich höre Deine Atemzüge. Gleichmäßig, ruhig. Ich bin zufrieden. Denn ich liebe Dich. Solange Du bei mir, in meinen Gedanken, an meiner Seite bist, solange Du mich berührst, meine Seele streichelst, mich zum Lachen bringst, solange bewegt sich die Welt unbeirrbar in ihrer Bahn. Im Zentrum des Sturms stehen wir, in ewiger Umarmung, und spüren…
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Sonntagsarabesken #128
Warum quälst Du mich? Warum quäle ich mich selbst? Wie ein Verrückter renne ich durch die sommerschwülen Gassen, zwischen den Gitterstäben meines gläsernen Käfigs gefangen. Ich habe alles Verlorene wieder gefunden geglaubt; doch der Sand des Glücks ist im Stundenglas verronnen, unerbittlich. Tage schwinden dahin, unter den Augen eines mächtigen Gottes, eines Gottes der Liebe,…
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Sonntagsarabesken #127
Sie geht das Ufer entlang, langsam, die frische vom Wasser aufsteigende Luft atmend. Sie achtet auf das kleinste Geräusch, spürt, wie sich ihre Lungen füllen, fühlt sich stark, unverletzbar, an diesem verzauberten Ort, der sich seit ihrer Kindheit nicht verändert zu haben scheint. Bei den großen Granitfelsen, die sich wie Schildkrötenpanzer aus der glitzernden, wellenlosen…
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Sonntagsarabesken #126
Ein Augenaufschlag genügt. Er glaubt den Blick zu erkennen, der sich in schräger Bahn, von der Höhe des obersten Treppenabsatzes herab, wie ein dunkler Pfeil den Weg in seine Magengrube bahnt. Ein Lächeln, schwacher Reflex auf porösem Stein. Die Stadt belebt sich mit Gespenstern, fahlen Schattengestalten, die in seltsam schwebender Prozession die scheinbar Wiedergefundene flankieren;…
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Sonntagsarabesken #125
Verrat. Eine einfache Geschichte: Unversöhnlicher Haß, der aus rücksichtsloser Leidenschaft entspringt. Zwei Stimmen, die sich zuerst in beleidigenden Tiraden überschlagen; dann Stille. Plötzlich. Eisig und tödlich. Was ist geschehen? Halten die Geister kurz inne, bevor sie mit der eigentlichen mörderischen Beschäftigung, mit dem Kampf, beginnen wollen? Oder hat die Welt den Atem angehalten? Verrat kleidet…
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Sonntagsarabesken #124
Ich schreibe gegen die Panik an. Die Panik, die Du mir bereits mehrmals verboten hast. Verbote wirken bekanntlich nicht, schieben das Wesentliche nur kurz aus dem Blickfeld, treten es in die weiche Oberfläche der gelebten Tage. Dort wühlt und raschelt es weiter, immer stärker, und bricht irgendwann einmal wieder hervor. So wie jetzt. Gestärkt und…
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Sonntagsarabesken #123
Ein vertrauter Geruch, wie ein vertrautes Wort, eine Stimme, die sich durch die nachtschwarzen Windungen ihres Gedächtnisses schält. Es war die Macht des Schicksals, die das Bewußte von der Klarheit geplanter Zeit geschieden hat. In hastigen Worten ist das erklärt, während sich der Abschied hinzieht, sich verzögert, das Ankommen noch in Erinnerung, das Gehen noch…
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Sonntagsarabesken #122
Ich habe einen Gedanken, der ganz mir gehört. Die roten Lampions schwingen aufgeregt in spätwinterlichem Sturm. Auf der Brücke ist es eisig kalt. Blauer Rauch schraubt sich aus hohen Schlot in schräg gewundener Säule in den Nachthimmel. Schwarzes Irgendwas, mit wenigen Sternen bestickt, zerfurcht von den hektisch fliehenden Lichtern der Stadt, rot und gelb und…
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Sonntagsarabesken #121
Echo einer verlorenen Welt: Worte des hinter dichten Dunstschleiern verschwundenen Jahres, die durch den Zauber damals noch nicht zu ahnender Liebe viel an Gewicht verloren haben. Das Frühlingslicht kehrt wieder und wieder; es schwindet, löst sich auf in der gierigen Hitze des Sommers, lebt weiter unter dem golden schimmernden Rost des Herbstes, zittert sich durch…
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Sonntagsarabesken #120
Tanzen auf eisbedecktem Asphalt. Die Schritte beschreiben ein undurchsichtiges Muster, ein Netz, das keinem nachvollziehbaren strukturellen Prinzip zu gehorchen scheint. Schneebrocken im Mantelkragen, geschmolzen in aufgeregter, zarter, ungewisser Liebe, die sich unter dem unbarmherzigen Druck der Zeit in etwas Perfektes verwandelt hatte, makelloser Diamant aus unvollkommenem Kohlenstaub. Schwarze Gesichter blicken gemeinsam zu einer gnädigen gelben…
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Sonntagsarabesken #119
In der Wohnung ist es dunkel und eisig kalt. Er geht langsam in die Küche und öffnet das Fenster. Das regennasse Pflaster des Innenhofes zeigt sich mit rostbraunen Blättern beklebt. Sein Blick taumelt in die Tiefe, fällt in den Abgrund, den schüchtern glitzernden Spuren hinterher, die ein luftig leichter Fuß auf gläserner Leiter hinterlassen hat.…
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Sonntagsarabesken #118
Er sah es ihrem Gesicht an. Er sah es der Drehung ihrer Schulter an. Er sah und wußte es im selben Moment. Sein Blick schweifte in die Unendlichkeit ab, aus Verzweiflung ziellos geworden, denn wo Worte nichts mehr vermögen sind auch Blicke ihrer Macht beraubt, vor allem, wenn sie unerwidert bleiben. Seine Gedanken begannen bohrend…
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Sonntagsarabesken #117
In den Augenblicken, die man glücklich verbringt, in denen man in Glück ertrinkt, sich treiben läßt, sein Inneres an die Außenhaut geheftet trägt, sich verwundbar dem Tag darbietet, in Deinen Armen liegend, an Deiner Schulter dösend, kann man sich nichts Schöneres vorstellen und keine Steigerung und kein Ende. Man schwebt vorstellungslos, hoffnungslos weil wunschlos im…
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Sonntagsarabesken #116
Alte Stadt aus Rosenstein. Während hier noch die glitschigen Fäden unterkühlten Lichtes aus den Ritzen grauer Wolkendecke hängen, wirbelt ein Sturm der Bilder den ölig glatten Fluß von unten her auf, und der Schlamm verlorener Tage tritt an die jäh zerknitterte Oberfläche. Das Träumen des Unträumbaren war, so wird dem schockierten Beobachter jetzt schlagartig klar,…
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Sonntagsarabesken #115
Er will nicht mehr hören, das Geräusch des fallenden Regens durchdringt ihn, das Prasseln der Wassertropfen auf dem winterlich eisbedeckten Dach, von keuchendem Kinderlachen unterlegt; er denkt sich hinaus auf die Weite einer feucht glänzenden Nachtautobahn, deren schartige Haut von den huschenden Lichtern motorisierter Glühwürmchen in unregelmäßigen Abständen erhellt wird. Dort will er bei rasender…
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Sonntagsarabesken #114
Das Licht rinnt als zähflüssige Masse in die leichte Wölbung der Zimmerdecke. Die gekehlten Stuckleisten füllen sich mit bernsteinfarbenem Honig. Vor dem Fenster fallen große Schneeflocken auf nassen Asphalt. Scharlachrote Blätter kleben an der Scheibe. Herbst und Winter, in Schatten- und Farbflecken vereint, gefangen im Wirbel einer von Süden und Westen her tobenden Windschlacht. Eissäulen…
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Sonntagsarabesken #113
Wintergefühle, die den Sommer einholen. Feine Eiskristalle tanzen im Schein der Straßenbeleuchtung. Wir haben gefunden, was wir immer gebraucht und doch nie erhofft hatten. Wir sind einander in die Arme gefallen, taumelnd, sturmgetragen, kopflos, lustvoll, beschleunigt von der rasenden Kraft einer Liebe, die dem Gefühl im Bauch den höchsten Stellenwert einräumt, ganz gleich, was der…
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Sonntagsarabesken #112
Über das Meer hallender Schrei, der sich in den wirbelnden Brandungswellen fängt; so klingt die dunkle Zeit des Jahres, ein häßliches Ersticken des Lebendigen, zischend vergehende Flamme. Das flammend rote Haar der Venus malt blutige Schlieren auf die spiegelglatte See. Die schwarzen Basaltklippen umfangen mit schützendem Arm eine ruhige Bucht, in der das Paar in…
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Sonntagsarabesken #111
Der Blick des Prinzen war umschattet. Er starrte auf das verbrannte Land, die qualmenden Felder, bedeckt von zerfetzten Menschenkörpern und Pferdekadavern. Hinter seinem Rücken gurgelte das Gemurmel der Stabsoffiziere wie eine giftige Quelle. Er wollte nicht hinhören. Pulverdampf hatte sich mit dem Nebel gemischt. Der scharfe Geruch lag noch über dem Verwesungsgestank, der jedoch mit…
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Sonntagsarabesken #110
Eiskristalle liegen in der Luft. Ich verfolge den leuchtenden Regenbogen ihres Schals durch die Stadt; die Lichter schwinden vor dem Heranrollen der Herbstnacht. Hand in Hand und Herz in Herz, veschränktes Leben, das vor lauter Freude den eigenen Schatten jagen will. Die Straßenbahnen ziehen goldene Staubspuren hinter sich her, während honigfarben der wachsende Mond über…
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Sonntagsarabesken #109
Traumbild, gesehen in wachem Zustand: Ein prächtiges Gewirr Tausender Schmetterlinge; der Mond, überzogen mit Silberfäden, läßt lange Schatten in den Alleen und Promenaden wachsen. Nachtrosen heben ihre Köpfe und öffnen die rubinroten Lippen. Die Musik setzt ein; das Orchester thront auf einer Empore über den Kaskaden der Fontäne. Zwischen dem sprühenden Wasser defilieren vor seinem…
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Sonntagsarabesken #108
Karamelfarbenes Haar umfängt ihr Gesicht, das Gesicht einer jungen Herzogin von Ferrara, jene scheinbar von Ghirlandaio in ewiges Halbdunkel getauchte Haut, die den Betrachter gebannt den eigenen Atem vergessen läßt. Mit den Fingern bändigt sie einige Strähnen, flüssige Bronze, streicht sie zurück hinter die Ohren, lächelt ihm zu, und in diesem einzigen unbeschreiblichen Lachen, umfangen…
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Sonntagsarabesken #107
Hinter den rot umrandeten Fleischkugeln, die sich Menschen nennen, verschwindet die Wahrheit wie hinter verstaubten Theaterkulissen. In den Lehnstühlen sitzen knochenbleiche Gespenster und reden von gegenwärtiger Vergangenheit. Das Atmen fällt schwer. Der Körper verweigert langsam den Dienst. Und während die Bilder der Geliebten allmählich verblassen, schält sich die Vorahnung des baldigen Endes immer deutlicher, Stunde…
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Sonntagsarabesken #106
Am Ufer der Salzach sitzend träumte sie sich in die Gärten des Alcazar. Kälte stieg vom Wasser auf. Gekräuselter weißer Schaum tanzte zwischen den Steinen der Uferböschung, spülte an manchen Stellen über braunes Gras, zog sich wieder zurück, um kurz darauf von Neuem als Wellenkamm heranzubrausen. Eine Bewegung wie das Atmen eines flaschengrün gescheckten großen…
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Sonntagsarabesken #105
Der Schweiß des Sommers ist verdampft. Die Schritte bewegen sich wieder in ausgetretenen Bahnen; das Bewußtsein kehrt der Angst den Rücken zu. Die am Tag der Abreise noch mit Rosen bewachsene Wand der Glaserei ist jetzt kahl; und die Gespräche steigen auf zwischen weinrot verfärbte Blätter und messerscharf umrissenes schwarzes Geäst. In manchen Farben und…
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Sonntagsarabesken #104
Ein Sturm zieht herauf am Horizont. Im verbissenen Kampf der mächtigen Winde zerreißt der Himmel, und aus der klaffenden Wunde bricht schwefelgelb die Sonne. Ein diabolisches, giftiges Licht ergießt sich unterhalb der pechschwarzen Wolken in die Ebene. Die Menschen stehen wie versteinert und starren zu ihren Göttern empor. Das Beben der Elemente scheint ihnen nahendes…
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Sonntagsarabesken #103
Fahrt durch die sonnenbeschienenen Hügel, die Straße begleitet von einem Spalier knorriger Obstbäume, scheinbar in ewiger windschiefer Verbeugung gefangen. Radfahrer pflücken Kirschen und Äpfel, die Räder an die Grabenböschung gelehnt. Das Auto gleitet durch die Kurven, taucht in die schmale Schneise zwischen eng stehenden Fichten, deren Wipfel das Sommerlicht verschlucken. Weiter vorne wie in einem…
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Sonntagsarabesken #102
Hunderte blasse Gestalten verneigen sich vor dem eintretend Flüchtenden. Ein eisiger Luftzug streichelt seine Schläfen. Aschgraue Hecken senken tief die heute abgeschnittenen Kronen; goldgelb wirbelnd steigen Staub und Geruch der alten Gasse aus dem Rinnstein hoch, aufgewirbelt von sommerlichem Abendwind. Die Sonne verkleidet sich; sie nimmt den matten Glanz des vergangenen Jahrhunderts an. Menschen reihen…
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Sonntagsarabesken #101
Einen Tag, bevor der als „Hercule“ zu Ruhm gelangte Dichter unsterblicher Liebesverse sterben sollte, traf er die wunderbarste Frau von allen. Hatte er sie zuvor nur aus der Ferne gekannt und sich manchmal stärker, manchmal untergründig nach ihr gesehnt, so stand sie in diesem Moment, am späten Vormittag eines regenschwangeren Tages am Westrand der Stadt,…
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Sonntagsarabesken #100
Ein Zitat: Rückgriff in bessere Zeit. Eine Wiederholung: Das ewige Kreisen um die eine Note, die er doch nie exakt zu treffen vermochte. Während der Rauch des Dampfers sich im milchigen Blauglanz des Horizontes aufzulösen beginnt, wendet sich Cardenio dem hoch aufragenden schwarzen Kreuz auf dem Berggrat zu und ballt die Fäuste. Flammen züngeln um…
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Sonntagsarabesken #99
Der Gedanke könnte lauten: Verschieben wir die Liebe auf morgen! Was hindert uns denn daran? Berechtigte Furcht davor, etwas zu verpassen? Substanzlos verschwindet sie hinter den Wogen geliebter Musik! Bier sprudelt in die Gläser. Und bronzefarben ergießt sich gleich darauf die Sonne über abgeerntete Felder, wundertätiges Licht kriecht zwischen Tausende Staubpartikel, die durch das trockene…
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Sonntagsarabesken #98
Der Atem der Stadt geht träge. Die Lungen der Menschen sind von hartgebackener Luft verklebt. In einem Sog aus Hitze und Schmerz liebt man sich an den Rand der Existenz. Erweiterung des Rausches bis zur Auflösung. Die Haut gleicht einer Tablette, die in salziger Wasserumarmung zerstäubt. Weißer Nebel breitet sich um die Köpfe der Passanten,…
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Sonntagsarabesken #97
Die Wahrheit ist schillernd. Ihre Erscheinungsformen changieren zwischen den unterschiedlichsten Extremen. Wieder bin ich darauf gestoßen, beim Blick durch die Wände des gläsernen Gefängnisses, in das mich mein eigener Wille zum Glück gezwungen hat. Das Gesehene ist im Grunde unverdaulich schön. Von einer unheimlichen Wortlosigkeit, die sich wohl aus seiner Struktur ergibt, die unterhalb jeglichen…
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Sonntagsarabesken #96
Münz denkt nach Ästhetisches. Allzu Ästhetisches. Das Leben als Kunstwerk. Schwer durchzuhalten, diese Maxime, wenn man sich fühlt wie in einem Dampfkochtopf, denkt Münz, während er aus dem letzten Loch zu pfeifen vorgibt, um die angenehme Position vor dem Fernseher nicht verlassen zu müssen. Seine Freundin möge bitte aufstehen und ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank…
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Sonntagsarabesken #95
Die Farben der Stadt und ihre Klänge haben sich gewandelt. Ein erstickender Hitzeschleier breitet sich über Dächer und Menschen, die Vegetation ist mit leisem Röcheln am Verenden. Hinter hohen, von Schlinggewächsen bedeckten Mauern spielt man Tennis. Weiß gekleidete Gestalten laufen im roten Staub hin und her, lachend und schreiend, und dazwischen klirren Limonadegläser gegeneinander. Auf…
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Sonntagsarabesken #94
Wenn das grüne Abendlicht den Reiz der fernen Welten schlucken möchte und doch nicht durch das Fenster dringt, dann fühlt sich Rodrigo geborgen. Seine Hand ruht auf dem Einband des Tagebuches. Er hat sich hinter dem Schreibtisch vergraben, scheinbar in Arbeit, in Wahrheit jedoch ist es ein großer Gedankenhaufen, unter den er den Kopf gesteckt…
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Sonntagsarabesken #93
Märchenlandschaften erstrecken sich zwischen dem Westen Wiens und der Inneren Stadt. Regelrechte Schmerzzonen, denen über die Jahre Dutzende Geschichten aufgestempelt wurden, zerkratzte Oberflächen, milchig gewordene Scheiben, in Neonlicht geschriebene Begebenheiten und Träume, Lokale, deren in blauen Rauch gehüllte Innereien wie ein Astrolabium die Flecken sentimentaler Sternbilder bewahren. Die Zukunft aus den Organen des Vergangenen lesen.…
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Sonntagsarabesken #92
Überempfindlich ist das Draußen geworden, und mit ihm die Menschen, die es bewohnen. Verbildet von übermäßiger Klugheit, berauscht von den Klängen eines Geistes, der sich in die höheren Lagen der Verfeinerung geflüchtet hat, taumeln sie an der Grenzlinie ihres Lebens entlang, ohne die ständige Gefahr des Sturzes zu spüren, denn sie sind die Kinder des…
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Sonntagsarabesken #91
Winterreise im Sommer, in der backofenheißen Stadt, deren Häuserschluchten in der Spannung des Hitzeschleiers vibrieren, und die Tritte des Wanderers vergehen in eisiger Kälte schneebedeckter Wiesen. Kahle Bäume, an denen tote Körper baumeln, zeichnen sich rasiermesserscharf gegen die gelb dampfende Sonne ab. Das Gras ist verbrannt und schon von unsichtbarem Eis überzogen. Steif gefroren die…
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Sonntagsarabesken #90
Im Bestiarium des Lebens haben fast alle Zustände ihren Platz gefunden; doch die Beschreibungen sind in einem Punkt ungenau: Sie erfassen nur das Offensichtliche, das Plakative, die Symptome, ohne jedoch den verborgenen Ursachen auf den Grund zu gehen. Deshalb ist jede solche Beschreibung ungenau und in letzter Konsequenz sogar unzutreffend. Der Schmerz des Kranken gleicht…
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Sonntagsarabesken #89
Es ist die Krankheit hinter der Krankheit, die ihn befallen hat. Während die gelb getünchte Hauswand der Glaserwerkstätte zum ersten Mal in diesem Jahr mit blutroten Rosenblüten sich geschmückt hat, die einen betörend süßen Duft verströmen, geht er blind und taub durch die engen Gassen seiner Kindheit, denn nichts hält ihn noch in dieser kochend…
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Sonntagsarabesken #88
In einem blauen Kleid läuft sie über die Brücke. Ein heißer Maitag. Blonde Haare, von afrikanischer Sonne gebleicht, fallen über nußbraune Schultern. Ein Lächeln, herrlich, eines silberglänzenden Engels würdig, schmückt das zierliche Gesicht. Mein Herz macht einen Sprung. Die federnden Bewegungen des Mädchens spiegeln pure Lebenslust und Freude, gebündeltes Glück, euphorische Liebe. Dieses Bild des…
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Sonntagsarabesken #87
Ja, es ist schon Sonntag. Schwarz umrandete Augen in grell blinkendem Licht, und unter den schwer fallenden Takten der Musik krümmen sich aufgelockert stehende Körper. Es versteht sich von selbst, dass hier Bier getrunken wird. Was auch sonst. Die Luft ist, wie man sagt, zum Schneiden, und eigentlich sind alle kurz davor, sich die Lungen…
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Sonntagsarabesken #86
Manche Existenzen stellen Eleganz gegen Krankheit und Tod. Die schiere Aura des Schönen scheint in diesen Fällen das Unausweichliche abzuwenden. Und doch geht in letzter Konsequenz die Rechnung nicht auf und alles zugrunde. Selbst die Schattenspieler, die versuchen, die Wirklichkeit von Stunde zu Stunde zu überlisten, sind der Fäulnis versprochen. Während draußen die Bäume knospen,…
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Sonntagsarabesken #85
Die gespiegelte Wirklichkeit in den Bahnen der ersten Erinnerung: Es erscheint, Wiederholung auf Wiederholung, das Bekannte hinter der Maske des Neuen. Und symmetrisch wechselt sich das kleine Universum alltäglicher Einfallslosigkeit und Streitereien mit dem unendlichen Horizont frischer, klarer Liebe ab. Das muß vielleicht so sein, aber es ermüdet, denkt der Dulder, der langsam den Spaß…
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Sonntagsarabesken #84
Blütenschäumende Frühlingswege, die sich vor dem Schritt des schnell Begeisterten öffnen. Der klagende Ton der himmlischen Stimme zieht den Spaziergänger tiefer und tiefer in die grünen Kanäle hinein; er kennt sie seit seiner Kindheit, und doch hat sich mittlerweile ein bitterer Schatten um jeden Blattumriß gelegt, denn die Zeit der Unschuld ist vorbei, angebrochen der…
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Sonntagsarabesken #83
Ein Abend, der die Schwüle längst vergangener Sommerstunden ahnen läßt. Die Dinge haben sich seitdem verrückt. Verrückt im wahrsten Sinne des Wortes. Das Begehrte ist zum Vertrauten geworden; die Sterne sind wieder in ihre natürliche Umlaufbahn eingetreten. Flüchtiger Dampf über dem mondbeschienenen Donaukanal. Die zerknitterte Oberfläche des wellenbewegten Wassers. Augen, die das Verborgene hinter dem…
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Sonntagsarabesken #82
Über ihm das Kreisen des Ventilators an der von schwarzen Punkten überzogenen Decke. Es sind Fliegen, eine ganze Wolke, die das Licht angelockt haben dürfte. Er liegt in Pölstern, versinkt in der schweißgesättigten Dichte teurer Stoffe, spürt, wie sich feuchter Brokat rauh an seinen Nacken schmiegt und inhaliert den Rauch einer lieblos gedrehten Zigarette. Seine…
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Sonntagsarabesken #81
Augenblicke, die ihre Wurzeln in die Ewigkeit zu graben scheinen. Das Verschwinden der Schattenkälte unter dem wärmenden Sonnengewebe. Zitternde Gegenwart, keine Frühlingsgefühle, sondern Frühling der Gefühle, heranrauschende Welle, die sich am Kap der Hoffnung bricht, um den gebannten Betrachter mit feinem Nebel zu übersprühen. Er wird süchtig nach dem Wasserschleier, der Tausend Farben anzunehmen und…
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Sonntagsarabesken #80
Bläulicher Rauch steigt auf, wenn die Herzen unschuldiger Geschöpfe verbrennen. Und die Schreie berichten von Schmerz und Qual. Können Tränen die Flammen löschen? Altäre, bedeckt von Feuer und flockiger Asche, ragen gegen den abendroten Himmel. Ein Gemälde des Grauens. Der Fremde wendet die Augen ab, ihm ist übel. Er glaubt zu sehen, in Wahrheit ist…
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Sonntagsarabesken #79
Lichtverzerrungen; Frühlingssonne. Im Stimmengewirr der Kaffeehausunterhaltung entblößt sich schamlos die Ruhe entspannten Nachdenkens, unsichtbar für die Augen der Essenden, Trinkenden, Rauchenden, Sprechenden, umgarnt vom heimlich zu Papier gebrachten Satzgewirr besonnener Untätigkeit, das sich zu goldenen Spiralen fügt, ganz eingehüllt vom frischen Streicheln kühler Westwindströmung; draußen berührt das Sonnengespinst die Scheiben und läßt sie silbrig erblühen.…
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Sonntagsarabesken #78
Von Betonwänden umgrenzte Rasenfläche, sogenannter begrünter Hof. Die Stumpfsinnigkeit der Nachbarn kommt in den sich überkreuzenden Telefongesprächen zum Ausdruck. Banale Redereien über Politisches, Privates und das Wetter, glühende Ohren füllen sich mit sprachlichem Abfall, mit dem Dialekt einer längst vergessen geglaubten und vom Stadtrand auch zunehmend an den Rand des Bewußtseins gedrängten Provinz, und wie…
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Sonntagsarabesken #77
Ein kleines Café in Paris. Aus dem Radio dringt eine rauchige Frauenstimme, unterlegt von harten Rhythmen. Zwei junge Kellner mit nach hinten gestrichenen Haaren, auf denen eine graue Patina aus getrocknetem Gel schimmert, schlagen Haken um die dicht gedrängten Tische und schreien ihre Bestellungen in die winzige Küche. Dampf steigt auf, und die Espressomaschine rattert.…
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Sonntagsarabesken #76
Eine Frau, deren schräg stehende Augen an die Madonna der Cappella Capponi erinnerten, saß ihm gegenüber am Fenster. Sie starrte scheinbar gleichgültig an ihm vorbei, seinen hochgeschlagenen Mantelkragen mit dem Blick gerade noch streifend, und er beobachtete ihr rechtes Profil bloß über den Umweg des schwachen Reflexes in der Fensterscheibe. Zwischen diesen beiden sich nicht…
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Sonntagsarabesken #75
Unter einem Berg von Schriftzeichen begraben zu werden, das ist der Alptraum des nachdenklichen Schöndenkers. Aber er kann gar nicht anders, er muß einfach schreiben, auch wenn er sich so womöglich sein eigenes Grab schaufelt. Das Wasser steht ihm sprichwörtlich bis zum Hals. Er droht zu ertrinken in einem weiß wirbelnden Strudel von Stimmungen und…
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Sonntagsarabesken #74
Wenn Musik die Bedeutungen wechselt. Als ob das Wetter umschlüge oder ein plötzlicher warmer Regen den letzten Schnee von den Straßen spülte. Die Natur wird auf den Kopf gestellt. Eine lange, endlos verästelte, sich selbst verfolgende, ins Nichts zerstäubende, kupfern aufblitzende Melodie, ein Triller kurz vor der Unendlichkeit, die Stimme einer grauen Nachtigall, die nur…
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Sonntagsarabesken #73
Die Macht der Blicke: Oberflächlich schweifend, sich über endlose Räume hinweg überkreuzend, das Besondere suchend, die Kleinigkeiten ignorierend, in die Tiefe dringend, sich an Schönem und Häßlichem festsaugend, die Zeit durchschneidend, Gefühle erweckend oder Unsterbliche tötend. Er erinnert sich, in einem hohen Raum ungarische Musik gehört zu haben, während hunderte Rosen ihren schweren Duft verströmten,…
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Sonntagsarabesken #72
Ankunft in einer neuen Zufriedenheit. Die Berge sind über Nacht verschwunden. Nichts erinnert mehr an den Eisklang der Wiener Wintertage; die kältebekleideten Scheiben sind weit entfernt; und während hier ein leidlich warmer Wind den Schnee als Vorspiel zu neuem Frost in grauen Bächen verrinnen läßt, öffnet sich dort ein Fenster, das den Blick auf die…
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Sonntagsarabesken #71
Verschiedentlich gibt es Anlässe, sich zu ärgern. Der Satyr, der in diesen Hallen sein Unwesen treibt, geht ihr mit seiner flüsternden, vor lüsterner Heiserkeit fast erstickten Stimme auf die Nerven. Die Zahl der von ihr geschriebenen Zeilen hat drei überschritten. Sie ist also auf dem besten Weg, diese Geschichte fertig zu erzählen. Worum dreht sich…
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Sonntagsarabesken #70
Sie traten in den Saal. Musik, Gelächter, Blumenduft, die Schritte Dutzender tanzender Paare auf dem Parkett; honiggoldenes Licht strömte in seidigen Kaskaden von Kandelabern und Kronleuchtern und überzog alle Kanten und Schärfen mit schimmernden Aureolen. Er roch die Ausgelassenheit und das Verlangen der dicht gedrängten Menschen nach Zufriedenheit; Zigaretten- und Zigarrenrauch, frisch entkorkte Sektflaschen, warme…
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Sonntagsarabesken #69
Er wollte um Verzeihung bitten. Obwohl es nichts zu verzeihen gab, wie er seltsam berührt feststellte. Der letzte Bus war vor zwanzig Minuten in die Nacht verschwunden. Eiseskälte streichelte seine Lippen. Verzeihung, wofür? Weshalb? Weil er sie nicht gebeten hatte, bei ihm zu bleiben? Weil er feig gewesen und berechnend geblieben war, obwohl sie bereits…
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Sonntagsarabesken #68
Der Schatten wanderte langsam über ihre Wange bis an die Schläfe hinauf. In einer zweiten, abwärts mäandrierenden Bewegung umfing seine unscharfe Grenze die Kuppe des Nackens, den Hals begleitend bis hinab auf die leicht hochgezogene linke Schulter. Kleine Lichtpunkte tanzten zwischen den feinen Poren ihres Oberarmes. Das dichte Schleierwerk hell-dunkler Flächen verlagerte sich zwischen ihre…
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Sonntagsarabesken #67
Im Takt der Musik den Kopf schütteln an der Scheibe des rasenden Waggons, der auf den Ziegelstelzen des Viadukts zu balancieren scheint, ein Traumtänzer, Wesen zwischen leichter und schwerer Welt, schwebendes Tier, neongrell beleuchtet, mit rotem Streifen auf weißem Fell. Man glaubt, auf jeder einzelnen Taste zu liegen, wenn sie angeschlagen wird; man glaubt, die…
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Sonntagsarabesken #66
Der kalte Winterdunst vor den Fenstern sieht nach Influenza aus. Die Sonne hat sich hinter schneegrauen Nebelmassen versteckt. Ein grausamer, tödlich erkrankter Tag, dessen Ende noch lange nicht in Sicht ist. Am anderen Ende des Kontinents spült die Atlantikbrandung sterbende Fische an den Strand; ein warmer Wind weht über die roten Dächer von Coimbra. Die…
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Sonntagsarabesken #65
Feiner Eisregen erfüllt die Luft, als Lucien aufs Neue seinen Gespenstern begegnet. Er hat nur eine halbe Pfeife geraucht. Dafür kommt ihm das grellbunte Spiegelkabinett vor seinen Augen reichlich übertrieben vor. Mit bizarrer Präzision tritt der schlank gekrümmte Körper des Mädchens aus dem Nebel, wie ein feiner Faden silbergrauen Rauches, der sich durch die Lüfte…
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Sonntagsarabesken #64
Ich bin mir nicht ganz sicher, sagt der Zuhörer, ob ich dich richtig verstanden habe. Deine Fragen beantwortest du für gewöhnlich selbst, und den Raum dazwischen füllst du an mit Klagen über die Erbärmlichkeit deines Lebens. Ich will das einmal glauben. Aber warum versteckst du dich dann in deinem vor allen Empfindungen abgeschirmten Winkel? Warum…
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Sonntagsarabesken #63
Die Geräusche der Stadt waren ihr fremd geworden; und doch hatte sich rund um sie nichts verändert. Bloß sie selbst. Das wurde ihr jetzt, die regennasse Straße entlang gehend, bewußt. Keines der Bilder, die sie seit ihrer Ankunft in sich aufgenommen hatte, war von größerer Bedeutung gewesen, von Schönheit ganz zu schweigen. Aber das hing…
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Sonntagsarabesken #62
Gaetanos Verstand hatte sich verwirrt. Man wußte es; die Sache war längst Gesprächsthema der Salons und Soiréen geworden. Doch bei seinem Eintreten verstummte das Getuschel. Unter dem scharfen Blick seiner dunklen Augen erröteten die giftigsten Klatschmäuler und hoben betreten die Fächer an die verräterisch glühenden Nasenspitzen. Äußerlich hatte er sich nicht verändert: Sein Rock saß…
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Sonntagsarabesken #61
Wartezeit. Die Stunde zwischen zwei Hinrichtungen. Oder auch: Das letzte Sonnenlicht vor dem Tunnel. Wäre sie nicht in Lugano aus dem Zug gestiegen, sie hätte keinen Aufschub mehr gehabt. Der Gedanke an zuhause nimmt ihr den Atem; ihre Hand tastet nach der Kehle. Ihr Mund ist ausgetrocknet. Der Staub der Landstraße klebt in ihrem Gesicht.…
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Sonntagsarabesken #60
http://www.flickr.com/photos/deenhameed/714639/ Er hört zu. Er sieht zu. Sie scheint zu sagen: Verschieben wir das Ende um einen Tag. Die Musik hat sieben Leben. Es wäre leichtsinnig, das Lied an dieser Stelle zu unterbrechen. Man soll weiterspielen. Und man spielt auch weiter. Bis zur nächsten und übernächsten Nacht, bis die Erschöpfung der Zuhörer zu groß, die…
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Sonntagsarabesken #59
SO. Obwohl sich das liebende Subjekt unaufhörlich bemüßigt fühlt, das Liebesobjekt zu definieren und an den Ungewißheiten dieser Definition leidet, träumt es von einer Einsicht, die es den Anderen ganz so zu nehmen befähigt, wie er ist, aller Adjektive bar. Roland Barthes, Fragmente einer Sprache der Liebe (1977; dt. 1988) 200. Sie sehen, an sie…
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Sonntagsarabesken #58
Woher kamen die Geister, die ihn jagten? Aus den Tiefen längst durchstanden geglaubter Nacht. Sie waren ihm ständig auf den Fersen. Bei jedem Schritt provozierte ihre Anwesenheit das unausweichliche Straucheln. Bei jedem Gedanken den ewig drohenden Schlag. Er fühlte sich abgeschnitten von der Realität, die sich ihm ohnehin nicht häufig zu erschließen pflegte. Ferne Gestalten…
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Sonntagsarabesken #57
Er hatte schon nicht mehr darauf gehofft, jemals wieder etwas von ihr zu hören. Jahre waren vergangen seit ihrem letzten Gespräch; die Stille wurde ihm zur gewohnten Begleitmusik. Auf einen Fragebogen bezüglich seiner Lebensumstände schrieb er einmal lapidar: „Stille als Hintergrundgeräusch“. Und damit war alles gesagt. Die Schlachtfelder hatten sich verlagert. Er dachte nicht mehr…
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Sonntagsarabesken #56
Gedacht und geliebt; im Traum gesehen und begehrt. Nie hat er sie berührt, nie sie leibhaftig vor sich erblickt, und doch liebt er sie. Sie – das ist das Bild einer Frau, der Schatten, der sich wie ein öliger Schleier jetzt auf der bewegten See auszubreiten scheint, während ihn, den Liebenden, die Kräfte verlassen. Er…
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Sonntagsarabesken #55
Die Wiederholungen der Details schließen sich zu dem zusammen, was wir Zeit nennen. Sie geben dem Werden und Vergehen ihre besondere Note, einen farbigen Anstrich und eine Grundschwingung, die so etwas wie Atmosphäre zu erzeugen vermag. Ein hübsches Gesicht zu sehen und an alle anderen hübschen Gesichter davor und daneben und vielleicht auch an jene…
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Sonntagsarabesken #53
D. öffnete die Haustür, und trockene Kälte schlug ihm entgegen. Er fühlte sich ganz und gar nicht wohl, als ihm die Luft unter den kurzen Mantel fuhr. Auf dem Weg zur Straßenbahn dachte er wieder und wieder an Toms Vorhaltungen und Anspielungen. „Und was ist mit dem Mädchen von dem Kongreß?“ – alles, alles soll…
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Sonntagsarabesken #52
Du weinst, doch von einer Nacht auf die nächste Vergißt Du die blaugraue Trauer und lachst; Du kommst mir entgegen mit stolzem Blick, Doch kaum wende ich mich, so zitterst Du. Deine Begehrlichkeit kennt keine Grenzen, morgens, Und zehn Stunden später schläfst Du schon tief. Du erscheinst und taumelst, benommen, Du lachst mich aus und…
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Sonntagsarabesken #51
Deine Stimme mäandriert um das Licht Des ersten milden Sonnentages, Wunderbare. Mystisch weitet sich das Tiberbett, Und dumpf gurgelt der braune Strom. Nit schaumigen Köpfen springen die Wellen Über einander hinweg in tollkühner Jagd, Bis schließlich die steile Kaskade In donnerndes Schwarz sie entläßt. Und über uns rauschen die Blätterkronen Vorschnell erblühter Bäume am Ufer,…
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Sonntagsarabesken #50
Alle Häuser blühen, es blühen die Dächer, Knospen aus Fensterglas, gußeiserne Blätter, Ranken in hölzernen Tafeln und Rosetten, Bronzene Stimmen, die Orchideenduft singen. Die Steine alter Fassaden leuchten und glühen, Blasses Rot, starker Purpur, sanfter Safran; Und in unendlicher Brechung jubelt das Licht Azurblauer Frühlingsmittagsstunden. Das zarte Grün eines Rosenstengels, dornenbesetzt, Quillt aus einer Fuge…
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Sonntagsarabesken #49
Das Verharren zwischen zwei Atemzügen. Der Moment, bevor der Sekundenzeiger auf den nächsten Strich vorrückt. Vielleicht war es in einem solchen Augenblick geschehen, vor zwei Jahren, im Halbdunkel einer Bar beim Schottenring. Sommerabend, der die Gelegenheiten schärfer hervortreten, die Gesichter bronzefarben strahlen und die lächelnden Lippen noch voller und prächtiger erscheinen ließ; Dämmerlicht, durch ein…
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Sonntagsarabesken #48
Die Stimme. Er hört sie ganz nah, diese herrlich süffisante, etwas gedämpfte, ein wenig gelangweilt klingende rauchige Stimme, deren Klang er so lange vermissen mußte. Sie hat etwas von einem Instrument, denkt er, einem Bandoneon, vielleicht, sie läßt seine Gedanken wie verrückt tanzen, wenn er sie hört. Tango im Zug von Bratislava nach Wien. Tango…
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Sonntagsarabesken #47
Der Tag hat sich ausgeschwitzt. Das Geschehene ist wahrhaftig vorbei. Man hat sich getroffen, umarmt, geliebt. Jetzt geht man wieder auseinander. Es tut ihm gut, keinen Sinn in diesen Dingen zu sehen, und gleichzeitig ist ihm gleichgültig, wie sie darüber denkt. Als ob es kein Morgen gäbe. Sie sieht die Tür ins Schloß fallen und…
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Sonntagsarabesken #46
Warum sehen wir in der Zukunft keine Sterne? Relativ einfach zu beantworten: Weil die Zukunft keine Nacht, sondern eine Nebelsuppe ist, ein rauchumhülltes Etwas, das uns heute neckisch einen nackten Oberschenkel sehen läßt unter seinem silbergrauen Mantel und morgen schon wieder verschwunden ist. Zukunft. Hoffnung. Erwartung. Unverständliche Aneinanderreihungen von Silben, die alle irgendwie gleich klingen.…
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Sonntagsarabesken #45
An trüben Tagen wirkt selbst das Durchschnittliche noch schön. Die junge Frau starrt reglos in die Ferne. Die Umrisse der sanften Hügel mit ihren gelben Stoppelbärten beginnen sich im Dunst aufzulösen. In der toten, feuchten Wärme des Vormittags verstummen die Singvögel. Der Mann betrachtet ihr Gesicht, die sanft geschwungene Linie ihrer blassen Wange. Schwüles Verharren.…
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Sonntagsarabesken #44
Später Abgesang auf ein Gefühl? Kurz vor der Abreise denkt er daran, das Photo aus dem Rahmen zu nehmen. Er faltet es sorgsam in der Mitte, drückt die Kante mit dem Daumen nieder, immer fester und heftiger, bis er den Zorn in sich aufsteigen fühlt und das ekelhafte Stück Papier zerfetzt. Es liegt keine Anstrengung…