Von Wien nach Bratislava

Zug oder Schiff

Von Wien nach Bratislava kommt man äußerst bequem auf zweierlei Art und Weise. Entweder, man fährt mit dem Zug von Wien nach Bratislava und unternimmt dabei eine Bahnfahrt durch die langweiligste Landschaft Österreichs auf sich und erlebt – beginnend mit dem Südbahnhof in Wien – so wundersame Haltestellen österreichischer Existenz und österreichischen Bewusstseins wie Gramatneusiedl, Gattendorf und Parma oder man reist mit dem Schiff, das man in bester deutschsprachiger Manier auf Englisch Twin City Liner nennt. Der Vorteil des Schiffs liegt in der Fahrt von Zentrum zu Zentrum, wohingegen der Zug in beiden Fällen am Stadtrand abfährt, was allerdings auch seinen Reiz haben kann.

Bratislava

Bratislava ist eine nette Stadt typisch mitteleuropäischer Kontraste. Einerseits gibt es einen sehr schönen (aber kleinen) Stadtkern, in dem sich alles findet, was auch sonst in einem Stadtkern zu finden ist (Turm, Kirche, Bürgerhaus, Hauptplatz, Allee, Gassen), andererseits gibt es die Siedlungen rundherum, die in Österreich getarnt, in der Slovakei ganz offenkundig Plattenbauten sind. Im Gegensatz zu Österreich, gibt es in Bratislava Leben auch in den Plattenbauten.

Der Stadtkern ist gepflegt, sauber und mit einer – und das ist auffällig – geringen Anzahl von Touristen angefüllt. Die meisten folgen dem Ruf des Lonely Planet und fahren eher nach Prag, wo sie sich dann in langen Schlangen durch die vorgegebene Standardtouristenroute quälen. Da ist Bratislava sympathischer: der Tourismus hat hier noch nicht kulturgeschichtliche Veränderungen hervorgebracht, daher sind die Preise, auch in Innenstadtlokalen, auf einem normalen Level, wenn auch einige findige Café-Besitzer Preise auf wesentlich höherem Niveau anbieten. Besonders gegenüber der US-Botschaft wird’s teuer.

Wer es aber auf sich nimmt, in den kleinen Gassen von Bratislava nach einem Lokal zu suchen, der kann für zwei Personen ein gutes und reichhaltiges Essen inklusive Getränke um unter zehn Euro bekommen. Schlimm wird es nur, wenn andauernd vom Nachbartisch Selbstlob von der amerikanischen Damenrunde herüberdröhnt, die das ach so putzige Lokal in der ach so putzigen Gasse in der ach so abgeschiedenen Gegend gefunden hat. Und wie toll doch nicht das Essen… Naja, wir kennen das ja.

Euro oder Kronen?

In Bratislava kann man fast überall in Euro bezahlen. Klar, man zahlt immer ein wenig drauf, aber die Summen bleiben überschaubar. Es empfiehlt sich, sein Retourgeld auch noch irgendwo loszuwerden, denn mit Kronen fängt man nirgendwo etwas an. Die einzig schlechte Erfahrung habe ich mit Eisdielen gemacht, wo man in etwa das Dreifache vom Kronenpreis zahlen würde, wenn man in Euro zahlt. Ein Gang zu McDonald’s, ein kleines Cola mit zwanzig Euro bezahlt und man hat schon einen vollen Tag des Sichgehenlassens in Bratislava in Kronen parat.

Von Bratislava nach Wien

Mehr gibt’s auch schon nicht zu sagen. Vorläufig. Zurück bin ich wieder mit der Bahn gefahren und ich stelle mir vor, dass die Bahnfahrt zurück auf jeden Fall zu empfehlen ist, da die Ankommenden der Schifffahrt ein wenig von Gelsen und Mücken zerstochen dreinschauen, wenn man sie so am Schwedenplatz beim Eisgeschäft stehen sieht. Außerdem erheitert die Rückfahrt in der Abfolge Parma, Gattendorf, Gramatneusiedl und Wien Südbahnhof ja umso mehr…

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