Sichere Backups unter Mac OS X

Das Anfertigen von Backups schieben die meisten so lange vor sich her, bis der Moment eintritt, an dem nichts mehr geht und die Daten unwiederbringlich verloren sind: die Festplatte will nicht mehr oder gibt Klickgeräusche von sich, der Bildschirm zeigt wirre geometrische Figuren an, wo sonst Icons und die Menüleiste zu sehen sein sollten, oder Ransomware meldet stolz, dass alle Daten verschlüsselt wurden und nur gegen Bezahlung wieder freigegeben werden. Das ist die Situation, in der man über jedes Backup froh ist. Und das ist auch die Situation, die man relativ cool wegsteckt, wenn man sich eine vernünftige Strategie für sichere Backups unter Mac OS X zurechtgelegt und sie auch rigoros verfolgt hat.

Denn… auf dem USB-Stick, auf dem die Daten „eh immer wieder gesichert“ wurden, ist nur ein Bruchteil der ursprünglich vorhandenen Datenmenge vorhanden und für die mit „Backup“ beschrifteten DVDs von anno dazumal gibt es in modernen Rechner gar kein entsprechendes Lauwerk mehr. Im Handbuch zu SuperDuper wird der Zustand sehr schön beschrieben:

Backing up is one of those things that never seems important until something goes horribly wrong, and things never go horribly wrong until the worst possible moment.

Den „worst possible moment“ habe ich leider bereits drei Mal erlebt. Und jedes Mal habe ich das Anlegen eines Backups verabsäumt, weil ich davon ausgegangen bin, dass (1) neuwertige Hardware so schnell schon keine Probleme machen wird, (2) mir solche Fehler, die ich bei anderen immer wieder sehe, nicht passieren werden oder (3) meine Daten durch einen Diebstahl entwendet wurden. In allen Fällen habe ich etliche Gigabytes an Fotos, Musik, Videos und Dokumenten in wenigen Sekunden (!) verloren. Die meisten Daten konnte ich nicht mehr wiederherstellen, sie sind für immer verloren.

Doch, ich habe daraus gelernt und benutze mittlerweile ein bewährtes Setup aus Backblaze für Online-Backups und Carbon Copy Cloner für die lokale Datensicherung. Dieses Setup läuft vollautomatisch und erstellt regelmäßig zuverlässige und komplette Backups meiner Daten online und offline. Zusätzlich speichere ich sehr wichtige Daten in Dropbox ab, wodurch sie sofort synchronisiert (und damit auch indirekt gesichert) werden. Ich brauche mich bei diesem Setup nicht um die Datensicherung und die Backups zu kümmern, denn diese Tasks laufen vollautomatisch, und dennoch genieße ich größtmögliche Datensicherheit.

Was ist ein Backup?

Wer sich mit den verschiedenen Arten von Backups auskennt und lediglich Empfehlungen zu Programmen und Services braucht, kann sofort zum Kapitel „Lokales Backup“ springen. Allen anderen möchte ich in diesem kurzen Kapitel einen kleinen Überblick über die verschiedenen Interpretationen und Lösungen zum Thema Backup geben; nur so kann jeder für sich entscheiden, welche Backup-Strategie im jeweils individuellen Fall erfolgversprechend sein kann.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei Formen von Backups auf dem Mac (und anderen Betriebssystemen):

  1. Beim Klonen werden die auf einem Datenträger A gespeicherten Daten 1:1 auf einen anderen (externen) Datenträger B kopiert. Wenn sich Daten auf A ändern, werden sie beim nächsten Durchführen des Backups auch auf B geändert. Das gilt auch für das Löschen von Daten. Der Klon B kann das Quelllaufwerk A komplett ersetzen.
  2. Beim Archivieren werden die Daten von A auf B kopiert und sind dort dann immer verfügbar; selbst dann, wenn sie auf A nicht mehr vorhanden sind und bereits ein weiteres Backup durchgeführt wurde. Kurzum: B sammelt Daten, auch wenn diese von A gelöscht wurden.
  3. Mit Time Machine wurde eine neue Form von Backup eingeführt, die von vielen als Versionierung mit Datensicherungsfunktion charakterisiert wird: Time Machine erstellt einmalig Kopien der auf A vorhandenen Daten, prüft aber in weiterer Folge regelmäßig (nämlich stündlich!) nach, ob und was auf A verändert wurde, und speichert diese Änderungen auf B ab. Somit hat man bei aktiver Time Machine nicht nur eine Kopie seiner Daten auf B, sondern auch eine Versionshistorie dieser Daten.

Alle 3 Formen von Backups haben Vor- und Nachteile. Eine empfehlenswerte Zusammenfassung dazu gibt es beispielsweise auf pondini.org zu lesen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass nur das Klonen wirkliche Vorteile bringt. Doch dazu später!

Lokales Backup

Ein lokales Backup, zum Beispiel ein Klon der internen Festplatte auf eine externe, ist rasch hergestellt. Alle Programme, die Festplatten klonen, arbeiten zuverlässig und genau sowohl beim Sichern als auch beim Wiederherstellen von Daten. Es gilt aber zu bedenken, dass die externe Festplatte, auf der das Backup gespeichert wird, in den meisten Fällen allen Gefahren, denen auch der Rechner, der gesichert werden soll, ausgesetzt ist. Brand, Wasser, Hitze, Kälte, Diebstahl, etc. treffen beide Speichermedien gleichermaßen. Erstaunlicherweise ist die Auswahl zuverlässiger Programme, die lokale Backups durchführen, auf drei begrenzt: Time Machine, SuperDuper! und Carbon Copy Cloner, wobei die letzten beiden Daten klonen, Time Machine hingegen Daten versioniert und archiviert.

SuperDuper!

Bevor es Time Machine gab, gab es SuperDuper!. Es gibt sehr viele Stimmen, die vor Apples Bordmittel für Backups – Time Machine – warnen (Daten können nicht wiederhergestellt werden, werden nicht zuverlässig oder gar nicht erst gesichert!). SuperDuper! hingegen genießt einen hervorragenden Ruf, ein zuverlässiges Werkzeug zur Datensicherung zu sein. Zusätzlich zur Möglichkeit, Backups aller Daten automatisch sicher anlegen und bei Bedarf jederzeit wiederherstellen zu können, erstellt SuperDuper! einen bootfähigen (!) Klon der gesicherten Festplatte, mit dem man nach einem Crash notfalls sofort weiterarbeiten kann.

Das Programm kostet einmalig etwa 27 Euro, es gibt aber eine voll funktionsfähige, kostenlose und zeitlich unlimitierte Testversion, in der lediglich das inkrementelle Backup und die Zeitplan-Funktion deaktiviert sind. Zumindest die Möglichkeit eines Zeitplans für Backups ist aber notwendig, wenn man SuperDuper! automatisiert betreiben möchte, denn nur ein automatisches Backup ist ein sicheres Backup.

Carbon Copy Cloner

Eine, nein, die mittlerweile deutlich bessere Alternative zu SuperDuper! ist Carbon Copy Cloner. Das Programm arbeitet nach genau dem gleichen Prinzip wie SuperDuper!, wird aber wesentlich häufiger aktualisiert und wirkt ganz generell durchdachter: Die Automatisierung von Backups durch Zeitpläne ist dem Schedulingsystem von SuperDuper! um Längen voraus. Die Möglichkeit, geänderte oder gelöschte Objekte bei genügend vorhandenem Festplattenplatz vorübergehend zu archivieren ersetzt de facto die Notwendigkeit, Time Machine überhaupt einzuschalten. Und die Möglichkeit, auch die Recovery-Partition der nur noch online ausgelieferten Mac-Systeme mitzusichern, klingt auch nicht schlecht.

Ich habe mich, vor allem, weil Carbon Copy Cloner regelmäßig weiter entwickelt wird, in meiner Backupstrategie für Carbon Copy Cloner entschieden und empfehle es auch jedem, der Backups ernst nimmt. Carbon Copy Cloner kann 30 Tage lang voll funktionsfähig ausprobiert werden. Danach kostet das Programm knapp 37 Euro.

Time Machine

Apples Bordlösung zur Datensicherung ist Time Machine. Das Programm sichert alle Daten einmalig komplett und erstellt stündliche Backups, die 24 Stunden lang aufgehoben werden, tägliche Backups, die 30 Tage lang aufgehoben werden, und wöchentliche Backups, die solange aufgehoben werden, bis die Kapazität der externen Festplatte erschöpft ist. Time Machine hat sich auf meinem Mac als ressourcenhungrig und träge entpuppt und ihn während jedes Sicherungsdurchgangs spürbar verlangsamt, was mich umso mehr bestärkt hat, mit SuperDuper! zu arbeiten.

An Time Machine zu zweifeln habe ich begonnen als Nachrichten in diversen Kanälen auftauchten, die von Datenkorruption oder schlichtweg inexistenten, aber als durchgeführt gemeldeten Backups berichtet haben. Obwohl ich diese Sonderfälle niemals selbst erlebt habe, so reicht mir der (mit Screenshots belegte) Vorwurf Dritter, mich für eine zuverlässige Lösung zu entscheiden, ergo: Carbon Copy Cloner.

Alternativen zu SuperDuper!, Carbon Copy Cloner und Time Machine?

Es gibt viele Alternativen zu SuperDuper! oder Carbon Copy Cloner; die beiden sind jedoch meines Wissens nach die einzigen Programme, die regelmäßig, wenn auch in zum Teil riesigen Zeitspannen aktualisiert werden, aktiven Support haben, weit verbreitet sind, immer wieder durch Nathaniel Grays Backup Bouncer getestet werden und dementsprechend zuverlässig funktionieren. Von Backupsystemen, die von Festplattenherstellern kostenlos mitgeliefert werden, rate ich ab, da diese Programme lieblos programmiert sind, weshalb sie bei Funktions- und Zuverlässigkeitstests meistens katastrophal abschneiden.

Es wird schon seinen Grund haben, warum die drei seit Jahrzehnten existieren, die Backup- und Klonsoftware anderer Hersteller hingegen wieder von der Bildfläche verschwunden ist.

Empfehlung für lokale Backups unter Mac OS X

Ich persönliche empfehle als Tool zur lokalen Datensicherung Carbon Copy Cloner oder, allerdings mit Abstrichen, SuperDuper!. Ob man SuperDuper! oder Carbon Copy Cloner verwendet, ist größten Teils Geschmackssache; die Online-Hilfe, die Entwicklungszyklen und das Interface-Design von Carbon Copy Cloner sind deutlich ausgefeilter als das im PDF-Format mitgelieferte (und ewig alte) Benutzerhandbuch von SuperDuper!.

Ich habe mit beiden Programmen bereits gearbeitet und bin von der Funktionalität, Zuverlässigkeit und Sicherheit beider überzeugt. Trotzdem empfehle ich das etwas teurere Programm Carbon Copy Cloner, weil es kürzere Entwicklungszyklen hat und ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass SuperDuper! nur noch als Spaßprojekt nebenher fortgeführt wird.

Online Backup

Online Backups sind optimal gegen jede Form von physikalischem Datenverlust geschützt und, wenn angemessen verschlüsselt, auch sicher. Im Vergleich zur lokalen Variante dauert das Erstellen und Wiederherstellen eines Backups allerdings wesentlich länger und die Daten werden in einigen Fällen weniger genau (also zB ohne korrekte Attribute oder Metadaten) gesichert; das kann man zwar minimieren, dementsprechend teuer sind dann allerdings die Ausgaben pro gesichertem Gigabyte.

Es gibt grundsätzlich 2 Arten von Online-Backups: Entweder man kauft ein Abonnement bei einem Backupservice, der sowohl das Programm als auch die Serverinfrastruktur zur Verfügung stellt (das ist billiger und bequemer) oder man kauft ein Backupprogramm, das auf der Serverinfrastruktur eines Drittanbieters aufsetzt (das ist sicherer und genauer, aber auch teurer). Welche Backuplösung die richtige ist, kann jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit Backblaze gemacht, weil es seit Inbetriebnahme immer leise im Hintergrund gearbeitet und zuverlässig seinen Dienst verrichtet hat, was ich von keinem einzigen der anderen hier genannten Programme behaupten kann.

Backblaze

Backblaze sichert nach dem Ausschlussprinzip alle Daten kontinuierlich online. Ausschlussprinzip bedeutet, dass alles, was nicht explizit ausgeschlossen wird, verschlüsselt und über eine sichere Leitung auf die Server von Backblaze hochgeladen wird. (Die Verschlüsselung erfolgt mit einem von Backblaze vergebenen Key, den man um einen privaten ergänzen kann.) Dieser Prozess ist bewusst langsam und ressourcenschonend konstruiert, sodass auf dem Rechner, der gesichert wird, keinerlei Geschwindigkeits- und Performanceeinbußen – weder in der täglichen Arbeit als auch bei der Internetnutzung – zu bemerken sind.

Über die hochgeladene Datenmenge muss man sich bei Backblaze keine Sorgen machen, denn der einem Benutzerkonto zugewiesene Speicherplatz ist unlimitiert. Backblaze verrechnet für die Datensicherung einen Pauschalpreis von USD 5 pro Monat bzw. USD 50 pro Jahr. (Darin sind auch Backups von beliebig vielen externen Festplatten beliebiger Größe und eine Lokalisierungsfunktion für gestohlene Computer enthalten, wobei die Festplatten mindestens einmal alle 30 Tage an den Hauptrechner angeschlossen werden müssen.)

Alternative Services zu Backblaze sind zum Beispiel CrashPlan, Carbonite oder Mozy, doch sind deren Programme entweder lieblos programmiert, integrieren sich nicht in die gewohnte Mac-Oberfläche oder die Abonnements zur Datensicherung sind schlichtweg zu teuer.

Arq

Arq ist sicher und flexibel. Das Programm kann auf zweierlei Art genutzt werden: Entweder als Standalone-App („Arq“), die einmalig USD 40 kostet, aber externen Speicher (siehe Liste) benötigt, oder als Service („Arq Professional“), der mit einem Preis von USD 7 pro Monat und einem Speichervolumen von 250GB angeboten wird.

Preise in USD.

Dienst1 GB250 GB500 GB1 TB
Amazon Cloud Drive59,99
Amazon Glacier0,012,585,1710,33
Arq Professional7,0011,0019,00
Amazon S3 regulär0,037,3514,8530,75
Amazon S3 reduced0,036,0012,0024,58
B20,0051,252,55
Google Drive for Work10

Wem die Sicherheit seiner Daten – und hier meine ich die Datensicherheit im Sinne von Verschlüsselung – wichtig ist, sollte zu Arq greifen. Im Gegensatz zu den oben genannten Backup-Services, wurde Arq bewusst mit dem Aspekt der Datensicherheit programmiert. Alle mit Arq erstellten Backups werden lokal verschlüsselt und erst im Anschluss beim gewählten Cloudspeicherdienst hochgeladen. Das Passwort zum Entschlüsseln der Daten verlässt dabei den eigenen Rechner niemals. (Das tut es bei Backblaze auch nicht – solange man keine Wiederherstellung über die Weboberfläche des Services durchführt.)

Dropbox

Sehr wichtige Dateien, zB solche, an denen ich gerade arbeite, sichere ich in Dropbox, wobei der Begriff „Sicherung“ hier eigentlich nicht zutrifft, da es sich viel mehr um eine Synchronisation der Daten handelt.

Der lokale Dropbox-Ordner wird permanent online synchronisiert, wodurch auch das kurze Zwischenspeichern eines Dokuments sofort online gesichert wird – das kann entscheidend sein, wenn die Festplatte eines Rechners den Geist aufgibt. Dropbox behält Dateiversionen 30 Tage (oder, mit dem „Extended Version History“-Add-On um EUR 39/Jahr: 1 Jahr) lang im Speicher, sodass Wiederherstellungen auch auf diesem Weg leicht möglich sind. (Es ist übrigens die Extended Version History-Funktion, die viele, die ich kenne, nach dem Befall mit Ransomware zu schätzen gelernt haben!)

Es gibt eine ausreichend große Gratisversion von Dropbox mit 2 GB Onlinespeicher oder diverse Abonnementversionen mit 1 TB Speicher (oder sogar mehr!) um etwa EUR 100 pro Jahr.

Warum ein automatisiertes lokales und ein Online-Backup?

Das Setup aus Carbon Copy Cloner, Dropbox und Backblaze ist ganz besonders sicher, da ich, der Benutzer und damit größte Unsicherheitsfaktor, nur wenig involviert bin: Das Backup erfolgt sowohl offline als auch online vollautomatisch, regelmäßig und vollständig; mit Dropbox sogar noch sofort.

Meine doppelt gesicherten Daten sind damit gegen jede nur erdenkliche Form von Verlust (Hardwarefehler, Brand, Eindringen von Nässe, Diebstahl, etc.) geschützt. Für die Sicherheit, die so ein System bietet, ist es auch noch kostengünstig: Eine ausreichend große, externe Festplatte erhält man bereits um knappe 100 Euro, Carbon Copy Cloner kostet einmalig knapp 37 Euro, Dropbox gibt es in der Basisversion gratis und das Backblaze-Jahresabonnement kostet 50 USD/Jahr oder 5 USD/Monat für unlimitierten Speicherplatz.

Wenn man über Backups schreibt, darf man die Punkte Automatisierung, Genauigkeit und Zuverlässigkeit nicht außen vor lassen. Egal, wofür man sich entscheidet, welche Software einem am meisten liegt… Alle drei Punkte sollten möglichst immer erfüllt werden: Automatisierung, Genauigkeit und Zuverlässigkeit. Wer sich also für eine Backupstrategie entscheidet, sollte genau die drei Schlüsselwörter stets im Kopf behalten oder sich darauf verlassen, dass mein hier präsentiertes Setup aus Carbon Copy Cloner, Dropbox und Backblaze hält, wozu ich rate!

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!