Hallo AeroPress!

Obwohl ich mich lange vehement gegen Alternativen zur Espressomaschine gewehrt habe, steht neben der Tastatur, auf der ich diese Zeilen schreibe, eine Tasse mit Kaffee, den ich nicht in der Espressomaschine, sondern mit einer AeroPress zubereitet habe (Inception!).

Ich habe sehr lange für den Schritt gebraucht, nicht aus der Espressomaschine stammenden Kaffee überhaupt als solchen anzuerkennen. Seit etwas mehr als einer Woche weiß ich, dass es beim gefilterten Kaffee umso mehr auf die Qualität der Bohnen, das korrekte Mischungsverhältnis in Blends aber auch auf Sorgfalt bei der Röstung ankommt: Die AeroPress und andere filterbasierte Methoden zur Zubereitung von Kaffee sind unnachgiebig und keinesfalls Fehlertolerant. Espressomaschinen hingegen scheinen – ich treffe die Aussage auf bescheidenen Erfahrungen basierend – wesentlich toleranter und nachgiebiger zu sein.

Vielleicht ist es aber auch nur die Erwartungshaltung dem servierten Getränk gegenüber, die so vieles bewirkt hat.

Was ist und woraus besteht die AeroPress?

Die AeroPress besteht aus zwei Plastikröhren, einem Brühzylinder mit Filteraufsatz und einem Presskolben, die man ineinander schiebt, nachdem im Brühzylinder Kaffeemehl mit Wasser vermengt wurde. Da die AeroPress keinen Auffangbehälter besitzt, setzt man sie auf die Tasse, in der der Kaffee serviert werden soll, und presst den Kaffee direkt hinein. Durch den Filter wird das Kaffeemehl zurückgehalten, wodurch ausschließlich Kaffee (und kein Sud) in der Tasse landet. Die Tasse wird serviert; Sud und der benutzte Filter können durch Abschrauben des Filterhalters äußerst einfach entsorgt werden. Der ganze Vorgang dauert, inklusive Mahlen und Beseitigen des Kaffeesuds keine zwei Minuten.

Die AeroPress wird vom Spielzeughersteller (!) Aerobie produziert, der auf seiner wahrscheinlich in Frontpage geschriebenen Produktseite auch weitere Informationen bereithält. Für die Qualität der Produktion spricht vor allem die detaillierte Auflistung der für die AeroPress verwendeten Materialien. Sie besteht aus drei Kunststoffen: Copolyester (kein BPA, keine Phthalate) wird für die Herstellung des Brühzylinders und des Presskolbens verwendet, lebensmittelsicheres Polypropylen für den Filterhalter, den Messlöffel, den Stirrer und den Trichter. Die mitgelieferten Filter bestehen aus Papier, der am Presszylinder angebrachte Gumminoppen aus thermoplastischem Elastomer.

Bei älteren Modellen, das sind alle, die vor dem 1. August 2009 produziert wurden, bestanden sowohl der Brühzylinder als auch der Presskolben aus einem Polycarbonat, das das gesundheitsschädliche Bisphenol A (BPA) enthielt. Um jegliche Möglichkeit der Verunreinigung des in der AeroPress gebrühten Kaffees auszuschließen, wurden alle später produzierten Brüher aus Copolyester hergestellt.

We had an independent lab test coffee brewed in a well used AeroPress to determine how much, if any, BPA leaches into coffee brewed in a polycarbonate AeroPress. Absolutely none was detected. Given that result, one could ask why we switched to using copolyester. The answer is simple. The use of copolyester removes any perceived risk from BPA and it is a more attractive material.

Man erkennt den Unterschied zwischen den alten und den neuen Modellen der AeroPress sehr einach: Ältere Modelle sind durchsichtig und hell während die neuen Modelle einen deutlichen graubraunen Schleier haben.

Heute sollte man nirgendwo mehr die alten, aus Poylcarbonat hergestellten Modelle bekommen können.

Wie benutzt man eine AeroPress?

Der norwegische Kaffeeröster und Barista Tim Wendelboe hat den Vorgang in einem Video (samt humoristischer Musikuntermalung) in Echtzeit dargestellt.

Eine Alternative zu dieser, mittlerweile als „klassisch“ bekannten Zubereitungsmethode, ist die Kopfüber-Methode („inverted“), bei der man den frühzeitigen Durchfluss des Kaffees durch den Filter verhindern kann, in dem man die AeroPress verkehrt herum benutzt und erst im letzten Moment umdreht. Auch hierzu gibt es, diesmal jedoch von Alexey Kurbatov, ein passendes Video.

Für beide Varianten empfehlen praktisch alle, die sich damit auskennen, einen Mahlgrad, der etwas feiner als für Filter, aber genügend weit vom Espresso entfernt ist. (In Tim Wendelboes Video sieht man die Einstellung ohnehin angezeigt.)

Im dritten Video gibt es eine kleine Besonderheit: Die Baristi in der Kaffeekommune verwenden nicht die mitgelieferten Papierfilter, sondern setzen scheinbar auf die Stahlfilter, die ich weiter unten beschrieben habe. Dennoch gibt auch dieses Video einen sehr guten Brühprozess wider, wie man ihn mit der AeroPress durchführt.

Meistens verwenden die Meister etwa 18 Gramm Kaffee für eine fast bis oben hin gefüllte AeroPress. Ich mag es ein wenig kräftiger und verwende bei Reinsorten etwa 24 Gramm und fülle die AeroPress nur zu etwa 2/3 mit Wasser voll.

Individueller, perfekter Kaffee um knapp 30 Euro

Die vielen Faktoren, die man beim Kaffeebrühen mit der AeroPress selbst beeinflussen kann (Wassertemperatur, Mahlgrad des Kaffees, Mischungsverhältnis Kaffee/Wasser, Brühzeit, mehr oder weniger Druck, Papier- oder Metallfilter), machen sie zu einem vielseitigen Werkzeug. Die Qualität und die geschmackliche Vielfalt des Kaffees, den man mit einer AeroPress zubereiten kann, stehen, sofern die dafür verwendeten Bohnen in Ordnung waren und auch keine Fehler beim Rösten passiert sind, außer Frage.

Für Gelegenheitstrinker oder Personen, die keine zweitausend Euro für ein vernünftiges Kaffee-Setup ausgeben möchten (eine Mühle, die Kaffee fein genug mahlen kann, kostet ab etwa 500 Euro aufwärts; Espressomaschinen, die die Mindestkriterien für guten Kaffee erfüllen, beginnen bei etwa 1500-2000 Euro) und Interesse an mit weniger Druck zubereiteten Kaffees zeigen, ist die AeroPress eine vernünftige Lösung. Das Ding kostet um die 30 Euro und eine qualitativ hochwertige Handmühle, wie zum Beispiel eine Hario Slim, mit der man die Bohnen gleichmäßig mahlen kann, kostet noch einmal soviel.

Gegenüber den zweieinhalbtausend Euro eines maschinellen Setups mit im Verhältnis enormem Wartungsaufwand, sind die 60 Euro für Mühle und AeroPress ein Klax.

Alternative zum Papierfilter: The Disk

Able Brewing hat eine Alternative zu den Papierfiltern, die mit der AeroPress mitgeliefert werden: Wiederverwendbare Filterblätter aus Stahl. Bei den Filterblättern gibt es den Standard- und den feinen Filter, wobei die Perforation im „feinen“ Modell ein Drittel so groß ist wie im Standardmodell, wodurch es – so steht es auf der Website von Able! – leichter kaputtgeht und zum Beispiel für Reisen wenig bis gar nicht geeignet ist. Apropos Website von Able: Dort werden auch gleich die Argument für die Stahlfilter angeführt…

The Disk Coffee Filter is a reusable filter designed to be used with the AeroPress® Coffee Maker. This allows more oils and a fuller bodied cup of coffee when used with the AeroPress®. Eliminates the need for paper filters, which is especially convenient when traveling.

Bezüglich der Stahlfilter habe ich bislang von „schmeckt gleich“ bis zur eindeutigen Positionierung für oder wider das Filterblatt alles gehört. In Wien ist mir nur Robert Gruber von POC bekannt, der vehement für den Stahlfilter – allerdings weiß ich nicht, ob standard oder fein – argumentiert.

Ein Schlusswort?

Nein, eigentlich keines. Ich weiß nicht, was man noch alles sagen kann, wenn man für ein Kaffeesetup für etwa 66 Euro schwärmt, mit dem man jeden Kapselkaffee und jeden noch so bemüht gemachten Espresso aus diversene High-End-Geräten geschmacklich locker schlägt. Hario Slim kaufen. AeroPress kaufen. Gute Bohnen kaufen. Das Warten hat ein Ende!

Wo niemand klickt