bigGPT: Krass mega Radio

bigGPT ist ein vollständig KI-generierter Radiosender. Das ist krass und mega, noch nicht dort, wo es sein soll, aber am richtigen Weg.

An einigen Stellen habe ich nun schon über bigGPT, einem gänzlich von Künstlicher Intelligenz generierten Radiosender gelesen. Der Sender stellt sich selbst so vor:

bigGPT versorgt Dich im Stream mit den aktuellen News über Tech, Games, Sport und Entertainment. Und natürlich gibt es auch bei bigGPT die biggste [sic!] Musik! Die Top Artists aus Pop, Pop-Rock und Hip-Hop sind hier ebenso vertreten wie die neuesten Hits aus den Top 40 von TikTok, Shazam und Spotify – sogar die Musikauswahl ist KI-generiert.

Natürlich motiviert von Neugier, wie gut soetwas funktionieren kann, habe ich im Büro lofi.cafe mal geschlossen und stattdessen den Stream von bigGPT aktiviert. Und ich muss sagen, ich bin positiv überrascht. Äußerst positiv, sogar. Warum? Weil ich kaum einen Unterschied zu den meisten Radiosendern hören konnte, die ich nebenbei mitbekomme.

Vielleicht zu erwähnen: Ich bin nicht das, was man einen typischen Radiohörer nennen würde. Ich höre kein Radio beim Arbeiten, ich höre kein Radio beim Sport – und wenn ich zB Autofahre, dann ist es meistens irgendeine interessante, nervende oder weirde Diskussion auf Ö1. Ja, wenn Radio, dann Sprechradio.

Musikradio bekomme ich natürlich mit, höre es aber nicht aktiv. Ich habe eine Idee, wie sich Ö3, Krone Hit oder andere Sender, auf denen aktuelle und populäre Musik gespielt wird, anhören. Und – ich sage es ganz offen – mich nerven diese Sender. Die Musikauswahl trifft meinen Geschmack nur in den seltensten Fällen und die Moderation liefert zuverlässig immer wieder die gleichen, langweiligen und als lustig und motivierend verkauften Passagen; am liebsten würde ich sie komplett weglassen. (Deshalb ja auch lofi.cafe oder sonst irgendein Stream.) Die Soundkulisse, die diese Radiosender aber bilden, ist mir geläufig. Und da schließt sich der Kreis zu bigGPT.

Ich habe den Stream auf bigGPT gestartet und musste schon bald die Kopfhörer abnehmen. Das Ding bewirbt sich alle paar Minuten selbst und erklärt alle paar Minuten, was es eigentlich ist. Ja, bigGPT, wir haben es verstanden, alles KI-generiert. Okay. Die Musikauswahl ist erstaunlich erfrischend, weil auch zb YouTube- oder TikTok-Charts berücksichtigt werden. Es gibt sogar soetwas wie Nachrichten, das sind dann häufig Sport- oder Technologiethemen. Absolut in Ordnung. Sicher, man merkt recht schnell, dass die Stimmensynthese noch nicht dort ist, wo sie sein könnte und die Geschwindigkeit bzw. der Ausdruck variieren überhaupt nicht, was die Moderation ein bisschen langweilig macht. Aber ja, ich glaube, soetwas wie bigGPT, sofern die Stimmen noch ein wenig verbessert werden, kann die Zukunft sein. – Wenn Radio in diese Zukunft gehen will.

Doch warum nenne ich das alles nun dennoch positiv? Weil einerseits mir selbst kaum ein Unterschied zur Geräuschkulisse eines Populärsenders aufgefallen ist und weil ich mich erstaunlich schnell an sie gewöhnt habe. Da Radio, so zumindest mein Verständnis, längst nicht mehr der Kanal ist, über den Neues entdeckt wird, sondern ein Versuch, den Alltag musikalisch zu untermalen, ist das Konzept eines Moderators oder einer Moderatorin in meinen Augen obsolet. Wenn, dann gleich Sprechradio, aber eine Top 40-Liste kommentieren und ankündigen? Come on! Die Neunziger sind vorbei.

Besonders lustig finde ich bei bigGPT die „Nachrichten“, die sich auf Mitteilungen von Userinnen und Usern beziehen. Die Antworten, die die Chatbots liefern, sind teilweise peinlich – „krass mega Radio“ ist eine Phrase, die man zu hören bekommen kann -, aber alles in allem geht das schon in eine Richtung, die interessant werden kann. Wenngleich die Sache aktuell noch weit davon entfernt ist. Doch ich glaube, dass es sich nur noch um Monate handeln kann, bis soetwas wie bigGPT vollständig öffentlichkeitstauglich ist und auch über den terrestrischen Funk ausgestrahlt werden kann.

Zwentner schließt seinen Beitrag zum Thema völlig richtig mit: „But hey, we’re getting there…“

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