Pegasus – oder – Offenbar hat doch etwas zu befürchten, wer nichts zu verbergen hat

Vor 8 Jahren enthüllte Edward Snowden einen gewaltigen Spionageapparat, gestern berichteten Medien weltweit über Pegasus, eine von der israelischen Firma NSO entwickelte Software, mit der Mobiltelefone ausspioniert werden können. Natürlich kommt die Software nicht nur dort zum Einsatz, wo man es vermuten würde, sondern auch dort, wo man es befürchtet. Weiterlesen

AirBnB, Videoüberwachung inklusive #

Jeffrey Bigham bucht ein AirBnB und stellt bald fest, dass im Wohnzimmer eine Kamera angebracht ist, von der in der Wohnungsbeschreibung keine Rede war; man kann sie allerdings auf einem der Zimmerfotos erkennen, wen man genau hinsieht.

I don’t think we did anything particularly weird in front of that camera, but it’s very likely that my 2-year-old ran in front of this camera naked (the field of view of the camera was close to the exit of the bathroom).

Weil AirBnB auf seine Beschwerde über die nicht beschriebene Überwachungskamera nicht reagiert, verfasst er einen Blogpost – A Camera is Watching You in Your AirBnB: And, you consented to it. – in dem er aufzeigt, wie absurd dieses Problem seitens AirBnB gehandhabt wurde.

Was bedeutet „private Browsing“? #

Was bedeutet eigentlich „private Browsing“, also der Inkognito-Modus, den alle modernen Browser anbieten? Eigentlich nicht viel. Es werden lediglich lokale Daten nicht gespeichert. Der Schutz der Privatsphäre richtet sich damit nur gegen diejenigen, die auch Zugriff auf den Computer haben (Familie?). Alle anderen merken von „private Browsing“ nahezu nichts.

Offene Büros verlagern das Private ins Digitale #

Sobald Einzelbüros in eine offene Bürofläche umgewandelt werden, verlagert sich das Private ins Digitale. Oder, konkret, aus Face-to-Face-Konversationen werden E-Mails.

After the shift to an open-plan office space, the participants spent 73 per cent less time in face-to-face interactions, while their use of email and instant messenger shot up by 67 per cent and 75 per cent respectively. […] If you’ve ever sought refuge from the gold-fish bowl of an open-plan office environment by cocooning yourself with headphones, or if you’ve decided you’d rather not have that challenging conversation with a colleague in front of a large group of your peers, and opted to email them instead, then these findings will come as little surprise.

Das erinnert mich an ein Statement, das – ich glaube – Zeynep Tufekci vor Jahren einmal vorgebracht hat, in dem sie behauptet, dass Teenager mehr Privatsphäre auf Facebook hätten als daheim.

Mit einem Klick alle alten Beiträge auf Facebook verbergen

Die EFF weist auf eine Funktion in den Facebook Privatsphäre-Einstellungen hin, die unter Umständen (neuer Job, neue Freundin/neuer Freund) hilfreich sein kann: das Zurücksetzen der Sichtbarkeit aller vergangenen Beiträge auf „nur Freunde“.

While it is relatively straightforward to change your social media use moving forward, it can be more complicated to adjust all the posts, photos, and videos you may have accumulated on your profile in the past. Individually changing the privacy settings for everything you have posted in the past can be impractical, particularly for very active users or those who have been using Facebook for a long time.

Der Button „Alte Beiträge beschränken“ ist in den Privatsphäre-Einstellungen unter „Beschränke die Zielgruppe für alte Beiträge in deiner Chronik“ zu finden. Die Einstellung verbirgt die Beiträge nicht, aber sie schränkt sie auf eine ausgewählte Gruppe, nämlich nur Freunde, ein. Und auch das kann unter bestimmten Bedingungen hilfreich sein.

Es wurde nicht ein großer Bildschirm…

https://www.youtube.com/watch?v=axSnW-ygU5g

1984 strahlte Apple einen Werbespot aus, der den neuen Macintosh-Computer ankündigte. Die Szenerie stellte George Orwells „1984“ dar: Menschen sitzen in einem kahlen Raum auf Bänken und nehmen die Kommandos des Großen Bruders entgegen, der aus einem riesigen Monitor zu ihnen spricht. Die Szene wird unterbrochen. Eine junge Frau läuft, von Militäreinheiten verfolgt, auf den Bildschirm zu und zerstört ihn letzten Endes mit einem Hammerwurf. Damit befreit sie sich und ihre Mitmenschen symbolisch vom zentralen Kommando und der unabdingbaren Hörigkeit.

https://www.youtube.com/watch?v=a8GtyB3cees

Gegenwärtig strahlt Apple diesen Werbefilm aus, der die AppleWatch ankündigt. Im Gegensatz zum kahlen Setting des vor dreißig Jahren ausgestrahlten Spots, blicken wir diesmal in die privaten Leben junger Menschen. Sie scheinen glücklich zu sein, folgen aber den Kommandos der vielen kleinen Bildschirme, die sie an ihren Handgelenken tragen. Ihr Alltag wird von kurzen Mitteilungen unterbrochen: Sie stehen auf und bewegen sich, wenn der Bildschirm es ihnen sagt, sie schlafen und ruhen, wenn der Bildschirm es ihnen sagt, und sie trainieren, wenn der Bildschirm es ihnen sagt.

Das Schlimmste daran ist jedoch, dass sie es, im Vertrauen auf einen freien Willen, aus Überzeugung tun.

4 Grundstücke für etwas mehr Privatsphäre

#Jemand, der die individuelle Privatsphäre für ein überholtes Konzept hält und seinen Reichtum aus dem Verkauf persönlicher Daten an die Werbeindustrie generiert, kauft sich aus einem Bruchteil seines Gesamtvermögens Wohngebiet, um seine Privatsphäre zu schützen.

Zuckerberg reportedly took action after he learned that a developer wanted to purchase one of his neighbor’s homes and use the fact that Zuckerberg lived close by as a marketing tactic. […] It’s sad yet ironic that Zuckerberg has to go through great lengths to protect his privacy.

Und etwas weiter unten im Artikel ein Seitenhieb auf die neuesten Facebook-Datenschutzeinstellungen…

Soon, even people who wish to remain hidden from Facebook searches will have no choice but to be searchable on the social network.

Pseudoprivatsphäre #

Sascha Lobo muss dem Bürger einen Vorwurf machen

Denn die digitale Gesellschaft ist viel weiter fortgeschritten, als die meisten glauben, die der Überwachung meinen zu entgehen, wenn sie auf Facebook nur Quatsch sharen. Digitale Patientenakten, Zahlungsverkehr, Verkehrsmessinstrumente, Steuerdaten, Einkaufsverhalten, Postverkehr, Telefon, Kommunikation, Konsum. […] Die digitale Vernetzung ist schon überall, auch in den Bereichen, die auf den ersten und zweiten Blick netzunverseucht scheinen.

…denn was noch vor kurzer Zeit undenkbar war, ist mittlerweile Realität. Und wer heute Argumente vorbringt, die Online von Offline trennen, versteht die Welt tatsächlich nicht mehr und führt Pseudoargumente als Beweise vor.