Flickr filtert

I'll give you

„I’ll give you“ von Guetoblaster: Nur mehr zu sehen, wenn die Standardeinstellungen bei Flickr manuell geändert werden.

Nachdem Flickr vor zehn Tagen Collections (Sets von Sets) eingeführt hat, wurden heute drei weitere Features eingeführt, die abermals weg vom Tagging, hin zur Kategorie führen, diesmal allerdings mit einer interessanten Zensurfunktion. Bei Flickr nennt man es allerdings Filter.

Beim Hochladen von Fotos kann man nun angeben, ob das hochgeladene Bildmaterial safe, moderate oder restricted bzw ob es von der Art her ein Foto, Kunst/Illustration oder ein Screenshot ist. Der Sinn hinter dem Ganzen ist, dass die Suchfunktion bei Flickr später auf genau diese Kategorisierung und Einstufung zurückgreifen wird und jemand, der ein Bild, auf dem eine Brustwarze zu sehen ist, als Beleidigung seiner Persönlichkeitssphäre ansieht, diese auch herausfiltern kann; nützlicher ist da schon die Möglichkeit, Screenshots aus der Suche auszuschließen, wobei ich persönlich dieses Problem noch nie hatte. Das Filtern gilt für und wirkt sich auch beim ganz gewöhnliche Betrachten von Bildern aus.

Natürlich kann man das eigene Zensurlevel als Standardwert angeben und ich würde jedem raten, das von Flickr voreingestellte Suchlevel (das wird nämlich auf „safe“ gesetzt) nocheinmal zu überdenken, denn mit dieser Einstellung verschwinden bestimmt einige der schönsten Bilder da draußen. Außerdem kann man seine eigene Galerie aus allen Suchen bei Flickr verschwinden lassen.

Es gab ja immer schon bei Flickr den This may be offensive-Link. Nicht mehr, denn der heißt jetzt „Flag this photo“ und machen kann man damit sowas wie eine Kategorisierung von Benutzerseite: Wenn ein Screenshot als Foto eingetragen ist, dann kann ich den Galerie-Besitzer anstupsen um ihn darauf hinzuweisen. Dasselbe gilt auch für das Zensurlevel. Interessant ist natürlich auch, wie man selbst von Flickr eingestuft wurde…

Und nun meine Frage: Wozu das alles? Und gleich nachgehängt: Wen stören Brustwarzen?

Es hat in den Flickrgruppen einige Diskussionen gegeben um Galerien, die bedenkliches Material darstellten. Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, mir die anfangs verlinkten Bilder anzuschauen (meist war nach ein oder zwei Stunden der Link von Flickr entfernt worden, wenn nicht gleich die ganze Diskussion) und was war da zu sehen? Drei Beispiele.

  1. Die Diskussion um eine den Menschen in seiner Würde herabsetzende Darstellung hing sich an einem Bild auf, das den nackten Oberkörper einer schwangeren, tätowierten Frau zeigte, die eine Zigarette rauchte. Die Tätowierung stellte offenbar eine Szene aus der Bibel dar, in der ein Kind getötet wird.
  2. Die Aufregung um das Tierleid, das auf einem Bild so drastisch dargestellt wurde, bediente sich eines Bildes, dass ein Huhn zeigte, das offenbar nicht richtig von der Maschine zerstückelt wurde. Pikanterweise wurde die Diskussion angezettelt von einem Mitglied bei Flickr, das – laut Galerie – regelmäßig bei KFC zu Gast ist.
  3. Eine Diskussion, die das Aufkommen von Perversen in der Flickr-Community zum Thema hatte, fand auch schnell einen Schuldigen. Es wurde ein Link auf einen männlichen Akt gesetzt, der empörte Stimmen hervorrief. Auch hier wieder ein pikantes Detail: derjenige, der diesen Link gesetzt hat, sammelte in seinen Favoriten Bilder von jungen, definitiv minderjährigen Mädchen.

Kurzum: Das Zensursystem, das nun Flickr überzogen hat, wird wiedereinmal an seinen Benutzern scheitern. Vielleicht werden gerade diejenigen herausgefiltert, die zu faul sind, ihr Profil zu überprüfen und fortan nur mehr auf der „sicheren“ Seite sind. Warum man den Leuten nicht einfach klar macht, dass sie ihr Hirn einschalten sollen, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Interessant ist aber auch, dass in der Ankündigung dieser neuen Filterfunktion folgende Einleitung verwendet wird:

One of the best things about Flickr is that our membership is made up of people from so many places and diverse backgrounds. It’s important to us that everyone feel comfortable, despite vastly different cultural and personal comfort levels. What I like, you might not, and it’s up to the entire community to make this work. So, we’ve rolled out content filtering which allows you to flag your images as you upload and also set your viewing preferences for what you’d like to see (or not).

Jeder soll sich also wohlfühlen, abgesehen von großen kulturellen und persönlichen Normen. Alles klar. Ich fühle mich allerdings nicht wohl (genauso wie ein paar andere Herrschaften, die mit den Filtermethoden von Flickr Bekanntschaft gemacht haben), wenn ich mir die Galerie eines Freundes oder einer Freundin oder einfach die Galerien meiner Kontakte anschaue und nicht mit Sicherheit sagen kann, dass einige von den Bildern, die ich nicht sehen kann, nicht von ihm oder ihr vor meinen Augen versperrt wurden, sondern von irgendjemandem oder gar dem System an sich! Der Einfluss von Yahoo auf Flickr scheint wirklich nicht positiv zu sein. Immer mehr wird das System amerikanisiert und von amerikanischen Vorstellungen anderer Kulturen durchsetzt. Und ob nun dieses Filter- oder Zensursystem damit zusammenhängt, sei dahingestellt.