Im Callshop in Wien

Für gewöhnlich genieße ich morgens den heimischen Internetanschluss. Links steht der Kaffee, auf dem Desktop sammeln sich die Morgenzeitung, der Newsreader und was gerade so anfällt. Nicht so heute. Wegen einer Besprechung musste ich in den 10. Bezirk und die Wartezeit von knapp einer Stunde wollte ich nicht völlig sinnlos hier verschwenden. Daher: Callshop. Internet, Faxen, CD/DVD kopieren. 1 Euro für 1 Stunde Internet. Das geht. Außerdem habe ich sowas in Wien noch nie gemacht.

Ich betrete den Callshop und werde sogleich an einen Computer gesetzt. Eigentlich ein ganz feiner Platz: Links von mir das Fenster, das jedes Mal, wenn ein Bus vorbeifährt, zittert, vor mir ein geschmackvoller roter Tisch mit einer kleinen Webcam drauf, gleich daneben der acer-Monitor, eine chili-green-Maus und das LG-Headset. Schreiben tu ich auf einer Microsoft-Tastatur. Es ist verhältnismäßig sauber, wenngleich zu erkennen ist, dass es hier völlig egal ist, ob man raucht oder nicht: überall vermutet man Asche.

Der Besitzer des Callshops diskutiert gerade mit einem Österreicher (der einzige, übrigens, der auch noch hier drinnen ist), doch geht es offenbar um Geldgeschäfte, denn die Worte „Bank“ und „Kredit“ fallen öfter als gewöhnlich. Von allen Seiten rufen irgendwelche Leute irgendwas irgendwelchen anderen Leuten zu. Eigentlich nicht unähnlich den Erlebnissen im Internet-Café in China). Hab ich übrigens schon erwähnt, dass die Wände in Telekom-Austria-Grün gehalten sind? Gut. Die Wände sind in Telekom-Austria-Grün gehalten.

Links von mir (also vor dem Fenster) ist bereits das tausendste Auto vorbeigefahren. Davidgasse, 1110 Wien, da geht schon einiges durch. iPod an, Ohren zugestöpselt.

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