Dein Facebook-Stream: Hochzeiten, Kinder und Katzen

Welche Beiträge Anderer ein Facebook-Nutzer sieht, wird nicht durch natürliche Faktoren (wie Zeit oder die Onlinepräsenz von Freunden), sondern von einem Facebook-Algorithmus bestimmt. Die Mathematik dahinter ist sogar nachvollziehbar: Ein User wäre, wenn er sich ein Mal pro Tag bei Facebook anmeldet, im Schnitt mehr als 1.500 neuen Beiträgen ausgesetzt – viel zu viel Input, den ein User verarbeiten müsste. Facebooks Algorithmus reduziert diese Beiträge auf einige wenige, die für den User höchstwahrscheinlich von Interesse sind. Somit ist, was viele als natürlich wahrnehmen, eine auf persönliche Interessen zugeschnittene Abfolge von Inputs, die zu Interaktion animieren soll: Hochzeiten („Ah, wie schön!“), Fotos von Kindern („Oh, wie herzig!“) und von Katzen („So ein liebes Tierchen!“).

Der Nachteil dieses Systems ist zugleich Facebooks Geschäftsmodell: Generiert ein Beitrag genügend Interesse (und Interaktion) unter Usern, enthält er also dem Inhalt des Beitrags entspringende, originäre Zugkraft, so wird er durch den Facebook-Algorithmus künstlich zurückgehalten und in seiner natürlichen Wirksamkeit eingeschränkt. Hat aber der Autor des Beitrags Interesse daran, den Beitrag doch größeren Nutzergruppen verfügbar zu machen, so muss er für die Promotion des Beitrags zahlen. Mit Zahlung eines bestimmten Betrags werden Beiträge, die andere Nutzer natürlich erreichen würden, künstlich in deren Filter Bubbles auf Facebook injiziert.

Eigentlich keine blöde Idee, Herr Zuckerberg. Keine blöde Idee.

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