Ich habe lange geglaubt, dass die vielen Adressaten im CC-Feld von E-Mails, die das Herbeiführen einer Entscheidung für oder wider die Investition in ein Projekt, das Genehmigen oder Ablehnen einer Ausgabe oder den An- oder Zukauf einer Dienstleistung zum Inhalt hatten, vom Absender deshalb in den Nachrichtenverlauf mit integriert wurden, um die Entscheidung auf Basis einer besseren, weil breiteren Grundlage mit einem weiten Spektrum an Argumenten und Sichtweisen treffen zu können. Das war, davon bin ich mittlerweile überzeugt, naiv.
Das CC-Feld hat, und das ist meine vielleicht provokante anmutende These, zwar eine klar definierte technische Bedeutung, wird aber völlig anders genutzt als wir alle lange Zeit gedacht haben, denn die soziale Bedeutung dieses Feldes hat eine deutlich größere Aussagekraft. Und die lässt sich nach einer sehr einfachen Regel ermitteln.
- Wird eine einzige Person in CC gesetzt und ist diese Person für das Projekt auch relevant, so geht es ums Informieren der Person. Die Entscheidung ist tatsächlich noch offen, sie ist wahrscheinlich fair und ausgewogen. Der Absender ist wirklich an der Meinung des Empfängers interessiert. Er holt sich weiteren Input von der Person, die in CC gesetzt ist, sie muss also über das vom eigentlichen Empfänger gebrachte Argument informiert sein. In diesem Fall wird das Feld so genutzt, wie es technisch vorgesehen ist.
- Werden zwei Personen in CC gesetzt, egal, ob für das konkrete Projekt relevant oder nicht, so geht es um den oben erwähnten Meinungsaustausch und ums Sammeln von Argumenten. Die Entscheidung ist etwas wackeliger, der Ausgang hängt ein wenig davon ab, wer genau im CC-Feld steht. Auch diese Nutzung des CC-Feldes ist noch akzeptabel.
- Werden aber mehr als zwei Personen in CC gesetzt, dann ist das im Inhalt eines E-Mails beschriebene Projekt bereits abgelehnt, auch wenn das aus der Anfrage des Absenders noch nicht hervorgeht und auch den Beteiligten oftmals noch nicht bewusst ist. Die (mehr als zwei) Empfänger im CC-Feld dienen nur noch der Legitimierung dieser (vielleicht sogar noch unbewussten) Ablehnung; das Projekt ist bereits tot, der Absender setzt nur noch darauf, den Brei durchs Hinzufügen von noch und noch mehr Köchen bewusst zu verderben.
Wie oft habe ich das bereits erlebt und wie oft trifft die Regel auch zu? Etliche hundert Male. Und die Regel trifft zu einhundert Prozent zu: 1-2 Empfänger in CC und der Ausgang des (zB weitergeleiteten Projektvorschlags) ist noch offen. Mehr als 2 Empfänger in CC und es ist immer – immer! – negativ entschieden worden.
Ausnahmen, von denen ich aber keine erlebt habe, bestätigen hier wohl die Regel.