Matthew Inman hat seine Wahrnehmung von mit Künstlicher Intelligenz erstellter Werke als „entmutigt, angewidert und vielleicht ein bisschen gelangweilt“ charakterisiert. B. D. McClay sieht besonders den letzten Punkt, die Langeweile, nämlich, ganz ähnlich, und stellt sich die Frage, ob die Freude an mit KI erstellten Produkten (welcher Natur auch immer) womöglich nur für diejenigen aufkommt, die sie erstellen, nicht aber für diejenigen, für die sie explizit oder implizit gedacht waren und sind. Oder anders: Kann es sein, dass mit KI generierte Werke nur für diejenigen „gut“ sind, die sie schaffen, für die anderen aber ohne Bedeutung?
Back when Midjourney was first made available for anybody who wanted to sign up to use it […] everybody was suddenly posting slews and slews of images with “wow, check this out.” […] But… were those pictures very interesting to you? My guess is: not really. Even if you were generating your own images. What was actually fun (if you were having fun) was not the end product, but the process of prompting itself. Divorced from this process, nobody’s dump of their interactions with generative AI is all that interesting. Every conversation people post between themselves and ChatGPT has a similar problem. I believe that these conversations are, to the people who post them, interesting. But they don’t say much to me. […] I can see why [someone] might find this sort of process useful to try, the same way feeding your work into something that generates a word cloud can be interesting. You see associations and concerns that you might not have seen otherwise. But I also think that this process seems narcissistic in the most literal of senses—it’s about staring at a mirror of yourself and feeling like you’re making something new.
B. D. McClay
Ich mag die Idee, die McClay da aufwirft, weil ich selbst immer wieder mit (Blog-) Beiträgen (und bisweilen auch Kommentaren zu Blogbeiträgen) konfrontiert bin, die keine halbwegs durchdachten Endprodukte sind, sondern eine abgekürzte (und in der Tat etwas langweilige) Zwischenform, die den Leserinnen und Lesern als „Dialog mit der KI“ präsentiert wird. Das kann wertvoll sein, aber in meinen Augen nur, wenn dieser Dialog nicht im Er sagt/Sie sagt verpufft oder als beispielhaft angeführt wird, und der Autor/die Autorin keine weiteren Erkenntnisse, Meinungen oder sonstigen Kommentare vorbringt, die den Beitrag interessant machen würden.
Niemand käme auf die Idee, abzubilden oder zu zitieren, was man auf Wikipedia oder sonstwo online gefunden hat, ohne die eigenen Inhalte auf diesem zitierten Abschnitt aufzubauen und den nächsten gedanklichen Schritt zu gehen. Ihn also zu loben, zu kritisieren, zu kommentieren oder sonst irgendwie damit zu arbeiten und nicht nur auf die darin getroffenen Aussagen in einer Art von Dialog zu antworten. Aber genau das passiert erstaunlich häufig, wenn ChatGPT, Perplexity, Gemini und andere KIs zitiert (bzw. als Dialogpartner angeführt) werden. Er sagt, sie sagt.
Das Zitat bzw. der Dialog mit der KI wird zum Selbstzweck. Autorinnen und Autoren berichten davon, wie sie sich mit der KI unterhalten haben, ergänzen den Bericht aber nicht oder nur selten um eine eigene Meinung oder ein eigenständiges Statement. Spannend wird es, sehr sogar, wenn sie die Aussagen analysieren, sezieren, kritisieren, kommentieren – schlichtweg auf eine Art und Weise bearbeiten, die ihre geistige Leistung nicht nur beweist, sondern in den Vordergrund stellt.
Andernfalls bleibt die Arbeit oder das Werk, langweilig. Solange es keine produktive Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Prompts gibt, ist die Sache ein Ich habe die KI gefragt und die KI hat mir geantwortet. Und das ist das Äquivalent zu einem Er sagt/sie sagt-Text, der sich, zumindest in meinen und offensichtlich auch in B. D. McClays Augen, am Ende für die Leserinnen und Leser als ziemlich langweilig erweist, auch wenn er vom Autor oder der Autorin mit Genuss an der Arbeit mit KI verfasst wurde. Womit sich der Kreis schließt und wir wieder bei der eingangs gestellten Frage angekommen sind: Kann es sein, dass mit KI generierte Werke nur für diejenigen „gut“ sind, die sie schaffen, für die anderen aber ohne Bedeutung?