Sind vollständige Backups überhaupt noch nötig?

Wer seine Dateien tatsächlich auf mehreren Endgeräten dupliziert hat und zusätzlich noch in der Cloud, der kann darüber nachdenken, keine vollständigen Backups mehr anzulegen, meint David Heinemeier Hansson.

Sind vollständige Systembackups, die man unmittelbar wiederherstellen kann, Ende 2025 noch nötig? David Heinemeier Hansson hat hierzu eine sehr explizite Meinung, die ich nur allzu gut nachvollziehen kann, und – ich gestehe – auch so praktiziere.

Every machine I now own is treated as a stateless, disposable unit that can be stolen, lost, or corrupted without consequences. […] I use Dropbox and GitHub to hold all the data that I care about, but the beauty of these systems is that they work with local copies of that data, so […] I always have a recent version of everything, in case either syncing service should go offline (or away!). The trick to making this regime work is to stick with it. This is especially true for Dropbox. It’s where everything of importance needs to go: documents, images, whatever. And it’s instantly distributed on all the machines I run. Everything outside of Dropbox is essentially treated as a temporary directory that’s fully disposable. […] If you live in the modern world, there ought to be no reason why a busted computer is a calamity of data loss or a long restore process.

David Heinemeier Hansson

Mein Setup nutzt nicht Dropbox als primären Speicher, sondern die Ende-zu-Ende verschlüsselte Version von iCloud, aber das Prinzip ist dasselbe: die Daten sind auf mehrere Endgeräte verteilt, die, sollte es zu irgendeinem Problemfall kommen, weitestgehend unkompliziert ersetzt werden können. (Das ist sogar meine Hauptmotivation für dieses Setup.)

Ich will aber nicht verschweigen, dass dieses Setup trotzdem zu Problemen führen kann, wie es einer Bekannten gerade vor zwei Wochen passiert ist. Sie hat ein ähnliches Setup genutzt, aber nicht bemerkt, dass Apple keine Rechnungen mehr für die iCloud-Speichererweiterung geschickt hat. Irgendwann ist ihr aufgefallen, dass Dateien gefehlt haben; im panischen Telefonat mit dem Apple-Support wurde auch klar, dass sie nicht mehr wiederhergestellt werden können, da sie seit Monaten schon das Abo nicht bezahlt hatte. (Der Grund war noch absurder: Sie war im Apple Store des einen Landes angemeldet, die Speichererweiterung für iCloud lief aber noch über einen Apple Store eines anderen Landes. Sie hatte den Wohnort gewechselt.) Selbst Apple meinte, die iCloud-Synchronisierung sei definitiv kein Backup. Ich habe hier Backblaze empfohlen; der Dienst ist still, arbeitet im Hintergrund und tut, was er verspricht.

Ein anderes Problem entsteht, wenn man nicht regelmäßig auf mehreren vollständig synchronisierten Endgeräten arbeitet, sodass die Daten verteilt gespeichert sind.

Meine Meinung zum Thema ist also eine entschärfte Version von Heinemeier Hanssons, wenngleich sich beide in Essenz und Fazit gleichen: Wer wirklich regelmäßig mit mehreren Endgeräten arbeitet und sie de facto 1:1-Kopien voneinander sind, der kann ein solches Synchronisationssystem wie Dropbox, iCloud, OneDrive, etc. nutzen, sollte aber sicherstellen, dass die Dateien physisch auch auf den jeweiligen Festplatten abgelegt werden, also keine Speicher-Optimierungen nutzen, die ja so funktionieren, dass bestimmte, meist ältere Dateien, nur noch in der Cloud verfügbar sind. Wer so arbeitet, kann sich, da bin ich bei Herrn Heinemeier Hansson, zusätzliche, vollständige Systembackups ersparen. Alle anderen sollten dabei bleiben und die paar Euro im Jahr für ordentliche Backups ausgeben. Am Ende ist es immer besser, ein Backup zu viel als zu wenig zu haben.

2 Kommentare

  1. Hm, ist bei mir ähnlich, nur halt in eine Nextcloud. Daten werden dort abgelegt und auf 2 Rechnern synchronisiert. Soweit halte ich das eigentlich für sicher. Bis zu dem Moment, wo eine Ransomware die Dateien auf einem der Rechner verschlüsselt und diese dann auf die Nextcloud und auf den zweiten Rechner gesynct werden.

    Daher spiegel ich die Cloud noch auf mein Heim-SAN und von dort auf externe Platten, die im Wochentakt gewechselt werden. Damit habe ich maximal eine Woche Datenverlust.

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