Der britische Faber-Verlag stattet seine Bücher mit einem Aufkleber aus, der Leserinnen und Leser über die Nicht-Nutzung Künstlicher Intelligenz im Entstehungsprozess des Inhalts informiert. Konkret ist dieser Aufkleber eine Plakette mit der Aussage, dieser Inhalt sei „ausschließlich von Menschen geschrieben“ – human written – also. Wir kennen diese Art Hinweis mittlerweile ja sogar von Lofi-Musik. Widerlich.
Ich persönlich wäre ja für eine Umkehrung der Logik und würde es bevorzugen, ein Etikett am Umschlag eines Buches vorzufinden, das mich über die Nutzung Künstlicher Intelligenz informiert und damit noch vor dem ersten gelesenen Wort klar macht, dass der Autor oder die Autorin hier etwas abgeliefert, nicht aber an etwas gearbeitet – im Sinne von: ein Werk vollendet – hat. Meine Wahrnehmung des Wertes eines derart markierten Buches wäre eine andere. Nie und nimmer würde ich genauso viel für so ein Buch bezahlen wollen wie für eines, das zur Gänze von einem Menschen verfasst wurde. Da lese ich lieber gleich die Prompts. Ist wahrscheinlich spannender, ehrlicher und… menschlicher.
So ein Aufkleber „Made with AI“ (oder „Partially made with AI“) hat entwertende Wirkung, weshalb es ihn so auch nicht geben wird, fürchte ich. Welcher Verlag will schon vor dem Kauf seiner billig mit KI produzierten Bücher warnen. Hier stehen Geschäftsinteressen der Deklaration der Nutzung von KI entgegen. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass so ein Aufkleber auf ein die Qualität und Intimität des Schaffensprozesses wertschätzendes Klientel ähnlich wirken würde, wie die grauslichen Bilder auf den Verpackungen von Rauchwaren: Hier drinnen befindet sich etwas, das zwar konsumiert werden, sich aber durchaus auch als schädlich entpuppen kann. Kauf es nicht.
Andererseits eröffnet sich gerade jetzt eine gute Chance für Verlage, sich einen Namen mit ausschließlich von Menschen mit Anspruch verfasster Werke zu machen. Es würde mir auch gut gefallen, wenn ich weiß, dass es bei [Name des Verlags] nur KI-freie Werke gibt.
Aber alles in allem hat sich die Bücherbranche da einen gewaltigen Schuss ins eigene Knie geleistet, denn wenn es ein Verlag als notwendig ansieht, seine Bücher mit einer Plakette zu bekleben, die darauf hinweist, dass die Inhalte ausschließlich von Menschen geschrieben sind, dann bedeutet das, dass die Nutzung Künstlicher Intelligenzen zur Norm geworden ist und somit das ureigenste Interesse eines Verlages infrage gestellt wird: Human written ist somit nicht mehr die Regel, sondern zur Ausnahme geworden.