iCloud Mail: Okay, wenn E-Mails Nebensache sind

Ich habe iCloud Mail einen Monat lang als Ersatz für FastMail getestet und bleibe vorläufig bei FastMail. Bei iCloud Mail funktioniert alles, wie es soll; das ist mir aber ein bisschen zu wenig.

Voll motiviert von meinem vollständigen Wechsel ins iCloud-Universum, der bislang reibungslos verlaufen ist, habe ich mir auch angesehen, ob iCloud Mail mit eigener Domain, das ja im iCloud Plus-Abo enthalten ist, meinen Ansprüchen gerecht werden kann. Immerhin haben mir Personen mit unterschiedlichen Backgrounds auf meine Frage, ob sie mit iCloud Mail zufrieden seien, mit Ja geantwortet. Was kann schon schiefgehen, dachte ich mir, und habe knappe 8 GB an E-Mails von FastMail zu iCloud Mail transferiert.

Meine Probleme mit iCloud Mail

Nun ja, es können Dinge schiefgehen. Und wie immer in so einem Fall, hilft es nicht, iCloud Mail einmal (mit der eigenen Domain) auszuprobieren, sondern über einen längeren Zeitraum aktiv zu nutzen. Und da kommt man dann auf ein paar Problemchen drauf, die – ich muss es zugeben – für die meisten wohl vernachlässigbar sind, für Menschen wie mich, für die E-Mails eine wesentliche und tragende Säule meiner Kommunikation darstellen, dann aber doch nicht. Wer einmal gewöhnt ist, seine E-Mails bei einem auf E-Mails spezialisierten Service zu hosten, der bemerkt schnell, was es bedeutet, auf einen Service zu wechseln, der E-Mailhosting zwar anbietet, es aber ganz definitiv nicht oben auf der Prioritätsliste in puncto Verbesserung in Performance, Handling und Features verortet hat. Wer allerdings schon im ersten Absatz bei den 8 GB gedacht hat, wieso ich so viele E-Mails habe, der kann jetzt schon aufhören zu lesen und getrost seine E-Mail-Domain auf iCloud mappen (das geht wirklich sehr einfach) und iCloud Mail nutzen!

Was waren also meine Problemchen, denn diese Dinge „Probleme“ zu nennen, wäre unfair.

  1. Geschwindigkeit: Vielleicht habe ich auch nur jedesmal, wenn ich iCloud Mail verwendet habe, einen blöden Tag erwischt, aber immer, wenn ich meine Migration fortgesetzt habe – ja, der Prozess hat ein paar Tage gedauert -, konnte ich sehen, wie viele Nachrichten pro Sekunde zugestellt wurden. Am Weg von FastMail zu iCloud Mail lag ich im Schnitt bei knappen 3 Nachrichten pro Sekunde. Am Rückweg waren es im Schnitt 0,08 Nachrichten pro Sekunde.
  2. Suche: Ich habe, um die E-Mails ein wenig zu sortieren, in der Mail-App intelligente Ordner angelegt, die auf bestimmte Regeln zurückgreifen. Setzte ich die Datenquelle auf zum Beispiel meinen Archiv-Ordner in FastMail, wurden hunderte, wenn nicht tausende E-Mails de facto in der Sekunde angezeigt. Dieselbe Aktion bei iCloud Mail sah so aus, dass ich in der Sekunde beispielsweise 20 oder 30 E-Mails sehen konnte und die weiteren E-Mails dann in den nächsten Minuten (!) zugeladen wurden. (Ich vermute, dieser Punkt hängt auch stark mit Punkt 1, der Geschwindigkeit, zusammen.)
  3. Anhangsgröße: Ich dachte nicht, dass ich mich jemals der Peinlichkeit hingeben muss, über die mögliche Anhangsgröße zu motzen, aber offenbar sind die 20MB, die iCloud anbietet, doch ein Problem. FastMail bietet 50 bzw. 70MB als Limit an, offenbar ist der Sweet spot irgendwo zwischen 25 und 30MB. Das hat natürlich – auch schon während der Migration – zu Problemen geführt.
  4. E-Mail-Regeln: Die Möglichkeit, eingehende E-Mails nach bestimmten Regeln zu bearbeiten, ist in FastMail richtig gut gelöst. Ich kann E-Mails, wenn ich möchte, dann nur, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen, weiterleiten, markieren, löschen, und so weiter. Praktisch alles, was man auch von Hand machen kann, kann man regelbasierend automatisieren. In iCloud Mail gibt es zwar auch die Möglichkeit, Regeln zu erstellen, die sind aber, gelinde gesagt, ein Witz und man kann diese Funktion bei iCloud Mail als inexistent bezeichnen. Und ja, das ist vielleicht der einzige Punkt, der bei mir ein Problem – und nicht ein Problemchen – war, denn ich habe ausgefeilte Regeln für den ganzen Google Search Console, Analytics und Drive-Spam, und für die Handvoll Personen, die nach mehreren Jahren immer noch nicht verstanden haben, dass ich eine eigene E-Mailadresse habe.
  5. Abruf externer Accounts: FastMail (aber auch zB Gmail) bietet die Funktion, E-Mails von Drittanbietern abzurufen und ins eigene Konto zu importieren. So habe ich all meine E-Mailadressen von Yahoo, GMX, Hotmail, Outlook.com, der Uni und so weiter in FastMail eingerichtet und der Service kümmert sich ums regelmäßige Abholen. Nicht, dass ich an diese Mailadressen längst vergangener Zeiten noch großartig viele E-Mails bekommen würde, aber hin und wieder landen auch dort E-Mails von Personen, mit denen ich seit Ewigkeiten nicht mehr in Kontakt war, und diese würde ich nie erhalten, würde ich die alten Konten nicht abrufen. iCloud unterstützt das Abrufen externer Accounts nicht. Wie sehr ich diese Funktion missen würde, habe ich erst nach einiger Zeit bemerkt.

Das war’s. iCloud Mail funktioniert gut, wenn Geschwindigkeit, Suche, Anhangsgröße, E-Mail-Regeln und der Abruf externer Accounts absolut kein Kriterium für die Auswahl des Mailhosters sind. Jedes Postfach bei einem Webhoster bietet wohl die gleichen Leistungen, die iCloud Mail anbietet – vermutlich ist das auch der Grund, warum iCloud Mail (mit eigener Domain) quasi kostenlos in iCloud Plus integriert ist.

iCloud Mail… noch nicht, aber später einmal

Was nun? Nun, ich bezahle iCloud Plus ja bereits, also werde ich in den nächsten Wochen in meinem FastMail-Account langsam – sehr langsam – aufräumen. E-Mails mit großen Anhängen werden bereinigt oder in ein anderes Mailaccount, wo sie ohnehin besser aufgehoben sind, verschoben. Außerdem werde ich eine E-Mail-Regel einrichten, die mir die von externen Accounts abgerufenen E-Mails in einem bestimmten Ordner sammelt, um zu wissen, wie viele relevante E-Mails da wirklich noch importiert werden. Danach werde ich die ganze Sache noch einmal evaluieren und hier ein Update anhängen. Wer aber, und hier wiederhole ich mich, die oben genannten Punkte als nicht wesentlich erachtet, der kann und soll ungestört seine E-Mails zu iCloud Mail migrieren.

Ich werde mir iCloud Mail noch einmal anschauen. Noch nicht, jetzt wird einmal ein wenig aufgeräumt und potentielle Probleme beseitigt, evaluiert und dann erst folgt der nächste Versuch. iCloud Mail voll nutzen? In meinem Fall lautet die Antwort: Noch nicht, aber später vielleicht einmal.

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