Microtransactions im… Auto?

Ein paar Euro für die Sitzheizung, ein paar mehr für den Fernlichtassistenten. In einer durch Elektromobilität von technischer Wartung nahezu befreiten Zukunft muss das Zusatzeinkommen durch Microtransactions hereinkommen. Das ist meh und fühlt sich nicht richtig an.

Was hier so freundlich und als angenehmes Feature mit Zusatznutzen präsentiert wird, macht gerade medial eine äußerst unangenehme Runde: BMW erweitert sein Angebot an Zusatzkäufen und -services.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt, ich habe die Informationen auf der Connected Drive-Seite von BMW Deutschland gefunden, können Funktionen wie ein automatischer Abstandshalter („Driving Assistant Plus“), ein Fernlichtassistent (siehe Werbevideo), ein Soundpaket, eine Lenkradheizung, eine Art BMW-eigener Verkehrsfunk, eine Sitzheizung (!) oder Kartenupdates und andere Funktionen via Microtransaction zugekauft werden.

Bei Software ist das schon so eine Sache. Bei Hardware – und wir sprechen hier von bereits im Auto verbauten Komponenten, die nur durch Softwaresperren unbrauchbar gemacht werden (zB Lenkrad- oder Sitzheizung) – eine ganz andere.

Carmakers have always charged customers more money for high-end features, of course, but the dynamic is very different when software, rather than hardware, is the limiting factor.

In the case of heated seats, for example, BMW owners already have all the necessary components, but BMW has simply placed a software block on their functionality that buyers then have to pay to remove. For some software features that might lead to ongoing expenses for the carmaker (like automated traffic camera alerts, for example), charging a subscription seems more reasonable. But that’s not an issue for heated seats.

theverge.com

In anderen Worten: Man kauft ein vollständig mit allen Funktionen ausgestattetes Auto, in dem Software bestimmte Funktionen einfach sperrt. Verständlich sind wiederkehrende Zahlungen und Microtransactions bei Leistungen, die auch vonseiten des Anbieters wiederkehrende Leistung erfordern, aber bereits verbaute, technische Teile… Das fühlt sich gar nicht richtig an.

Und mit „nicht richtig anfühlen“ gehe ich noch einen Schritt weiter, denn – und das wird sogar im Video gezeigt – solche Funktionen benötigen Bedienelemente. Die sind dann wohl, wenn man in der „Basisversion“ unterwegs ist, funktions- und somit nutzlos? Das heißt, ich habe Buttons, Schalter und Regler im Cockpit, die ich zwar drücken, umlegen oder drehen kann und es passiert nichts? Ach, BMW (als pars pro toto zu verstehen), das ist unschön! Und das sehen auch andere so.

Subscription-based access to vehicle features are among the most unpopular ideas automakers have ever pursued. […] BMW tried and failed to get people to pay $80 a year for Apple CarPlay and Android Auto. Then, in early 2020, BMW rolled out a software update to its vehicles that brought new connected features […] like navigation and charging services for plug-in hybrids. It was a preview of the slow march into a money-grab dystopia of having your car’s features locked behind software you have to pay to activate.

jalopnik.com

Aber klar, woher soll das Geld kommen, wenn die Einnahmen aus Werkstattbesuchen (Ölwechsel, Wartung, usw.) in einer von elektrischen Antrieben geprägten Zukunft ausfallen? Da wird noch einiges an kreativen Ideen vonseiten der Automobilindustrie kommen. Einiges.

Wenn man den Gedanken zu Ende denkt, warum dann nicht gleich in ein volles Abo-Modell übergehen? Dann kaufe ich das Auto einfach gar nicht mehr, sondern abonniere es – meinetwegen in verschiedenen Abo-Stufen – und erwerbe damit aber auch ein Recht auf Wartung, Reparatur und dergleichen. Wobei, Moment, das gibt es doch schon so ähnlich!

2 Kommentare

  1. Ich finde man kann das durchaus kritisieren, auch im Sinne der Nachhaltigkeit und wie viel Kontrolle man als Kunde noch über seine Hardware hat.

    Aber neu ist das doch nicht, jüngstes Beispiel dürfte doch gelobte Tesla sein, bei denen man nicht nur Software, sondern gleichzeitig auch Hardware per In-App Purchase freischaltet.

    Aber das Dinge ungenutzt verbaut werden dürfte doch schon so alt wie die Modularisierung von Produkten sein. Ob nur größtenteils vorbereitet oder direkt verbaut. Macht ja auch sicher auf Stückkosten bezogen sehr viel Sinn. Früher hat halt vielleicht noch das Steuerelement gefehlt wenn nicht bestellt, heutzutage läuft das alles im Fahrzeugcomputer auf.

    Immer wird betont wie sich die Automobilindustrie mehr zum Dienstleister bewegen muss, aber deren Methodiken sind dann auch wieder nicht recht. Als würde die Freischaltung einer Softwareoption im Gegensatz zur Hardware zu irgendwelchen Kosten korrelieren. Wir alle in der IT wissen doch, dass z.B. die Freischaltgebühren für „automated traffic camera alerts“ auch nicht mit den echten Kosten zum Unterhalt der Serverinfrastruktur korrelieren.

    • Du hast völlig recht, vor allem mit dem letzten Absatz. Ich bin ja gespannt, in welche Richtung sich das entwickeln wird und vor allem, wann es von Konsumentenseite aus ein Abwandern zu anderen Modellen geben wird. Prinzipiell ist mir ja auch völlig egal, ob ich ein Auto oder sonst irgendein Produkt (Hardware) tatsächlich besitze oder über einen vorkalkulierten Nutzungszeitraum abonniere, nur – und das sehe ich in deinem Punkt als Entsprechung – es muss eine Form von Kosten-Nutzen-Relation vorherrschend sein, die Sinn macht, verständlich und vor allem aber akzeptabel ist. Mal sehen.

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