Van life (cancer edition) finale

Cherish the living fuck out of those that matter to you.

Unter dem Titel „Van life (cancer edition) final“ hat eine junge, vom Krebs besiegte Juristin am 11. April 2022 ihren letzten Post auf imgur veröffentlicht.

I’ve started to cough up blood (never good) and my mind is failing me. I want to die on my own terms, which is why I’ve chosen to go to [undisclosed sensible European country] whilst I still have the capacity to make my own choice. […] I’ve been necessarily reluctant to tell loved ones too much about this final journey, for fear they’ll be prosecuted back in England. So, I am dying on my own. […] I’m not afraid to die, but I don’t mind admitting that I don’t feel ready.

Und auch sie weist uns alle auf etwas hin, das wir gerne im Alltagsstress vergessen und, geblendet von Meetings, Projekten, Deadlines und scheinbar Wichtigem viel zu schnell aus den Augen verlieren, während unsere Leben, genährt von sinnlos vergehenden Tagen, Wochen, Monaten und Jahren im Feuer der Zeit verbrennen.

Boredom makes you count every second, whilst terminal illness makes every second count. Fill your life with as much passion and wonder as you can muster. Also remember that cancer is not the only terminal illness: fear, poverty, addiction, loneliness. They are all just a[s] lethal as my cancer. Look out for each other, when you can.

Warum nur hören wir nicht auf diejenigen, die, konfrontiert mit dem Ende, Relevantes über ihre Zeit auf dieser Welt zu sagen haben? Ihr Post auf imgur ist eine Ankündigung ihrer letzten Reise in ein „[undisclosed sensible European country]“, in dem Sterbehilfe erlaubt ist. Sie fliegt morgen (am 19. April) dorthin und verspricht, uns selbst in dieser letzten Minute noch an ihrem Leben teilhaben zu lassen: „I’ve asked a trusted friend to do a small update when my ashes are blowing in the wind, so you’ll all stay with me, until the very end.“

Das Update wurde am 21. April 2022 veröffentlicht.

Well, that’s it then. The final curtain. I’ve given up the ghost. Kicked the bucket. Breathed my last. Gone to meet my Maker to file a complaint. What a joy and a privilege it’s been. […] Love each other, be honest and kind, and cherish the living fuck out of those that matter to you. You don’t always get to choose when the grim reaper comes for you, but you can choose how you interact with the world today.

Cherish the living fuck out of those that matter to you. Mögen sich diese Worte in unsere Gedächtnisse einbrennen.

3 Kommentare

  1. Der Wandel währt übrigens nicht lang.
    Man verfällt schnell in alte Wertesysteme..
    warum fragen Sie?
    Warum hören wir nicht zu? Selbst uns selbst nicht, möchte ich hinzufügen?

    Ja warum eigentlich?
    Weil das Leben zu lang ist, selbst wenn YOLO.
    Also warum nicht auf Oberflächliches setzen?
    Warum nicht kurz oder kurzweilig bisweilen sogar kurzatmig leben?
    Carpe diem, ja, aber welchen – es gibt so viele und sie sind so ähnlich.
    Warum nicht kurz leben, dafür aber unglücklich? ^^
    Interessante Frage, Entschuldigung für den Spam.
    (Ist Schizophrenie möglich zu überwinden?
    – daran scheiden sich die Geister. Das ist witzig weil Wortspiel)

  2. Warum hören wir nicht auf die, die es aufgrund einer Erkrankung besser wissen?
    Weil es einem sozialen Suizid gleichkommt.
    So zumindest oder so ähnlich war es bei mir nach überstandener Schizophrenie.
    Warum fragen Sie?
    Weil wichtig, wichtig bleibt bis etwas Wichtigeres relativieren kann.

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