Wie geht’s eigentlich OpenAI? Nicht so gut, offenbar.

OpenAI kommt nicht und nicht in die Gewinnzone, benötigt aber, um sie je erreichen zu können, noch viel höhere Ausgaben als bisher angenommen. Adaption und Nutzung von ChatGPT haben in einigen Regionen bereits ein Plateau erreicht oder sinken schon wieder. Aua.

Will Lockett hat sich die Zahlen rund um OpenAI angesehen. Es scheint, OpenAI geht’s finanziell nicht nur schlecht und schlechter, sondern dramatisch und existentiell schlecht. Die Rechnung, die niemand so richtig versteht, scheint, wie es Kritiker des Business hinter Künstlicher Intelligenz, aber auch Personen und Medien, die der Technologie neutral gegenüber stehen, schon seit längerem behaupten, so gar nicht aufzugehen.

OpenAI’s losses are growing twice as fast as predicted. Yet it is doubling its planned AI infrastructure expenditure between now and 2030. Just to cover the operational costs of that […] alone, OpenAI needs to at least triple its annual revenue each year for the next four years, which is at odds with the fact that its revenue growth has fallen off a cliff and could even reverse. For revenue to even begin to grow enough, AI needs to actually boost productivity in real-world businesses, and to do that, it needs to almost entirely eradicate “hallucinations”. But OpenAI itself knows that their solution to AI development of chucking more data and more expensive computation power at the problem won’t solve this issue at all […] At this point, you might be asking, “Why is this happening?!” […] There is a painfully simple answer. Those who control AI companies […] don’t make money from the company being profitable […] they make money from their shares in the company shooting up in value. And here is the kicker: AI companies aren’t valued on their current models’ performance, their revenue, or even their planned business fundamentals. […] Instead, they are valued based on their spending on data centres, as the market falsely believes this is the only key to unlocking human-replacing AI.

Will Lockett

Der lange, mit Zahlen und vielen Beispielen untermauerte Artikel geht auf all das, was in der hier von mir oben zitierten Zusammenfassung angeführt wird, sehr detailliert ein und weist auf diverse Zusammenhänge und aufseiten von OpenAI als Möglichkeiten und Chancen präsentierten Unmöglichkeiten und Illusionen hin. Wer ihn liest, dem wird von den unvorstellbaren Summen, um die es geht, schwindlig. Ehrlich, die Zahlen sind jenseits von Gut und Böse angesiedelt. Man kann sie sich kaum vorstellen.

Hinzu kommt, dass alles bei OpenAI momentan unter der Prämisse, dass ChatGPT, das Flaggschiff-Produkt, über die nächsten Jahre in Nutzung und Verbreitung, somit auch sein Einfluss wächst. Tatsächlich aber scheint die Nutzung von ChatGPT ein Plateau erreicht oder bereits wieder einen, wenn auch leichten, Rückgang zu erleben. Das ist in gewisser Weise auch verständlich: Für den Bereich, der Geld bringt, die geschäftliche Nutzung, also, ist die Art und Weise wie ChatGPT funktioniert aufgrund der viel zu hohen Anfälligkeit für Fehler und Halluzinationen ein Showstopper. Und für Kleinstunternehmen oder Privatpersonen ist ChatGPT mit seinem Angebot an Funktionalität auch am Ende angelangt, wenn es um irgendetwas anderes geht als ums Kaschieren von Unzulänglichkeiten oder ums Ausführen stupider Arbeiten.

Earlier this month, data analyzed by Deutsche Bank showed that OpenAI’s ChatGPT revenue was starting to plateau in Europe, suggesting that enthusiasm for the AI chatbot app to beat may be waning. […] Now it appears that a similar story may be playing out elsewhere in the world as well. […] ChatGPT global downloads are down over eight percent month-over-month. Even more ominously for OpenAI, data shows that ChatGPT users in the US are spending less and less time with the app, with average time spent per daily active user dropping 22.5 percent since July. […] It does suggest that OpenAI’s narrative of explosive growth is fading. […] Simultaneously, widespread disillusionment with the tech, particularly concerning hallucinations, is becoming more apparent by the week.

Futurism

Die Technologie ist faszinierend. OpenAI hat mit ChatGPT das Eis gebrochen und Künstliche Intelligenz de facto massentauglich gemacht. Wie lange aber OpenAI den First-Mover-Effekt noch aufrecht erhalten kann, ist gar nicht klar und ob, absolut nicht sicher.

4 Kommentare

  1. wheresyoured.at noch nicht gelesen? Mach mal, macht Laune :)

    Long story short: an sich ist alles eine Wette auf AGI. Die kommt nicht, also platzt alles in absehbarer Zeit. Frage ist nur, wieviel Kohle NVidia bis dahin macht. Aber mein Tipp ist, dass auch Google nur drauf wartet, bis openAI an die Wand fährt, weil mit ihrem aktuellen KI-Mode/KI-Answers-Gedöns verbrennen sie grade massiv Geld an Stellen, an denen sie bisher massiv Geld verdienten. Werbung in KI-Antworten wird wenig helfen, weil niemand auf Links in KI-Antworten klickt. Ich seh seit Monaten mit Verwunderung, wie das in den gängigen Medien irgendwie nirgends wirklich mal angesehen wird und kann mir die Verblüffung nicht erklären, mit der das nun vereinzelt wahrgenommen wird. ist an sich seit wirklich langer zeit einigermaßen deutlich zu sehen.

    • Ed Zitron steht bei mir eh dauerhaft auf der Leseliste, auch wenn er sich die Finger ein wenig verbrannt hat und gefühlt mehr und mehr, wenn auch langsam, in ein Extrem abgleitet, das sich Entwicklungen – genauer: bestimmten Aspekten der Entwicklung in dem Bereich – ein wenig verschließt, wenn es seine Argumentation stützt.

      Having said that… An der grundlegenden Kritik kann man natürlich festhalten, wobei ich denke, dass alle, die am Game of Thrones in der KI-Industrie beteiligt sind, die Erwartungshaltungen und unsere alltäglichen Prozesse (siehe mein Argument der KI als Infrastruktur des Web) auf eine Art und Weise verändern werden, die es immer schwieriger machen wird, die Sache fallen zu lassen.

      Aber ich bin bei dir wenn es um die Medien geht, die dieses Thema dezent umschiffen. Das wundert mich nämlich auch. Wie wenn es das Thema gar nicht gäbe…

  2. Die Kritik mit Verweis auf den Wired-Artikel les ich jetzt nicht zum ersten mal und muss zugeben, ich fand wiederum den Wired-Text jetzt wenig „entlarvend“ oder was da sonst so reingelesen wurde. Ich bin bei dir, was das „extremer werden“ angeht, kanns aber auch ein Stück weit gut nachvollziehen, grade wegen dem angesprochenen Medienversagen. Grade zuletzt, wo mal die ganze Kiste Strombedarf, was kann das Netz, wie schnell kriegt man wieviel Kraftwerksleistung so an den Start? und die Ankündigungen diverser Player, da mal kurzfristig ein paar AKW irgendwohinzustellen… irgendwann wirds legitim, die Frage zu stellen, ob man es hier mit etwas überbordendem Techoptimismus oder grundsätzlichem Realitätsverlust zu tun hat, insbesondere, wenns um verschobene Geldmengen oder -blasen geht, die wahlweise ganze Ökonomien lahmlegen können oder diverse Menschheitsprobleme lösen könnten, würden sie nicht für eine Luftnummer diverser Techoligarchen verbrannt.

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