Ja, ja, wir können uns natürlich all den Discovery-Algorithmen hingeben und uns berieseln lassen. Wer aber das, was diejenigen, die es erlebt haben, als das “alte Internet” bezeichnen, wieder erleben will, muss nicht nach “alten” Websites, Blogs und sonstigen, frei verfügbaren Online-Publikationen Ausschau halten, sondern sich darauf einlassen, Neues – und so auch Gutes – zu finden. Die Dinge sind nach wie vor da, meint Tyler Gaw.
There’s a frequent lament of missing the “old” Internet […], but it’s usually a feeling of loss for things like personal websites, blogs, RSS feeds, quirky sites for special interests and hobbies, forums, etc. […] Those things we’re missing aren’t gone. They’re still right here. […] Part of what made the “old” Internet so good was the process of discovery. There were no streams or feeds. No “For You pages”. No “Discover” tab. When you found something good, it was usually after hours idly clicking between loosely connected websites. That’s what made every discovery feel so special. That’s why those first websites you went to are seared into your memory. […] This Good Internet Stuff may take effort to find. You probably won’t see it in a feed. It will not have likes and RTs. It might be months old by the time you see it. But, it’ll be here. Waiting.
Tyler Gaw
Und ja, ich kann dem nur zustimmen. Wer feststellt, dass es dieses Internet tatsächlich gibt, entdeckt auch, dass es eine Wildnis gibt. Wer einmal über die Umzäunungen von Instagram, Twitter, Mastodon, Bluesky, Facebook, TikTok und wie sie alle heißen hinausblickt, sieht sie. Und wer das Glück hat, einem Link in einen Bereich des Internets zu folgen, der außerhalb der Umzäunung liegt, dem eröffnet sich eine neue Welt hinter dem Horizont.
Wer das erlebt, erfährt, was eine Generation als “Internet” verstanden hat, und erschreckt vor dem Unterschied zu dem, was einige wenige Unternehmen daraus gemacht haben. Niemand, der es nicht selbst erlebt hat, kann verstehen, wie sich das Internet außerhalb des umzäunten Gartens und ohne Einschränkung durch eine algorithmische Blase anfühlt. Das Bild “Freizeitpark versus Wildnis” kann nicht annähernd vermitteln, wie stark dieser Kontrast zwischen Garten und Urwald, zwischen Freizeitpark und Wildnis, zwischen App und echter Freiheit ist.
Wer aber da war, wer diese Freiheit erlebt und sich der Herausforderung der Unbequemlichkeit hingegeben hat, wird belohnt – wenn auch mit einer der alltäglichen Realität innewohnenden Enttäuschung. Sie führt uns Tag für Tag schmerzhaft vor Augen, wie öde und mittelmäßig Social Media und das kuratierte, eingezäunte, von Landschaftsarchitekten entstellte Internet ist.
Dieses “Internet” ist das Gegenteil von Freiheit, allentfalls eine den Geist betäubende App. Aber die Freiheit ist da und wartet auf uns. Wir müssen uns nur ein klein wenig aus der Komfortzone bewegen.
Ach, wie mühsam!