Eine eigene Website ist peinlich und Blogs liest eh niemand

Eine eigene Website ist peinlich und Blogbeiträge liest eh niemand. Alle sind auf Instagram und TikTok. Aber sind auch Berggipfel, Inseln und Urwälder peinlich, weil dort niemand ist?

Ich muss diesen Beitrag mit einer Entschuldigung anfangen. Ich wollte eigentlich nur Joan Westenbergs Beitrag „The Case for Blogging in the Ruins“ kommentieren. Leider ist daraus ein etwas längerer Text geworden. Sorry. But it’s my blog after all. – Womit wir eigentlich schon mitten im Thema sind.

Bloggen klingt alt. Allein das Wort „Bloggen“ wirkt wie ein Relikt aus der Web-2.0-Urzeit des Internets. Aber was bedeutet es im Kern? Es ist die Aussage: „Ich habe diesen interessanten, provokanten oder sonstwie erwähnenswerten Beitrag zum Thema X unter der URL Y gefunden und hier ist meine Meinung Z dazu.“ Was daran soll „alt“ sein? Das Browsen? Das Entwickeln eines Gedankens? Das Veröffentlichen? Vielleicht leitet sich die negative Charakterisierung gar nicht so sehr von der Tätigkeit selbst ab, sondern viel mehr von ihrem Resultat: der eigenen, unabhängigen Website. Schließlich ist sie der lebende Widerspruch zur Kontrolle über Inhalte und Aufmerksamkeit; sie ist der Beweis, dass unabhängiges Denken und seine Verbreitung möglich sind. Realisiert, ganz einfach in einem Blog.

Wer einen Blogbeitrag veröffentlicht, will gelesen werden. Die Motivation dazu erfolgt ohne Eile und ohne Druck, getragen vom Willen zur Veröffentlichung. Social Media folgt einer anderen Logik. Dort dominiert die Lust auf Reaktion. Sie zwingt die User, die Regeln der Plattform-Ökonomie zu verinnerlichen. Sie spüren, dass etwas nicht stimmt, interagieren aber eifrig weiter und akzeptieren, dass ihre Inhalte zu Wegwerfprodukten werden und die Entwicklung eines Gedankens irrelevant ist. Das ist das exakte Gegenteil des Bloggens.

Joan Westenberg hat einen Essay darüber geschrieben, warum das Bloggen, diese totgesagte Art des Publizierens, gerade jetzt wichtiger denn je ist. Immerhin ist der Blogbeitrag das Epitom des Internets: ein unter einer stabilen URL frei abrufbarer, unabhängig ausgelieferter, einer Person zurechenbarer Inhalt.

Fangen wir mit einer Erinnerung an das an, was das Bloggen der 2000er-Jahre war. Eine Zeit, bevor gewinnorientierte Plattformen existierten, die ihren Gewinn aus der Aufmerksamkeit und nicht aus qualitativ hochwertigem oder zumindest darum bemühten Inhalt lukrierten. Die damalige Blogosphäre war keineswegs perfekt, häufig elitär und in sich geschlossen. Der Dialog fand, wenn überhaupt, ausführlich statt, größtenteils überlegt, auf verschiedene Websites (Blogs) verteilt und auf jeden Fall langsam. Diese Langsamkeit, verbunden mit der (kleinen) Hürde, nicht in der Sandkiste einer Plattform zu sein, führte zu Respekt, Argumentation und ausformulierten Gedanken. Die schnelle Abfolge leider allzu oft beleidigender, kontroversieller, vor allem aber unüberlegter Statements, wie wir sie heute als in gewissem Sinne normal wahrnehmen, gab es damals in der Form nicht. Der Aufwand war einfach zu groß, sie zu veröffentlichen.

Blogs occupied a wonderful and formative niche in the information ecosystem. They were personal but public, permanent but updateable, long-form but informal. […] People wrote long responses to each other’s posts […] across multiple sites and weeks of discussion. The format rewarded careful thinking because careful thinking was legible in a way that it simply isn’t on platforms designed for rapid-fire engagement. Social media removed the friction of publishing, and in doing so removed the selection pressure that separated signal from noise.

Joan Westenberg

Auf der einen Seite haben soziale Medien mit ihren niedrigen Einstiegshürden die Staudämme, die bisher das Meer an Meinungen, Kommentaren und Statements zurückgehalten haben, geöffnet. Auf der anderen haben sie so aber das wertvolle Ackerland unserer Aufmerksamkeit überflutet. Ihre demokratisierende Wirkung ist durch das Öffnen der Dämme nicht wegzureden, die Notwendigkeit, die Aufmerksamkeit nach der Überflutung anders als vorher zu regeln, aber auch.

Die Grundannahme für die demokratische und mündige Teilhabe am Geschehen, die freie und nahezu uneingeschränkte Möglichkeit, seine Meinung kundzutun, wurde nun auf technischer Ebene ermöglicht. Die Dämme sind offen. Anstatt jedoch zu mehr Vielfalt, produktiven Diskussionen und daraus resultierendem Fortschritt zu führen, erweist sich die schiere Flut an Input als größtes Hindernis für einen von der Nutzerbasis aus gesetzten Impetus für die Evolution des Internets, wenn nicht gar der Gesellschaft an sich. Um eine Meinung zu verstehen, verarbeiten und kommentieren zu können, ist es notwendig, sie sehen, hören oder lesen zu können. Ohne Wahrnehmung des Inputs, keine Möglichkeit der Partizipation. Das war (und ist), ganz allgemein, nicht nur ein Problem für die Entwicklung an sich, sondern, ganz spezifisch, ein Problem für die Plattformen selbst. Wenn die Wassermassen in einem so dermaßen ohrenbetäubenden Lärm an uns vorbei rauschen, dass wir gar nichts mehr wahrnehmen können und in Schockstarre de facto untätig auf Erlösung warten, dann interagieren wir nicht, dann klicken wir nicht, dann senken wir die Wahrscheinlichkeit, auf die Einnahmequellen der Plattformen – Werbung – zu klicken. Es musste also eine Lösung her, die die Flut auf ein erträgliches Niveau senken und den Lärm massiv reduzieren würde. So etwas wie ein Staudamm. Und die Lösung kam in Form eines pervertierten Szenarios des ursprünglichen Problems: Die aus unzähligen nutzergenerierten Inhalten bestehenden Streams – was für eine Bezeichnung angesichts des eben gezeichneten Bildes! – wurden in künstliche Flussbette gezwungen und mit Dämmen – algorithmisch gesteuerten Dämmen – zurückgehalten, eingeschränkt und auf ein erträgliches Maß reduziert.

Das Paradoxon ist perfekt: Aus dem natürlichen, aber von einer Person selbst beeinflussbaren Damm technischer Minimalkompetenz wurde ein algorithmisch gesteuerter, ausschließlich von den Eigentümern diverser Plattformen beeinflusstes System unzähliger, nicht mehr überschaubarer und intransparent gesteuerter Dämme.

Blogs haben in dieser Phase eine interessante Rolle eingenommen und sich noch mehr als bisher als Gatekeeper eines nicht algorithmisch dem Geschäftsinteresse einer Plattform dienenden, sondern eines von menschlicher Hand kuratierten Internets positioniert. Sie bildeten damit Inseln in einem Meer aus überschwemmtem, mit Salzwasser überflutetem Ackerland. Sie fischten interessante Inhalte aus diesem Meer, präsentierten, kommentierten und diskutierten sie. Vor allem aber haben Blogs auf diese Inhalte verwiesen, indem sie Links zu ihnen gesetzt haben. Diese Links – URLs – waren und sind bis heute noch die technischen Verknüpfungen unterschiedlicher Webpages untereinander, die dieses System möglich machen. Während Plattformen die Logik des offenen Internets aktiv untergruben, blieben Blogs ihrer ursprünglichen Aussagekraft treu und verstärkten sie sogar noch: Ich habe diesen interessanten, provokanten oder sonstwie erwähnenswerten Beitrag zum Thema X unter der URL Y gefunden und hier ist meine Meinung Z dazu.

Das Geschäftsmodell von Social Media konnte damit nichts anfangen. Alles, was sich nicht innerhalb einer Plattform abspielte, bedeutete Verlust der Aufmerksamkeit und Einschränkung der Möglichkeit, einen User oder eine Userin mit Werbung zu konfrontieren. URLs, die elementaren Bausteine des Internets, waren der entschiedene Gegner von Social Media. So versuchten sie, nicht nur Links im Inhalt, sondern auch die URL eines Inhalts selbst weitestgehend zu verstecken. Sie machten es dadurch schwer, sich auf einen Inhalt zu beziehen ohne die dafür von der jeweiligen Plattform bereitgestellten Tools und Werkzeuge zu nutzen. Tools, die aber weniger der Verlinkung als vielmehr der Vermarktung und der Förderung des Engagements innerhalb der Plattform dienen. Hashtags sind so ein Beispiel. Threads ein anderes. In vielen Fällen sind die „URLs“ sozialer Medien auch nur auf der jeweiligen Plattform funktional, außerhalb aber nicht.

Blogs waren (und sind) das Gegenteil eingeschränkten Traffics. Sie unterstützen die Nutzung von URLs und teilen einem Browser mit, (1) wo eine Ressource verortet ist, also auf welchem Server sie liegt, (2) mit welchem Protokoll man diese Ressource aufrufen kann und (3) welche Ressource das exakt ist (ein Bild, eine Webpage, eine andere Datei). Sie erfüllen – zur Perfektion gebracht – die Funktion, die Tim Berners-Lee diesen Web-Adressen 1994 angedacht hat: ein Uniform Resource Locator (URL), also eine standardisierte, einheitliche Adresse für eine spezifische Ressource im Internet zu sein. Schon damals war der Gedanke, über das Internet verstreute Inhalte ewig verfügbar und eindeutig identifizierbar zu machen. „Über das Internet verstreut“, „ewig verfügbar“ und „eindeutig identifizierbar“? Klingt nicht nur, sondern ist die Antithese zu Social Media.

When you write a blog post, you’re creating a standalone document with a permanent URL. […] Compare this to a tweet […] or a Facebook post, which exists primarily as an item in a feed, algorithmically sorted, personalized to each viewer. Your post might appear at the top of someone’s feed for an hour and then disappear into an infinite scroll of other content, never to be seen again. The platform has no interest in whether your post is found next week or next year; it has a vested interest in keeping users scrolling through new content right now.

Joan Westenberg

Jetzt wird es interessant. Denn es ist nicht zu leugnen, dass die Technik das Verhalten in gewissem Maße bedingt: Wer Inhalte für die Ewigkeit und für alle schreibt, schreibt anders als jemand, der davon ausgeht, dass sein Inhalt nur für wenige Stunden zu sehen ist. Einer, der für die Ewigkeit schreibt, schreibt unter der Annahme einer spezifischen, imaginierten Leserschaft und weiß, dass der Text heute, morgen und für alle Zeit auch von anderen Personen gelesen und kommentiert werden kann. Nicht, dass es in den sozialen Medien theoretisch anders wäre, doch praktisch geht dort niemand davon aus, dass der Tweet, das Meme, das Reel übermorgen oder nächste Woche noch irgendwen interessiert. Algorithmische Dammsysteme sorgen dafür, dass diese Annahme auch faktisch umgesetzt wird.

Während Blogbeiträge für die Ewigkeit geschrieben werden, sind Mitteilungen in sozialen Medien – der inhärenten Logik der Plattformen folgend – Wegwerfprodukte. Wenn ich mir das vor Augen führe, ist das Posten auf Social Media nicht nur in übertragenem Sinne, sondern auch faktisch verschwendete, vergeudete Zeit. Die Inhalte dort sind ein Strohfeuer, Blogbeiträge hingegen glühende Kohlen.

Beides hat seine Existenzberechtigung, ja, in gewisser Weise gibt es sogar eine Abhängigkeit beider zueinander. Aber eines ist deswegen nicht „veraltet“ oder in sonst einer Form passé. Das eine ermöglicht Dinge, die das andere verunmöglicht. Wem es aber um Qualität und eine ausgewogene, überlegte, gut argumentierte und dadurch zwangsläufig langsame, dafür aber nuancierte Annäherung an ein Thema geht, wird mit dem Strohfeuermodus nicht auskommen, auch wenn die Inhalte in einen „Thread“, der aus 50 einzelnen Postings besteht, gepfercht werden. Der Inhalt bestimmt das Format, der Zugang die Software, die man dafür nutzt.

When I write a blog post, I’m writing for an imagined reader who has arrived at this specific URL because they’re interested in this specific topic; I can assume a baseline of engagement […] When I write for social media, I’m writing for someone who is one thumb-flick away from a video of either a hate crime or a dog riding a skateboard. […] The incentives [on social media] push toward provocation and emotional activation. The format actively punishes nuance, which means that a thoughtful caveat reads as weakness and any acknowledgment of uncertainty looks like waffling.

Joan Westenberg

Das ist das entscheidende, technische Argument fürs Bloggen: Die fürs Bloggen geschaffene Software, sei es WordPress, Ghost, Statamic, Textpattern und wie sie alle heißen, ermöglicht und erleichtert genau das – langes Schreiben. Social Media verunmöglicht komplexe und nuancierte Gedanken aktiv.

Bloggen macht es möglich, einem Autor oder einer Autorin von der Entwicklung eines Gedankens bis hin zu einem ausformulierten Argument zu folgen. Die nuancierte Herangehensweise, das langsame Vorgehen, das Miterleben der Entwicklung eines Gedankens befeuert geradezu das Interesse am Fortschritt und am Verstehen. Das ist die Blogs eigene Qualität, die in Social Media oder auf Plattformen unterbunden, ja sogar technisch verunmöglicht werden soll. (Dass aber Interesse an dieser Form der Publikation besteht, ist in Form gegenwärtiger Pseudolösungen offensichtlich: Threads, Hashtags und Serien von Kurzpostings.)

Niemand, der Blogbeiträge liest, geht von fertigen, ausformulierten und finalen Gedanken zu einem Thema aus. Niemand erwartet an niedere Emotionen appellierende Statements, niemand Meme-Formate wie „Motivational Poster“, oder Fotos, auf denen eine Person stupide ein Plakat ins Bild hält. Und wenn wir uns ehrlich sind, genieren wir uns selbst für Clickbait, in dem es um die sieben wichtigsten Eigenschaften erfolgreicher Bloggerinnen und Blogger geht. Blogbeiträge sind die Longreads des Internets geworden, präsentiert mit der Leichtigkeit, die ihnen das Format „Blog“ ermöglicht. Ein Konterpunkt sowohl zu schwerfälligen Publikationen als auch zum rapiden Feuer der Meinungsgewehre in sozialen Medien. In den Fluten sind Blogs zu Inseln der Stille, der Konzentration und des Fokus geworden.

The blog […] allows for intellectual exploration without demanding premature certainty. You can write a post working through an idea […] and invite readers to think alongside you. […] The format accommodates the actual texture of thinking, which is messy and recursive and full of wrong turns. Social media flattens all of this into statements: Everything you post is implicitly a declaration. […] What travels is the hot take, the dunked-on screenshot, the increasingly-shitty meme, the version of your argument that fits in a shareable image with the source cropped out.

Joan Westenberg

Wenn aber Blogbeiträge und Blogs ganz allgemein diese besondere Qualität haben, so könnte man an dieser Stelle einwenden, warum liest sie dann niemand mehr? Warum spielt sich alles woanders – gegenwärtig in den sozialen Medien – ab, in denen das verkürzte Format der Standard ist? Abgesehen davon, dass wir uns im gleichen Atemzug auch fragen können, warum Menschen sich mit Fast Food kaputt essen, keinen Sport treiben und sonstigen Blödheiten nachgehen, die ihnen selbst schaden, sehe ich die Schuld schon auch bei uns, also bei denjenigen, die Blogs betreiben. Wir können nicht alles auf die bösen sozialen Medien abwälzen.

In dem Moment, in dem wir unseren Leserinnen und Lesern beim Wechsel vom Blog ins soziale Medium folgen, den durch die Plattform bedingten Unterschied aber nicht genügend berücksichtigen, geht das Momentum des Blogs verloren. Aus einem langen und ausführlichen, einen Gedanken entwickelnden Blogbeitrag wird eine Kurzmitteilung oder ein Motivational Poster auf einem der entsprechenden Dienste. Dass damit Qualität und Inhalt, vor allem Subtilität und Nuanciertheit verloren geht, ist klar. Vielleicht aber nicht, dass beim Publikum, bei denjenigen, die uns noch auf unserem eigenen Blog folgten, der Eindruck entsteht, man würde ohnehin alles, also den gesamten Inhalt, der kommuniziert werden soll, über Social Media mitbekommen.

Die Wahrnehmung der durch die Anforderung der Plattform bedingte Verkürzung als eigentlichen Inhalt ist, so denke ich, ein Argument bzw. eine Erklärung für das Problem der Wahrnehmung, Blogs (aber auch Medien und ihre Onlineportale als solche) wären nicht mehr attraktiv. Wozu sollte ich es mir antun, zigtausend Worte zu lesen, wenn ich den Inhalt auch in einer einzigen Infografik vermittelt bekommen kann? Wozu, so könnte ich diese Fragen hier fortführen, den ganzen Film ansehen, wenn ich die besten Szenen auf TikTok in Serie angezeigt bekomme? Wozu das Buch lesen, wenn mir ein Reel auf Instagram den Inhalt bereits vermittelt? Der Trailer wird zur primären Rezeptionsform längerer Inhalte: Alles, egal wie komplex, muss in wenigen Sekunden erklärbar sein. Der Trailer, das Zitat, das Reel sind hierfür die perfekten Simulakra. Die Behauptung, man hätte den Inhalt verstanden, ohne sich jemals der Mühe des eigentlichen Erlebens ausgesetzt zu haben, wird unangetastet akzeptiert. Weil wir alle nur so tun als ob.

Ein Beispiel: Hier in Österreich hat die größte Nachrichtensendung des Landes auf praktisch allen Social Media-Kanälen einen Account und bespielt den auch in beeindruckender Regelmäßigkeit. Die Nachrichten werden auf ein Minimum reduziert, sodass nur die Essenz – eben die Verkürzung – übrigbleibt. Die vielen Feinheiten, aus denen Nachrichten für gewöhnlich bestehen, gehen verloren. Das führt dazu, dass diejenigen, die mit diesen stark verkürzten Nachrichten-Teasern groß geworden sind, diese verkürzten Mitteilungen oftmals als finale Mitteilung, als die „Nachricht“ selbst wahrnehmen. Obwohl sie über die Verkürzung Bescheid wissen, machen sie sich keine Gedanken darüber, was genau weggefallen ist, was gekürzt wurde, und wie das den Inhalt der Nachricht verändert haben könnte. Die Entscheidung (des Nachrichtensenders), einen Kanal zu wählen, der die Möglichkeit einer Nachricht auf ein gewisses Maß an Zeichen einschränkt, führt dazu, dass diese Zeichenanzahl den Inhalt abbilden muss, auch wenn die dreifache notwendig wäre, um ihn ohne Auslassung und Sinnverfremdung kommuniziert zu können. Der Nachrichtenbeitrag ist mit dem kommunizierten Inhalt beendet und der Informationsfluss abgeschlossen. Der Teaser wird zur Nachricht selbst. (Vielleicht macht gerade das die ausführlichen Beiträge in Blogs von Journalisten1 wie Armin Wolf, Martin Thür oder Stefan Kappacher nicht nur interessant, sondern geradezu notwendig.)

Das andere Argument, die andere Erklärung, warum niemand mehr Blogbeiträge liest, liegt schlichtweg in der fehlenden Möglichkeit, sie im Überflutungsgebiet der geöffneten Staudämme zu entdecken. „Entdecken“ ist hier der wesentliche Punkt, denn „danach suchen“ ist im Jahr 2026 nicht mehr gelebte Praxis. „Suchen“ haben wir zugunsten algorithmischer Vorschläge verlernt. Das algorithmische Boosten in den sozialen Medien ist und bleibt vorerst der Mechanismus, der für Verbreitung sorgen kann, auch wenn es genügend andere Kanäle und Mechanismen gäbe, wie zum Beispiel das UberBlogr-Netzwerk, Google, RSS oder Newsletter. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob diese Wege und Kanäle tatsächlich als fürs Entdecken relevant eingestuft werden können (Google und Blognetzwerke ja, RSS und Newsletter nein), aber es gibt sie. Es gibt Alternativen zu proprietären Algorithmen und Boosting-Mechanismen. Es gibt etablierte und technisch bereits verfügbare Mittel, um Beiträge zu promoten oder zumindest gut auffindbar zu machen. Die Frage ist nur, warum sie niemand nutzt.

Warum suchen die wenigsten nach Inhalten, warum verlassen sie sich so sehr darauf, dass die Inhalte zu ihnen kommen? Jedwede Antwort, die in Richtung „Reizüberflutung“ oder „Wie soll das bei der Menge funktionieren“ geht, fällt in die Falle eines technischen Versprechens für ein inhaltliches Problem: Die großen Anbieter von Suchmaschinen, Künstlichen Intelligenzen, personalisierten Feeds und dergleichen, präsentieren sich als Kuratoren für Inhalte, die uns wahrscheinlich interessieren. Das Momentum der Serendipität geht dabei unweigerlich verloren. Stattdessen bestimmt eine statistische Wahrscheinlichkeit der Interaktion mit einem Inhalt die Möglichkeit von Interesse.

Es wird schon irgendwie so sein, dass wir als interessant betrachten, was wir gelesen oder uns angesehen haben. Eine beeindruckende Verkehrung: Aus „interessant, deshalb lese ich“ wird, „ich lese, deshalb deklariere ich es als interessant“.

Die Frage ist also nicht, ob die technische Infrastruktur für ein Internet, das wir selbst kuratieren können, existiert. (Sie existiert.) Die Frage ist, ob die kulturelle Praxis des aktiven Suchens und Findens im Lärm der algorithmischen Feeds überhaupt noch eine Chance hat, wenn der Komfort individueller, schon irgendwie weitgehend passender Feeds gut genug ist.

There are rote objections: nobody reads blogs anymore. The discovery mechanisms are broken. […] But search engines still index blogs far better than social media posts. A well-written blog post on a specific topic can draw readers for years through Google […]; a tweet is lucky to get attention for twelve hours. […] If you’re trying to build a body of work, or to create something that will outlast the platform of the moment, a blog is simply a better tool. […] RSS never actually died. […] The people who read blogs tend to be the people worth reaching: curious, patient, willing to engage with longer arguments. […] Newsletters are still a discovery layer […]. You can write on your own site and distribute via email, getting the permanence of a blog with the push distribution of a newsletter. […] And the fragmentation of social media is actually creating demand for alternatives. Every time a platform implodes […] people start looking for more stable ground. The infrastructure exists. It’s waiting.

Joan Westenberg

Die ursprünglichste, interessanteste und wesentlichste Form des Entdeckens erfolgt aber auf einem anderen Weg, den ich schon erwähnt habe: die von einem Autor oder einer Autorin manuell gesetzte Verlinkung zu anderen Blogbeiträgen und Webpages. Dieser Weg ist lang, erfordert Interaktion, und ist nur langsam begehbar. Er ist wenig komfortabel, mühsam, heutzutage fast schon Glückssache. Er ist die Hürde, die man überwinden muss, um das zu bekommen, was das Internet ausmacht. Man muss den Weg erst finden, der von Autorinnen und Autoren aktiv gesetzt wurde. Und finden kann man ihn erst durch die Lektüre ihres jeweiligen Blogbeitrags, Artikels oder einer Webpage selbst. Serendipität in Reinform, wenn in einem interessanten Artikel genau der Link zu einem Inhalt woanders auftaucht, nachdem man, ohne es zu wissen, immer schon gesucht hat.

Nur müssen diese Links eben gesetzt werden. Das technische Mittel, die URL, muss aktiv eingefügt, aktiv genutzt werden. Es muss im Sinne des Autors oder der Autorin sein, aktiv auf die Inhalte Dritter zu verlinken und somit aktiv an der Netzwerkbildung teilnehmen zu wollen. Blogs machen das leicht möglich und Blogger sind größtenteils gewillt, das zu tun. Wie Plattformen damit umgehen, habe ich bereits zur Genüge erörtert.

Auf der einen Seite gibt es, und das ist die Norm, Blogbeiträge, in denen kontextbezogene Verlinkungen auf weiterführende Gedanken und Inhalte zu einem Thema führen. Auf der anderen haben Blogs schon vor Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten, den bewussten Schritt unternommen, das Verlinken in den Vordergrund zu stellen, um so das Web dichter und besser vernetzt zu machen. Viele Blogs haben für ihre Linkposts eigene Kategorien oder Tags, einige, wie zum Beispiel Stefan Grunds eay.cc, Dirk Deimekes deimeke.net oder Jason Kottkes kottke.org (aber auch viele andere), haben der Verlinkung selbst sogar eigene Artikeltypen gewidmet („Asides“, „Quick Links“ oder „Links“), die darauf ausgelegt sind, Blogs miteinander zu vernetzen und so die Grundstruktur dessen zu bilden, was das Internet ausmacht: ein Netzwerk miteinander verlinkter Inhalte zu sein.

Soziale Medien sind hierzu der Gegenpol. Ich finde es schade, dass gerade sie, die gewaltiges Potential für Vernetzung hätten, das Setzen von Links auf Inhalte außerhalb der eigenen Plattform aktiv erschweren, wenn nicht sogar unmöglich machen. Das offene Netz, das Meer vor den Staudämmen, eine Welt aus tropischen Inseln, selten besuchten Berggipfeln und schwer begehbaren Urwäldern, verwandelt sich so in eine Sammlung zurechtgestutzer, umzäunter Gärten mit einem Parkplatz vor dem Eingang. – Jeder und jede muss für sich selbst entscheiden, ob der Besuch in einem früher oder später dahinrottenden Freizeitpark tatsächlich mehr Spaß macht als das Erkunden echter Wildnis.

Blogs oder persönliche Websites sind da schon anders. Hier können sich diejenigen, die diese Blogs betreiben, nach Herzenslust austoben und entfalten. Jedes Blog besticht durch seine eigenen, kleinen, nuanciert unterschiedlichen Regeln, mit einer eigenen, ihm typischen Topografie: Hier das Design und das Layout. Dort die Art und Weise, wie ein Thema behandelt wird. Und wieder woanders – sieh einer an! – die bloße Auswahl der Themen selbst. Niemand muss sich an Protokolle oder Richtlinien halten, niemand wird beim Setzen von Links eingeschränkt. Es gibt keinen vorgegebenen Rahmen, keine AGB für den umzäunten Garten und keine Nutzungsbedingungen für den Eintritt in den Freizeitpark.

Das ist Freiheit.

Das ist der ursprüngliche Gedanke eines verwobenen Netzwerks unabhängiger Quellen.

In so einem Netz zu surfen („browsen„) bedeutet Spaß zu haben. Hier findet man neues Wissen, kontroversielle Meinungen und den Horizont erweiternde Kommentare, die stolz auf den Websites der jeweiligen Autorinnen und Autoren präsentiert werden. Keine Netzwerkfilter, keine Triggerwarnungen oder sonstige, durch Nutzungsbedingungen und Verhaltensregeln vom Eigentümer des umzäunten Gartens definierte Mechanismen der Abstumpfung. Keine Horde simulierter Meinungen einer homogenisierten Nutzergruppe in einem einbetonierten Flussbett voll individueller Dämme. Hier verantwortet jeder und jede die veröffentlichten Inhalte selbst; auf der eigenen Website, auf dem eigenen Blog unter der eigenen Domain, in Beiträgen mit eigenen URLs.

Das ist das Internet in seiner reinsten Form: Auf meinem System tun und lassen, was ich will, aber woanders hin verweisen und damit einen externen Inhalt empfehlen, wenn ich dort etwas interessant oder bemerkenswert finde. Die Empfehlung ist aktiv, ein Encouragement, und kein stupides, niederschwelliges Like, das ohnehin niemanden je interessiert hat und so dermaßen sinnlos war, dass sogar Facebook es eingestellt hat.

A blog is a room of your own on the internet. It’s a place […] where you’re not subject to the algorithmic whims of platforms that profit from your engagement […] We’re not going to get a better internet […] by building it. By maintaining our own spaces, linking to each other, creating the interconnected web of independent sites that the blogosphere once was and could be again.

Joan Westenberg

Gehen wir zurück zum Anfang. Ist Bloggen also „alt“? Ist das Denken und Schreiben für die eigene Website „unattraktiv“? Mitnichten. Zu denken und für sich und andere zu schreiben, Inhalte auf der eigenen Website unabhängig zu publizieren, ist nicht „alt“ oder „überkommen“. Es so darzustellen ist eine Frage des Standpunkts:

  • Wer Eintritt für seinen Freizeitpark kassieren will, muss den eigenen Garten eines Besuchers als überkommen darstellen.
  • Wer seinen Parkplatz füllen will, muss gegen das eigene Grundstück eines Besuchers argumentieren.
  • Wer von Frequenz statt von Schönheit lebt, muss die freie Wildnis als unwirtlich und gefährlich verleumden.

Dahinter steckt eine Neudefinition von Schönheit, die tagaus, tagein beworben wird. Aber der Angriff gilt nicht der Schönheit. Er gilt dem Denken. Dem langsamen, eigenständigen und unabhängigen Denken. Getarnt wird er als Bewerbung neuer Kriterien für einen nicht näher definierten Erfolg: Alles muss zu Engagement führen, viral werden, die Besuchsfrequenz erhöhen und somit der Plattform, nicht aber der Weiterentwicklung von uns allen dienen. Daraus folgt die Propaganda, die so allgegenwärtig ist, dass wir sie mittlerweile als natürliche Statusmeldung über den Fortschritt des Internets missverstehen:

  • „Eine eigene Website ist peinlich.“
  • „Blogs liest doch keiner.“
  • „Alle sind auf Instagram, TikTok oder sonstwo.“

Ja, alle sind auf Instagram, TikTok oder sonstwo. Vorerst. So wie sie einst auf StudiVZ, MySpace oder Facebook waren. All diese umzäunten Gärten sind heute verrottende Freizeitparks, tote Malls, Ruinen des gescheiterten Versuchs, Wildnis zu simulieren. Aber Natur hat keine AGB und Wildnis keine Nutzungsbedingungen. Darum erstelle endlich deine eigene Website, schreibe einen eigenen Blog.

Es bringt nicht nur dir, sondern uns allen mehr, als du denkst.

  1. Tatsächlich nur Männer, falls das irgendwer kritisieren will. Ich habe extra nach Blogs der anderen, bekannten Ö1-Journale- und ZIB-Moderatorinnen gesucht, aber da sieht es trist aus. ↩︎

18 Kommentare

  1. Schön geschrieben. Im Großen und Ganzen bin ich voll bei dir, nur der Satz „ Wer einen Blogbeitrag veröffentlicht, will gelesen werden“ zeigt mir, dass ich da offenbar völlig anders bin. In den letzten 20 Jahren meines Bloggerlebens habe ich mir nicht einmal diese Gedanken gemacht. Ich wüsste nicht mal Zahlen, da ich keinerlei Besucherzähler oder ähnliches nutze, nicht mal Kommentare. Ich tippe seit Jahrzehnten einfach nur so meine Gedanken vor mich hin, um ab und an mal zu gucken, was ich damals über etwas dachte und machte, aber andere Menschen tangieren mich dabei gar nicht. Cool, mal zu sehen, dass ich da offenbar anders ticke. Danke für den Blick und Grüße. Peace.

    • Danke und – spannend, dass du genau diesen Satz herausnimmst, denn es ist einer der wenigen, über die ich lange nachgedacht habe. Mit dem Bloggen begonnen habe ich für meine Freunde, später dann für alle, aber phasenweise auch nur für mich. Da ich aber nie ein Tagebuch in dem Sinne geschrieben habe, bin ich zu dem Schluss gekommen: Ich habe meine Gedanken dann ja doch veröffentlicht und nicht nur still notiert, also muss ich irgendwie, wenn auch unbewusst, davon ausgegangen sein, dass sie jemand liest.

  2. (Stehender Applaus!)
    Da ich’s nicht besser schreiben kann und ich auch den Essay von Joan Westenberg kenne und für sehr wichtig halte, multipliziere ich einfach mal mit einem Kurzbeitrag in meinem Blog. Ganz im Sinne der Vernetzung.

    • Ich danke für den Applaus und für die Wertschätzung in guter, alter, die Vernetzung praktizierender Link-Tradition!

  3. Was für ein starkes Plädoyer für die digitale Wildnis! Du sprichst mir aus der Seele: Während Social Media oft nur algorithmischer Einheitsbrei ist, sind Blogs die echten Inseln der Freiheit. Dein Text ist die perfekte Erinnerung daran, warum wir uns den Platz im Netz zurückerobern sollten.

    Apropos peinlich: Ich bekenne mich hiermit offiziell schuldig! Ich führe nämlich selbst ein höchst peinliches Blog (echt jetzt, absolute Fremdscham-Garantie), aber genau dieser ungefilterte Raum ist unersetzbar. Danke für den Motivationsschub, mein digitales Unkraut weiter zu pflegen. Wer braucht schon polierte Feeds, wenn er echte Gedanken haben kann?

    • Ja, Bock, ja! Und apropos peinlich: Nicht, absolut nichts ist spannender, interessanter, herausfordernder, aber dann auch befriedigender als eine Insel im Meer zu entdecken, die mit ihren eigenen Logiken, ihren eigenen Werten und ihrer eigenen Fremdschämgarantie daherkommt. Also pflege dein Unkraut, gieß es, gib ihm Nahrung! Je bunter, verrückter und weniger vorhersag- und berechenbar, umso besser!

  4. > Aber Natur hat keine AGB und Wildnis keine Nutzungsbedingungen. Darum erstelle endlich deine eigene Website, schreibe einen eigenen Blog.

    Erst wenn die Impressumspflicht endlich weg ist. „Mit seinem Namen für etwas stehen“ ist überschätzt und seit dem Ende des Usenet nicht zu empfehlen. Ich habe keine Lust auf tote Ratten im Briefkasten oder was weiß ich nur weil irgendwem meine Meinung nicht gefällt.

    • Danke, Jens, für deinen Kommentar. Ja, einen Absender auf Botschaften schreiben kann problematisch sein, wenngleich die von dir beschriebene Form von Gewalt (ja, für mich ist eine tote Ratte im Briefkasten eine Form von Gewalt), die zur Anwendung kommt, weil jemandem eine Meinung nicht passt, zumindest in meinem Universum schon eine äußerst seltene Randerscheinung ist, die niemandem, den ich kenne, je wiederfahren ist. Nicht, dass es bei Bedarf nicht leicht möglich wäre, auch ohne Impressum bei Diensten zu bloggen, die aufgrund ihrer rechtlichen Zugehörigkeit darauf keinen Wert legen. Die Frage, die ich mir aber die ganze Zeit stelle: Welche „Meinung“ kann jemandem so dermaßen „nicht gefallen“, dass man die postalische Anschrift physisch aufsucht und das Verbrechen begeht, das du beschreibst? Wenn das nämlich Meinungen sind, die so dermaßen kantig sind, dass soetwas passieren kann, dann gilt ja hier wohl ein besonderes Schutzrecht, das unter Umständen die Impressumspflicht insofern abändert als es nicht offensichtlich sein muss. Anders könnten ja zB Investigativjournalisten nicht arbeiten. – Und abgesehen davon: Es spricht ja wiederum nichts dagegen, die Inhalte, von denen du ausgehst, dass sie auslösen, was du schreibst, hinter einen Login zu stellen. Das ist ja mittlerweile technisch auch leicht möglich. Jedenfalls hoffe ich für dich, dass du einen Weg findest, denn wenn dich solche Gedanken quälen, dann hast du ja definitiv etwas zu sagen.

  5. ich war auf myspace, auf facebook, auf instagram (bis gestern). überall war es am anfang spannend und schön, bis überall die enshittification die oberhand gewonnen hat.
    mein blog bleibt. ohne algorithmus, dafür mit chronologischer zeitleiste.

    keinen bock mehr, tech-konzerne mit meinen daten zu bezahlen. der preis dafür? dass mein blog, wie piehnat es so schön beschrieben hat, halt für MICH ist. wer lust hat, das zu lesen, bitte sehr, seid willkommen. ein muss? mitnichten!
    deswegen läuft mein blog auch unter dem motto „kein business, keine absicht, kein ziel“.

    dein text hat mir sehr gut gefallen, michael!

    • Danke für deinen Kommentar, Kalle, dem ich nur zu einhundert Prozent zustimmen kann: Mein Blog, meine Inhalte, alles meins. Und ja, in gewisser Weise, für mich! Wer Lust hat, soll lesen,w er nicht, kann gehen. – Das ist die richtige Einstellung. Und danke für das Stichwort Enshittification, das ich bewusst vermieden habe, um nicht noch einen Gedanken in den Beitrag zu bringen, aber er ist natürlich das Movens hinter dem Verfall. Privaten, eigenständigen, unabhängigen Blogs bleibt dieses Schicksal erspart. Sie tun, wie sie wollen, und das macht sie erst zu dem, was sie sind. Oder, wie du es selbst so treffend formuliert hast: „bloggen, als ob niemand zuschaut. das ist der plan.“

  6. Was soll ich sagen? Vielleicht einfach nur Danke für diesen tollen Blogbeitrag. Neben den vielen kleinen, langen, lustigen, interessanten, auch mal traurigen Geschichten, welche die Blogwelt uns täglich liefert, ein besonderes Highlight.

    • Vielen lieben Dank, Tommi, für deinen Kommentar. Und damit hast du die Vielfalt auch bestens beschrieben, die ich meine. So soll Bloggen sein: Heute ein Meme, morgen ein Video, übermorgen ein völlig uninteressanter, privater Beitrag, am nächsten Tag ein Essay. Die Regeln sind unsere, wir können machen, was wir wollen. Ist das nicht super?!

  7. Danke für dieses großartige Plädoyer!

    Was mir gerade einfiel anbetrachts der ausführlichen Gedankengänge in einem Artikel vs. kurzer Social Media-Posts: vor einigen Jahren unterhielt ich mich mit einer durchaus gebildeten, intelligenten und von mir sehr geschätzten US-amerikanischen Kollegin. Sie folgte meinem Blog schon eine Weile und ließ sich die Beiträge eben übersetzen. Mit einem Stirnrunzeln stellte sie fest, dass es im Deutschen offensichtlich sehr viele verschiedene Wörter und Ausdrücke gibt, die ihr das Übersetzungstool jedoch alle mehr oder weniger gleich ausspuckte. Sie schlussfolgerte, dass meine Beiträge eigentlich viel nuancierter sein mussten, als es die Übersetzung wiedergab. Und stellte im Gespräch fest, dass sie selber auch nicht in der Lage war, andere Worte dafür zu finden – ihr fehlte schlichtweg das sprachliche Werkzeug für diese feinen Abstufungen, die sie allenfalls über Metaphern und Beispiele erklären konnte.
    Umgekehrt fluche ich aber auch durchaus manchmal über die Tatsache, wie sperrig das Deutsche manchmal sein kann. Was im US-amerikanischen Englisch einfach knackig auf den Punkt kommt, wird im Deutschen oft entweder deutlich länger oder wirkt durch die Verknappung eher unbeholfen.
    Vielleicht hat beides seine Daseinsberechtigung… und ergänzt sich im Idealfall.

    • Liebe Anne, ich danke dir für diesen Kommentar und für die Anekdote zur Übersetzung, die mir abermals bestätigt, was ich auf Social Media und Blogs hier ausgeweitet habe, was aber gleiche Gültigkeit auch auf rein sprachlicher Ebene hat: Zu oft konsumieren wir die „Essenz“ einer Sprache, ohne uns die Mühe des eigentlichen Erlebens – des Eintauchens in ihre Tiefe – auszusetzen. Und dieser Punkt – „Mühe des Eintauchens in die Tiefe“ – ist einer, den Social Media gut ausnutzen kann. Auf unser aller Kosten.

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