Tweetbot 2011-2023

Tapbots geben, nachdem es die Iconfactory für Twitterrific bereits getan hat, auf einer berührenden Memorial-Seite das Ende von Tweetbot bekannt.

Nachdem die Iconfactory vorgestern das Ende von Twitterrific angekündigt hat, geben nun auch Tapbots das Ende von Tweetbot bekannt. Die zwei Programmierer der App haben einem der beliebtesten Twitter-Clients – auch ich kannte Twitter praktisch nur durch das Interface von Tweetbot – eine durch ihr berührendes Headerbild würdige Memorial-Seite gewidmet.

On January 12th, 2023, without warning, Elon Musk ordered his employees at Twitter to suspend access to 3rd party clients […] We’ve invested over 10 years building Tweetbot for Twitter and it was shut down in a blink of an eye. We are very sorry to all of our customers who chose Tweetbot as their way to interact with Twitter’s service and we thank you so much for the many years of support and feedback.

In Memory of Tweetbot

Was Elon Musk bzw. Twitter da hingelegt hat, ist richtig ungut gewesen. (Ich habe im Twitterrific-Artikel erläutert, wie Twitter Drittanbieter auf Basis von noch nicht existierenden Nutzungsbedingungen gesperrt hat.) Wenn man sich das von außen ansieht, dann ist es tatsächlich, wie Craig Hockenberry schreibt, eine „Shit Show„. Selten bekommt man so genau mit, wie eine tragende Säule nach der anderen wegbricht, nein, „wegbricht“ ist nicht das richtige Wort, viel eher trifft es: weggesprengt wird. Zuerst die Angestellten, dann Twitterrific, Tweetbot und wahrscheinlich noch einige andere Apps von Drittanbietern. Wer weiß, was noch kommen wird. Aber eines ist klar: Eine App zu entwickeln, die auf dem Service eines Drittanbieters basiert, ist eben eine sehr risikoreiche Sache. (Aber das ist bei hundertprozentigen Abhängigkeiten grundsätzlich so.)

Tapbots setzen zukünftig auf Ivory, einem auf der Codebasis und auf den Erfahrungen aus der Arbeit mit Tweetbot basierenden Client für das offene Twitter namens Mastodon. Ich wünsche den beiden Entwicklern sehr, dass die Sache aufgeht und werde Ivory, egal was, kaufen. RIP Tweetbot.

2 Kommentare

  1. Einfach nur mehr ein Trauerspiel das Ganze – auch, wenns einen nicht mehr wirklich gewundert hat, noch der Tritt, eh schon am Boden liegend. Und wer serviert auf so eine Art und Weise bitte Partnerunternehmen ab (aber okay, ist nicht mein Laden)? Da fällt mir ein, war die „Mimic client“-Geschichte nicht schon 2014 Thema (weiß gar nicht mehr, wurde das zurückgenommen oder nicht exekutiert)?

    Jedenfalls war Tweetbot der Client, weswegen ich Twitter überhaupt noch genutzt hab, die Timeline war für mich schon lange vor der Übernahme unbrauchbar (ich habe damals dazu gebloggt: https://benedikt.io/2019/05/twitter-gezaehmt/). Deine „Ein Tag auf Facebook“-Posts haben mich immer mehr an die Twitter-Timeline erinnert.

    Ivory habe ich angetestet und ist eh cool bzw. Tweetbot sehr ähnlich. Preissteigerung gegenüber Tweetbot aber auch interessant. Software darf und soll auch gern was kosten, aber nachdem ich schon bei Streaming-Diensten ausmisten will, will ich da jetzt nicht gleich wieder ein Jahresabo abschließen – mal sehen …

    • Ha, da geht’s – sorry: ging’s – dir wie mir: Twitter pur kannte ich eigentlich gar nicht. Das war immer per Tweetbot. Und ja, schiach das alles, wie man hier in Wien sagt. Ivory hab ich gekauft, weil ich (a) Tweetbot bezahlt hätte und (b) der Unterschied jetzt nicht so dramatisch ist. Wenn ich vermittels Ivory Mastodon wie Twitter via Tweetbot bekomme – und es fühlt sich jetzt schon sehr ähnlich an -, dann bin ich happy. Sicher, an der einen oder anderen Stelle gibt es noch Bugs, aber, ganz ehrlich, das macht die Sache reizvoll, solange man nicht von Berufs wegen darauf angewiesen ist. Mastodon ist aber so ein, wie soll ich sagen, Trial and Error-Dingsbums, das mich an die Zeiten um 2005 herum erinnert. Good times ;-)

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