Denken an die KI auslagern

Lila Shroff im Atlantic über Menschen, die mittlerweile selbst ganz banale Tasks an eine KI auslagern und mitunter gar nicht mehr anders können als ChatGPT, Claude oder Gemini um Rat zu fragen und um Hilfe zu bitten.

Lila Shroff im Atlantic über eine stetig wachsende Gruppe von Menschen, die sich so sehr an die Präsenz, die Vorteile und Eigenheiten Künstlicher Intelligenzen gewöhnt haben, dass sie neben solchen, die den Einsatz von KI rechtfertigen, bisweilen auch ganz banale Tasks oder solche, auf die eine KI die Antwort gar nicht wissen kann, an ChatGPT, Anthropic und wie sie alle heißen auslagern.

Many people are becoming reliant on AI to navigate some of the most basic aspects of daily life. […] AI has become a primary interface through which they interact with the world. The emails they write, the life decisions they make, and the questions that consume their mind all filter through AI first.

Lila Shroff

Wenn eine solche Nutzung der KI von der Ausnahme zur Regel wird, dann bestärkt mich das umso mehr in meiner Annahme, dass es ein stilles, wenn auch offensichtliches Geschäftsmodell der großen KI-Anbieter ist, die Abhängigkeit von Userinnen und Usern zu ihren jeweiligen Chatbots herzustellen und zu fördern. Ist das einmal gelungen und will der Mensch dem Chatbot selbst einfachste kognitive Aufgaben übergeben, dann klingt das zwar bizarr und unwirklich, ist aber (bei einer Gruppe von Menschen) bereits allgegenwärtig, wie das folgende Beispiel zeigt.

James Bedford […] started using LLMs almost daily after ChatGPT’s release. Over time, he found that his brain was defaulting to AI for thinking […] One evening, he was trying to help a woman retrieve her AirPod, which had fallen between the seats on the train. He noticed that his first instinct was to ask ChatGPT for a solution. “It was the first time I’d experienced my brain wanting to ask ChatGPT to do cognition that I could just do myself,” he said. That’s when he realized “I’m definitely becoming reliant on this.” After the AirPod incident, he decided to take a month-long break from AI to reset his brain. […] „As much as I enjoyed that clarity, I still went straight back to AI afterwards.“

Lila Shroff

Aber ich will mich nicht in die Schusslinie begeben, um auszusprechen, was (für mich) offensichtlich ist. Lassen wir das Lila Shroff und die Personen, mit denen sie Interviews geführt hat, gleich selbst tun.

The trouble with AI tools is that they seem to “exploit cracks in the architecture of human cognition” […]. The human brain likes to conserve energy and will take available shortcuts to do so. “It takes a lot of energy to do certain kinds of thought processes,“ […] meanwhile, “a bot is sitting there offering to take over cognitive work for you.” In other words, using AI to write your emails isn’t laziness so much as it is a naturally adaptive behavior. Chatbots are engineered to take advantage of this human tendency by offering compelling answers to any query, even if many of those answers are false or misleading. […] Even if the chatbot’s responses are completely off-base or unhelpful, they give people something to do other than sit with their discomfort, Carl Erik Fisher, an addiction psychiatrist at Columbia University, told me. […] But there’s a tension here. For OpenAI and other chatbot makers, dependence is the business model. The more people rely on AI for their personal and professional lives, the more these businesses stand to gain. […] Many of the power users […] shell out hundreds of dollars each month for premium AI subscriptions.

Lila Shroff

Das klingt für mich ein bisschen wie Nasenspray: An sich ein nützliches Ding, wer sich aber zu sehr daran gewöhnt, wird abhängig. Die Hersteller der KIs werben mit ihrer Nützlichkeit, hoffen aber auf ihre Abhängigkeit, denn nur so gelingt es ihnen, und hier wiederhole ich des obigen Zitats letzte Zeilen, Premium-Abonnements zu verkaufen.

Die Lektüre von Lila Shroffs Artikel lohnt sich, weil sie auf viele (Blog-) Beiträge Betroffener verlinkt, in denen sie über die Momente berichten, in denen sie ihre Abhängigkeit von einem Chatbot bzw. einer KI bemerkt und welche Maßnahmen, diese Abhängigkeit einzuschränken, sie unternommen haben. Besonders interessant an den Artikeln finde ich, dass sie vornehmlich von Menschen verfasst sind, die in tendenziell geistig anspruchsvollen tätig sind. Über eine solche, der Sucht bereits nahestehende Verwendung von Hämmern oder Taschenrechnern habe ich noch nie gelesen.

3 Kommentare

  1. Nun, immer wenn alle oder bestimmte KI-Plattformen für etliche Stunden nicht verfügbar sind, spielen sich bei LinkedIn Szenen wie die Teenager anlässlich der Trennung von Take That ab. Und all jene, die laut Selbstbeschreibung „KI-Experte“ sind und vorher Experte für irgendwas anderes Angesagtes waren, haben plötzlich einen Tag lang nichts Sinnvolles zu tun.

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