Gestern ist die Google-Aktie (eigentlich „Alphabet“) böse abgesackt. „Größter Kursrutsch der Unternehmensgeschichte“, schlimmer als in und nach der Finanzkrise 2008 und so weiter und so fort. Bevor wir uns ansehen, was Ars Technica zur Sache schreibt, denken wir ganz scharf nach, woran das wohl liegen könnte. Mir ist klar, dass die Börse sich nicht mit den Kinkerlitzchen des Faktischen abgibt, aber in diesem besonderen Fall stellen sich unsere Freunde von der Wall Street und anderen Straßen doch wohl auch die eine Frage, die wir uns alle stellen: Wie kann Google mit AI Overviews, die ohnehin schon zu kaum irgendwelchen Klicks nach außen führen, Geld verdienen, um die gigantomanischen Ausgaben für Aufbau und Erhalt dieser AI-Infrastruktur aufzufangen? Ja, das ist die richtige Frage.
During the earnings call, Chief Business Officer Philipp Schindler discussed the company’s search volume. […] In the last quarter, Google saw search grow by 12 percent versus last year. […] That’s a much slower rate than previous quarters. […] The other issue is that Google’s take on AI search isn’t pulling in revenue like standard web search yet. […] AI Mode query earns less revenue compared to a similar web search—there are fewer ads, and they cost less to run.
arstechnica
Okay, das ist also bestätigt. Außerdem bevorzugen Menschen mittlerweile von einer KI generierte Ergebnisse nicht nur, weil sie einfacher, schneller und konkreter sind, sondern auch, weil dort keine Werbung angezeigt wird. Das ist zwar kein Grund a priori für die Nutzung von KI, aber einer, der sich ex post manifestiert: Wer mit KI keine Lösung findet und auf die normalen Suchergebnisse zurückfällt, ist nicht selten schockiert, wieviel Werbung und SEO-Müll dort angezeigt wird. Google hat sich da also ordentlich ins eigene Fleisch geschnitten.
Was macht Google als Reaktion auf die gefährlichen Trends? Was unternimmt Google als Ausgleich fürs einbrechende Umsatzwachstum bei gleichzeitig steigendem Suchvolumen?
Google announced an expansion of ads in AI Mode. If you do decide to dip into Google’s search chatbot, you’ll probably see more contextual advertising. […] Google will implement multi-turn ads. That means the sponsored links will change continuously as you engage in a back-and-forth with the robot.
arstechnica
Das ist eine risikoreiche Wette, die aus meiner winzigen und uninformierten Sicht auf der Annahme beruht, keinen relevanten Mitbewerb zu haben. Dass ein ChatGPT, ein Claude, ein Grok oder sonst ein Player einfach die Websuche so integriert, dass Google von der Lösung zur Option wird, ist hier – so scheint es mir – nicht mit einberechnet. Dass die Suche als solche infrage gestellt werden kann, weil Anbieter ihre Daten nicht mehr finden lassen, sondern aktiv irgendwohin pushen, sehe ich auch nicht in der Risikokalkulation.
Aber was weiß ich schon.
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